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2.4 · Basistherapiemaßnahmen

Abb. 2.20. Applikation von Augentropfen. Bei vielen Augenkrankheiten muss der Patient selbst lernen, die Tropfen anzuwenden. Dies geschieht am besten in Rückenlage. Der Arzt darf bei der Tropfenapplikation die Wimpern oder die Hornhaut nicht berühren, damit das Tropffläschchen nicht mit Keimen infiziert wird

Abb. 2.21. Applikation von Augensalbe

31

2

 

2.4.3 Anlegen eines Augenverbands

AlsAugenverband verwendet man zwei ovale Lagen Verbandstoff, zwischen denen sich Verbandwatte befindet (vorgefertigt). Die sterile, dem Auge zugewendete Seite darf nicht angefasst werden. Zwei hautfreundliche, etwas schräg nach außen unten geklebte Heftpflasterstreifen halten den Verband ( Abb. 2.22). Der Verband soll das Auge vor äußeren Einwirkungen schützen und gleichzeitig Sekret und Tränen auffangen.Bei einem Defekt des Hornhautepithels (Erosio) sollte der Verband so angelegt werden, dass das Lid geschlossen bleibt, damit der Verband nicht auf der Oberfläche reiben kann.

!Bei Säuglingen und Kleinkindern darf ein Verband nicht oder nur kurzzeitig (1/2 Tag) angelegt werden, da sich sonst am betroffenen Auge eine Sehschwäche (Amblyopie) entwickeln kann.

2.4.2 Spülen des Auges

Bei Verätzungen muss notfallmäßig gespült werden. Hierfür ist es wesentlich, die Lider zu ektropionieren ( Abb. 6.1 – 6.3). Falls LokalanästhetikaAugentropfen vorhanden sind, wendet man sie an, um den reflektorischen Lidkrampf zu beseitigen. Nach dem Ektropionieren spült man mit Wasser oder Pufferlösung (Ringer-Laktat oder Balanced

Salt Solution = BSS) ( Kap. 7.5.1). Abb. 2.22. Anlegen eines Augenverbandes

32 Kapitel 2 · Augenuntersuchung und Basistherapiemaßnahmen

In Kürze

Erhebung der Anamnese. Bei der Anamneseerhebung ist nach Sehverschlechterung

2(Dauer, welches Auge, plötzlich?), Schmerzen, Doppelbildern und anderen Störungen zu fragen.

Untersuchungsgang. Bei der Untersuchung ist nach der Inspektion des äußeren Auges auch eine Untersuchung des Augenvorderabschnittes in fokaler Beleuchtung mit einer 20-dpt- Lupe hilfreich.

Diagnostik bei Verdacht auf Schielen. Manifestes und latentes Schielen erkennt man mit den verschiedenen Techniken des Abdecktests.

Untersuchung der Pupille. Die efferente Störung der Pupille erkennt man meist an der unterschiedlichen Pupillenweite, die afferente Störung mit Hilfe des Wechselbelichtungstests an der geringeren Pupillenverengung der kranken Seite.

Untersuchung der brechenden Medien. Für die Untersuchung der brechenden Medien (Hornhaut, Linse, Glaskörper) benützt man das direkte Ophthalmoskop im durchfallenden Licht.

Ophthalmoskopie. Bei der direkten Ophthalmoskopie im aufrechten Bild erscheint der Augenhintergrund des Patienten in 16facher Vergrößerung, bei der indirekten Ophthalmoskopie entsteht ein umgekehrtes Bild in 4,5facher Vergrößerung.

Prüfung der Sehschärfe. Die Sehschärfe prüft man als Nicht-Ophthalmologe mit Sehprobentafeln, das Gesichtsfeld orientierend mit dem Konfrontationstest.

3

Untersuchungsmethoden des Ophthalmologen

3.1

Ablauf einer augenärztlichen Untersuchung

– 34

3.2

Prüfung der Sehschärfe und Refraktion

– 34

 

3.2.1

Prüfung der Sehschärfe – 34

 

 

 

3.2.2

Refraktionsbestimmung und Brillenverordnung – 37

3.3

Untersuchung des Auges an der Spaltlampe

– 40

3.3.1

Grundlagen

– 40

 

 

 

3.3.2

Durchführung

– 40

 

 

 

3.4

Untersuchungsmethoden der Netzhaut

– 42

 

3.4.1

Ophthalmoskopie – 42

 

 

 

3.4.2

Spaltlampenmikroskopie der Netzhaut

– 42

 

 

3.4.3

Fluoreszenzangiographie der Netzhaut

– 42

 

 

3.4.4

Diasklerale Durchleuchtung – 43

 

 

 

3.5

Gesichtsfeldprüfung (Perimetrie)

– 43

 

 

3.5.1

Grundlagen

– 43

 

 

 

3.5.2

Durchführung und Bewertung der Perimetrie

– 44

 

3.6

Prüfung der Kontrastempfindlichkeit – 48

 

3.7Untersuchung der Dunkeladaptation und des Dämmerungs-

und Nachtsehens – 48

3.7.1

Grundlagen

– 48

3.7.2

Durchführung

– 49

3.8

Untersuchung des Farbensinns – 50

3.8.1

Grundlagen – 50

3.8.2

Durchführung und Auswertung – 50

3.9Ultraschalluntersuchung (Sonooder Echographie)

 

am Auge

– 51

3.9.1

Grundlagen

– 51

3.9.2Indikationen 52

3.10

Elektrophysiologische Untersuchungen – 53

3.10.1

Elektroretinographie (ERG)

– 53

3.10.2

Elektrookulographie (EOG)

– 55

3.10.3

Ableitung visuell evozierter kortikaler Potenziale (VECP) – 55

3.11

Sonstige Verfahren – 55

3.12

Untersuchung von Kindern – 56

34 Kapitel 3 · Untersuchungsmethoden des Ophthalmologen

> > Einleitung

In diesem Kapitel werden die Untersuchungsmethoden des Ophthalmologen beschrieben. Der Nicht-Ophthalmologe soll sie so weit kennen,

3dass er versteht, welche diagnostische Abklärung er vom Ophthalmologen erwarten kann.

Das Studium dieses Kapitels ist nicht unbedingt Voraussetzung für das Verständnis der nachfolgenden Kapitel, hilft aber die Untersuchungsergebnisse und Befunde der klinischen Krankheitsbilder zu verstehen.

3.1Ablauf einer augenärztlichen Untersuchung

Zu jeder augenärztlichen Untersuchung gehören in der Regel

Anamnese (Augen-, Allgemeinund Familienanamnese),

Prüfung der Sehschärfe und Refraktion,

Untersuchung der Pupillenreaktion ( Kap. 2 und 10),

Untersuchung der Augenmotilität ( Kap. 2, 21 und 22),

Untersuchung des vorderen Augenabschnitts an der Spaltlampe,

Tonometrie (mindestens bei Patienten,die älter als 40 Jahre sind, oder bei Verdacht auf erhöhten Augeninnendruck, z.B. bei positiver Familienanamnese) ( Kap. 17),

Ophthalmoskopie des zentralen Fundus und der mittleren Netzhautperipherie,

Untersuchung der Netzhaut in Mydriasis bei jeglichem Verdacht auf Netzhauterkrankungen sowie vorbeugend bei Myopie.

Je nach Befund sind Zusatzuntersuchungen indiziert, wie die Prüfung des Gesichtsfeldes, des Farbensinns, der Kontrastempfindlichkeit oder der Dunkeladaptation, eine Ultraschall-, elektrophysiologische oder radiologische Untersuchung.

3.2Prüfung der Sehschärfe und Refraktion

3.2.1 Prüfung der Sehschärfe

Grundlagen

Als Sehschärfe (Visus cum correctione, V. c. c., »korrigierte Sehschärfe«) bezeichnet man die Fähigkeit des Auges, zwei Objektpunkte bei optimaler Korrektur von Refraktionsfehlern (durch Brillengläser oder Kontaktlinsen) getrennt wahrzunehmen. Das Auflösungsvermögen des Auges ohne Korrektur von Refraktionsfehlern bezeichnet man als Sehleistung (Visus naturalis, Visus sine correctione,V. s. c.,»Rohvisus«).

Das Auge kann zwei Objektpunkte dann getrennt wahrnehmen, wenn in der Fovea centralis die Beugungsfiguren der beiden abgebildeten Punkte so liegen, dass das Maximum der einen Figur gerade in das Minimum der anderen Figur fällt.Dies ist bei einem Abstand der Figuren von ca. 1 Winkelminute der Fall. Hierauf basieren die Zeichen,die zur Prüfung der Sehschärfe verwendet werden (Optotypen): Die für die Optotypen verwendete Strichstärke sowie die Zwischenräume zwischen den Balken der E-Haken nach Pflüger bzw. die Lücke der Landolt-Ringe ( Abb. 3.1) erscheinen unter einem Gesichtswinkel von 1 Winkelminute oder einem Vielfachen davon (SnellenPrinzip).

Man hat sich darauf geeinigt, als normale Sehschärfe (1,0) das richtige Erkennen von E-Haken nach Pflüger oder Landolt-Ringen zu bezeichnen, deren Strichstärke und Zwischenräume zwischen den Balken bzw. Lücke unter einem Sehwinkel von 1 Winkelminute erscheinen ( Abb. 3.1): Als »Visus« oder »Sehschärfe« bezeichnet man den Kehrwert desjenigen Sehwinkels, der gerade noch aufgelöst werden kann (»Grenzwinkel«).

1

Visus = 00008 Grenzwinkel a (Winkelmin)

Kann eine Person nur einen Sehwinkel von 2 Winkelminuten auflösen, dann hat sie eine Sehschärfe von 1/2 = 0,5, bei einer Auflösung von 4 Winkelminuten 1/4 = 0,25 usw.Es entsteht also eine nahezu logarithmische Skala, die der subjektiven Sinnes-

3.2 · Prüfung der Sehschärfe und Refraktion

5

 

m

 

 

a

a = eine Winkelminute

a

 

Abb. 3.1. Prüfung der Sehschärfe in der Ferne. Im gezeigten Fall beträgt die Sehschärfe 1,0, denn die Zwischenräume zwischen den Balken des E-Hakens nach Pflüger (links) bzw. die Lücke des Landolt-Rings (rechts) und die für beide Optotypen verwendete Strichstärke erscheinen aus einer Entfernung von 5 m unter einem Gesichtswinkel von 1 Winkelminute

empfindung eher entspricht als eine lineare Skala. Nicht selten findet man Menschen mit einer Sehschärfe von 1,25 oder 1,6. Sie können kleinere Sehwinkel als 1 Winkelminute auflösen.

Die Sehschärfe ist maximal in der Fovea centralis und sinkt zur Peripherie hin rasch ab ( Abb. 3.2), denn in der Peripherie sind mehrere Photorezeptoren mit einer Ganglienzelle verschaltet, die Zahl der Zapfen ist geringer, die der Stäbchen (die erst in der Dämmerung ihre Funktion aufnehmen) größer als in der Fovea. Schon 10° außerhalb der Fovea (exzentrisch) beträgt die Sehschärfe nur noch 0,1.

Die Prüfung der Sehschärfe ist eine subjektive Untersuchungsmethode, bei der der Arzt auf die Mitarbeit des Patienten angewiesen ist. Artefakte können durch Unaufmerksamkeit des Patienten, aber auch durch absichtlich fehlerhafte Angaben (Simulation,Aggravation) zustande kommen.

35

3

 

Abb. 3.2. Sehschärfe in der Fovea centralis (im Nullpunkt der Abszisse) und in der Netzhautperipherie. Der Abschnitt links des Nullpunkts auf der Abszisse zeigt die Netzhautperipherie nasal der Fovea, wo sich (12–17° parafoveal) der blinde Fleck befindet (schwarze Markierung), der Abschnitt rechts des Nullpunkts auf der Abszisse zeigt die Netzhautperipherie temporal der Fovea

Durchführung und Auswertung

Prüfung der Sehschärfe in der Ferne und Nähe

Durchführung. Als erstes prüft man die Sehschärfe in der Ferne jedes Auges einzeln (ein Auge abgedeckt; Abb. 2.17), zunächst ohne Korrektur, dann mit Brille bzw. Kontaktlinse.

Prüfung der Sehschärfe mit dem Sehzeichenprojektor. Hierzu lässt man den Patienten Optotypen lesen, die ihm in 5 m Abstand mittels eines Sehzeichenprojektors dargeboten werden (wie bei Sehprobentafeln zuerst große, dann immer kleinere Optotypen). Der Sehzeichenprojektor muss über oder neben dem Patienten angebracht sein, damit die Optotypen unabhängig von der Prüfentfernung immer unter dem gleichen Sehwinkel erscheinen.Für die Beleuchtungsbedingungen und den Leseabstand gilt die Din-Norm 58220. Bei modernen Sehzeichenprojektoren ist die Größe der Optotypen so gehalten, dass drei Sehschärfestufen jeweils einer Sehwinkelverdoppelung entsprechen (die Sehwinkelverdoppelung ist jeweils fett gedruckt): 0,05; 0,08; 0,1; 0,125; 0,16; 0,2; 0,25; 0,32; 0,4; 0,5; 0,63; 0,8; 1,0; 1,25; 1,6; 2,0.

36 Kapitel 3 · Untersuchungsmethoden des Ophthalmologen

!Es ist falsch, die Sehschärfe in Prozent (also etwa 1,0 = 100 %) anzugeben. Hat sich die Sehschärfe nämlich bei einem Patienten von 0,1 auf 0,2 verbessert, dann hätte er bei den (falschen) prozentualen Angaben 10 % hin-

3zugewonnen, in Wirklichkeit hat sich aber seine Sehschärfe verdoppelt, d. h. sein Auflö-

sungsvermögen (»Grenzwinkel«) hat von 10 Winkelminuten (1/10 = 0,1) auf 5 Winkelminuten (1/5 = 0,2) zugenommen. Wenn die

Sehschärfe von 0,5 auf 1,0 ansteigt, meint der Laie, die Sehschärfe habe sich um 50 % gebessert, in Wirklichkeit hat sich der »Grenzwinkel« ebenfalls nur verdoppelt (von 2 Winkelminuten (1/2=0,5) auf 1 Winkelminute (1/1=1,0)).

Prüfung der Sehschärfe mit Sehprobentafeln.

Die einfache Sehschärfeprüfung mit Sehprobentafeln wurde in Kap. 2 erklärt. Hierbei drückt man die Sehschärfe durch einen Bruch aus, bei dem im Zähler der Abstand zwischen Patient und Sehprobentafel (Prüf-Entfernung) und im Nenner die Entfernung angegeben ist, in der die Strichstärke und die Zwischenräume der Optotypen unter einem Sehwinkel von 1 Winkelminute erscheinen sollen (Soll-Entfernung):

Prüf-Entfernung (m)

Visus = 0005

Soll-Entfernung (m)

Für wissenschaftliche Untersuchungen gibt es standardisierte Sehproben-Leuchttafeln, deren Helligkeit und Kontrast genau festgelegt ist, da die angegebene Sehschärfe auch von diesen Parametern abhängt (EDTRS-Tafeln). Für Gutachten sollen spezielle, genormte Sehzeichenprojektoren mit Landolt-Ringen, nicht diejenigen mit Zahlen verwendet werden.

Prüfung der Sehschärfe in der Nähe. Immer prüft man auch die Sehschärfe jedes Auges in der Nähe. Hierzu benutzt man standardisierte kleine Lesetafeln, die vom Patienten in Leseentfernung gehalten werden und in der Schriftgröße annähernd nach dem Snellen-Prinzip gearbeitet sind. Die gebräuchlichsten sind die Lesetafeln von Birkhäuser und die von Nieden.

Die Untersuchung bei stark herabgesetzter Sehschärfe ist in Kap. 2, die Prüfung der Sehschärfe bei Kindern in Kap. 3.12 geschildert.

Auswertung. Die Sehschärfe in der Ferne ist ein Maß für die Funktion der Netzhautmitte (Fovea), wenn die brechenden Medien klar sind und die Refraktion richtig ausgeglichen ist. Die Lesefähigkeit in der Nähe hängt neben der Sehschärfe auch vom Erkennen von Worten und Sätzen ab. Ein gesundes Auge kann die Lesetafel Nieden Nr. 1 in 40 cm Abstand lesen. Eine Beeinträchtigung des Nahvisus bei wenig beeinträchtigtem Fernvisus weist auf parazentrale Gesichtsfelddefekte (bei einer Erkrankung der Makula) hin. Bei zentraler Linsentrübung ist die Sehschärfe in der Nähe ebenfalls vermindert, da die Naheinstellungsreaktion des Auges zu einer Pupillenverengung führt und dann die klaren äußeren Linsenanteile von der Bildentstehung ausgeblendet werden.

Für viele Verrichtungen des täglichen Lebens genügt eine Sehschärfe von 0,5–0,6.Natürlich ist es die Aufgabe des Augenarztes, die optimale Korrektur einer Fehlsichtigkeit zu verordnen.

!Jede Sehschärfeherabsetzung, die nicht durch Brillengläser korrigiert werden kann, weist auf eine Augenerkrankung hin und muss umgehend abgeklärt werden.

Prüfung der retinalen Funktion

bei reduziertem Einblick auf den Augenhintergrund

Eine starke Trübung der brechenden Medien (meist der Linse) kann die Sehschärfe so stark mindern, dass sich die Funktion der Netzhaut nicht mehr genau beurteilen lässt. Dann geben zwei Untersuchungsmethoden Aufschluss über die Funktion der Netzhaut:

die Aderfigur der Netzhautgefäße (PurkinjeAderfigur). Durch sie prüft man, ob größere Netzhautareale ausgefallen sind: Hierzu bewegt man eine helle Lichtquelle dicht über der Sklera. Bei intakter Netzhaut sieht der Patient in allen Quadranten ein Strichmuster, das wie Flüsse auf einer Landkarte oder Adern eines herbstlichen Blattes aussieht und durch die wandernden Schatten seiner Netzhautgefäße

37

3

 

3.2 · Prüfung der Sehschärfe und Refraktion

erzeugt wird. Die Schatten der Netzhautgefäße, die man normalerweise nicht wahrnimmt,werden sichtbar, weil das Licht schräg, nämlich durch die Sklera einfällt und der Schatten der Gefäße auf andere Sinneszellen fällt als bei Lichteinfall durch die Pupille. Ein fehlendes oder nicht in allen Quadranten vorhandenes Gefäßmuster zeigt Gesichtsfeldausfälle an. Dann würde der Patient durch eine Entfernung der getrübten Linse (Kataraktoperation) wenig gewinnen. Zur Sicherheit prüft man die Wahrnehmung der Lichtprojektion oder der Aderfigur wiederholt im Dunkelzimmer bei sorgfältig verschlossenem 2.Auge ( Kap. 2).

Das Retinometer misst das retinale Auflösungsvermögen der Netzhautmitte (»retinale Sehschärfe«) mit Hilfe von Interferenzstreifen, die durch zwei kohärente Laserstrahlen auf der Netzhaut entstehen. Je nach Abstand der Laserlichtquellen entstehen grobe oder feine Interferenzstreifen. Das feinste Streifenmuster, das der Patient noch wahrnimmt, entspricht seinem retinalenAuflösungsvermögen.Hieraus lässt sich abschätzen, ob nach einer Staroperation Lesefähigkeit erreicht werden kann oder nicht, z.B. bei einer gleichzeitig bestehenden Degeneration der Makula.

3.2.2Refraktionsbestimmung und Brillenverordnung

Grundlagen

Als Refraktion bezeichnet man das Verhältnis der Brechkraft von Hornhaut und Linse zur Achsenlänge des Augapfels. Normal ist eine Gesamtbrechkraft von etwa 63 dpt (Brechkraft der Hornhaut: ca. 43 dpt, Brechkraft der Linse ca. 20 dpt) und eine Achsenlänge von etwa 24 mm. Ein normalsichtiges (emmetropes) Auge vereinigt alle in sagittaler Richtung parallel einfallenden Strahlen auf der Fovea.

Eine Abweichung vom Normalzustand nennt man Ametropie, (Fehlsichtigkeit, Refraktionsanomalie). Sie entsteht am häufigsten durch Kurzbau oder Langbau des Auges (Achsenametropie), seltener durch eine Veränderung der Brechkraft (Brechungsametropie). Das weitsichtige

(hyper(metr)ope) Auge ist gewöhnlich zu kurz,das kurzsichtige (myope) Auge zu lang gebaut; die Korrektur erfolgt entsprechend durch Plusgläser (Sammellinsen, bei Hyperopie) bzw. Minusgläser (Zerstreuungslinsen,bei Myopie).Ist die Hornhaut nicht kugelförmig (sphärisch) gewölbt, sondern variiert die Brechkraft innerhalb der Hornhaut, werden Lichtstrahlen nicht zu einem Punkt (griechisch: Stigma) vereinigt (Astigmatismus, Brennpunktlosigkeit). Beim »regulären« Astigmatismus hat ein Meridian eine andere Brechkraft als der senkrecht darauf stehende Meridian. Die Meridiane unterschiedlicher Brechkraft bezeichnet man als Hauptschnitte. Die Korrektur des Astigmatismus erfolgt mit Zylindergläsern; sie brechen das Licht nur in einer Richtung. Die Zylinderachse ist die nicht-lichtbrechende Richtung des Zylinderglases (Einzelheiten Kap. 19).

Zur Bestimmung der Gesamtbrechkraft eines Auges (Refraktionsbestimmung) existieren objektive und subjektive Untersuchungsmethoden:

Objektive Methoden sind Refraktometrie und Skiaskopie. Sie sind die Grundlage der Brillenverordnung und erlauben dem Arzt, sich bei dem stets notwendigen subjektiven Feinabgleich der Brillenstärke auf einen engen Bereich zu beschränken.Sie sind auch indiziert bei Kindern, die schielen oder bei denen der Verdacht auf Schielen besteht, sowie bei Personen, deren Angaben nicht zuverlässig sind.

Bei der subjektiven Methode des Refraktionsabgleichs wird die Gläserstärke entsprechend den Angaben des Patienten systematisch optimiert, wobei der Patient angibt, ob ein Sehzeichen besser oder schlechter sichtbar wird bzw. gleichbleibt. Hierzu verwendet der Augenarzt einen Sehzeichenprojektor und verändert die Gläserstärke mittels Phoropter ( Abb. 3.6).Für kooperative Patienten haben sie Sehprobentafeln ( Abb. 2.18),Brillenkasten ( Abb. 3.3) und Brillenmessgestell ( Abb. 3.4) aus dem Instrumentarium des Ophthalmologen verdrängt, u.a. weil Sehprobentafeln im Laufe der Zeit verschmutzen und der Kontrast dadurch nachlässt.

38 Kapitel 3 · Untersuchungsmethoden des Ophthalmologen

3

Abb. 3.3. Brillenkasten. Links Minusgläser (rot), rechts Plusgläser (schwarz), in der Mitte Zylindergläser (Plusund Minuszylinder), Probiergestell

Abb. 3.4. Brillenmessgestell. Der Pupillenabstand und der Abstand des Gestells vom Nasenrücken sowie die Länge der Bügel sind verstellbar. Die Fassungen für die Gläser sind drehbar, damit (bei Astigmatismus) verschiedene Zylinderachsen eingestellt werden können

Durchführung der Refraktionsbestimmung

Refraktometrie

Bei der Refraktometrie wird die erforderliche Brillenstärke des Patienten bestimmt.

Durchführung. Vor der Untersuchung muss man Kindern, da sie den Ziliarmuskel nicht willentlich entspannen können, zur Ausschaltung der Akkommodation innerhalb von 30 Minuten 3-mal Cyclopentolat-Augentropfen verabreichen, bei Erwachsenen ist dies meist nicht notwendig.

Das manuelle Refraktometer projiziert eine Strichfigur durch die Pupille auf die Netzhaut. Der Untersucher sieht die Abbildung der Strichfigur auf der Netzhaut des Patienten und schaltet Linsen in den Strahlengang, bis die Abbildung scharf ist. Beim automatischen Refraktometer stellt ein Computer die Abbildung scharf. Diese Geräte werden heute fast ausschließlich verwendet, ersetzen aber nicht den subjektiven Feinabgleich (s. o.).

Skiaskopie (Schattenprobe)

Die Skiaskopie dient der Messung der Brechkraft, insbesondere bei Kleinkindern und Säuglingen.

Durchführung. Auch vor dieser Untersuchung muss bei Kindern die Akkommodation mittels Cyclopentolat-Augentropfen (3-malige Applikation innerhalb von 30 Minuten) ausgeschaltet werden.

Das elektrisch betriebene Handskiaskop wirft Licht in die Pupille des Untersuchten, die rot aufleuchtet (Lichtreflex). Der Arzt sitzt 50 cm vor dem Patienten. Ohne vorgeschaltetes Glas sieht er beim Drehen des Skiaskops um dessen vertikale Längsachse, wie der Lichtreflex in der Pupille wandert, und zwar gleichläufig oder gegenläufig zur Drehrichtung des Skiaskops ( Abb. 3.5). Nun schaltet der Arzt eine Linse der Stärke +2 dpt vor, um im Falle der Emmetropie (bei der der Brennpunkt im Unendlichen liegt) das vom Augenhintergrund zurückfallende Licht auf den Untersuchungsabstand von 50 cm zu fokussieren. Wandert der Lichtreflex in der Pupille nun mit der Bewegungsrichtung des Skiaskops, dann liegt der Schnittpunkt der vom Augenhintergrund reflektierten Lichtstrahlen hinter dem Untersucher: Es liegt Hypermetropie vor. Der Arzt schaltet dann so lange Plusgläser vor das Auge des Patienten,bis der Neutralisationspunkt erreicht ist, d.h. der Punkt, an welchem der Lichtreflex nicht mehr wandert, sondern die Pupille bei Drehbewegungen des Skiaskops nur kurz rot aufleuchtet (Flackerpunkt). Wandert der Lichtreflex in der Pupille gegenläufig zur Bewegungsrichtung des Skiaskops, liegt der Schnittpunkt der vom Augenhintergrund reflektierten Lichtstrahlen vor dem Untersucher: Es liegt Myopie vor. Dann schaltet der Arzt zusätzlich zur +2-dpt-Linse Minusgläser ein, bis der Flackerpunkt erreicht ist.

3.2 · Prüfung der Sehschärfe und Refraktion

Abb. 3.5. Skiaskopie. Der obere Teil jeder Abbildungshälfte zeigt das vom Augenhintergrund zurückfallende Licht. Der untere Teil jeder Abbildungshälfte zeigt die Pupille. Schwarz: Die Pupille erscheint dunkel. Rot: Die Pupille leuchtet rot auf. a Bei Hypermetropie, Emmetropie oder ganz geringer Myopie liegt der Schnittpunkt der aus dem Auge austretenden Strahlen hinter dem Untersucher.

Der Lichtreflex wandert mit der Bewegungsrichtung des Skiaskops (von links nach rechts). b Bei höherer Myopie liegt der Schnittpunkt der aus dem Auge austretenden Strahlen vor dem Untersucher. Der Lichtreflex in der Pupille

wandert entgegen der Bewegungsrichtung a des Skiaskops

 

 

tu

 

rich

eh

 

Dr

 

 

ng

d

es

 

Skiaskops

39

3

 

Strahlengang des rückfallenden Lichts bei Hyperopie

Skiaskop-Kopf (Durchblicksöffnung)

Auge (Pupille)

Wanderung des Rotreflexes

Skiaskoplicht

Skiaskop-Kopf

b

Strahlengang des rückfallenden Lichts bei Myopie

Skiaskop-Kopf (Durchblicksöffnung)

Auge (Pupille)

Wanderung des Rotreflexes

Skiaskoplicht

Skiaskop-Kopf

ehrichtung des Skiasko

ps

Dr

Bei Erwachsenen verwendet man zur Skiaskopie den Phoropter ( Abb. 3.6), an dem man den +2-dpt-Entfernungsausgleich getrennt von den zum Ausgleich einer Refraktionsanomalie dienenden Linsen einschalten kann. Bei Kindern muss man mit vorgehaltenen Brillengläsern skiaskopieren.

Eine schnelle Orientierung hinsichtlich der Refraktion ist mit Skiaskopierleisten möglich. Dies sind Latten, in die Gläser in abgestufter Stärke eingelassen sind, so dass durch senkrechtes Verschieben der Latte vor dem Auge ein rascher Glaswechsel möglich ist,was insbesondere bei Kindern von Vorteil ist.

Bei Astigmatismus skiaskopiert man beide Hauptschnitte am einfachsten mit einer strichförmigen Lichtquelle (Strichskiaskop). Hierzu muss man das Strichskiaskop sowohl in Richtung der Astigmatismusachse bewegen als auch senkrecht

dazu. Von Mitläufigkeit (Bewegung des Lichtreflexes in Richtung der Bewegung des Skiaskops) kommend ändert man sphärische Gläser zunächst so weit, bis der erste Flackerpunkt erreicht ist, der Lichtreflex in der dazu senkrechten Achse aber noch mitläufig ist. Dann skiaskopiert man senkrecht dazu mit sphärischen Gläsern weiter, bis der Flackerpunkt auch in diese Richtung erreicht ist. Die Differenz zwischen beiden Gläserstärken gibt den Zylinderwert (ausgedrückt als Plus-Zylinder; »plus« bedeutet Sammellinse) und die Richtung der Achse die Pluszylinder-Achse an.

Beispiele. Um die Refraktion des untersuchten Auges zu ermitteln, muss der Arzt die +2 dpt, die er nur wegen des Untersuchungsabstandes von 50 cm vor das Auge geschaltet hat, von den insgesamt vorgesetzten Linsen natürlich abziehen:Das Auftreten des Flackerpunkts bei einer Stärke der

40 Kapitel 3 · Untersuchungsmethoden des Ophthalmologen

3

Abb. 3.6. Moderne Untersuchungseinheit. Der Patientenstuhl ist elektrisch verstellbar. Der Phoropter, der wie eine riesige Brille aussieht, wird vor die Augen des Patienten geschwenkt. Durch Knopfdruck am Schaltpult (rechts) werden die für die Refraktionsbestimmung und Korrektur von Fehlsichtigkeit benötigten Gläser vorgeschaltet, die staubdicht und unverkratzbar im Phoropter untergebracht sind. Die Untersuchungsgeräte (rechts: Spaltlampe, Keratometer) werden auf einem beweglichen Schiebetisch vor den Patienten gefahren

insgesamt vorgesetzten Linsen von +4 dpt bedeutet eine Hypermetropie von +2,0 dpt,Flackerpunkt bei einer Stärke der insgesamt vorgesetzten Linsen von +1 dpt bedeutet eine Myopie von –1 dpt. Beträgt die Stärke der insgesamt vorgesetzten Linsen bei Auftreten des Flackerpunkts –1 dpt, liegt eine Myopie von –3 dpt vor.

Methode und Strahlengang bei der Skiaskopie zu verstehen,ist schwierig.Zum besseren Verständnis von Abb. 3.5 empfiehlt sich,nach dem Studium von Kap. 19 nochmals obigen Abschnitt über Skiaskopie zu wiederholen.

Dokumentation der Refraktionswerte

Zuerst notiert man für jedes Auge getrennt die Sehleistung (Auflösungsvermögen des Auges ohne Korrektur, Rohvisus), dann das optimal korrigierende Brillenglas und schließlich die Sehschärfe mit dieser Korrektion für die Ferne und Nähe, also z.B:

RA (= Rechtes Auge) SF (= Sehschärfe für die Ferne) 0,3 (+1,75 sph. comb. –0,5 cyl.A. 0°) = 1,0.

RA SN (= Sehschärfe für die Nähe) (+3,75 sph. comb. –0,5 cyl. A. 0°) = Birkhäuser 1,0 in 30 cm (oder Nieden 1 in 40 cm).

Im vorliegenden Beispiel handelt es sich um eine Hypermetropie und geringen Astigmatismus nach der Regel bei einer Presbyopie von 2 dpt, was etwa einem Lebensalter von 50 Jahren entspricht (weitere Einzelheiten Kap. 19).

! Im Rahmen der Brillenverordnung durch den

Augenarzt wird immer eine augenärztliche Routineuntersuchung durchgeführt, um Augenerkrankungen auszuschließen. Es ist deshalb dem Patienten zu empfehlen, die Brillenverordnung nicht ausschließlich vom Optiker durchführen zu lassen.

3.3Untersuchung des Auges an der Spaltlampe

3.3.1 Grundlagen

Die Spaltlampe (besser: Spaltlampenmikroskop,Abb. 3.7 und 3.8) besteht aus einem horizontal gestellten Mikroskop, durch das der Untersucher das Auge des sitzenden Patienten betrachtet. Mit dem Mikroskop gekoppelt ist eine seitlich ausschwenkbare Beleuchtungseinrichtung,von der ein spaltförmiges Lichtbündel in die Schärfeebene des Mikroskops abgebildet wird. Das von Gullstrand konstruierte Spaltlampenmikroskop ist neben dem Augenspiegel von Helmholtz das wichtigste Untersuchungsgerät des Augenarztes.

3.3.2 Durchführung

Das spaltförmige Lichtbündel (Lichtspalt) der Spaltlampe legt einen optischen Schnitt durch die transparenten Augengewebe ( Abb. 3.9) oder beleuchtet die Oberfläche des Augapfels, denn so sind die Feinstruktur und die Lage der Gewebe des vorderen Augenabschnitts weit besser zu erkennen als durch diffuses Licht. Durch seitliches Verschieben der Spaltlampe kann man den Lichtspalt über das Auge bewegen und so an jeder transparenten Stelle des Auges einen optischen Schnitt durch das Auge legen. Hierbei lässt sich eine bessere Übersicht gewinnen, wenn man während der Untersuchung den Lichtspalt durch seitliche Bewegung