ophtalmique-Symptomatik findet, sollte man eine Durchblutungsstörung ausschließen (CarotisDopplersonographie, Kernspintomographie).
Amaurose bei Hypertonie. Die eklamptische und die urämischeAmaurose entstehen durch kortikale Ischämie und Ödem beider Hälften der Sehrinde. Hypertensive Krisen können auch bei jungen Patienten bereits zu (manchmal reversiblen) homonymen Gesichtsfeldausfällen führen.
!Die typischen Flimmerskotome bei Migraine ophtalmique muss der Arzt oft anamnestisch erfragen. Er kann so die harmlose Störung
der Migräne von anderen gravierenden Krankheitsbildern abgrenzen.
16.3.4Übersicht über die Form der Gesichtsfeldausfälle bei Läsionen der Sehbahn
Läsion des N. opticus
Ist der gesamte Sehnerv betroffen, dann ist das zugehörige Auge blind (amaurotische Pupillenstarre, Optikusatrophie). Das andere Auge sieht normal. Ist nur das axial liegende makulare Bündel betroffen (z.B. bei Retrobulbärneuritis), so findet man ein Zentralskotom, eine temporale Abblassung der Papille und eine typische afferente Pupillenstörung ( Kap. 15.5.3).
Läsion in der Chiasmagegend
Siehe Chiasmasyndrom (Kap. 16.3.1).
Läsion des Tractus opticus
Die Läsion des Tractus opticus verursacht eine ho- 16 monyme Hemianopie ( Abb. 16.4). Bei vollständigem Ausfall des rechten Tractus opticus fallen beide linken Gesichtsfeldhälften aus (homonyme Hemianopie nach links).Die Ausfälle können in ihrer Form verschieden sein (inkongruent), es ent-
wickelt sich eine Papillenatrophie.
Läsion der okzipitalen Hirnrinde
Bei Ausfall des visuellen Kortex entsteht ebenfalls eine homonyme Hemianopie. Hierbei haben die Ausfälle am rechten und linkenAuge genau die gleiche Form (kongruent). Bei Ausfall der beiden unte-
ren Kalkarinalippen entsteht eine Hemianopia superior, bei Ausfall der rechten oberen Kalkarinaregion ein Ausfall der linken unteren Quadranten beider Gesichtsfelder ( Abb. 16.5).
Fallbeispiel
Ein 14-jähriger Junge klagt über Sehstörungen mit Flimmern und Kopfschmerzen. Bei der Untersuchung fällt auf, dass das linke Auge nahezu blind ist. Es besteht eine afferente Pupillenstörung des linken Auges. Bei der Perimetrie des rechten Auges erkennt man einen kompletten temporalen Gesichtsfeldausfall. Die linke Papille ist atrophisch, die rechte erscheint normal. Die Sehschärfe beträgt links Handbewegungen und rechts 0,32. In der seitlichen Röntgenaufnahme sieht man eine aufgeweitete Sellaregion. In der Computertomographie zeigt sich ein Kraniopharyngiom mit zahlreichen zystischen Anteilen. Es erfolgt eine subtotale neurochirurgische Resektion. Die Sehschärfe erholt sich innerhalb weniger Wochen links auf 0,25 und rechts auf 1,0. Am Gesichtsfeld des linken Auges bleibt eine temporale Hemianopie bestehen, das rechte Gesichtsfeld ist wieder normal.
In Kürze
Anatomie. Für die Diagnose und Lokalisation von Läsionen muss man den Verlauf der Sehbahn kennen. Die Sehnervenfasern der nasalen Netzhauthälften kreuzen im Chiasma opticum zur Gegenseite, diejenigen der temporalen Netzhauthälften verlaufen ungekreuzt. Die Weiterleitung der Sehinformation erfolgt über das Corpus geniculatum laterale zum visuellen Kortex am hinteren Okzipitalpol.
Erkrankungen. Das Chiasmasyndrom entsteht durch eine Raumforderung im Bereich der Sehnervenkreuzung und führt typischerweise zu bitemporalen Gesichtsfeldausfällen, Sehstörungen und Optikusatrophie. Tumoren (chromophobes Hypophysenadenom, Menin-
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