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7

Hornhaut

7.1

Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie – 115

7.1.1

Aufbau, Maße und Innervation der Hornhaut

 

– 115

7.1.2

Ernährung und Regeneration der Hornhaut

116

7.1.3

Funktion von Hornhaut und Tränenfilm – 116

 

7.1.4

Funktionsstörungen der Hornhaut – 117

 

 

7.2

Anwendung von Medikamenten durch die Hornhaut

– 117

7.2.1

Lokalanästhetika

– 117

 

 

 

7.2.2

Antibiotika und Virustatika – 117

 

 

 

7.2.3

Kortikoidhaltige Augentropfen und systemische Glukokortikoide

– 117

7.3

Verwendung von Kontaktlinsen

– 118

 

 

7.4

Untersuchung

– 118

 

 

 

7.4.1

Inspektion der Hornhautoberfläche ohne Spaltlampe – 118

 

 

7.4.2

Untersuchung der Hornhautoberfläche mit der Spaltlampe

– 118

 

7.4.3

Prüfung der Hornhautsensibilität – 118

 

 

7.4.4

Untersuchung der Hornhautwölbung

– 118

 

 

7.4.5

Anfärbung der Hornhautoberfläche

– 119

 

 

7.4.6

Endothelmikroskopie – 120

 

 

 

7.4.7

Messung der Hornhautdicke (Pachymetrie), konfokale Mikroskopie

– 120

7.5Notfall: Verätzungen, Verbrennungen und Verletzungen

 

der Hornhaut

– 120

7.5.1

Verätzungen – 120

7.5.2

Verbrennungen

– 124

7.5.3

Verletzungen

– 124

7.6

Entzündungen (Keratitiden)

– 128

7.6.1

Nicht erregerbedingte Keratitis

– 128

7.6.2

Erregerbedingte Keratitis – 130

7.7

Wölbungsund Größenanomalien der Hornhaut – 139

7.7.1

Keratokonus

– 139

 

7.7.2

Keratoglobus

– 140

 

7.7.3

Makrokornea (Megalokornea)

– 141

7.7.4

Mikrokornea

– 142

 

7.8

Hornhautdegenerationen, Hornhautdystrophien – 142

7.8.1

Hornhautdegenerationen

– 142

7.8.2

Hornhautdystrophien

– 142

7.9

Hornhauttransplantation (Keratoplastik) – 144

7.9.1

Perforierende Keratoplastik

– 144

7.9.2

Lamelläre Keratoplastik

– 145

7.10Operationen an der Hornhaut zur Refraktionsänderung

 

(refraktive Chirurgie)

– 145

 

7.10.1

Photorefraktive Keratektomie (PRK)

– 146

7.10.2

Laser-in-situ-Keratomileusis (LASIK)

– 147

7.10.3

Astigmatismuskorrektur

– 147

 

7.10.4

Radiäre Keratotomie – 147

 

7.10.5

Phototherapeutische Keratektomie (PTK) – 148

7.10.6

Refraktive Intraokularlinsen – 148

 

7.1 · Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie

>> Einleitung

Die Hornhaut ist als optische Struktur des Auges (»Frontlinse«) für das Sehen von herausragender Bedeutung. In diesem Kapitel werden die verschiedenen Hornhauterkrankungen dargestellt. Verletzungen, Entzündungen, angeborene und erworbene Hornhautveränderungen spielen in der Augenheilkunde eine besondere Rolle. Die Hornhaut kann transplantiert werden, um Sehfähigkeit wiederherzustellen. Durch »refraktive« Eingriffe wird die Brechkraft der Hornhaut so verändert, dass Fehlsichtigkeiten, insbesondere Myopie und Astigmatismus, ausgeglichen werden können.

7.1Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie

Die Hornhaut ist in die Sklera eingelassen wie ein Uhrglas in die Uhr. Sie ist stärker gewölbt als die Sklera und transparent. Der Unterschied zwischen den Brechungsindizes von Luft (1,0) und Hornhaut (1,33) bewirkt zusammen mit der Wölbung der Hornhaut deren hohe Brechkraft von 43 dpt.Damit trägt die Hornhaut am stärksten von allen Strukturen des Auges zu dessen Brechkraft bei. Ihre regelmäßige Oberfläche und ihre Transparenz sind deshalb für die scharfe Abbildung von Gegenständen auf der Netzhaut von größter Bedeutung.

7.1.1Aufbau, Maße und Innervation der Hornhaut

Aufbau

Der Aufbau der Hornhaut ist in Abb. 7.1 dargestellt.In der Reihenfolge von außen nach innen finden sich

ein mehrschichtiges, nicht verhornendes Plattenepithel.Seine basalen Zellen sitzen über eine Basalmembran der Bowman-Membran, einer verdickten, festen Membran aus kollagenem Bindegewebe (Lamina limitans anterior) auf, in der sie fest verankert sind. Das Hornhautepithel entstammt dem Ektoderm.

 

115

7

 

 

Tränenfilm

Lipidschicht

 

 

wässrige Schicht

 

Muzinschicht

Epithel

Bowman-Membran (Lamina limitans inferior)

Stroma

Descemet-Membran (Lamina limitans posterior)

Endothel

Vorderkammer

Abb. 7.1. Anatomie der Hornhaut

das Hornhautstroma aus kollagenem Bindegewebe.Wegen der regelmäßigen Schichtung der Kollagenfibrillen spricht man auch von Hornhautlamellen.Das Hornhautstroma enthält keine Blutgefäße, die Hornhaut nimmt daher immunbiologisch eine Sonderstellung ein: Bei einer Hornhauttransplantation ist das Abstoßungsrisiko geringer als bei anderen Organen, auch wenn kein körpereigenes oder gewebetypisiertes Hornhautmaterial verwendet wird. Das Hornhautstroma entstammt dem Mesoderm.

die Descemet-Membran (Lamina limitans posterior), eine besonders widerstandsfähige, aus elastischen Fasern aufgebauten Basallamina, auf der das einschichtige Hornhautendothel sitzt. Die Interzellularspalten zwischen den Endothelzellen sind durch Zonulae

116 Kapitel 7 · Hornhaut

occludentes verschlossen. Das Endothel leitet sich von der Neuralleiste ab.

Hornhautdicke und Hornhautdurchmesser

Im Zentrum ist die Hornhaut 0,55 mm dick, in der Peripherie 0,65 mm. Der Hornhautdurchmesser des Erwachsenen beträgt 11,5 mm (10–13mm). Bei einem Durchmesser unter 10mm spricht man von

Mikrokornea, über 13mm von Makrokornea (Megalokornea). Bei Neugeborenen beträgt der Hornhautdurchmesser 9,5 mm,ist also nur 2 mm kleiner als beim Erwachsenen. Diese Maße sind wichtig, um die Vergrößerung der Hornhaut und des Auges bei Neugeborenen und Säuglingen mit angebore-

nem Glaukom zu erkennen ( Kap. 17).

7

Innervation

Da die Hornhaut eine wichtige optische Struktur ist, hat die Natur sie mit besonderen Schutzvorrichtungen ausgestattet. Hierzu gehört nicht nur der mechanische Schutz durch die Lider bei Lidschluss, sondern auch die ausgeprägte sensible Innervation.Zahlreiche frei endigende Nervenfasern aus dem 1. Trigeminusast durchziehen die Hornhaut.JedeVerletzung der Hornhaut (Erosio,Fremdkörper, Schädigung des Epithels durch UV-Strah- len, Schnittwunde) oder Entzündung führt daher zu Schmerzen und krampfhaftem Lidschluss, außerdem zu Tränenfluss.

!Augenschmerzen, krampfhafter Lidschluss und Tränenfluss weisen auf eine Hornhautschädigung hin.

7.1.2Ernährung und Regeneration der Hornhaut

Ernährung

Die gesunde Hornhaut enthält keine Blutgefäße, sondern wird von außen durch den Tränenfilm und den Sauerstoffgehalt der Luft, von der Seite durch das Randschlingennetz der Bindehautgefäße und von innen durch das Kammerwasser ernährt.

Regeneration

Das Epithel regeneriert nach einer Schädigung meist innerhalb von einigen Stunden bis Tagen problemlos. Die Basalzellen des Epithels bauen das

mehrschichtige Epithel sehr schnell wieder auf. Sind die Basalzellen jedoch verletzt, dann erfolgt die Regeneration langsamer vom Limbus her, wo die Stammzellen als »Reservoir« angesiedelt sind. Die Zerstörung der Stammzellen (z.B. nach Verätzung) führt zu gravierenden Heilungsstörungen mit Überwachsen von Bindehaut auf die Hornhaut.

Defekte des Endothels hingegen können nur durch Ausbreitung benachbarter, intakter Endothelzellen geschlossen werden, was mit Zellvergrößerung und Funktionseinschränkung einhergeht. Die Dichte des Endothels beträgt normalerweise 2500 Zellen/mm2.

7.1.3Funktion von Hornhaut und Tränenfilm

Das Epithel der Hornhaut dient als Barriere gegen das Eindringen von Bakterien und Fremdstoffen.

Das Endothel hat eine Pumpund Abdichtungsfunktion: Beim aktiven Transport von Na- trium-,Kalium- und Hydrogenkarbonat-Ionen aus dem Endothel in die Vorderkammer wird Wasser aus dem Hornhautstroma entfernt. Die Zonulae occludentes schützen das Hornhautstroma vor dem Eindringen von Wasser.

Das Hornhautstroma ist aufgrund der engen und parallelen Anordnung der Kollagenfibrillen, des Fehlens von Blutgefäßen im Stroma und seines relativ dehydrierten Zustands (Wassergehalt 78%) transparent. Diese Transparenz ist für die scharfe Abbildung von Gegenständen auf der Netzhaut von größter Bedeutung.

Die Transparenz zu erhalten, ist auch Aufgabe des Tränenfilms:Er glättet die Hornhautoberfläche. Der Tränenfilm setzt sich (von außen nach innen) aus einer Lipidschicht (Herkunft: Meibom-Drü- sen), einer wässrigen Schicht (Herkunft: Tränendrüse) und einer Muzinschicht (Herkunft: Becherzellen der Bindehaut) zusammen ( Abb. 7.1). Die Lipidschicht verhindert die schnelle Verdunstung der wässrigen Schicht, setzt die Oberflächenspannung herab und verbessert dadurch die Benetzung der Hornhautoberfläche. Die Muzinschicht bewirkt, dass die wässrige Schicht auf der Epitheloberfläche haftet. Ohne Tränen ist die Oberfläche des Epithels rauh und der Patient sieht unscharf.

117

7

 

7.2 · Anwendung von Medikamenten durch die Hornhaut

Außerdem dient der Tränenfilm der Abwehr von Bakterien: Er enthält das bakterizide Enzym Lysozym.

Störungen des Tränenfilmes sind die Ursache vieler Hornhauterkrankungen.

7.1.4Funktionsstörungen der Hornhaut

Sinkt die Dichte der Endothelzellen durch Erkrankung oder Verletzung (durch Unfall oder Operation) der Hornhaut auf weniger als 700 Zellen/mm2, dann reicht die Pumpfunktion der verbleibenden Endothelzellen nicht mehr aus (Endothelinsuffizienz). Durch Wassereinlagerung kommt es zur Quellung des Hornhautstromas oder -epithels und die Hornhaut wird trübe. Daher muss man nach Verletzungen, nach Kataraktoperationen oder bei einer Hornhauttransplantation sehr präzise arbeiten (Operationsmikroskop!). Sind durch eine Hornhauterkrankung große Teile des Hornhautstromas eingeschmolzen, bleibt oft nur die widerstandsfähige Descemet-Membran erhalten und verhindert das Abfließen des Kammerwassers aus der Vorderkammer.

7.2Anwendung

von Medikamenten durch die Hornhaut

Um das Hornhautepithel passieren und in das Augeninnere eindringen zu können, müssen Augentropfen sowohl hydrophile als auch lipophile Eigenschaften besitzen. Hier werden typische Nebenwirkungen bei unsachgemäßem Gebrauch zusammengefasst.

7.2.1 Lokalanästhetika

Hornhautverletzungen und -entzündungen sind äußerst schmerzhaft und rufen deshalb einen krampfhaften Lidschluss hervor.Will derAugenarzt ein solchesAuge untersuchen und behandeln,muss er zunächst den Schmerz beseitigen. Dies gelingt mit Lokalanästhetika in Form von Augentropfen,

da sie die Hornhautoberfläche durchdringen und die Hornhautnerven betäuben. Sie wirken schnell, sind gut verträglich und schädigen das Epithel bei seltener Anwendung nicht ( Kap. 26).

Bei zu häufigem Gebrauch lockern Lokalanästhetika die Zellverbindungen des Hornhautepithels und erleichtern dadurch das Eindringen von Keimen. Sie dürfen daher nie zu Händen des Patienten verordnet werden. Manche Patienten besorgen sich Lokalanästhetika, um die Beschwerden harmloser Augenerkrankungen, z.B. bei trockenem Auge, zu lindern. Die Dauer der Linderung wird aber immer kürzer, so dass die Tropfen häufiger genommen werden und es zu einer kumulativen Schädigung des Hornhautepithels bis hin zur Abschilferung des Hornhautepithels (Erosio) kommt, die dann nicht bemerkt wird. In schweren Fällen entsteht ein Hornhautulkus (eine die Bowman-Membran überschreitende Läsion), das bei Perforation zu einem Verlust des Augenlichtes führen kann.

!Lokalanästhetika nie zu Händen des Patienten verordnen!

7.2.2 Antibiotika und Virustatika

Antibiotika undVirustatika können das Hornhautepithel schädigen. Ihre häufige Anwendung – bei einer bakteriellen bzw. viralen Hornhautentzündung – muss daher immer unter Aufsicht des Augenarztes erfolgen.

7.2.3Kortikoidhaltige Augentropfen und systemische Glukokortikoide

Kortikoidhaltige Augentropfen schwächen die zellulären Abwehrmechanismen auf der Hornhautoberfläche und können so zur Schädigung durch Keime (Bakterien, Viren, Pilze) führen, wenn man sie zu häufig appliziert. Sie dringen aber auch ins Augeninnere ein und können (bei Kurzsichtigen sehr schnell) ein Glaukom und langfristig eine Linsentrübung hervorrufen. Diese Nebenwirkungen der Glukokortikoide können auch bei systemischer Anwendung auftreten (häufiger Katarakt als Glaukom). Deshalb sollte jeder behandelnde Arzt

118 Kapitel 7 · Hornhaut

die Nebenwirkungen der Glukokortikoide am Auge kennen.

7.3Verwendung

von Kontaktlinsen

Kontaktlinsen können die Sauerstoffzufuhr der Hornhautoberfläche behindern. Weiche Kontaktlinsen sind größer als formstabile Kontaktlinsen und bedecken daher den Hornhautrand.Durch die reduzierte Sauerstoffversorgung sprossen unter weichen Kontaktlinsen deshalb nicht selten Gefäße aus dem Randschlingennetz in die Hornhautoberfläche ein. Dann darf eine weiche Kontaktlinse

7nicht weiter getragen werden. Bei Verkrümmung der Hornhaut (Astigmatismus) passen sich weiche Kontaktlinsen der Verkrümmung an und sind daher zum Ausgleich eines Astigmatismus ungeeignet. Außerdem ist die Infektionsgefahr der Hornhaut bei weichen Kontaktlinsen größer als bei formstabilen Kontaktlinsen.

7.4Untersuchung

7.4.1Inspektion

der Hornhautoberfläche ohne Spaltlampe

Unregelmäßigkeiten der Hornhautoberfläche (z.B. eine Erosio) lassen sich auch ohne Spaltlampe sehr gut erkennen: Man lässt das Spiegelbild einer großen, konturierten Fensteroder Lichterfläche ( Abb. 2.9) über die Hornhautoberfläche wandern, indem man den Patienten Blickbewegungen ausführen lässt, und beobachtet, ob das Spiegelbild in einem bestimmten Hornhautbereich verzerrt ist. Trübungen der Hornhaut fallen besonders deutlich auf, wenn man bei koaxialer Beleuchtung, d. h. durch den Augenspiegel hindurch, aus ca. 20cm Entfernung das vom Fundus rückfallende Rotlicht betrachtet. Trübungszonen streuen das rückfallende Licht zur Seite und erscheinen deshalb als dunkle Flecken. Die Tiefenlokalisation muss allerdings mit der Spaltlampe erfolgen.

7.4.2Untersuchung

der Hornhautoberfläche mit der Spaltlampe

Mit dem Spaltlampenmikroskop ( Kap. 3.3) lassen sich die Oberfläche und tiefere Schichten der Hornhaut bei etwa 10bis 16facher Vergrößerung untersuchen. Eine bis zu 40fache Vergrößerung ist möglich.Die Untersuchung mit spaltförmiger Beleuchtung ermöglicht einen optischen Schnitt durch die Hornhaut (daher der Name Spaltlampe). Neuerdings kann man mit konfokaler Mikroskopie das Stroma der Hornhaut zusätzlich flächig untersuchen und dabei einzelne Stromazellen beurteilen.

7.4.3 Prüfung der Hornhautsensibilität

Zur orientierenden Prüfung berührt man die Hornhaut – am besten im Zentrum, denn dort ist sie am empfindlichsten – beidseits (Seitenvergleich!) mit einem fein ausgezogenen, feuchten Wattebausch und beobachtet, ob der Blinzelreflex ausgelöst wird. Der Patient soll hierbei in die Ferne sehen, weil sonst der Blinzelreflex bereits durch die Annäherung des Wattebauschs ausgelöst wird.

Eine genaue Prüfung der Hornhautsensibilität ist mit dem Aesthesiometer möglich,das aus genau abgestuften Reizhaaren besteht und somit eine genaue »Dosierung« des Reizes erlaubt. Hiermit lassen sich auch kleinere Abweichungen von der normalen Hornhautsensibilität feststellen.

Die Hornhautsensibilität ist insbesondere bei Herpes-Infektionen der Hornhaut und bei Trigeminusläsionen, z.B. bei Kleinhirn-Brückenwinkel- Tumoren, herabgesetzt.

7.4.4Untersuchung

der Hornhautwölbung

Untersuchung mittels Placido-Scheibe

Die Regelmäßigkeit der Hornhautoberfläche lässt sich mit der Placido-Scheibe ( Abb. 19.8) beurteilen: Auf eine Seite der Scheibe sind konzentrische schwarze und weiße Ringe aufgemalt.Der Untersucher hält diese Seite der Scheibe nah ans Auge des

119

7

 

7.4 · Untersuchung

 

 

b

Abb. 7.2a–c. a Spiegelbild einer Placido-Scheibe auf

 

einer ungleichmäßig gekrümmten Hornhautoberfläche. Die

 

regelmäßig ovale Verformung des Spiegelbildes ist für

 

einen regulären Astigmatismus charakteristisch, der durch

 

eine Brille korrigiert werden kann. Die schräge Linie zeigt

 

die Lage der Astigmatismus-Achse. b Farbkodierte Dar-

 

stellung der Hornhautverkrümmung (computergesteuertes

 

Hornhaut-Topographiesystem). Die sanduhrförmige rote

 

Fläche zeigt die Zone höherer Brechkraft, senkrecht dazu

 

verläuft der Meridian schwächerer Brechkraft (Achse des

 

Minus-Brillenglaszylinders). c Dreidimensionale topographi-

 

sche Darstellung der Brechungsverhältnisse

c

Patienten und blickt durch ein zentrales Loch, um die Reflexe der Ringe auf der Hornhaut zu betrachten. Ist die Krümmung (= Wölbung) der Hornhaut ungleichmäßig (regulärer oder irregulärer Astigmatismus), dann werden die Ringe der PlacidoScheibe verzerrt reflektiert ( Abb. 7.2 a).

Untersuchung mittels computergesteuerter Hornhauttopographie-Systeme

Computergesteuerte Hornhauttopographie-Sys- teme erzeugen ein Reflexbild der gesamten Hornhautoberfläche und berechnen daraus die Brechungswerte der einzelnen Hornhautbezirke. Diese werden durch unterschiedliche Farben dargestellt ( Abb. 7.2 b).So lässt sich insbesondere ein Astigmatismus ( Abb. 7.2 a) oder eine andersartige unregelmäßige Verteilung der Hornhautkrümmung ortsgerecht darstellen. Dies ist für die Indi-

kationsstellung und Nachsorge bei refraktiven Eingriffen erforderlich ( Kap. 7.10).

7.4.5Anfärbung

der Hornhautoberfläche

Fluoreszein. Epitheldefekte (Erosiones) kann man sehr gut daran erkennen, dass sie sich mit Farbstofflösungen anfärben. Am besten eignet sich eine 0,15%ige Fluoreszeinlösung. Sie wird als Augentropfen auf den Tränenfilm aufgebracht und verteilt sich beim Blinzeln. An Stellen mit Epitheldefekten färbt sich die Oberfläche an ( Abb. 7.12b), während der Farbstoff an normal epithelisierten Stellen schnell durch die Lider weggewischt wird. Auf diese Weise kann man auch ohne Mikroskop, z.B. bei Kindern, wenn sie

120 Kapitel 7 · Hornhaut

sich schlecht untersuchen lassen, Epitheldefekte feststellen.

Bengalrosa färbt Veränderungen der Epithelzellen jeglicher Ursache (z.B. bei trockenem Auge, Sicca-Syndrom) an, nicht nur eine Erosio.

!Epitheldefekte lassen sich makroskopisch mit Fluoreszein, Epithelveränderungen jeglicher Art mit Bengalrosa darstellen.

7.4.6 Endothelmikroskopie

Bei starkerVergrößerung kann man das Hornhautendothel »im Spiegelbezirk« am Spaltlampenmikroskop sichtbar machen.Wenn der Einfallswinkel

7des Spaltlampenlichtes von der einen Seite genauso groß ist wie der Beobachtungswinkel des Mikroskops von der anderen Seite, wird der Endothelreflex sichtbar und bei entsprechender Vergrößerung lassen sich die Zellgrenzen des Endothels gut erkennen.

Mit einem Endothelmikroskop kann man das Hornhautendothel photographieren und die Zelldichte bestimmen ( Abb. 7.3 und 7.30). Moderne Geräte können die Zellgrenzen erkennen und so die Endothelzellen automatisch zählen.

Abb. 7.3. Hornhautendothel. Mittels Endothelmikroskopie können die Endothelzellen des lebenden Auges dargestellt, photographiert und ihre Größe und Zahl/mm2 bestimmt werden

7.4.7Messung der Hornhautdicke (Pachymetrie), konfokale Mikroskopie

Die Hornhautdicke wird heute mit speziellen Ultraschallgeräten bestimmt, um für refraktive Eingriffe ( Kap. 7.10) genaue Informationen über die möglicheAbtragungsdicke zu haben.Eine Pachymetrie ist auch auf optischem Weg möglich.

Die konfokale Hornhautmikroskopie erlaubt die Beurteilung der Keratozyten, Hornhautnerven und Detail-Untersuchung von Hornhautnarben sowie zuweilen den Nachweis von Akanthamöben-Zysten ( Kap. 7.6.2 und Fallbeispiel).

7.5Notfall: Verätzungen, Verbrennungen und Verletzungen der Hornhaut

7.5.1 Verätzungen

Verätzungen der Hornhaut gehören zu den gefährlichsten Notfällen in der Augenheilkunde, da sie zu Erblindung führen können.Laugenverätzungen sind noch gefährlicher als Säureverätzungen, da Laugen im Gegensatz zu den meisten Säuren in die Tiefe des Auges vordringen können.

Ursache

Laugenverätzungen kommen meistens bei Malerarbeiten vor, bedingt durch ungelöschten oder gelöschten Kalk,außerdem entstehen sie im Baugewerbe,wenn an Mischmaschinen (Verputz) ein unter Druck stehender Schlauch abplatzt.Im Haushalt sindAbflussreiniger (»Abflussfrei«),Putzmittel und andere Chemikalien die Ursache, früher auch Tintenstiftminen.

Säureverätzungen kommen in der metallverarbeitenden Industrie und bei unsachgemäßem Umgang mit Autobatterien (falsche Polung der Starterkabel), aber auch im Haushalt (z.B. Essigsäure) vor. Ätzende Wirkungen haben auch organische Substanzen (z.B.Schlamm,Pflanzensaft des Wolfsmilchkrautes).

121

7

 

7.5 · Notfall: Verätzungen, Verbrennungen und Verletzungen der Hornhaut

Pathogenese

Lauge ruft durch Verseifung der Lipide der Hornhaut eine Kolliquationsnekrose hervor. Durch Hydrolyse der Proteine und Proteoglykane in der Hornhaut zerstört sie die Keratozyten (Zellen des Hornhautstromas) und bahnt sich den Weg in die Tiefe. Nach Penetration durch die Hornhaut steigt der pH des Kammerwassers an und löst hierdurch Linsentrübung, Iritis und evtl. ein Sekundärglaukom aus. Die Nekrose kann auch die Bindehaut einbeziehen und die Stammzellen des Hornhautepithels am Limbus zerstören. Aus intakten Bindehautgefäßen wandern Leukozyten in großer Zahl aus und sondern lytische Fermente ab (entzündliche Reaktion).

Säure erzeugt eine Koagulationsnekrose,die bei leichtbis mittelgradigen Säureverätzungen eine Barriere bildet und das weitere Eindringen der Säure hemmt.Mittelgradige Säureverätzungen sind deswegen weniger gefährlich als Laugenverätzungen desselben Grades.

Symptome, Befunde und Prognose

Eine Verätzung erzeugt starke Schmerzen, Lidkrampf und Tränenträufeln. Da sie zu Erblindung führen kann, muss am Unfallort sofort nach Erhebung der Anamnese (Unfallhergang, -ursache und Symptomatik) mit der Notfalltherapie begonnen werden (s.u.). Die Befunderhebung erfolgt erst in der Augenklinik bzw. Augenarztpraxis. Je nach Schwere der Verätzung sind die Befunde unterschiedlich:

Leichte Verätzungen führen zu einer Ablösung lediglich des zentralen Hornhautepithels (Erosio), das Epithel am Limbus bleibt erhalten ( Abb. 7.4). Durch Anfärbung mit Fluoreszein lässt sich das Ausmaß des Hornhautdefekts nachweisen. Die Bindehaut ist bei leichten Verätzungen stark hyperämisch, das Auge also gerötet.

Das Hornhautepithel regeneriert sich, ausgehend von den Stammzellen am Limbus. Die Grenze zwischen dem Bindehautepithel und dem Hornhautepithel bleibt somit bestehen. Solange die Bowman-Membran nicht verletzt ist, entsteht keine Hornhautnarbe.

Schwere Verätzungen schädigen außer dem Hornhautepithel auch das Epithel der Binde-

Abb. 7.4. Leichte Kalkverätzung. Große zentrale Erosio. Das Epithel der Hornhaut ist am Limbus erhalten und ödematös (Æ)

haut (nachweisbar durch Fluoreszein,s.o.).Die Durchblutung der Gefäße am Limbus wird unterbrochen. Die Bindehaut ist weiß und gequollen, unter der Bindehaut entwickelt sich ein Ödem (Chemosis). Gerade im Anfangsstadium kann der Unerfahrene die Schwere der Verätzung verkennen,weil das Auge durch den Verschluss der Bindehautgefäße nicht gerötet ist und keine starken Schmerzen bestehen. Je stärker das Auge gerötet ist, desto besser ist die Prognose! In der Heilungsphase überschreitet das Bindehautepithel die natürliche Grenze am Limbus, wächst auf die Hornhaut über, bis schließlich die gesamte Hornhaut überwachsen ist (Bindehautpannus).Dadurch wird die Hornhaut trüb und das Sehvermögen bis auf Wahrnehmung von Lichtschein herabgesetzt.Zusätzlich verwachsen die Bindehautblätter von Augapfel und Lid: Es bildet sich ein Symblepharon ( Abb. 7.5).Mit dem Bindehautepithel wachsen Gefäße in die Hornhaut ein, proteolytische Enzyme verursachen Ulzerationen und Einschmelzungen des Hornhautstromas,rezidivierende Erosionen begünstigen wiederum das Vorwachsen von Gefäßen. Je nachdem, wie tief bei einer Laugenverätzung die Lauge in das Auge vorgedrungen ist, können sich Sekundärschäden entwickeln ( u.).

SchwersteVerätzungen des gesamten vorderen Augenabschnitts zeigen bereits zu Beginn eine dichte, weiße Trübung des Hornhautstromas und der umgebenden Bindehaut. Die nekrotisch geschrumpfte Bindehaut und die weiße

122 Kapitel 7 · Hornhaut

Abb. 7.5. Symblepharon nach Verätzung

Abb. 7.6. Schwerste Kalkverätzung des gesamten Augen-

 

vorderabschnitts (»gekochtes Fischauge«)

Hornhaut bieten das Bild eines »gekochten

7Fischauges« ( Abb. 7.6). Bei einer derartig schweren Verätzung (meistens durch Lauge) sind auch die tieferen Strukturen des Auges (Kammerwinkel,Iris,Linse,Gefäße der Sklera) zerstört, es kommt zu Linsentrübung und Sekundärglaukom. Ob sich diese schweren Sekundärschäden entwickeln, hängt entscheidend davon ab, wie schnell die Erste Hilfe einsetzt: Geschieht dies nicht in den ersten Minuten nach dem Unfall,dann können die Sekundärschäden zur vollständigen Erblindung führen,die sich oft auch durch Hornhauttransplantation nicht mehr heilen lässt. Trotz wesentlich verbesserter Behandlungsmethoden ( u.) ist die Prognose schwerer Laugenverätzungen nach wie vor ungünstig. Etwa die Hälfte der schwer verätzten Augen erblinden (Sehschärfe ≤0,02). Besonders tragisch sind beidseitige schwere Verätzungen ( Abb. 7.7).

!Laugenverätzungen haben eine schlechtere Prognose als Säureverätzungen. Die Lauge dringt ins Augeninnere ein und schädigt auch Kammerwinkel, Iris und Linse. Einen ungünstigen Verlauf muss man erwarten, wenn durch die Verätzung das Hornhautepithel am Limbus zerstört ist, weil dann Bindehaut und Gefäße in die Hornhaut einsprossen.

Therapie

Erste Hilfe am Unfallort

Wegen der Erblindungsgefahr muss die Therapie sofort nach dem Unfall beginnen. Die ersten

Abb. 7.7. Schwerste Kalkverätzung beider Augen

Minuten sind für die Prognose entscheidend!

Rigoroses Aufhalten der Lider durch eine Hilfsperson,Eintropfen von Lokalanästhetika, falls vorhanden, um den reflektorischen Lidkrampf zu beseitigen.

Spülen mit Wasser oder Pufferlösung,bei Laugenverätzung auch mit kohlensäurehaltigen Getränken (Sprudel, Bier) in großen Mengen zur Neutralisation der Säure oder Lauge ( Abb. 7.8). Keine Milch verwenden (Milch ist lipophil und öffnet die Epithelbarriere!).

Bei Laugenverätzungen mechanisches Entfernen von Kalkpartikeln mit feuchtem Watteträger (Q-Tip). Kalkpartikel haften stark an der Oberfläche und müssen unter Ektropionieren entfernt werden: Darstellen und Inspektion der Umschlagsfalte, des sog. Fornix conjunctivae (auf der Oberund Unterlidseite sowie auf der temporalen und nasalen Seite), dabei doppel-