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508 18 Unfallophthalmologie

18.4.6Stumpfes Bulbustrauma

Synonym: Contusio bulbi; engl.: blunt ocular trauma

Epidemiologie und Ätiopathogenese: Kontusionsverletzungen infolge stumpfer Gewalteinwirkung (wie Faustschlag, Squashball, Tennisball, Sektkorken, Stein, Sturz auf das Auge, Kuhhornstoß) sind sehr häufig. Wenn der stumpfe Gegenstand im Durchmesser kleiner ist als die schützenden knöchernen Strukturen der Orbita, kann der Bulbus erheblich deformiert werden.

Klinisches Bild und Diagnostik: Die Deformation übt auf die intraokulären Strukturen eine erhebliche Zugwirkung mit daraus resultierenden Zerreißungen aus. Häufig können die tieferen Augenabschnitte zunächst nicht beurteilt werden, da sich Blut in der Vorderkammer befindet.

Keine pupillenwirksamen Medikamente verabreichen, da die Gefahr der irreversiblen Mydriasis besteht (Sphinkterriss) und Pupillenbewegungen das Nachblutungsrisiko erhöhen. Erst nach einer Woche bis 10 Tagen sollten auch die hinteren Augenabschnitte in Mydriasis gründlich untersucht werden, um das Ausmaß der Verletzung festzustellen.

Die vielfältigen Verletzungen, die im Einzelnen möglich sind, sind in Tab. 18.1 und Abb. 18.6 dargestellt.

Bei einer schweren Contusio bulbi können Spätfolgen auftreten, wie:Sekundärglaukom,

18Amotio retinae und

Katarakt

Subluxation und Luxatio lentis.

Spätfolgen einer stumpfen Bulbusverletzung können noch Jahre nach der Verletzung auftreten.

Therapie: Sie besteht zunächst in der Ruhigstellung des Auges, damit sich das intraokulare Blut absetzen kann. Zu Einzelheiten s. Tab. 18.1.

Nachblutungen nach 3 – 4 Tagen sind häufig!

18.4.7Orbitabodenfraktur ( Contusio bulbi)

Synonym: Blow-out-Fraktur; engl.: blow-out fracture

Ätiopathogenese: Ursache einer Orbitabodenfraktur ist die Einwirkung stumpfer Gewalt, die den Orbitainhalt aufgrund ihrer kleinen Angriffsfläche (Faustschlag, Tennisball, Squashball) so stark komprimieren kann, dass die Orbitawand bricht.

Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden!

Aus Lang, G. K.: Augenheilkunde (ISBN 978-313-102834-1) © 2008 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart

18.4 Mechanisch bedingte Verletzungen 509

In der Regel ist der Bruch an der dünnsten Stelle lokalisiert, also am papierdünnen Orbitaboden über dem Sinus maxillaris. Der knöcherne, ringförmige Orbitaeingang bleibt meist unverletzt. Durch den Bruch kommt es zum Vorfall und zur Einklemmung von Orbitafett sowie des M. rectus inferior und seiner Hüllen in der Bruchstelle. Wenn statt des Orbitabodens die mediale Siebbeinwand eingebrochen ist, ist die Folge ein Luftemphysem im Bereich der Lider.

Symptomatik und Diagnostik: Je schwerer die Kontusionsverletzung, desto stärker stehen die intraokularen Schäden und die daraus folgende Sehverschlechterung im Vordergrund. Durch die Einklemmung des M. rectus inferior kann es, vor allem beim Blick nach oben, zu Doppelbildern kommen, die in der Anfangsphase, wenn das Auge noch zugeschwollen ist, unter Umständen subjektiv übersehen werden. Wenn der Knochendefekt groß ist, kann es durch die Verlagerung größerer Orbitaanteile zu einem Zurücksinken des Auges in die Augenhöhle (Enophthalmus) und zur Verengung der Lidspalte kommen. Eine Läsion des N. infraorbitalis, der im Orbitaboden verläuft, führt zusätzlich zu Hypästhesien der Gesichtshaut.

Ergibt die Untersuchung der Lidschwellung einen knisternden Palpationsbefund, deutet dies auf ein Luftemphysem durch den Einbruch der Siebbeinzellen hin. Das Knistern entsteht durch Luft, die aus den Nebenhöhlen in die Orbita eintritt. In diesem Fall sollte sich der Patient innerhalb der nächsten 4 – 5 Tage nicht schneuzen, um weder Luft noch Keime in die Orbita zu pressen. Die genaue Lokalisation der Fraktur erfolgt in Zusammenarbeit mit einem HNO-Arzt durch eine Röntgenaufnahme, bei schwierigeren Fällen durch die noch exaktere Computerto-

mographie. 18 In seltenen Fällen, bei extremem Orbitatrauma und meist vollständigem Bers-

ten des Bulbus (Sturz auf den Fahrradlenker, Augenverletzung durch Feuerwerksrakete) kann es auch zu Frakturen des stabileren Orbitadaches kommen.

Das in die Kieferhöhle verlagerte Gewebe sieht im CT-Bild wie ein „hängender Tropfen“ aus.

Therapie: Die Operation, die die normalen anatomischen Verhältnisse und die Begrenzung der Orbita wiederherstellt, sollte innerhalb von 10 Tagen erfolgen, also bevor der eingeklemmte M. rectus inferior vernarbt und damit irreversibel geschädigt ist. Die Prognose ist dann gut (zur Orbitachirurgie, s. S. 422.

Tetanusprophylaxe sowie antibiotische Abschirmung sind unerlässlich.

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510 18 Unfallophthalmologie

Tab. 18.1 Übersicht über die möglichen Verletzungen bei stumpfem Bulbustrauma

 

Bezeichnung

Definition

Folgen

Therapie

 

der Verlet-

 

 

 

 

 

 

 

zung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Iridodialyse

Abriss der Iris-

 

Pupillenentrundung

Bei entsprechendem Aus-

 

 

 

 

wurzel

 

verstärkte Blendung

maß (Patient hat bei extre-

 

 

 

 

 

 

optische Störung,

mem Abriss der Iriswurzel

 

 

 

 

 

 

wenn im Lidspalten-

sozusagen 2 Pupillen, zum

 

 

 

 

 

 

bereich eine große

Verständnis Abb. 18.6)

 

 

 

 

 

 

Dialyse liegt, die zu

Iridopexie (= Annähen der

 

 

 

 

 

 

einer „doppelten“

Iriswurzel); sonst keine

 

 

 

 

 

 

Pupille führt

Therapie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

traumatische

vollständiger Ab-

Patient leidet unter er-

 

Sonnenbrille.

 

 

Aniridie

riss der Iris

höhter Blendung

 

Wenn gleichzeitig eine

 

 

 

 

 

 

 

 

Katarakt vorliegt, wird

 

 

 

 

 

 

 

 

bei der Kataraktoperati-

 

 

 

 

 

 

 

 

on eine schwarze

 

 

 

 

 

 

 

 

Kunstlinse mit opti-

 

 

 

 

 

 

 

 

scher Öffnung in Pupil-

 

 

 

 

 

 

 

 

lengröße implantiert.

 

 

 

 

 

 

 

Kammerwin-

Aufweitung des

Langzeitfolge: Sekun-

s. Kap. 10

 

kelrezessus

Kammerwinkels

därglaukom

 

 

18

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zyklodialyse

Abriss des Ziliar-

 

Hypotonia bulbi mit

Der Ziliarkörper muss wie-

 

 

 

 

 

körpers von der

 

Aderhautfalten und

der angenäht werden (Zy-

 

 

 

 

Sklera

 

Papillenödem

klopexie), um eine Phthisis

 

 

 

 

 

 

Sehverschlechterung

bulbi (Augapfelschrump-

 

 

 

 

 

 

 

fung) zu verhindern.

 

 

 

 

 

 

 

 

Subluxatio

Abriss der Zonu-

 

Dislokation der Linse

Entfernung der Linse und

 

lentis

lafasern

 

und Irisschlottern

Implantation einer Kunst-

 

 

 

 

 

 

(Iridodonesis)

linse, Kap. 7, S. 189.

 

 

 

 

 

 

verminderte Abbil-

 

 

 

 

 

 

 

 

dungsqualität

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Glaskörper-

Abhebung der

Patient sieht Glaskörper-

Kap. 11, S. 276

 

abhebung

Glaskörperbasis

schlieren (sog. Mouches

 

 

 

 

 

 

 

volantes, Kap. 11)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oradialyse

Abriss der peri-

Netzhautablösung, in-

Netzhautoperation,

 

 

 

 

pheren Netzhaut

folgedessen Lichtblitze,

Kap. 12, S. 332.

 

 

 

 

(Orariss)

Schatten, Erblindung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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18.4 Mechanisch bedingte Verletzungen 511

Tab. 18.1 Fortsetzung

Bezeichnung

Definition

Folgen

Therapie

der Verlet-

 

 

 

zung

 

 

 

 

 

 

 

Sphinkterriss

Einriss des M.

evtl. traumatische My-

Sonnenbrille, sonst keine

 

sphincter pupil-

driasis bzw. mangelnde

Therapie möglich; wenn

 

lae mit Dehnung

Pupillenfunktion

Kataraktoperation nötig,

 

der Iris

 

ist Pupillenverengung

 

 

 

durch Iriskonstriktionsnaht

 

 

 

möglich.

Kontusions-

traumatische Lin-

rosettenförmige Trü-

rosette

sentrübung (Ca-

bung subkapsulär an

 

taracta traumati-

der Vorderfläche der

 

ca)

Linse (Kontusionsro-

 

 

sette mit Fiederung),

 

 

die im Laufe der Jah-

 

 

re durch Faserapposi-

 

 

tion in die tiefere

 

 

Rinde wandert, sonst

 

 

aber unverändert be-

 

 

stehen bleibt;

 

 

Patient leidet unter

 

 

allmählich zuneh-

 

 

mender Sehver-

 

 

schlechterung

Wenn die Trübung im optischen Zentrum liegt, ist dies immer eine Indikation zur Operation (näheres zur Operation, Kap. 7,

S. 181.

18

Berlin-Netz-

Netzhautund

Sehverschlechterung

abwarten, bis die Schwel-

hautödem

Makulaödem am

 

lung von alleine zurück-

 

hinteren Pol

 

geht

 

(Contre-coup-

 

 

 

Stelle), evtl. mit

 

 

 

Blutungen

 

 

 

 

 

 

Aderhaut-

sichelförmig,

Wenn die Risse durch

keine Therapie möglich;

rupturen

konzentrisch um

die Makula gehen, ist

Vernarbung abwarten

 

die Papille ange-

die Folge eine Herabset-

 

 

ordnete Ader-

zung des Visus.

 

 

hautrisse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fortsetzung

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512 18 Unfallophthalmologie

Tab. 18.1 Fortsetzung

 

Bezeichnung

Definition

Folgen

Therapie

 

der Verlet-

 

 

 

 

 

 

 

 

zung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Chorioretino-

Aderhaut-Netz-

Visusverlust

keine Therapie möglich

 

pathia trau-

haut-Atrophie

 

 

 

 

 

matica

durch Abriss oder

 

 

 

 

 

 

 

 

Quetschung hin-

 

 

 

 

 

 

 

 

terer kurzer Zi-

 

 

 

 

 

 

 

 

liararterien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Avulsio bulbi

traumatische Lu-

sofortige Erblindung

Entfernen des Bulbus

 

 

 

 

xation des Bulbus

 

 

 

 

 

 

 

 

vor die Orbita,

 

 

 

 

 

 

 

 

häufig verbunden

 

 

 

 

 

 

 

 

mit einer Avulsio

 

 

 

 

 

 

 

 

nervi optici (s.

 

 

 

 

 

 

 

 

nächste Zeile)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Avulsio nervi

Ausriss des ge-

sofortige Erblindung

Die Unterbrechung der

 

optici

samten Sehnervs

 

 

Nervenfasern ist irreversi-

 

 

 

 

an der Stelle des

 

 

bel.

 

 

 

 

Eintritts in das

 

 

 

 

 

 

 

 

Auge

 

 

 

 

18

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sehnervenläsi-

Möglich sind

Optikusatrophie mit Vi-

keine Therapie möglich

 

 

on

 

Optikusschei-

susverschlechterung

 

 

 

 

 

 

 

denhämatom,

und Gesichtsfeldverlust

 

 

 

 

 

 

 

Optikuskontu-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

sion oder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fraktur des

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Canalis nervi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

optici.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Retrobulbär-

Verletzung retro-

 

Orbitaeinblutung,

 

Resorption abwarten,

 

hämatom

bulbärer Gefäße

 

Lidhämatom und

 

Operation nur, wenn

 

 

 

 

 

 

 

Exophthalmus

 

die Zentralarterie durch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Druck verschlossen ist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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18.4 Mechanisch bedingte Verletzungen 513

Tab. 18.1 Fortsetzung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bezeichnung

Definition

Folgen

Therapie

 

der Verlet-

 

 

 

 

 

 

zung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hyphäma

Blutung in die

Patient sieht ver-

 

Aufrechte Körperhal-

 

 

Vorderkammer

schwommen.

 

tung einnehmen, damit

 

 

 

 

 

 

sich das Blut nach un-

 

 

 

 

 

 

ten absetzt und das Se-

 

 

 

 

 

 

hen ermöglicht.

 

 

 

 

 

 

Hyphäma saugt sich

 

 

 

 

 

 

von selbst auf.

 

 

 

 

 

 

 

Glaskörper-

Blutung in den

 

Bei der Ophthalmo-

Aufklaren abwarten (im-

 

blutung

Glaskörperraum

 

skopie ist im regre-

mer auch an Netzhautab-

 

 

 

 

dienten Licht kein

lösung mit Blutung aus

 

 

 

 

Rotlichtreflex mehr

eingerissener Retina den-

 

 

 

 

zu sehen.

ken!)

 

 

 

 

Visusverlust.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Orbitaboden-

Bruch des Orbita-

 

Doppelbildwahrneh-

 

Schneuzverbot bei Be-

 

fraktur (Blow-

bodens in die

 

mung am betroffe-

 

teiligung der Nasenne-

 

out-Fraktur)

Kieferhöhle hi-

 

nen Auge

 

benhöhlen (knisternder

 

 

nein

 

Blickhebungsbzw.

 

Palpationsbefund)

 

 

 

 

Blicksenkungsdefizit

 

operative Wiederher-

 

 

 

 

 

 

stellung des Orbitabo-

18

 

 

 

 

 

dens und Befreien des

 

 

 

 

 

 

eingeklemmten Orbitainhaltes

18.4.8Verletzung mit Bulbusöffnung

engl.: penetrating ocular injury

Ätiopathogenese: Verletzungen mit Bulbusöffnung sind neben den schwersten Verätzungen die extremsten Augenverletzungen. Sie werden durch scharfe Gegenstände verursacht, die Hornhaut und Sklera durchdringen. Dabei ist zwischen Perforation mit und ohne intraokularen Fremdkörper zu unterscheiden. Aber auch ein stumpfes Bulbustrauma kann bei außerordentlicher Wucht der einwirkenden Gewalt (Kuhhornstoß, Sturz auf Stock) oder bei vorgeschädigten Augen (nach Operation oder Verletzung) zur Bulbusberstung führen.

Klinisches Bild und Diagnostik: Perforierende Verletzungen bieten das gesamte klinische Spektrum von großer Korneaund Skleraeröffnung (Abb. 18.7) mit Ver-

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514 18 Unfallophthalmologie

18

Abb. 18.6 Mögliche Augenverletzungen infolge eines stumpfen Bulbustraumas. Erläuterung s. Text und Tab. 18.1.

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18.4 Mechanisch bedingte Verletzungen 515

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516 18 Unfallophthalmologie

Abb. 18.7 Perforierende Verletzung.

Bulbuseröffnendes Trauma von Hornhaut, Iris, Linse, Sklera und Netzhaut durch eine TackerKlammer.

lust der Vorderkammer bis hin zu kleinen, kaum sichtbaren, spontan dichten Verletzungen (Stichverletzung, Eintrittspforte eines Fremdkörpers). Dementsprechend kann der Visus des Patienten stark oder gar nicht beeinflusst sein.

Eine der häufigen Folgen ist die sog. Perforationskatarakt. Durch die traumatische Eröffnung der Linsenkapsel dringt Kammerwasser ein und führt zur Linsenquellung. Die Folge ist eine mehr oder weniger starke Eintrübung der Linse. Große Defekte haben innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen die vollständige Eintrü-

18bung der Linse zur Folge. Kleinere Defekte, die sich spontan wieder verschließen, verursachen manchmal nur eine umschriebene, im klassischen Fall subkapsuläre vordere oder hintere rosettenförmige Trübung (Perforationsrosette).

Je nach Ausmaß der Verletzung finden sich bei einer Bulbusperforation folgende diagnostische Zeichen:

flache oder aufgehobene Vorderkammer,

Pupillenverziehung zur Perforationsstelle hin,

Linsenquellung (Perforationskatarakt),

Vorderkammerund Glaskörperblutung,

Bulbushypotonie.

Linsenkapseleröffnung und Glaskörperblutung erschweren die Untersuchung oft, da sie die Sicht ins Auge verhindern. Deshalb ist in diesen Fällen ebenso wie bei Verdacht auf einen intraokularen Fremdkörper (ergibt sich aus der Anamnese, vgl. auch S. 499 zunächst

eine Röntgenaufnahme in 2 Ebenen nötig (um festzustellen, ob überhaupt ein Fremdkörper im Auge ist) und/oder

eine Computertomographie (ermöglicht die genaue Lokalisation des Fremdkörpers und stellt auch nicht röntgendichte Fremdkörper, z. B. aus Plexiglas, dar).

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18.4 Mechanisch bedingte Verletzungen 517

Eine Hammer-Meißel-Verletzung legt immer den Verdacht auf einen intraokularen Fremdkörper nahe (Absicherung der Diagnose durch Fundusuntersuchung in Mydriasis und Röntgenaufnahme).

Therapie:

Primärversorgung: Bei Verdacht auf eine perforierende Verletzung sollte ein steriler Verband angelegt und der Patient zur Wundversorgung an eine Augenklinik überwiesen werden. Tetanusschutz bzw. -prophylaxe sowie Infektionsprophylaxe durch systemische Antibiotikagabe sind grundsätzlich notwendig.

Chirurgische Versorgung: Bei perforierenden Verletzungen muss der Bulbus wieder zugenäht und die Vorderkammer wiederhergestellt werden. Sind Gewebe (wie z. B. die Iris) ausgetreten, müssen diese entfernt werden. Intraokulare Fremd-

Abb. 18.8 Intra-

 

okulare Fremdkör-

 

per nach Hammer-

 

Meißel-Verletzung.

 

a Der Eisensplitter

 

steckt in der Linse,

 

die Hornhaut hat sich

 

spontan wieder ver-

 

schlossen (weißer

18

Pfeil); zusätzlich

Sphinkterläsion

(schwarzer Pfeil).

b Der Eisensplitter ist über die Sklera eingetreten und steckt jetzt in der Netzhaut (hintere Bulbuswand), die er „koaguliert“ hat (Weißfärbung der umliegenden Netzhaut). Vor der Entfernung mit Vitrektomie ist der Fremdkörper mit Ar- gon-Laserherden umstellt, um die Netzhaut zu fixieren.

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