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6 Tumoren

6.1 Aderhautnävus und Aderhautmelanom N.E. Bechrakis

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik Aderhautnävus

Nävi der Aderhaut sind die häufigsten intraokularen gutartigen Tumoren mit einer Prävalenz zwischen 11–20 %.

Ca. 90 % aller Nävi der Aderhaut finden sich hinter dem Äquator und werden in der Regel erst nach der Pubertät

1

diagnostiziert, nachdem ihr Pigmentgehalt zunimmt.

Die Mehrzahl der Nävi ist asymptomatisch, gelegent-

 

 

lich können jedoch wegen einer Funktionsstörung der

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darüber liegenden Netzhaut Gesichtsfelddefekte ent-

stehen.

 

Häufig (ca. 50 % der Fälle) finden sich auf der Oberfläche

 

von Nävi Drusen und chronische degenerative Verände-

3

rungen des retinalen Pigmentepithels (RPE), selten cho-

roidale Neovaskularisationen.

 

 

Eine relativ seltene Variante eines Nävus ist das Mela-

4

nozytom, das eine sehr dunkle bis schwarze Pigmentie-

rung aufweist. Es kann in der Regel auf bzw. in der Pa-

 

pille beobachtet werden.

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Aderhautmelanom

Das Aderhautmelanom ist der häufigste primäre mali-

 

 

gne intraokulare Tumor mit einer Inzidenz von 7–8

6

Neuerkrankungen pro 1 000 000 Einwohner bei Kauka-

siern.

 

Die 5-Jahres-Mortalität beträgt je nach prognostischen

 

 

Charakteristika des Tumors 10–50 %. Da Aderhautmela-

7

nome in der Regel langsam wachsende Tumoren sind,

werden sie vom Patienten erst dann bemerkt, wenn der

 

 

Tumor oder die häufig resultierende Begleitablatio die

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Fovea oder den Sehnerv direkt tangieren.

Je weiter anterior die Lage eines Aderhautmelanoms,

 

desto später wird in der Regel der Tumor diagnostiziert.

 

Typische diagnostische Merkmale von Aderhautmela-

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nomen sind ihr Pigmentgehalt, das Vorhandensein ei-

ner Begleitablatio sowie eine niedrige Reflektivität in

der Ultraschalldiagnostik.

10 Fluorescein-Angiographie

Aderhautnävus

Es besteht kein spezifisches angiographisches Muster bei Aderhautnävi. Dunkel pigmentierte Nävi weisen in

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der Regel in allen Phasen der Angiographie eine Hypo-

 

fluoreszenz durch eine Blockade der choroidalen Hin-

 

tergrundfluoreszenz auf.

Beim Vorliegen von Drusen zeigt sich eine Hyperfluoreszenz, bei Atrophien des retinalen Pigmentepithels Fensterdefekte, wogegen Pigmentverklumpungen eine Hypofluoreszenz aufweisen. Weniger pigmentierte oder amelanotische Nävi können insgesamt hyperfluoreszent sein. In aller Regel findet sich bei Aderhautnävi keine angiographisch sichtbare Mikrozirkulation.

Aderhautmelanom

Obwohl das Aderhautmelanom eine Vielfalt von fluoresceinangiographischen Merkmalen haben kann, bestehen einige charakteristische Muster, die für die Diagnose hinweisend sein können.

Das fluoresceinangiographische Erscheinungsbild von Aderhautmelanomen ist von der Größe des Tumors, seinem Pigmentgehalt und von seiner Interaktion mit benachbarten Gewebsschichten, insbesondere dem retinalen Pigmentepithel und der Retina, abhängig.

Bei pigmentierten Aderhautmelanomen findet sich in der Regel eine frühe Hypofluoreszenz, die sich dann in den späten Phasen der Angiographie je nach Größe des Tumors in eine Hyperfluoreszenz umwandeln kann. Dabei können flache und wenig vaskularisierte Melanome auch in der Spätphase hypofluoreszent bleiben, solange das retinale Pigmentepithel nicht sekundär verändert ist (z. B. durch chronische Exsudation).

Ein typisches ophthalmoskopisches Merkmal von Aderhautmelanomen jeglicher Größe ist das Vorhandensein von „Orange Pigment“ auf der Tumoroberfläche. Es handelt sich dabei um Lipofuszinansammlungen, die fluoresceinangiographisch zu einer frühen „geographischen“ Blockade der Aderhautbzw. Tumorhyperfluoreszenz führen. In den späten Phasen können sich diese Areale sowohl hypoals auch hyperfluoreszent darstellen, in der Regel nimmt jedoch die Blockade ab und es zeigt sich das Bild einer langsam zunehmenden Hyperfluoreszenz.

Bei Veränderungen des retinalen Pigmentepithels sind frühe punktförmige Hyperfluoreszenzen, die in den späten Phasen deutlich zunehmen, typisch.

Gelegentlich finden sich Blutungen entweder in den ophthalmoskopisch sichtbaren oberflächlichen Tumorschichten, zwischen Tumoroberfläche und intakter Retina oder auch epiretinal, die je nach Lage zu unterschiedlichen Blockaden der darunter liegenden Fluoreszenz führen.

Ein typisches Merkmal von größeren Aderhautmelanomen ist der Durchbruch des Tumors durch die BruchMembran, sodass ein pilzförmiges Wachstum entsteht. Fluoresceinangiographisch findet sich bei solchen Tumoren das charakteristische Bild der „doppelten Zirkulation“. Es handelt sich dabei um die gleichzeitig sichtbare retinale und tumorale Zirkulation in der arteriellen bzw. frühen arteriovenösen Phase. Während der Rezirkulation des Fluoresceins in den späten Phasen der Angiographie entsteht dabei eine Hypofluoreszenz der großen Tumorgefäße mit diffuser Hyperfluoreszenz des umgebenen Tumorgewebes.

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Aus Heimann, H., U. Kellner, M. H. Foerster: Angiographie-Atlas des Augenhintergrundes (ISBN 9783131364913) © 2004 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart

6.1 Aderhautnävus und Aderhautmelanom

Abb. 6.1 a–h

aKlinisches Bild: Amelanotischer Aderhautnävus mit Drusen, dezenten Atrophien und Verklumpungen des darüber liegenden retinalen Pigmentepithels.

bFrühphase: „Normale“ Aderhautgefäße und eine leichte Hyperfluoreszenz des Nävus werden sichtbar.

cArteriovenöse Phase: Zunahme der Hyperfluoreszenz mit Blockade im Bereich der Pigmentverklumpungen.

dSpätphase: Weitere Zunahme der Hyperfluoreszenz auch im Bereich der Drusen.

e Klinisches Bild: Pigmentiertes flaches Aderhautmelanom mit „Orange Pigment“.

fFrühphase: Beginnende Darstellung von Tumorgefäßen unterhalb der retinalen Gefäße („doppelte Zirkulation“).

gArteriovenöse Phase: Hyperfluoreszenz an der Tumoroberfläche mit punktförmigen „Hot Spots“ und geographischer Blockade im Bereich von „Orange Pigment“.

hSpätphase: Weiterhin Blockade im Bereich von „Orange Pigment“ und Zunahme der „Hot Spots“.

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Diagnose und Behandlung

Risikofaktoren, die für eine Wachstumstendenz von Nävi hinweisend sein können, sind eine Tumordicke von mehr als 2,0 mm, eine juxtapapilläre Lage, vom Patienten bemerkte Symptome, das Vorhandensein von „Orange Pigment“, von subretinaler Flüssigkeit und von komplexen Mikrozirkulationsmustern. Bei dem Vorliegen der beiden letzteren Risikofaktoren ist die Fluores- cein-Angiographie bzw. Indocyaningrün-Angiographie sehr hilfreich und kann somit hinweisend für die Beurteilung der Behandlungsnotwendigeit von kleinen melanozytären Läsionen sein.

Darüber hinaus hat die Fluorescein-Angiographie bei der Diagnose von Aderhautmelanomen keinen sehr hohen Stellenwert und muss nicht routinemäßig bei jedem intraokularen Tumor durchgeführt werden. Allerdings kann sie in diagnostisch schwierig abzugrenzenden Fällen wichtige Hinweise bieten und insbesondere bei wenig pigmentierten Tumoren zu einer für die Therapieplanung sehr hilfreichen besseren Visualisierung der Tumorgrenzen beitragen. Weiterhin ist sie ein diagnostisches Hilfsmittel bei der Beurteilung der Strahlenretinopathie (Kap. 8.11).

Bei der Behandlung des Aderhautmelanoms stehen viele unterschiedliche bulbuserhaltende strahlentherapeutische und chirurgische Behandlungsmodalitäten zur Verfügung, an dieser Stelle sei auf spezielle Fachliteratur verwiesen.

In der letzten Zeit bestehen Bestrebungen, histologisch definierte prognostisch relevante Mikrozirkulationsmuster von Aderhautmelanomen angiographisch darzustellen, um somit einen weiteren klinischen Prognoseparameter zu erhalten. Ob diese eine prognostische Relevanz haben, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

Literatur

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Lommatzsch PK, ed. Ophthalmologische Onkologie. Stuttgart: Thieme; 1999:1–445.

Mueller AJ, Freeman WR, Schaller UC, Kampik A, Folberg R. Complex microcirculation patterns detected by confocal indocyanine green angiography predict time to growth of small choroidal melanocytic tumors: MuSIC Report II. Ophthalmology. 2002;109:2207–14.

Shields CL, Cater J, Shields JA, Singh AD, Santos MC and Carvalho C. Combination of clinical factors predictive of growth of small choroidal melanocytic tumors. Arch Ophthalmol. 2000;118:360–4.

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6.1 Aderhautnävus und Aderhautmelanom

Abb. 6.1 i–o

iKlinisches Bild: Wenig pigmentiertes großes Aderhautmelanom mit sichtbaren großen tiefen Tumorgefäßen.

jFrühphase: Parallel zur arteriellen Füllungsphase der retinalen Gefäße lassen sich sowohl komplexe Mikrozirkulationsmuster innerhalb des Tumors als auch dickere Tumorgefäße darstellen.

kMittelphase: Es findet sich eine gleichzeitige Darstellung von retinalen und Tumorgefäßen („doppelte Zirkulation“). Im Bereich einer oberflächigen Tumorpigmentierung entsteht eine fokale Blockade (Hypofluoreszenz).

lSpätphase: Eine diffuse tiefe Hyperfluoreszenz, sowie einzelne „Hot Spots“ werden sichtbar. Die großen Tumorgefäße erscheinen hypofluoreszent.

mKlinisches Bild: Mäßig pigmentiertes großes Aderhautmelanom mit „Orange Pigment“ auf der Oberfläche.

nMittelphase: Geographische Blockaden in Arealen mit „Orange Pigment“ und punktförmige „Hot Spots“.

oSpätphase: Die tiefe diffus-fokale Hyperfluoreszenz des Tumors lässt die retinalen und Tumorgefäße hypofluoreszent erscheinen.

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6.2 Aderhauthämangiom K.-M. Kreusel

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Zu unterscheiden sind umschriebene von diffusen Aderhauthämangiomen.

 

Diffuse Aderhauthämangiome treten im Rahmen eines

 

Sturge-Weber-Syndroms auf. Sie können die Aderhaut

 

teilweise oder vollständig betreffen, diese ist im Tu-

 

morbereich diffus verdickt und tiefrot verfärbt

1

(„Ketchup“-Fundus). Ipsilateral bestehen häufig ein Se-

kundärglaukom, ein Nävus flammeus der Gesichtshaut

 

 

sowie leptomeningeale Hämangiome. Diffuse Ader-

2

hauthämangiome werden oft schon in der Kindheit

durch eine exsudative Netzhautablösung symptoma-

 

tisch.

 

Umschriebene Aderhauthämangiome treten bei sonst

3

gesunden Patienten auf, werden im mittleren Lebensal-

ter symptomatisch, sind fast immer solitär und zentral

 

 

des Äquators lokalisiert. Sie zeigen sich als prominente,

4

himbeerfarbene subretinale Tumoren, zudem können

sekundäre Pigmentverschiebungen, ein Makulaödem

 

und eine exsudative Netzhautablösung bestehen.

 

Beide Aderhauthämangiomarten sind hamartomatöse

5

Veränderungen, sie zeigen in der Regel keine Größen-

zunahme. Histologisch bestehen sie aus kavernösen

 

 

und kapillaren Gefäßnetzen.

6

Fluorescein-Angiographie

 

Umschriebene Aderhauthämangiome zeigen ein cha-

 

 

rakteristisches fluoresceinangiographisches Erschei-

7

nungsbild, welches wegweisend für die Diagnose ist.

Nach Injektion des Fluoresceins kommt es zu einer sehr

 

 

raschen Füllung des Hämangioms, so dass sich das tu-

8

moreigene Gefäßsystem bereits vor der Füllung der re-

tinalen Gefäße darstellt. Entscheidend für die Diagnose

 

ist der rasche Beginn der Fundusfotografie direkt nach

 

Injektion des Fluoresceins!

9

Im weiteren Verlauf der Angiographie kommt es zu-

nächst zu einer deutlicheren Darstellung des Gefäßsys-

 

tems des Hämangioms, schließlich durch die zuneh-

10

mende Farbstoffleckage aus dem Hämangiom zu einer

zunehmenden diffusen Hyperfluoreszenz im Tumora-

 

real.

 

Bei der Diagnose diffuser Aderhauthämangiome hat die

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Fluorescein-Angiographie keine Bedeutung.

 

Diagnose und Behandlung

Umschriebene Aderhauthämangiome können ophthalmoskopisch mitunter unscheinbar wirken, sind aber im stereoskopischen Bild anhand ihrer Prominenz zu erkennen. Sekundäre Pigmentepithelveränderungen können die differenzialdiagnostische Unterscheidung vom Aderhautmelanom erschweren.

Beim umschriebenen Aderhauthämangiom ist die Fluo- rescein-Angiographie wegweisend für die Diagnose und die Bestimmung der Ausdehnung.

Bei der Diagnose diffuser Aderhauthämangiome ist das charakteristische funduskopische Bild zusammen mit den fast immer vorhandenen weiteren Organläsionen des Sturge-Weber-Syndroms wegweisend.

Weitere diagnostische Maßnahmen sind die Sonographie sowie die hochauflösende Kernspintomographie der Orbita, die eine differenzialdiagnostische Abgrenzung zum Aderhautmelanom ermöglichen.

Therapeutisch kommen die externe Strahlentherapie mittels Photonen oder Protonen, die Lasertherapie mittels Argonoder Diodenlaser und auch die photodynamische Therapie zur Anwendung.

Literatur

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Schilling H, Sauerwein W, Lommatzsch A, et al. Long-term results after low dose ocular irradiation for choroidal haemangiomas. Br J Ophthalmol. 1997;81:267–73.

Stroszczynski C, Hosten N, Bornfeld N, et al. Choroidal hemangioma: MR findings and differentiation from uveal melanoma. AJNR Am J Neuroradiol. 1998;19:1441–7.

Sullivan TJ, Clarke MP, Morin JD. The ocular manifestations of the Sturge-Weber syndrome. J Pediatr Ophthalmol Strabismus. 1992;29:349–56.

Wessing A. Fluorescein-angiography and the differential diagnosis of choroidal tumors. Bull Soc Belge Ophtalmol. 1977;175:5–14.

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6.2 Aderhauthämangiom

Abb. 6.2 a–f

aKlinisches Bild: Umschriebenes Aderhauthämangiom in der Makula, von unten bis an die Fovea heranreichend, mit begleitender exsudativer Netzhautablösung bis an die Papille heran. Durch die im Vergleich zum normalen Gewebe etwas dunklere Färbung ist dieses Hämangiom ophthalmoskopisch gut sichtbar.

bFrühphase: Bereits vor der Füllung des retinalen Gefäßsystems kommt es zu einer Darstellung des Gefäßsystems des Hämangioms. Es zeigt sich ein geflechtartiges, grobes Gefäßmuster mit deutlichen Kaliberschwankungen.

cFrühphase: Die Netzhautgefäße beginnen sich zu füllen. Es zeigt sich bereits eine zunehmende ungleichmäßige Hyperfluoreszenz im Tumorbereich sowohl durch Akkumulation des Fluoresceins in

kavernösen Bereichen des Hämangioms als auch durch Farbstoffaustritt aus den Hämangiomgefäßen.

dSpätphase: Weiter zunehmende fleckige Hyperfluoreszenz im Tumorbereich als Ausdruck der intraund extravasalen Farbstoffakkumulation.

eKlinisches Bild: Umschriebenes juxtapapilläres Hämangiom nasal der Papille, welches sich ophthalmoskopisch lediglich durch die etwas hellere und fleckige Funduszeichnung sowie durch die im stereoskopischen Bild sichtbare Prominenz darstellt.

fSpätphase: Die persistierende Hyperfluoreszenz entspricht der Flächenausdehnung des Hämangioms.

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6 Tumoren

6.3 Kapilläres retinales Angiom

K.-M. Kreusel

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Diagnose und Behandlung

Kapilläre retinale Angiome sind langsam wachsende, benigne retinale Tumoren aus proliferierten Kapillaren und Gliazellen. Sie treten überwiegend im Rahmen eines Von-Hippel-Lindau-Syndroms (VHL, autosomaldominantes Multitumorsyndrom, Prävalenz 1:40 000), dann meistens multipel und bilateral, auf. Seltener sind

1nichtsyndromale, dann immer solitäre Angiome zu beobachten.

Große periphere Angiome zeigen ein typisches oph-

2

thalmoskopisches Erscheinungsbild mit auffällig dila-

tierten und geschlängelten versorgenden Gefäßen

 

(“Feeder Vessels“).

3

Juxtapapilläre Angiome zeigen ein weniger typisches

Erscheinungsbild. Ein endophytisches, intraretinales

 

 

oder exophytisches Wachstum kann unterschieden

 

werden.

4

Bei großen und/oder multiplen Tumoren finden sich se-

kundäre Veränderungen wie Makulaödem, epiretinale

 

Membranen, traktive und/oder exsudative Netzhautab-

 

lösung.

5

Fluorescein-Angiographie

 

 

Bei peripheren Angiomen zeigen sich in Abhängigkeit

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von der Angiomgröße deutlich verbreiterte zuund ab-

führende Gefäße. Diese können sich, bedingt durch den

 

höheren Blutfluss, in der frühen Phase schneller füllen

 

 

als die umgebenden normalen Netzhautgefäße.

7

Bei größeren Angiomen zeigt sich eine in der arterio-

venösen Phase beginnende, in der Spätphase oft ausge-

 

 

prägte Leckage aus dem Tumor, nicht jedoch aus den

8

versorgenden Gefäßen.

Die kapillare Struktur peripherer Angiome ist in der Re-

 

gel angiographisch nicht zu differenzieren, kann bei

 

juxtapapillären Angiomen jedoch zur Darstellung kom-

9

men.

Das umgebende retinale Gefäßsystem ist in der Regel

 

unauffällig.

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Juxtapapilläre Angiome füllen sich deutlich nach der

Aderhautfüllung zusammen mit oder sogar erst nach

 

den arteriellen retinalen Gefäßen. Dieses ist ein wichti-

 

ges angiographisches Kriterium zur differenzialdiag-

11

nostischen Abgrenzung vom juxtapapillären Aderhaut-

hämangiom.

Die Diagnose kann bei peripheren Angiomen in der Regel anhand des typischen ophthalmoskopischen Erscheinungsbildes gestellt werden. Bei der Diagnose und Dokumentation von Mikroangiomen kann die Fluores- cein-Angiographie hilfreich sein. Bei juxtapapillären Angiomen trägt die Fluorescein-Angiographie entscheidend zur differenzialdiagnostischen Einordnung bei.

Die Eigenund Familienanamnese hinsichtlich des Vorliegens eines Von-Hippel-Lindau-Syndroms sollte sorgsam erhoben werden, ferner ist eine genetische Beratung und Untersuchung des VHL-Gens ratsam. Bei Verdacht oder Nachweis eines Von-Hippel-Lindau-Syn- droms sind umfangreiche und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen nach Vorliegen weiterer Organmanifestationen indiziert (Hämangioblastome des Zentralnervensystems, abdominelle Tumoren).

Die Therapie richtet sich nach Angiomgröße und -lage sowie dem Vorliegen sekundärer Veränderungen. Als therapeutische Maßnahmen kommen eine Argonlaserkoagulation, eine transpupilläre Thermotherapie, eine Brachytherapie oder eine Vitrektomie in Frage. Schwierig ist die Therapie juxtapapillärer Angiome, hier können eine Protonentherapie oder auch eine photodynamische Therapie indiziert sein.

Literatur

Gass JD, Braunstein R. Sessile and exophytic capillary angiomas of the juxtapapillary retina and optic nerve head. Arch Ophthalmol. 1980;98:1790–7.

Grossniklaus HE, Thomas JW, Vigneswaran N and Jarrett WH, 3rd. Retinal hemangioblastoma. A histologic, immunohistochemical, and ultrastructural evaluation. Ophthalmology. 1992;99:140–5.

Kreusel KM, Bornfeld N, Lommatzsch A, Wessing A, Foerster MH. Ru- thenium-106 brachytherapy for peripheral retinal capillary hemangioma. Ophthalmology. 1998;105:1386–92.

Kreusel KM, Bechrakis NE, Heinichen T, Neumann L, Neumann HP, Foerster MH. Retinal angiomatosis and von Hippel-Lindau disease. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2000;238:916–21.

Neumann HP, Lips CJ, Hsia YE, Zbar B. Von Hippel-Lindau syndrome. Brain Pathol. 1995;5:181–93.

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6.3 Kapilläres retinales Angiom

Abb. 6.3 a–f

aKlinisches Bild: Großes peripheres Angiom mit massiv dilatierten versorgenden Netzhautgefäßen und tumorfernen, typischerweise in der Makula befindlichen Lipidexsudaten.

bFrühphase: Es zeigt sich eine rasche, zunächst aber ungleichmäßige Füllung des Angioms durch die zuführenden Arterien.

cArteriovenöse Phase: Beginnender Farbstoffaustritt aus dem Angiom, der im Verlauf beträchtlich zunehmen kann.

dKlinisches Bild: Juxtapapilläres intraretinales Angiom am temporalen Papillenrand mit Abhebung der neurosensorischen Retina der Makula.

eFrühphase. Die Füllung des Angioms vollzieht sich in der arteriellen Phase mit einer Verzögerung im Vergleich zu den arteriellen retinalen Gefäßen, die kapillare Struktur des Tumors kommt zur Darstellung.

fFrühe arteriovenöse Phase: Das Angiom ist vollständig gefüllt, in den späteren Phasen zeigt sich eine zunehmende Farbstoffleckage in die Makula hinein.

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6.4 Astrozytom K.-M. Kreusel

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Astrozytome sind retinale Hamartome, die häufig im Rahmen einer tuberösen Sklerose (Morbus Bourne- ville-Pringle), selten sporadisch oder bei Neurofibromatose Typ 1 auftreten.

Astrozytome sind nicht progredient und fast immer asymptomatisch. Sie liegen sehr oberflächlich in den

1inneren Netzhautschichten, verdecken typischerweise die Netzhautgefäße, können einzeln oder multipel, juxtapapillär oder in der peripheren Netzhaut vorliegen.

2

Häufiger ist der flauschige Typ, seltener der typische

Maulbeeraspekt, der einer zystischen Degeneration des

 

Tumors entspricht. Die Umwandlung vom flauschigen

3

zum maulbeerartigen Typ ist möglich.

Histologisch bestehen Astrozytome aus spindelförmi-

 

 

gen oder pleomorphen Astrozyten mit einem basalen

 

Gefäßnetz. Unterschiedliche Grade der Verkalkung so-

4

wie zystische Hohlräume können vorhanden sein.

Bei etwa 50 % der Patienten mit tuberöser Sklerose lie-

 

gen retinale Astrozytome vor. Weitere Stigmata dieses

 

sich bereits in der Kindheit manifestierenden autoso-

5

mal-dominanten Syndroms (Prävalenz: 1:10 000) sind

Hautläsionen (Plaques, Hypopigmentationen), ZNS-

 

 

Veränderungen (Tuber, Verkalkungen), die zu Retardie-

6

rung und Epilepsie führen können, sowie viszerale Tu-

moren (kardiales Rhabdomyom, renales Angiomyoli-

 

pom, Nierenzysten). Molekulargenetisch lassen sich as-

 

 

soziierte Genorte auf den Chromosomen 9 und 16 nach-

7

weisen.

 

 

Fluorescein-Angiographie

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In der Frühphase zeigt sich eine relative Blockade der

Hintergrundfluoreszenz durch die Tumormasse, die re-

 

tinalen Gefäße können teilweise durchscheinen.

 

In der mittleren Phase kann ein feines tumoreigenes

9

basales Gefäßnetz zur Darstellung kommen, das durch

die darüber liegende avaskuläre Tumormasse jedoch

 

nicht immer deutlich zu sehen ist. Die Gefäßdichte ist

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beim flauschigen Typ höher als beim maulbeerartigen

Typ.

In der späten Phase kommt es zu einer Leckage aus dem tumoreigenen Gefäßsystem, die zu einer zunehmenden Hyperfluoreszenz des Tumors und zur Verschleierung des tumoreigenen Gefäßnetzes führt.

Diagnose und Behandlung

Das Astrozytom vom maulbeerartigen Typ ist anhand seines typischen ophthalmoskopischen Aspekts leicht zu erkennen.

Das Astrozytom vom flauschigen Typ kann ophthalmoskopisch nicht sicher vom Retinoblastom abgegrenzt werden, es existieren auch keine gesicherten fluoreszenzangiographischen Unterscheidungskriterien.

Bei der Abgrenzung zum Retinoblastom können weitere Organmanifestationen einer tuberösen Sklerose wie frühkindliche Krämpfe oder Hautmanifestationen („White Spots“) sowie eine positive Familienanamnese wegweisend sein. Das pathognomonische Adenoma sebaceum tritt erst in der Pubertät auf.

Im Unterschied zum Retinoblastom sind Astrozytome fast immer inaktiv, d. h. es treten keine Glaskörperaussaat, Amotio, Blutungen oder weiße Nekrosen auf; lediglich Glaskörperblutungen sind in Einzelfällen beschrieben worden.

Eine Therapie des Astrozytoms ist nicht erforderlich. Bei Verdacht auf Vorliegen einer tuberösen Sklerose sind kinderärztliche bzw. internistische und neurologische Untersuchungen sowie eine genetische Beratung indiziert.

Literatur

Herwig M, Laqua H. Klinisches Bild und Verlaufsbeobachtungen beim astrozytären Hamartom der Netzhaut und der Papille. Klin Monatsbl Augenheilkd. 1984;184:115–20.

Messmer EP, Ruggli GH, Apple DJ, Naumann GOH. Spezielle Pathologie der Retina. In: Naumann GOH, ed. Pathologie des Auges. 2. Aufl. Berlin: Springer Verlag; 1997:1124–5.

Neumann HP, Kandt RS. Klinik und Genetik der tuberösen Sklerose. Dtsch Med Wochenschr. 1993;118:1577–83.

Zimmer-Galler IE, Robertson DM. Long-term observation of retinal lesions in tuberous sclerosis. Am J Ophthalmol. 1995;119:318–24.

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6.4 Astrozytom

Abb. 6.4 a–f

aKlinisches Bild: Sporadisches Astrozytom am temporal unteren Gefäßbogen mit angedeutet maulbeerartiger Struktur am zentralen Rand des Tumors. Dieser ist in den inneren Netzhautschichten lokalisiert, die Netzhautgefäße werden überdeckt.

bFrühe arteriovenöse Phase: Es zeigt sich eine relative Blockade der Hintergrundfluoreszenz im Tumorbereich, im Randbereich des Tumors zeigen sich durchscheinende retinale Gefäße.

cSpäte arteriovenöse Phase: Ein tumoreigenes Gefäßsystem kommt zur Darstellung. Durch die Lokalisation in den basalen Tumoranteilen und die darüber liegenden Tumoranteile erscheinen die Gefäße diffus.

dSpätphase: Es zeigt sich eine persistierende Hyperfluoreszenz im Tumorareal, bedingt durch die Fluoresceinleckage aus den tumoreigenen Gefäßen.

eAdenoma sebaceum der Gesichtshaut bei tuberöser Sklerose. Dieses pathognomonische Stigma tritt erst in der Pubertät auf.

fJuxtapapilläres Astrozytom vom flauschigen Typ (gleicher Patient wie in e). Dieser Typ des Astrozytoms zeigt einen weniger charakteristischen Aspekt als der maulbeerartige.

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6.5 Aderhautmetastase K.-M. Kreusel

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Die Aderhaut ist die bei weitem häufigste Lokalisation einer intraokularen Metastasierung. Eine Aderhautmetastasierung tritt bei ca. 10 % aller fortgeschrittenen Karzinomerkrankungen auf und ist somit die häufigste intraokulare Tumorerkrankung. Symptomatische Aderhautmetastasen sind klinisch jedoch weitaus seltener als das primäre Aderhautmelanom.

Der klinisch häufigste Primärtumor ist das dann in der Regel bereits diagnostizierte Mammakarzinom. Die Aderhautmetastasierung kann gelegentlich aber auch das erste klinische Zeichen einer Tumorerkrankung sein; in der Regel liegt dann ein Bronchialkarzinom vor.

Funduskopisch zeigen sich typischerweise multiple flache, weißliche oder cremefarbene Läsionen zentral des Äquators.

Seltener manifestiert sich die Aderhautmetastase als hochprominenter melanotischer Tumor mit begleitender Netzhautablösung; eine Verwechslung mit dem primären Aderhautmelanom ist dann möglich.

Fluorescein-Angiographie

Aderhautmetastasen zeigen kein einheitliches charakteristisches angiographisches Erscheinungsbild.

Bei flachen Läsionen zeigt sich in den frühen Phasen der Angiographie eine Blockade der Hintergrundfluoreszenz, in der Spätphase ist eine geringe Hyperfluoreszenz möglich.

Bei prominenten Läsionen können ein tumoreigenes Gefäßsystem sowie eine ausgeprägtere Farbstoffleckage sichtbar sein.

Diagnose und Behandlung

Bei bekannter Grunderkrankung und Vorliegen typischer multipler choroidaler Läsionen ist die Diagnosestellung anhand des ophthalmoskopischen Erscheinungsbildes möglich.

Bei solitären, hochprominenten Metastasen ist die ophthalmoskopische Abgrenzung zum Aderhautmelanom nicht sicher möglich.

Die Sicherung der Diagnose erfolgt in der Regel durch den Nachweis der Grunderkrankung bzw. weiterer Organmetastasen bei bereits bekannter Tumorerkrankung. Bei nicht sicher zuzuordnenden Befunden kann eine intraokulare Biopsie erforderlich sein.

Standardtherapie ist die Teletherapie mittels Photonen, bei großen solitären Metastasen kann auch eine Brachytherapie mittels Applikator indiziert sein.

Literatur

Albert DM, Rubenstein RA, Scheie HG. Tumor metastasis to the eye. I. Incidence in 213 adult patients with generalized malignancy. Am J Ophthalmol. 1967;63:723–6.

Bechrakis NE, Foerster MH, Bornfeld N. Biopsy in indeterminate intraocular tumors. Ophthalmology. 2002;109:235–42.

Kreusel KM, Wiegel T, Stange M, Bornfeld N, Hinkelbein W, Foerster MH. Choroidal metastasis in disseminated lung cancer: frequency and risk factors. Am J Ophthalmol. 2002;134:445–7.

Shields CL, Shields JA, Gross NE, Schwartz GP, Lally SE. Survey of 520 eyes with uveal metastases. Ophthalmology. 1997;104:1265–76.

Wiegel T, Bottke D, Kreusel KM, et al. External beam radiotherapy of choroidal metastases–final results of a prospective study of the German Cancer Society (ARO 95–08). Radiother Oncol. 2002;64:13–8.

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6.5 Aderhautmetastase

Abb. 6.5 a–f

a Klinisches Bild: Konfluierende flache, amelanotische Aderhautmetastasen bei metastasierendem Adenokarzinom unbekannter Ätiologie.

bArteriovenöse Phase: Diskrete fleckige Hyperfluoreszenz im Tumorareal, kein Nachweis eines tumoreigenen Gefäßsystems.

cSpätphase: Persistierende Hyperfluoreszenz ohne signifikante Farbstoffleckage im Tumorareal.

dKlinisches Bild: Hochprominente Aderhautmetastase eines Bronchialkarzinoms am hinteren Pol, von temporal her bis unter die Fovea reichend.

e Frühe arteriovenöse Phase: Vollständige Blockade der Hintergrundfluoreszenz im Tumorareal, ein tumoreigenes Gefäßsystem stellt sich noch nicht dar.

fSpäte arteriovenöse Phase: Ein tumoreigenes Gefäßsystem mit aneurysmatisch aufgeweiteten Kapillaren kommt zur Darstellung, im weiteren Verlauf zunehmende Farbstoffleckage aus den Gefäßen.

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6 Tumoren

6.6 Vasoproliferative Tumoren

K.-M. Kreusel

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Diagnose und Behandlung

Vasoproliferative Tumoren sind seltene, gutartige retinale Tumoren unklarer Ätiologie, die meistens unilateral und solitär auftreten, aber auch multipel vorliegen können.

Betroffen sind überwiegend sonst gesunde Patienten zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr, möglicherweise

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besteht eine genetische Disposition.

 

 

In etwa 1/4 der Fälle besteht eine Assoziation zu ande-

 

ren okulären Erkrankungen wie Uveitis, Retinitis pig-

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mentosa, Frühgeborenenretinopathie, Retinochoroidi-

tis, Sichelzellretinopathie oder einer lang bestehenden

 

Netzhautablösung.

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Vasoproliferative Tumoren finden sich überwiegend in

der unteren Peripherie als gelbliche bis rötliche promi-

 

 

nente Läsionen mit nur gering dilatierten, manchmal

 

multiplen versorgenden Gefäßen. Oft zeigen sich aus-

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geprägte Lipidexsudate um den Tumor herum bis hin

zu pseudotumorösen Veränderungen, umgebende re-

 

aktive Pigmentepithelveränderungen sowie retinale

 

Blutungen, seltener auch Glaskörperblutungen.

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Die Tumoren werden durch ein sekundäres Makula-

ödem oder Glaskörperblutungen, in fortgeschrittenen

 

 

Stadien durch eine exsudative oder traktive Netzhaut-

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ablösung symptomatisch.

Histologisch finden sich proliferierte Gliazellen in Asso-

 

ziation mit einem kapillaren, teilweise teleangiekta-

 

 

tisch erweiterten Gefäßnetzwerk.

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Fluorescein-Angiographie

 

Die Angiographie ermöglicht den Nachweis der vasku-

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lären Natur des Tumors. In der Frühphase stellen sich

die versorgenden Arterien dar, oft ist auch eine Diffe-

 

renzierung des kapillaren, intratumoralen Gefäßsys-

 

tems möglich.

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In den späteren Phasen stellen sich die drainierenden

Venen dar und es zeigt sich eine zunehmende diffuse

 

Leckage aus den Tumorgefäßen.

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Die Tumorstruktur erscheint angiographisch nicht sel-

ten inhomogen mit Bereichen lockerer und dichter Ka-

 

pillarstruktur.

 

In der Mehrzahl der Fälle werden intratumoral telean-

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giektatische Gefäßaufweitungen sichtbar.

 

Die Diagnose wird durch das ophthalmoskopische und angiographische Bild gestellt.

Die differenzialdiagnostische Abgrenzung zum kapillären retinalen Angiom kann schwierig sein. Kapilläre retinale Angiome treten bei im Durchschnitt jüngeren Patienten, überwiegend im Rahmen eines Von-Hippel- Lindau-Syndroms auf, zeigen in der Regel dilatierte und geschlängelte versorgende Gefäße und eine klar begrenzte, halbkugelförmige Tumorstruktur.

Bei klinisch-ophthalmologisch nicht möglicher Abgrenzung zum kapillären retinalen Angiom sollte ein Von-Hippel-Lindau-Syndrom anamnestisch, klinisch und molekulargenetisch ausgeschlossen werden.

Die Behandlung vasoproliferativer Tumoren richtet sich nach Größe der Läsionen und dem Vorhandensein sekundärer Komplikationen.

Bei kleinen Läsionen können eine Argonlaserkoagulation oder eine transpupilläre Thermotherapie, bei sehr peripherer Lage auch eine Kryotherapie indiziert sein. Bei größeren Läsionen ist die Brachytherapie der Kryotherapie überlegen.

Bei sekundären Veränderungen wie Traktionsmembranen, Macular Pucker oder ausgedehnter exsudativer Netzhautablösung kann eine Vitrektomie indiziert sein.

Literatur

Heimann H, Bornfeld N, Vij O, et al. Vasoproliferative tumours of the retina. Br J Ophthalmol. 2000;84:1162–9.

Irvine F, O’Donnell N, Kemp E, Lee WR. Retinal vasoproliferative tumors: surgical management and histological findings. Arch Ophthalmol. 2000;118:563–9.

Shields CL, Shields JA, Barrett J, De Potter P. Vasoproliferative tumors of the ocular fundus. Classification and clinical manifestations in 103 patients. Arch Ophthalmol. 1995;113:615–23.

Wachtlin J, Heimann H, Jandeck C, et al. Bilateral vasoproliferative retinal tumors with identical localization in a pair of monozygotic twins. Arch Ophthalmol. 2002;120:860–2.

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6.6 Vasoproliferative Tumoren

Abb. 6.6 a–e

aKlinisches Bild: In der unteren Peripherie gelegener vasoproliferativer Tumor mit nur minimal dilatierten versorgenden Gefäßen und umgebenden Lipidexsudaten.

bFrühphase: Es stellen sich zwei, von beiden Seiten an den Tumor heranführende, versorgende arterielle Gefäße dar, die kapillare Struktur des Tumors ist gut zu erkennen.

cSpäte arteriovenöse Phase: Es kommt zu einer zunehmenden Farbstoffleckage aus dem Tumor, so dass die Tumordetails und -grenzen zunehmend schlechter zu differenzieren sind.

dKlinisches Bild: Größerer, in der unteren Peripherie gelegener fibrovaskulärer Tumor mit umgebenden Lipidexsudaten; die zuführende Arterie erscheint geschlängelt, die drainierende Vene ist vermehrt gefüllt und zeigt Kaliberschwankungen.

eSpätphase von d: Die Angiographie zeigt deutlich die inhomogene Binnenstruktur des Tumors mit einem solideren Anteil ohne differenzierbare Gefäßstrukturen und deutlicher Farbstoffleckage sowie einem Anteil mit deutlich erkennbarem teleangiektatisch aufgeweitetem Kapillarnetz.

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6.7 Indocyaningrün-Angiographie bei Tumoren L. Krause

Einleitung

Die Färbeeigenschaften intraokularer Tumoren sind deutlicher mit der Indocyaningrün-Angiographie (ICG) als mit der Fluorescein-Angiographie darstellbar, da Aderhautgefäße in der ICG-Angiographie besser abgegrenzt werden können und der Großteil intraokularer Tumoren in der Aderhaut lokalisiert ist.

Allerdings konnte die zunächst erhoffte differenzialdiagnostische Relevanz der Indocyaningrün-Angiogra- phie bei Tumoren bis heute nicht bestätigt werden.

Zur klinischen und fluoresceinangiographischen Diagnostik wird auf die vorherigen Kapitel (6.1, 6.2, 6.5) verwiesen.

Indocyaningrün-Angiographie

Aderhautmelanom

Frühphase: Hypofluoreszenz im Tumorbereich durch die Blockade der Aderhautfüllung durch den Tumor. Häufig zeigen sich feine Gefäße innerhalb des Tumors, ein sog. tumoreigenes Gefäßnetz.

Arteriovenöse Phase: Weiterbestehen der Blockade der Aderhautfüllung. Auftreten von Hyperfluoreszenzen im Tumor als Ausdruck einer Leckage der Tumorgefäße.

Spätphase: Die Hyperfluoreszenzen als Leckagephänomen im Tumor nehmen zu.

Aderhauthämangiom

Frühphase: Typische, sehr frühe Hyperfluoreszenz im Tumorbereich durch große intratumorale Gefäße.

Arteriovenöse Phase: Zunahme der Hyperfluoreszenz im Tumorbereich.

Spätphase: Die Hyperfluoreszenzen im Tumor nehmen zu, Farbstoff tritt aus den Aderhautgefäßen aus und verursacht eine diffuse Hyperfluoreszenz im Tumor.

Aderhautmetastase

Frühphase: Hypofluoreszenz im Tumorbereich durch die Blockade der Aderhautfüllung durch den Tumor. Meistens zeigen sich keine Gefäße innerhalb des Tumors.

Arteriovenöse Phase: Weiterbestehen der Blockade der Aderhautfüllung. Auftreten von Hyperfluoreszenzen im Tumor als Ausdruck von Pigmentepitheldefekten.

Spätphase: Die Hyperfluoreszenzen im Tumor nehmen zu.

Literatur

Krause L, Bechrakis NE, Kreusel KM, Servetopoulou F, Heinrich S, Foerster MH. Indocyaningrün Angiographie bei Aderhautmetastasen. Ophthalmologe. 2002;99:617–9.

Meyer K, Augsburger JJ. Independent diagnostic value of fluorescein angiography in the evaluation of intraocular tumors. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 1999;237:489–94.

Mueller AJ, Bartsch DU, Folberg R, et al. Imaging the microvasculature of choroidal melanomas with confocal indocyanine green scanning laser ophthalmoscopy. Arch Ophthalmol. 1998;116: 31–9.

Sallet G, Amoaku WM, Lafaut BA, Brabant P, De Laey JJ. Indocyanine green angiography of choroidal tumors. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 1995;233:677–89.

Saßmannshausen L, Bornfeld N, Foerster MH, Sauerwein W, Schreiber T. Metastasen maligner extraokularer Tumoren in der Aderhaut. Fortschr Ophthalmol. 1990;87:69–73.

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6.7 Indocyaningrün-Angiographie bei Tumoren

Abb. 6.7 a–i

aKlinisches Bild: Malignes Melanom der Aderhaut mit „Orange Pigment“ auf der Tumoroberfläche. Der Tumor ist unterschiedlich stark pigmentiert.

bArteriovenöse Phase: Deutlich zu erkennen ist die Blockade der Aderhautfüllung durch den Tumor. Die Netzhautgefäße haben sich bereits gefüllt. Innerhalb des Tumors kann ein tumoreigenes Gefäßnetz dargestellt werden, das sich von der Architektur her weder den Aderhautgefäßen noch den Netzhautgefäßen zuordnen lässt.

cSpätphase: Im Gegensatz zu den Fluorescein-Angiographien kommt es kaum zu einer Leckage innerhalb des Tumors. Daher lassen sich die tumoreigenen Gefäße auch nach diesem Zeitraum noch gut erkennen. Ferner blockiert der Tumor weiter die Aderhautfüllung.

dKlinisches Bild: Aderhauthämangiom mit typischer Lokalisation am hinteren Augenpol. Funduskopisch erscheinen diese Tumoren rötlich.

eFrühphase: Charakteristisch für das Aderhauthämangiom ist die sehr frühe Anfärbbarkeit des Tumors. In der frühen Phase zeigt

sich keine Blockade der Aderhautfüllung. Deutlich zu erkennen sind die Gefäße innerhalb des Tumors.

fSpätphase: Zunahme der Hyperfluoreszenz im Tumor als Ausdruck einer zunehmenden Leckage. Während die Fluoreszenz in der übrigen Aderhaut abnimmt, bleibt das Hämangiom hyperfluoreszent.

gKlinisches Bild: Die Abbildung zeigt eine Aderhautmetastase am temporal unteren Gefäßbogen. Funduskopisch findet sich häufig eine Verklumpung von Pigment, so dass die Tumoren ein getüpfeltes Aussehen bekommen. Bei größeren Metastasen findet sich meist eine Begleitablatio.

hMittelphase: Deutliche Blockade der Aderhautfüllung durch die Metastase, intratumorale Gefäße finden sich nicht. In der Metastase bestehen feinfleckige Hyperfluoreszenzen.

iSpätphase: Auch in der Spätphase besteht weiterhin eine deutliche Blockade der Aderhautfüllung. Die fleckförmigen Hyperfluoreszenzen nehmen in der Intensität etwas zu, deutliche Leckagen finden sich nicht.

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