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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Angiographie-Atlas des Augenhintergrundes_Heinrich Heimann, Kellner, Foerster_2004.pdf
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5 Hereditäre und toxische Netzhauterkrankungen

 

 

5.1 Retinitis pigmentosa

U. Kellner

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

In der Spätphase finden sich Leckagen bei zystoidem

 

Retinitis pigmentosa ist der Oberbegriff für die Gruppe

Makulaödem oder bei Gefäßveränderungen wie bei

 

der häufigsten Netzhautdystrophien (Prävalenz ca.

Morbus Coats.

 

1:5000).

Verschiedene Phänomene in der Autofluoreszenz, wie

 

Mutationen in mindestens 32 Genen sind mit der Ent-

eine verstärkte perifoveale Fluoreszenz, können mögli-

 

stehung einer Retinitis pigmentosa assoziiert. Es ist zu

cherweise klinisch die Retinitis pigmentosa besser dif-

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erwarten, dass noch zahlreiche weitere Genassoziatio-

ferenzieren.

nen gefunden werden.

 

 

 

 

Die Genprodukte dieser Gene werden entweder im reti-

Diagnose und Behandlung

 

nalen Pigmentepithel oder den Photorezeptoren expri-

Die Erstdiagnose einer Retinitis pigmentosa umfasst

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miert. Innerhalb des Photorezeptor-Pigmentepithel-

zusätzlich zur normalen augenärztlichen Untersu-

Komplexes zieht der Untergang einer Zellgruppe die

chung die Prüfung des Gesichtsfeldes, Ophthalmosko-

 

Destruktion der anderen nach sich. Dabei ist klinisch

pie in Mydriasis und die Ableitung eines Elektroretino-

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nicht zu erkennen, ob der primäre Schaden im Photore-

gramms.

zeptor oder im Pigmentepithel lokalisiert ist. In der Re-

Auch bei typischem ophthalmoskopischen Befund ist

 

 

gel sind die Stäbchen vorwiegend betroffen, die Dege-

die Ableitung eines Elektroretinogramms sinnvoll, da

 

neration der Stäbchen bedingt später auch die Degene-

erhebliche Diskrepanzen zwischen morphologischem

4

ration der Zapfen.

und funktionellem Befund bestehen können und die

Alle Erbgänge (autosomal-dominant, autosomal-rezes-

Funktionsbeurteilung die geeignetere Grundlage für

 

siv, X-chromosomal, mitochondrial) kommen vor. Eine

die Beratung des Patienten ist.

 

Kombination mit anderen Organmanifestationen bei

Therapeutische Heilungsmöglichkeiten bestehen nicht.

 

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Syndromen (z. B. Schwerhörigkeit: Usher-Syndrom) ist

Wichtig ist der Ausgleich häufiger Refraktionsfehler

nicht selten.

und ggf. die Anpassung von Kantenfiltern und vergrö-

 

 

Der Zeitpunkt der Manifestation variiert zwischen kon-

ßernden Sehhilfen.

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genital (= kongenitale Leber-Amaurose) bis zu gering

Die Gabe von Vitamin-A-Palmitat kann bei einigen For-

ausgeprägten Verläufen, die erst im hohen Lebensalter

men der Retinitis pigmentosa eine Verlangsamung des

 

zufällig entdeckt werden. Wegen dieser Variabilität ist

Verlaufes bewirken.

 

eine individuelle Prognose sehr schwierig.

Die häufig früh auftretende Katarakt sollte operiert

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Klinisch ist der Verlauf durch einen Beginn mit Nacht-

werden, da sie in der Regel als hinterer Polstar genau

sehstörungen gekennzeichnet. Es kommt zu langsam

vor dem zentralen Gesichtsfeldrest liegt.

 

 

progredienten peripheren Gesichtsfeldausfällen, so

 

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dass häufig nur eine zentrale Gesichtsfeldinsel übrig

Literatur

bleibt. Im Elektroretinogramm (ERG) finden sich stark

Gass JD. Retinitis pigmentosa (rod-cone dystrophies). In: Gass JD, ed.

Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment.

 

reduzierte oder nicht nachweisbare Reizantworten.

 

4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:352–8.

 

 

 

Fluorescein-Angiographie

Kellner U. Hereditäre Netzhautdystrophien. 2003­2004.

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http://retinascience.de

 

Die Fluorescein-Angiographie ist bei der Retinitis pig-

Rivolta C, Sharon D, DeAngelis MM, Dryja TP. Retinitis pigmentosa

 

mentosa in der Regel nicht zur Diagnose erforderlich.

and allied diseases: numerous diseases, genes, and inheritance

 

Bereits in der Frühphase sind Verluste der Choriokapil-

patterns. Hum Mol Genet. 2002;11:1219–27.

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Weleber RG, Gregory Evans K. Retinitis pigmentosa and allied

laris und des retinalen Pigmentepithels (RPE) erkenn-

diseases. In: Ryan SJ, ed. Retina. 3rd ed. St. Louis: Mosby;

 

bar.

2001:362–460.

 

 

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Aus Heimann, H., U. Kellner, M. H. Foerster: Angiographie-Atlas des Augenhintergrundes (ISBN 9783131364913) © 2004 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart

5.1 Retinitis pigmentosa

Abb. 5.1a–i

aKlinisches Bild: Enge Gefäße, periphere Choriokapillarisatrophie und zystoides Makulaödem, das fast wie ein Makulaforamen imponiert.

bFrühphase: Darstellung der großen Aderhautgefäße im Bereich der Choriokapillarisatrophie.

cSpätere Frühphase: Am hinteren Pol rundes Areal mit relativ erhaltenem retinalen Pigmentepithel.

dFrühe Spätphase: Perifoveale Leckagen.

eSpätphase: Zystoides Makulaödem.

fSpätphase (anderer Patient): Zystoides Makulaödem.

gSpätphase (gleicher Patient wie in f): Zystoides Makulaödem unter Acetazolamid-Therapie.

hKlinisches Bild: Dezente Pigmentepitheldefekte am hinteren Pol.

iAutofluoreszenz: Periphere Pigmentepitheldestruktion und perizentraler hyperfluoreszenter Ring.

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5 Hereditäre und toxische Netzhauterkrankungen

5.2 Choroideremie

U. Kellner

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Die X-chromosomale Choroideremie ist eine mittelperipher beginnende, generalisierte Aderhautdystrophie, die mit Mutationen im REP1-Gen assoziiert ist.

Wie bei der Retinitis pigmentosa beginnt die Symptomatik mit Nachtblindheit, mittelperipheren Gesichtsfeldausfällen mit zunehmender konzentrischer Einengung, wobei Visus und Farbsehen in der Regel sehr gut sind.

Bei Männern finden sich zunächst feine Pigmentverschiebungen, dann mittelperiphere, unscharf begrenzte Areale mit Aderhautdystrophie, die im Verlauf langsam konfluieren. Am hinteren Pol verbleibt in der Regel lange eine zentrale Insel mit erhaltener Aderhaut. Die Netzhautgefäße sind in der Regel wenig verändert.

Bei Konduktorinnen finden sich nahezu immer ausgeprägte Pigmentveränderungen in der gesamten Netzhaut. Die Netzhautfunktion ist in der Regel normal. Manifestierende Konduktorinnen mit einem ähnlichen Verlauf wie bei Männern sind selten.

Fluorescein-Angiographie

In der Fluorescein-Angiographie lassen sich bereits früh die betroffenen Aderhautareale darstellen.

Dabei zeigen sich auch im Angiogramm unscharf begrenzte Areale mit Choriokapillarisatrophie.

Diagnose und Behandlung

In Frühstadien mit bestehenden Alterationen des retinalen Pigmentepithels (RPE) besteht bei Männern die Möglichkeit der Verwechslung mit einer Retinitis pigmentosa. Gravierender und für die Betroffenen belastender ist jedoch, wenn bei Konduktorinnen aufgrund der Netzhautveränderungen diese Diagnose gestellt wird, weil bei diesen in der Regel keine wesentliche Funktionsstörung droht.

Die Ableitung eines Ganzfeld-Elektroretinogramms zeigt bei Männern die stäbchenabhängigen Reizantworten stärker reduziert als die zapfenabhängigen Reizantworten. Bei Konduktorinnen ist das Elektroretinogramm in der Regel normal. Im Gegensatz dazu ist bei Konduktorinnen für eine X-chromosomale Retinitis pigmentosa der Augenhintergrund meist regelrecht, aber die Reizantworten im Elektroretinogramm sind bei ihnen reduziert.

Eine molekulargenetische Diagnostik ist möglich, jedoch aufwendig und bei eindeutiger Klinik nicht erforderlich.

Das Fehlen des REP1-Gens kann auch in Lymphozyten aus dem Blut nachgewiesen werden.

Die Abgrenzung zur selteneren Atrophia gyrata ist wichtig. Der klinische Verlauf ist ähnlich, aber bei Atrophia gyrata bestehen ein anderer Erbgang (autosomalrezessiv) und die Möglichkeit zur Therapie. Die Atrophia gyrata zeigt im Gegensatz zur Choroideremie scharf begrenzte Atrophieherde und geht mit einem überhöhten Ornithinspiegel im Blut einher.

Kausale therapeutische Möglichkeiten gibt es nicht.

Literatur

Gass JD. Atypical forms of retinitis pigmentosa. In: Gass JD, ed. Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment. 4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:358–81.

Kellner U. Hereditäre Netzhautdystrophien. 2003­2004. http://retinascience.de

MacDonald IM, Mah DY, Ho YK, Lewis RA, Seabra MC. A practical diagnostic test for choroideremia. Ophthalmology. 1998; 105:1637–40.

Roberts MF, Fishman GA, Roberts DK, et al. Retrospective, longitudinal, and cross sectional study of visual acuity impairment in choroideraemia. Br J Ophthalmol. 2002;86:658–62.

Zhang K, Garabaldi DC, Carr RE, Sunness JS. Hereditary choroidal disease. In: Ryan SJ, ed. Retina. 3rd ed. St. Louis: Mosby; 2001:461–70.

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5.2 Choroideremie

Abb. 5.2 a–f

a Klinisches Bild (Choroideremie): Am temporalen Papillenrand und subfoveal Choriokapillaris erhalten, im Übrigen nur noch einzelne große Aderhautgefäße vorhanden.

bArteriovenöse Phase: Nur einige große Aderhautgefäße sind in den Atrophiearealen darstellbar, am hinteren Pol und Papillenrand noch erhaltene Choriokapillaris und Pigmentepithel mit Pigmentepitheldefekten.

cKlinisches Bild einer Konduktorin (Choroideremie): Es finden sich multiple, variabel ausgeprägte Pigmentierungen, wobei Visus, Farbsehen, Gesichtsfeld und Elektroretinogramm (ERG) regelrecht sind.

dKlinisches Bild (Atrophia gyrata): Peripapilläre, unterhalb der Papille nach peripher fortgesetzte Aderhautatrophie bei Atrophia gyrata.

eFrühphase: Im betroffenen Areal sind nur die großen Aderhautgefäße dargestellt.

fArteriovenöse Phase: Eine kleine Brücke erhaltener Choriokapillaris ist erkennbar. Die Aderhaut außerhalb des betroffenen Areals erscheint regelrecht.

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5 Hereditäre und toxische Netzhauterkrankungen

5.3 Kongenitale X-chromosomale Retinoschisis U. Kellner

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Die X-chromosomale Retinoschisis ist eine der häufigsten unentdeckten Netzhautdystrophien bei Jungen. Sie ist mit Mutationen im XRS1-Gen assoziiert.

Die morphologischen Veränderungen können sehr dezent sein, so dass diese bei einer ophthalmoskopischen Untersuchung übersehen werden können.

Klinisch auffällig ist ein herabgesetzter, in der Regel stabiler Visus von ca. 0,2. Eine Hyperopie ist häufig.

Ophthalmoskopisch finden sich immer Veränderungen der Makula, nicht selten als sternförmige Retinoschisis. Eine periphere Retinoschisis findet sich in weniger als der Hälfte der Fälle, am häufigsten temporal unten. Nur selten reicht die periphere Retinoschisis bis ins Zentrum.

Im Bereich der Retinoschisis kann die Netzhautinnenschicht zwischen den retinalen Gefäßen zerfallen, so dass unter Umständen frei schwebende Netzhautgefäße im Glaskörperraum zu beobachten sind. Aus diesen Gefäßen kann es zu einer Glaskörperblutung kommen. Wenn zusätzlich zu den Innenschichtforamina Foramina der Netzhautaußenschicht auftreten, kann es zu einer Netzhautablösung kommen.

Insgesamt sind Komplikationen wie Netzhautablösung und Glaskörperblutung selten, sie treten am häufigsten in der ersten Lebensdekade auf.

Im höheren Alter bildet sich die zentrale Retinoschisis zurück und es finden sich häufig nur zentrale Pigmentverschiebungen. Eine langsam progrediente Visusminderung im Alter ist beschrieben.

Fluorescein-Angiographie

Eine Fluorescein-Angiographie ist in der Regel nicht indiziert.

In der Angiographie lässt sich manchmal die zentrale Fältelung der Netzhaut darstellen, das Angiogramm kann aber auch völlig normal sein.

Diagnose und Behandlung

Bei ophthalmoskopisch deutlichem Befund ist die Diagnose leicht zu stellen.

Die Ableitung eines Ganzfeld-Elektroretinogramms (ERG) zeigt ein sog. „negatives ERG“ mit deutlich herabgesetzten Amplituden der B-Wellen. Bei einem erkrankten Jungen ohne ophthalmoskopisch eindeutige Retinoschisis ist in dieser Situation die X-chromoso- male kongenitale Nachtblindheit abzugrenzen.

Eine molekulargenetische Diagnostik mit Analyse des XRS1-Gens ist zur adäquaten Familienberatung sinnvoll.

Kausale therapeutische Möglichkeiten bestehen nicht. Die Anpassung vergrößernder Sehhilfen ist funktionsabhängig indiziert.

Eine prophylaktische Laserkoagulation am Rand der Retinoschisis ist kontraindiziert, da dies mit einem hohen Ablatiorisiko verbunden ist. Bei Glaskörperblutungen kann in der Regel die spontane Remission abgewartet werden. Bei Netzhautablösungen sind operative Maßnahmen indiziert, allerdings sind die Erfolgsaussichten begrenzt.

Manifestierende Konduktorinnen sind bei der X-chro- mosomalen Retinoschisis nicht bekannt. Eine familiäre Retinoschisis, bei der auch Frauen betroffen sind, ist extrem selten.

Literatur

Deutman AF, Hoyng CB. Macular dystrophies. In: Ryan SJ, ed. Retina. 3rd ed. St. Louis: Mosby; 2001:1210–57.

Gass JD. Atypical forms of retinitis pigmentosa. In: Gass JD, ed. Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment. 4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:358–81.

George ND, Yates JR, Moore AT. Clinical features in affected males with X-linked retinoschisis. Arch Ophthalmol. 1996;114:274–80.

Kellner U. Hereditäre Netzhautdystrophien. 2003­2004. http://retinascience.de

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5.3 Kongenitale X-chromosomale Retinoschisis

Abb. 5.3 a–f

aKlinisches Bild: Auf der Übersicht ist die zentrale Retinoschisis kaum erkennbar.

bKlinisches Bild: Die Vergrößerung lässt die zentrale Fältelung besser erkennen.

cLeeraufnahme: Das Schwarzweißbild lässt ebenfalls die fovealen Veränderungen besser erkennen.

dFrühphase: Dezente foveale Hyperfluoreszenz.

eArteriovenöse Phase: Unverändert dezente foveale Hyperfluoreszenz.

fKlinisches Bild: Mittelperiphere Retinoschisis bei einem anderen Patienten.

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5.4 Morbus Stargardt U. Kellner

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Der Morbus Stargardt ist die häufigste hereditäre Makuladystrophie. Die autosomal-rezessiv vererbte Form ist mit Mutationen im ABCA4-Gen assoziiert. Ein auto- somal-dominanter Erbgang ist extrem selten.

In der Regel versteht man unter Morbus Stargardt eine Makuladystrophie. Jüngste molekulargenetische Untersuchungen haben gezeigt, dass eine autosomal-rezessiv vererbte Zapfen-Stäbchen-Dystrophie nicht selten mit Mutationen im ABCA4-Gen einhergeht. In selteneren Fällen kann es sogar zu einem Verlauf ähnlich einer Retinitis pigmentosa kommen. Die Übergänge zwischen einem auf die Makula begrenzten Morbus Stargardt und einer Zapfen-Stäbchen-Dystrophie sind daher fließend.

Multiple klinische Klassifikationen für den Morbus Stargardt wurden publiziert. Diese spiegeln aber eher die Variabilität der Ausprägung als typische Stadien eines Verlaufs wider.

Die Erkrankung manifestiert sich am häufigsten in den ersten beiden Lebensdekaden, jedoch ist eine Manifestation auch in höherem Lebensalter nicht ungewöhnlich.

Die ersten Symptome sind eine akute Visusminderung, wobei der Augenhintergrund noch völlig normal aussehen kann. In dieser Situation ist das multifokale Elektroretinogramm (mfERG) bereits verändert.

Im Verlauf kommt es nach einer Visusminderung auf 0,1 nicht selten zu einer Stabilisierung mit nur geringer weiterer Progredienz.

Ophthalmoskopisch sieht man jetzt variabel ausgeprägte gelbliche Flecken (Fundus flavimaculatus) und zentrale Pigmentepitheldefekte bis hin zu einer Schießscheibenmakulopathie.

Fluorescein-Angiographie

Beim Morbus Stargardt kann im Angiogramm häufig eine Blockade der Hintergrundfluoreszenz („Dark Choroid“) beobachtet werden.

Es war umstritten, ob dieses Zeichen unbedingt zu der Diagnose dazugehört. Letztlich wird sich nur in Assoziation mit molekulargenetischen Befunden zeigen, ob eine „Dark Choroid“ nur in Zusammenhang mit Mutationen im ABCA4-Gen auftritt.

Die gelblichen Flecken können verstärkte oder verminderte Fluoreszenz zeigen, darüber hinaus finden sich Pigmentepitheldefekte in variabler Ausprägung.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose ist bei den typischen Fundusveränderungen einfach. In Frühstadien können bei fehlender Morphologie nur der Visus, Farbsehen, zentrales Gesichtsfeld und das multifokale Elektroretinogramm verändert sein.

In Spätstadien mit ausgeprägter Atrophie und Rückbildung der Flavimaculatus-Flecken ist eine Differenzierung von atrophischen Spätstadien anderer Makuladystrophien ebenfalls nicht möglich.

Eine molekulargenetische Diagnostik ist mit der Analyse des ABCA4-Gens möglich, allerdings ist diese Untersuchung wegen der komplexen Struktur des ABCA4Gens nur mit großem Aufwand durchführbar.

Eine kausale Therapie existiert nicht. Die Anpassung vergrößernder Sehhilfen ist entsprechend der Funktion indiziert.

Literatur

Deutman AF, Hoyng CB. Macular dystrophies. In: Ryan SJ, ed. Retina. 3rd ed. St. Louis: Mosby; 2001:1210–57.

Gass JD. Stargardt‘s disease (fundus flavimaculatus). In: Gass JD, ed. Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment. 4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:326–33.

Kellner U. Hereditäre Netzhautdystrophien. 2003­2004. http://retinascience.de

Koenekoop RK. The gene for Stargardt disease, ABCA4, is a major retinal gene: a mini-review. Ophthalmic Genet. 2003;24:75–80.

Rotenstreich Y, Fishman GA, Anderson RJ. Visual acuity loss and clinical observations in a large series of patients with Stargardt disease. Ophthalmology. 2003;110:1151–8.

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Aus Heimann, H., U. Kellner, M. H. Foerster: Angiographie-Atlas des Augenhintergrundes (ISBN 9783131364913) © 2004 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart

5.4 Morbus Stargardt

Abb. 5.4 a–i

aKlinisches Bild: Zentrale gelbliche Flecken und Pigmentepitheldefekte.

bFrühphase: Abgeschwächte Aderhautfluoreszenz und zentrale Pigmentepitheldefekte.

cFrühe arteriovenöse Phase: Weiterhin abgeschwächte Aderhautfluoreszenz und zentrale Pigmentepitheldefekte.

dKlinisches Bild: Ausgeprägter Fundus flavimaculatus.

eFrühphase: Zu Beginn der Netzhautfüllung zeigen einige der Flecken Autofluoreszenz.

fSpätere Frühphase: Die Flecken sind jetzt nicht erkennbar.

gSpätphase: Ausgeprägte Anfärbung der Flavimaculatus-Flecken und Pigmentepitheldefekte.

hKlinisches Bild: Chorioatrophische Areale und Fundus flavimaculatus.

iAutofluoreszenz: Fehlende Fluoreszenz in der chorioatrophischen Läsion und vermehrte Fluoreszenz in den Flecken.

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5 Hereditäre und toxische Netzhauterkrankungen

5.5 Morbus Best (vitelliforme Makuladystrophie) U. Kellner

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Der Morbus Best ist eine autosomal-dominant vererbte Makuladystrophie, die durch ihr charakteristisches ophthalmoskopisches Bild in der Regel leicht zu diagnostizieren ist.

Allerdings besteht eine herabgesetzte Penetranz, so dass in einer Familie Genträger ohne klinisch erkennba-

1ren Befund vorkommen und daher auch Einzelfälle von Morbus Best ohne Familienanamnese auftreten.

Der Morbus Best ist mit Mutationen im VMD2-Gen as-

2

soziiert. Dieses Gen wird im retinalen Pigmentepithel

(RPE) exprimiert. Die Funktion des Genprodukts ist

 

noch nicht ganz gesichert, sie hängt wahrscheinlich mit

 

Membrankanälen an der basalen Membran der retina-

3

len Pigmentepithelzellen zusammen.

Der Zeitpunkt der Erstmanifestation ist häufig in den

 

 

ersten beiden Lebensdekaden, allerdings kommen auch

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spätere Manifestationen bis zur 6. Lebensdekade vor.

Histologisch kommt es zu einer vermehrten Ansamm-

 

lung von lipofuszinähnlichem Material im retinalen

 

Pigmentepithel, wobei Synzytien aus Pigmentepithel-

 

5

zellen entstehen können, die dem klinischen Bild ent-

sprechen.

 

 

Ophthalmoskopisch ist zunächst eine in der Regel zent-

 

6

rale gelbliche Läsion zu sehen, seltener sind Läsionen,

die das Zentrum nicht betreffen oder multifokale Läsio-

 

nen.

 

Im Verlauf kommt es zum Abbau des gelblichen Materi-

7

als mit Spiegelbildung in der erhabenen Läsion (Pseu-

dohypopyon) und dann zum weitgehenden Verschwin-

 

 

den des gelblichen Materials.

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In Spätstadien besteht nur noch eine chorioatrophische

Narbe ohne gelbliches Material, auch sind Pigmentie-

 

rungen ähnlich einer Musterdystrophie beschrieben

 

worden.

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Fluorescein-Angiographie

Eine Fluorescein-Angiographie ist zur Diagnose nicht erforderlich, aber bei Verdacht auf choroidale Neovas-

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kularisationen indiziert.

Das Lipofuszin in der vitelliformen Läsion führt dazu, dass die Hintergrundfluoreszenz blockiert wird. Insofern erscheinen diese Areale im gesamten Verlauf des Angiogramms hypofluoreszent.

Kommt es zum Abbau des Lipofuszins, besteht in diesen Arealen auch ein Verlust des retinalen Pigmentepithels und dadurch bedingt eine stärkere Fluoreszenz.

Läsionen, die beide Anteile enthalten, zeigen ein gemischtes Bild.

In Spätstadien ist nur noch eine Atrophiezone mit verstärkter Fluoreszenz erkennbar.

Wie bei allen Makuladystrophien kann es in Spätstadien selten zur Ausbildung choroidaler Neovaskularisationen (CNV) kommen.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnosestellung geschieht in der Regel durch die Ophthalmoskopie. Auch bei ausgeprägten zentralen vitelliformen Läsionen kann der Visus noch normal sein. Allerdings muss im Verlauf mit einer Visusminderung gerechnet werden.

Elektrophysiologisch lässt sich die Diagnose durch einen fehlenden oder deutlich reduzierten Hellanstieg im Elektrookulogramm (EOG) bestätigen. Dies trifft auch für klinisch unauffällige Träger der Genmutation zu. In seltenen Fällen ist das Elektrookulogramm beim Morbus Best normal.

Molekulargenetisch lässt sich der Morbus Best durch den Nachweis von Mutationen im VMD2-Gen bestätigen. Dies ist insbesondere bei Einzelfällen oder zur Beratung klinisch gesunder Familienangehöriger sinnvoll.

Eine kausale Therapie ist nicht möglich. Bei Visusverlust ist die Anpassung vergrößernder Sehhilfen wesentlich.

Literatur

Deutman AF, Hoyng CB. Macular dystrophies. In: Ryan SJ, ed. Retina. 3rd ed. St. Louis: Mosby; 2001:1210–57.

Gass JD. Bests’ disease. In: Gass JD, ed. Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment. 4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:304–11.

Kellner U. Hereditäre Netzhautdystrophien. 2003­2004. http://retinascience.de

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5.5 Morbus Best (vitelliforme Makuladystrophie)

Abb. 5.5 a–i

aKlinisches Bild: Fortgeschrittenes Stadium einer vitelliformen Makuladystrophie mit weitgehendem Abbau des gelblichen Materials.

bFrühphase: Beginnende Fensterdefekte im Bereich der Läsion erkennbar.

cSpätphase: Deutliche Fensterdefekte ohne Leckage im Bereich der klinisch sichtbaren Läsion. Dieses Bild bleibt während der Angiographie im Wesentlichen unverändert.

dKlinisches Bild: Multiple vitelliforme Läsionen.

eArteriovenöse Phase: Blockade der Hintergrundfluoreszenz in allen vitelliformen Läsionen.

fSpätphase: Weiterhin Blockade durch die vitelliformen Läsionen.

gSpätstadium einer vitelliformen Makuladystrophie: Arteriovenöse Phase: Zentrale Fensterdefekte mit angedeutetem Muster.

hAutofluoreszenz: Vitelliformes Stadium: Deutlich erhöhte Fluoreszenz in der vitelliformen Läsion.

iAutofluoreszenz: Atrophisches Spätstadium: Nur in einigen Arealen erhöhte Fluoreszenz, in anderen Arealen entsprechend der Atrophie des retinalen Pigmentepithels reduzierte Fluoreszenz.

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5.6 Adulte vitelliforme Makuladystrophie und Musterdystrophien U. Kellner

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Die adulte vitelliforme Makuladystrophie (AVMD) ist wahrscheinlich die häufigste Makuladystrophie, die sich im Erwachsenenalter (3.–5. Lebensdekade) manifestiert. Wahrscheinlich sind unter diesem Begriff heterogene Erkrankungen mit ähnlichem klinischen Erscheinungsbild zusammengefasst.

Die Musterdystrophien sind ebenfalls eine heterogene Gruppe von Makuladystrophien, jedoch wesentlich seltener.

Die adulte vitelliforme Makuladystrophie und Musterdystrophien treten häufig in Einzelfällen auf, obwohl eine autosomal-dominante Vererbung beschrieben wurde. Möglicherweise ist die Expression der Erkrankung sehr variabel.

In einzelnen Fällen von adulter vitelliformer Makuladystrophie und Musterdystrophien wurden Mutationen im Peripherin-Gen oder VMD2-Gen beschrieben, was die heterogene Zusammensetzung der Gruppe unterstreicht.

Gemeinsam ist der adulten vitelliformen Makuladystrophie und den Musterdystrophien, dass sich Veränderungen des retinalen Pigmentepithels (RPE) in einer Musteranordnung darstellen, die in der Regel ophthalmoskopisch weniger imponieren als in der FluoresceinAngiographie oder in der Autofluoreszenz.

Im Gegensatz zu anderen hereditären Makuladystrophien ist der Verlauf bei Musterdystrophien nicht selten seitenungleich, so dass ein gutes Sehvermögen zumindest auf einem Auge lange erhalten bleibt.

Ophthalmoskopisch findet sich bei der adulten vitelliformen Makuladystrophie in der Regel bilateral eine gelbliche Läsion kleiner als ein Papillendurchmesser (im Gegensatz zum Morbus Best), teilweise mit Pigmentierung innerhalb der Läsion. Die Musterdystrophien zeigen entweder keine wesentlichen Veränderungen oder auch ophthalmoskopisch ein Muster.

Fluorescein-Angiographie

Die Fluorescein-Angiographie ist zur Darstellung der Pigmentepithelveränderungen bei Musterdystrophie sehr hilfreich.

Die Autofluoreszenz des retinalen Pigmentepithels stellt allerdings die Pigmentepithelveränderungen ebenfalls dar, so dass diese in der Regel ausreichend ist.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose beruht auf dem klinischen und angiographischen Befund.

Eine molekulargenetische Diagnostik ergibt nur bei einem kleinen Teil der Patienten einen Befund.

Kausale therapeutische Möglichkeiten existieren nicht. Die Anpassung vergrößernder Sehhilfen ist funktionsabhängig indiziert.

Literatur

Deutman AF, Hoyng CB. Macular dystrophies. In: Ryan SJ, ed. Retina. 3rd ed. St. Louis: Mosby; 2001:1210–57.

Gass JD. Autosomal dominant pattern dystrophies of the RPE. In: Gass JD, ed. Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment. 4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:314–25.

Kellner U. Hereditäre Netzhautdystrophien. 2003­2004. http://retinascience.de

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5.6 Adulte vitelliforme Makuladystrophie und Musterdystrophien

Abb. 5.6 a–i

aKlinisches Bild: Zentrale gelbliche Läsion 1 Papillendurchmesser bei adulter vitelliformer Makuladystrophie (AVMD). In der Läsion ist eine Pigmentierung erkennbar.

bArteriovenöse Phase: Zentrale Blockade mit umgebender Hyperfluoreszenz, die im Verlauf des Angiogramms konstant bleibt.

cAutofluoreszenz: Andere Patientin: In der Läsion erhöhte Autofluoreszenz mit zentraler Blockade im pigmentierten Areal.

dKlinisches Bild: Pigmentepitheldefekte ohne eindeutiges Muster am hinteren Pol bei Musterdystrophie.

eFrühphase: Gut erkennbares Muster mit verstärkten Blockadelinien und Aufhellungen.

fSpätphase: Unverändert darstellbares Muster.

gKlinisches Bild: Pigmentepitheldefekte mit erkennbarem Muster bei Musterdystrophie.

hArteriovenöse Phase: Muster entsprechend der ophthalmoskopisch sichtbaren Läsion darstellbar.

iAutofluoreszenz: Ebenfalls gute Darstellung des Musters. Die Blockade im Angiogramm entspricht einer vermehrten Autofluoreszenz (vermehrtes Lipofuszin in der Autofluoreszenz).

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5 Hereditäre und toxische Netzhauterkrankungen

5.7 Chloroquin-Retinopathie

U. Kellner

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Es finden sich perifoveale Fensterdefekte des retinalen

Ein Risiko für eine Chloroquin-Retinopathie besteht nur

Pigmentepithels, entweder zirkulär-ovalär wie bei ei-

bei langfristiger Einnahme, nicht aber bei kurzfristigem

ner Schießscheibenmakulopathie, oder nur partiell. Le-

Einsatz zur Malariaprophylaxe.

ckagen bestehen nicht.

Eine Langzeittherapie mit Chloroquin erfolgt bei ver-

Nur bei sehr schwerer Chloroquin-Retinopathie beste-

schiedenen Autoimmunerkrankungen (z. B. Lupus ery-

hen auch periphere Pigmentepithelalterationen.

thematodes, verschiedene rheumatische Erkrankun-

 

gen).

Diagnose und Behandlung

Der Einsatz von Hydroxychloroquin statt Chloroquin ist

Obwohl in der Literatur unterschiedlich beurteilt, ist es

vorzuziehen, da die okulare Toxizität von Hydroxychlo-

wegen der Schwere der möglichen Schädigung emp-

roquin geringer ist. Eine sichere Grenzdosis für die täg-

fehlenswert, Patienten unter Chloroquintherapie regel-

liche Einnahme oder eine Gesamtmenge gibt es nicht.

mäßig zu untersuchen (bei Chloroquin erstmals ca. 1

Chloroquin hat eine hohe Affinität zu Melanin und la-

Jahr nach Therapiebeginn, dann halbjährlich, bei Hy-

gert sich im retinalen Pigmentepithel ab. Tierexperi-

droxychloroquin jährlich).

mentell finden sich allerdings die ersten Veränderun-

Da die Funktionsstörungen zu Beginn variieren können,

gen mit Einlagerung von Einschlusskörperchen in den

ist die Kombination von Lesevisus, Farbsehen, zentra-

Ganglienzellen, später in allen retinalen Zellen. Bis zu

lem 10°-Gesichtsfeld und Ophthalmoskopie sinnvoll.

einem bestimmten Zeitpunkt können sich die Einlage-

Eine Angiographie und ein multifokales Elektroretino-

rungen komplett zurückbilden. Bei Fortschreiten der

gramm (mfERG) sind bei unklaren Befunden indiziert.

toxischen Schäden kommt es zuerst zu einer Degenera-

Im mfERG finden sich eine perizentrale Amplitudenre-

tion von Photorezeptoren mit nachfolgender Degenera-

duktion und eine Gipfelzeitverlängerung.

tion anderer retinaler Zellen und des retinalen Pig-

Therapeutisch ist nur das Absetzen von Chloroquin

mentepithels (RPE).

möglich. Das Absetzen sollte nicht abrupt durch den

Aus unbekannten Gründen bleiben die fovealen Zapfen

Augenarzt, sondern kurzfristig in enger Kooperation

lange erhalten, so dass klinisch bei gutem Einzeloptoty-

mit den die Grunderkrankung behandelnden Ärzten er-

penvisus perizentrale Skotome zu Leseschwierigkeiten

folgen, damit eine Exazerbation der Grunderkrankung

führen. Darüber hinaus fallen den Patienten Farbsinn-

vermieden werden kann.

störungen auf. Bei weiterem Fortschreiten kommt es zu

Auch nach Absetzen von Chloroquin ist noch eine Pro-

zunehmendem Visusund Gesichtsfeldverlust.

gression möglich. Dabei ist unklar, ob dies Folge der De-

 

generation von bereits schwer vorgeschädigten Zellen

Fluorescein-Angiographie

oder eine fortbestehende Intoxikation durch die Anla-

Die in der Fluorescein-Angiographie nachweisbaren

gerung von Chloroquin im retinalen Pigmentepithel ist.

Veränderungen des retinalen Pigmentepithels (RPE)

 

entwickeln sich in der Regel nach Auftreten der funk-

Literatur

tionellen Störungen.

Leitlinie des BVA Nr. 18. 2001. http://www.augeninfo.de/leit/

Die Fluorescein-Angiographie kann als zusätzliches

leit18.htm

Bienfang D, Coblyn JS, Liang MH, Corzillius M. Hydroxychloroquine

Verfahren insbesondere bei unklaren Befunden in den

retinopathy despite regular ophthalmologic evaluation: a conse-

anderen Untersuchungen eingesetzt werden.

cutive series. J Rheumatol. 2000;27:2703–6.

 

Kellner U, Kraus H, Foerster MH. Multifocal ERG in chloroquine reti-

 

nopathy: regional variance of retinal dysfunction. Graefes Arch

 

Clin Exp Ophthalmol. 2000;238:94–7.

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5.7 Chloroquin-Retinopathie

Abb. 5.7 a–f

a Klinisches Bild: Perizentrale Pigmentepithelveränderungen bei Chloroquinretinopathie.

bArteriovenöse Phase: Pigmentepitheldefekte im Bereich der klinisch sichtbaren Läsion.

cAutofluoreszenz: Verminderte Fluoreszenz im betroffenen Areal.

dKlinisches Bild: Pigmentepithelveränderungen ringförmig perizentral.

eAutofluoreszenz: Perizentral niedrig fluoreszentes Areal mit einzelnen Flecken vermehrter Fluoreszenz entsprechend einem Pigmentepitheldefekt.

fAutofluoreszenz: Linkes Auge der Patientin von d–e: Die Veränderungen links sind weniger ausgeprägt.

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