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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Angiographie-Atlas des Augenhintergrundes_Heinrich Heimann, Kellner, Foerster_2004.pdf
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2 Behandlung des anaphylaktischen Schocks

2 Behandlung des anaphylaktischen Schocks J. Breckwoldt

Nebenwirkungen der Fluorescein-Angiographie

Die intravenöse Injektion von Natrium-Fluorescein wird in der Regel problemlos vertragen. Mögliche Nebenwirkungen können als mild (ca. 1:20–1:100 Angiographien), mäßig (ca. 1:60) und schwer (ca. 1:2000) klassifiziert werden. Todesfälle sind im Zusammenhang mit einer Angiographie mit einer Frequenz von 1:220 000 beschrieben worden. Durch neuere Fluoresceinpräparate scheint die Häufigkeit der Nebenwirkungen in den letzten Jahren geringer geworden zu sein.

Am häufigsten ist in der Praxis eine Übelkeit etwa 30 s nach Injektion zu beobachten, die in der Regel selbstlimitierend ist, jedoch oft mit der wichtigen Phase des arteriovenösen Übergangs zusammenfällt und somit durch die eingeschränkte Fotografiemöglichkeit die Aussagekraft der Angiographie deutlich vermindern kann.

Trotz der Seltenheit schwerer Nebenwirkungen muss der verantwortliche Arzt jedoch die klinischen Zeichen schwerer Zwischenfälle erkennen und eine adäquate Notfalltherapie einleiten können.

Mögliche Mechanismen von Nebenwirkungen

Vasovagale Reaktion (Bradykardie, Hypotension, ggf. verminderte kardiale Perfusion).

Allergische Reaktion (mit Nachweis von IgE-, IgG4oder Komplement-Vermittlung).

Nichtallergische Histaminliberation (anaphylaktoide Reaktion).

Angstbezogene Sympathikusaktivierung (evtl. mit tachykardiebedingtem myokardialem Stress).

Vasospastischer Effekt der Substanz.

Effekte von Verunreinigungen.

Systemischer Effekt von topischen Mydriatika.

Kombinationen.

Anaphylaktischer Schock

Der anaphylaktische Schock ist eine seltene Nebenwirkung der Fluorescein-Angiographie, die sich jedoch in kürzester Zeit zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild entwickeln kann. Die Häufigkeit liegt bei ca. 1:2000 Untersuchungen.

Anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen unterscheiden sich hinsichtlich des klinischen Bildes und ihrer Akutbehandlung nicht.

Aus methodischer Sicht wird die Schwere der anaphylaktischen Reaktion in klinische Stadien eingeteilt. Zum gleichen Zeitpunkt können in verschiedenen Organsystemen durchaus sehr unterschiedliche Stadien ablaufen.

Das therapeutische Vorgehen richtet sich nach der eventuell rasanten klinischen Entwicklung mit vitaler Bedrohung des Patienten. Im Einzelfall ist beherztes und entschlossenes Eingreifen unabdingbar. Aufgrund der Seltenheit der Situation ist ein regelmäßiges Training der Abläufe im Team, in der vertrauten Einrichtung und mit dem eigenen Instrumentarium obligat. Die Abläufe sind der Übersicht halber in den beiden folgenden Tabellen zusammengefasst.

Vasodilatation, kapilläres Leck und Zellödem bewirken die folgenden klinischen Phänomene:

Tabelle 2.1

Kardiozirkulatorisches

Hypovolämie, Tachkardie,

System

Kompromittierung der kardialen

 

Funktion

Luftwege

Larynxödem, Bronchospasmus

Gastrointestinale/

Abdominalschmerz, Übelkeit,

kutane

Erbrechen, Urtikaria, Rhinitis, Haut-

Manifestationen

rötung oder Blässe

 

 

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Aus Heimann, H., U. Kellner, M. H. Foerster: Angiographie-Atlas des Augenhintergrundes (ISBN 9783131364913) © 2004 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart

2 Behandlung des anaphylaktischen Schocks

Klinische Stadieneinteilung und Therapie

Tabelle 2.2

Stadium

I

II

 

III

IV

 

 

 

 

 

 

Klinisches

disseminierte kutane Reak-

Kreislaufdysregulation,

 

Schock, massive Dyspnoe,

Atemund Kreislauf-

Bild

tionen, Schleimhautödem,

Dyspnoe, Stuhlund Harn-

Bronchospasmus, Be-

stillstand

 

unspezifische Symptome

drang

 

wusstseinstrübung

 

Therapie

Antihistaminika (H1/H2)

zusätzlich:

 

zusätzlich:

zusätzlich:

 

i. v.

Volumen i. v.

 

Vasopressoren

kardiopulmonale Re-

 

– Clemastin 2 mg

– Kristalloide

 

– Adrenalin 1 : 10 i. v.

animation

 

– Cimetidin 300 mg

– Kolloidale (HES)

 

(0,1 mg/min nach

– Beginn, wenn 10 s

 

 

Bronchodilatantien

 

Klinik, ggf. 1 mg)

keine Kreislaufzeichen

 

 

 

– Noradrenalin i. v. 1:10

– Herzdruckmassage und

 

 

– Adrenalin inhal., i.m.

 

 

 

 

 

Beatmung (Verhältnis

 

 

– Theophyllin i. v. 3–5 mm/kg

 

 

 

 

15 : 2), Druckfrequenz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100/min

 

Corticosteroide i. v.

Corticosteroide i. v.

 

Corticosteroide i. v.

 

 

– Prednisolon 50–125 mg

– Prednisolon 250–500 mg

– Prednisolon 1000 mg

 

i. m. = intramuskulär, i. v. = intravenös

 

 

 

 

Literatur

 

 

Jennings BJ, Mathews DE. Adverse reactions during retinal fluores-

Introduction to the International Guidelines 2000 for CPR and ECC: a

cein angiography. J Am Optom Assoc. 1994;65:465–71.

consensus on science. Circulation. 2000;102:1–11.

Muller-Werdan U, Werdan K. Anaphylaxie und Allergie. Internist.

Chamberlain D. Emergency medical treatment of anaphylactic re-

2000;41:363–73.

 

actions. Project Team of the Resuscitation Council (UK). J Accid

Yannuzzi LA, Rohrer KT, Tindel LJ, et al. Fluorescein angiography

Emerg Med. 1999;16:243–7.

 

complication survey. Ophthalmology. 1986;93:611–7.

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