- •Widmung
- •Vorwort
- •Anschriften
- •Inhaltsverzeichnis
- •1 Untersuchungsmethoden
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •1.2 Indocyaningrün-Angiographie
- •5.7 Chloroquin-Retinopathie
- •6 Tumoren
- •7 Diabetische Retinopathie
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •2 Behandlung des anaphylaktischen Schocks
- •3 Altersbedingte Makuladegeneration und choroidale Neovaskularisationen anderer Genese – Fluorescein
- •3.1 Altersbedingte Makulopathie und Makuladegeneration
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •1.2 Indocyaningrün-Angiographie
- •4 Altersbedingte Makuladegeneration – Indocyaningrün
- •4.1 Retinale angiomatöse Proliferation
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •5 Hereditäre und toxische Netzhauterkrankungen
- •5.1 Retinitis pigmentosa
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •6 Tumoren
- •6.1 Aderhautnävus und Aderhautmelanom
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •7 Diabetische Retinopathie
- •7.1 Nichtproliferative diabetische Retinopathie
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •8 Andere Gefäßerkrankungen
- •8.1 Hypertensive Retinopathie
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •9 Erkrankungen der Makula und der zentralen Netzhaut
- •9.1 Retinitis centralis serosa
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •10 Entzündliche und Autoimmunerkrankungen
- •10.1 Toxoplasmose-Chorioretinitis
- •11 Erkrankungen des Sehnervs
- •11.1 Anteriore ischämische Optikusneuropathie
- •5.7 Chloroquin-Retinopathie
- •Sachverzeichnis
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11 Erkrankungen des Sehnervs
11.1 Anteriore ischämische Optikusneuropathie C. Jandeck
Differenzialdiagnose Papillenschwellung
Funduskopisch ist die Ursache einer Papillenschwellung nur selten eindeutig zu diagnostizieren. Häufig kann nur aufgrund der Anamnese, der Begleitsymptome und der Zusatzdiagnostik auf die Ätiologie geschlossen werden.
Ursachen für eine Papillenschwellung können z. B. folgende Erkrankungen sein:
Gefäßverschluss (anteriore ischämische Optikusneuropathie [AION], arteriitisch und nicht arteriitisch),
Entzündung durch Autoimmunreaktionen (u. a. Neuritis n. optici, Sarkoidose, Uveitis) oder durch Infektionen (u. a. Toxoplasma gondii, Borrellia burgdorferi, Lues),
intrakranielle Hypertension (Stauungspapille),
Tumoren (Gliome, Meningiome, Orbitatumoren),
Anomalien (Drusen, Hyperopie),
selten: Lebers kongenitale Amaurose, Strahlenoptikus-
neuropathie, okuläre Hypotonie, Arzneimittelnebenwirkungen.
Eine Fluorescein-Angiographie trägt nur bei eindeutigem Befund zur Diagnosefindung bei. Im Folgenden sind Beispiele mit klassischen Befunden dargestellt.
Anteriore ischämische
Optikusneuropathie
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Die anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION) ist die häufigste Form der Papillenschwellung.
Eine Minderdurchblutung der kurzen Ziliararterien ist in 2/3 arteriosklerotisch, in 1/3 entzündlich bedingt. Durchblutungsstörungen können vor, innerhalb und kurz hinter der Lamina cribrosa bestehen.
Die Verminderung des Perfusionsdruckes und akuter Sauerstoffmangel führen dann zur anterioren ischämischen Optikusneuropathie mit Papillenschwellung durch Blockierung des schnellen axoplasmatischen Flows.
Nichtarteriitische Form
Die Inzidenz beträgt 1/10 000, bei über 50-Jährigen 2–10/100 000/Jahr. Ein Befall des Partnerauges tritt in ca. 19 % innerhalb von 5 Jahren auf. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen.
Risikofaktoren sind in 49 % arterielle Hypertension und in 26 % Diabetes mellitus. Andere Risikofaktoren sind: Schlafapnoen, kardiovaskuläre oder zerebrovaskuläre Erkrankungen, Karotisveränderungen, Gerinnungsstörungen, kleine Papille.
Eine plötzliche einseitige Visusminderung tritt häufig (42 %) innerhalb der ersten 2 h nach dem Erwachen ein. Es bestehen eine Visusminderung, abnormales Farbsehen und ein Gesichtsfelddefekt (in 47 % nach unten) sowie eine Papillenschwellung.
Arteriitische Form (durch Arteriitis temporalis, Riesenzellarteriitis, Morbus Horton)
Die Inzidenz beträgt 15–30/100 000 aller über 50-Jäh- rigen/Jahr. Ohne Therapie tritt ein Befall des Partnerauges in 95 % der Fälle innerhalb weniger Tage ein. Frauen sind häufiger als Männer betroffen (3:1).
Die typische Anamnese umfasst Schläfenkopfschmerz und Schmerzen beim Kauen. Seltener sind Doppelbilder, Abgeschlagenheit, subfebrile Temperaturen und Polymyalgie.
Klinische bestehen eine Papillenschwellung, ausgeprägte Sehminderung, Tastbefund der Temporalarterie, BSGund CRP-Erhöhung.
Entzündliche anteriore ischämische
Optikusneuropathie
Eine anteriore ischämische Optikusneuropathie kann infektiös oder parainfektiös im Rahmen von Infektionen mit Borrelien, Chlamydien, Mykoplasmen, neurotropen Viren und paraneoplastischen Entzündungen auftreten.
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11.1 Anteriore ischämische Optikusneuropathie
Abb. 11.1 a–f |
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a Klinisches Bild: AION, geringe Papillenschwellung. Die Papillen- |
d |
schwellung ist unten ausgeprägter als oben (segmental), tempo- |
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ral einzelne Blutungen am Papillenrand. |
e |
b Arteriovenöse Phase: Füllungsverzögerung in der Papille, mini- |
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male Verzögerungen der peripapillären Aderhautfüllung. |
f |
c Spätphase: Die Leckage bleibt auf die Papille begrenzt. |
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Klinisches Bild: AION, Papillenprominenz mit randunscharfer Begrenzung.
Arteriovenöse Phase: Füllungsverzögerung oben und beginnende Leckage.
Spätphase: Die Leckage bleibt auf die Papille begrenzt.
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11 Erkrankungen des Sehnervs
Klinischer Befund für alle Formen
Die Papille zeigt oft fokale Nervenfaserblutungen, diffuse oder fokale Teleangiektasien, eine sektorförmige oder diffuse Schwellung und evtl. eine arterielle Gefäßverengung auf der Papille.
Manchmal sind harte Exsudate parapapillär oder makulär vorhanden.
Eine Resorption der Papillenschwellung erfolgt innerhalb von 4–8 Wochen. Nach Resorption besteht eine segmentale oder diffuse Abblassung.
In der Wirkung nicht eindeutig bewiesen sind die isovolämische Hämodilution in der Akutphase, eine frühzeitigige Gabe von Antikoagulantien und die Gabe von Levodopa.
Vermeiden sollte man Vasokonstriktoren (z. B. Ergotamine bei Migräne, Nasenspray).
Eine Verbesserung des Visus tritt in 10–35 % der Fälle ein, Rezidive sind selten.
Arteriitische anteriore ischämische
Optikusneuropathie
Fluorescein-Angiographie
In der Frühphase bestehen ein Füllungsverzögerung im Bereich der Papille und evtl. minimale Verzögerungen in der peripapillären Aderhautfüllung.
In späteren Phasen kommt es zur Leckage an der Papille, die auf die Papille beschränkt ist.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnostik umfasst Visus, Gesichtsfeld, Motilitätsprüfung (Doppelbilder? Bewegungsschmerz?), Bestimmung von BSG und CRP.
Differenzialdiagnostisch können eine Temporalarterienbiopsie, Doppler-Sonographie, CT/MRT (falls keine Rückbildung der Papillenschwellung) und Suche nach entzündlichen oder neoplastischen Systemerkrankungen sinnvoll sein.
Ein Ausschluss von kardiovaskulären Risikofaktoren (Langzeit-EKG, transösophageale Echographie) und bei jüngeren Patienten Autoimmunerkrankungen ist wichtig.
Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie
Wichtig ist die Behandlung der Grundkrankheit und der Risikofaktoren (Diabetes mellitus, Hypertonie).
ASS 100mg/d kann als Prophylaxe (eher Kurzzeitals Langzeiteffekt) gegeben werden.
Eine umgehende hochdosierte Behandlung mit Corticosteroiden (500–1000 mg Prednison-Äquivalent i. v.) unter stationären Bedingungen (2–4 Einzelgaben/d) ist notwendig.
Die Reduktion der Steroidgabe erfolgt unter BSG-Kon- trolle, eine langdauernde Gabe niedrigdosierter Steroide ist erforderlich.
Eine Visuserholung ist selten.
Literatur
Beri M, Klugman MR, Kohler JA, Hayreh SS. Anterior ischemic optic neuropathy. VII. Incidence of bilaterality and various influencing factors. Ophthalmology. 1987;94:1020–8.
Buono LM, Foroozan R, Sergott RC, Savino PJ. Nonarteritic anterior ischemic optic neuropathy. Curr Opin Ophthalmol. 2002; 13:357–61.
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Ghanchi FD, Dutton GN. Current concepts in giant cell (temporal) arteritis. Surv Ophthalmol. 1997;42:99–123.
Hattenhauer MG, Leavitt JA, Hodge DO, Grill R, Gray DT. Incidence of nonarteritic anterior ischemic optic neuropathy. Am J Ophthalmol. 1997;123:103–7.
Leitlinie des BVA Nr. 29. 2001. http://www.augeninfo.de/leit/ leit29.htm
The Ischemic Optic Neuropathy Decompression Trial Research Group. Optic nerve decompression surgery for nonarteritic anterior ischemic optic neuropathy (NAION) is not effective and may be harmful. Jama. 1995;273:625–32.
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11.1 Anteriore ischämische Optikusneuropathie
Abb. 11.1 g–i |
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g Klinisches Bild: AION, Papillenprominenz mit Randunschärfe. |
i Spätphase: Die Leckage bleibt auf die Papille begrenzt. |
hFrühphase: Geringe Leckage im Bereich der Papille, minimale Füllungsverzögerung temporal oben. Auf der Papille sind dilatierte Kapillaren erkennbar.
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11 Erkrankungen des Sehnervs
11.2 Papillitis |
C. Jandeck |
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Bei einer Papillitis sind differenzialdiagnostisch verschiedene Erkrankungen abzugrenzen.
Am häufigsten ist die autoimmun bedingte Neuritis n. optici (Inzidenz: 5/100 000/Jahr). Die Entwicklung einer Multiplen Sklerose innerhalb von 10 Jahren hat, wenn keine Entmarkungsherde in der Magnetreso-
1nanztomographie (MRT) vorliegen, eine Wahrscheinlichkeit von 22 %. Bei Vorliegen mindestens eines Entmarkungsherdes erhöht sich das Risiko auf 56 %.
Andere Autoimmunprozesse als Ursache einer Papillitis 2 sind: Vaskulitiden, Sarkoidose, Lupus erythematodes,
Panarteriitis nodosa, Morbus Crohn.
|
Entzündliche Ursachen sind: Toxoplasmose, Borrellien, |
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Lues, Herpes zoster sowie parainfektiöse Veränderun- |
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gen. |
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Toxische Ursachen umfassen Nebenwirkungen von Arz- |
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neimitteln und die Strahlenoptikusneuropathie. |
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Meist kommt es zu einer einseitigen, langsamen (inner- |
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halb von Tagen) Visusminderung. In 92 % der Fälle be- |
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stehen Bewegungsschmerzen. |
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Die Sehstörungen nehmen bei Erhöhung der Körper- |
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temperatur zu (Uthoff-Zeichen). |
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Im Gesichtsfeld findet sich ein Zentralskotom. Das Mus- |
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ter-VEP zeigt eine Latenzverzögerung. |
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Ophthalmoskopisch findet sich eine randunscharfe, |
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prominente Papille, Blutungen an der Papille sind sel- |
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ten. |
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Im Ultraschall ist eine Verdickung des retrobulbären |
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Sehnervs darstellbar. |
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Fluorescein-Angiographie |
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Eine Fluorescein-Angiographie ist zur Diagnose nicht |
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erforderlich. Da eine Papillitis bei einer Reihe von Er- |
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krankungen auftreten kann, ist die Kenntnis der Be- |
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funde bei der Beurteilung von Angiographien wichtig. |
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In der Frühphase kommt es zum frühzeitigen Farbstoff- |
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austritt aus den dilatierten Kapillaren. |
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In der arteriovenösen Phase besteht eine betonte Hy- |
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perfluoreszenz in den prominenten Arealen. |
In der Spätphase bleibt die Leckage auf die Papille begrenzt.
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Diagnose und Behandlung
Die Diagnose ergibt sich aus der typischen Anamnese und dem ophthalmoskopischen Befund.
Ein Muster-VEP wird zur Verlaufsbeurteilung und Mitbeurteilung des zweiten Auges eingesetzt.
Eine Magnetresonanztomographie des Schädels und eine neurologische Untersuchung sollten zur weiteren Abklärung erfolgen.
Zur Abklärung der Differenzialdiagnosen können serologische Untersuchungen erforderlich sein.
Prognose und Behandlung sind abhängig von der Ursache der Papillitis.
Eine Behandlung bei Neuritis n. optici ist indiziert, wenn Plaques in der Magnetresonanztomographie vorliegen oder subjektiv der Patient durch die Visusminderung deutlich gestört ist:
–1.–3. Tag: 4 x 250 g Methylprednisolon als Kurzinfusion
–4.–14. Tag: 1 mg/kg KG Prednison p.o.
–15. Tag: 20 mg Prednison p.o.
–16.–18. Tag: 10 mg Prednison p.o.
Die Visusprognose ist relativ gut. Nach einem Monat beträgt der Visus in 65 % der Fälle wieder 1,0 und in 95 % mindestens 0,5.
Bei anderen Autoimmunprozessen entstehen meist irreversible Schäden. Eine frühzeitige Steroidtherapie sowie je nach Diagnose eine internistische Zusatztherapie sind indiziert.
Literatur
Beck RW. Clinically definite multiple sclerosis following optic neuritis. Ann Neurol. 1997;42:815–6.
Beck RW, Trobe JD. The Optic Neuritis Treatment Trial. Putting the results in perspective. The Optic Neuritis Study Group. J Neuroophthalmol. 1995;15:131–5.
Beck RW, Trobe JD, Moke PS, et al. Highand low-risk profiles for the development of multiple sclerosis within 10 years after optic neuritis: experience of the optic neuritis treatment trial. Arch Ophthalmol. 2003;121(7):944–9.
Lagreze WA. Differenzialdiagnose der Papillenschwellung. Ophthalmologe. 2001;98:417–31.
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11.2 Papillitis
Abb. 11.2 a–f |
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a Klinisches Bild: Papillenschwellung bei Papillitis. |
d Arteriovenöse Phase: Zunahme der Hyperfluoreszenz. |
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b Frühphase: Frühzeitiger Farbstoffaustritt aus den dilatierten Kapil- |
e |
Spätphase: Deutliche Leckage im Bereich der Papille. |
laren. |
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Spätphase: Die Leckage ist auf die Papille begrenzt. |
cFrühe arteriovenöse Phase: Hyperfluoreszenz in den prominenten Arealen.
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11 Erkrankungen des Sehnervs
11.3 Papillenanomalien |
C. Jandeck |
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Fibrae medullares |
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Grubenpapille |
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Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik |
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Diese Entwicklungsanomalie besteht in 1 % aller oph- |
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thalmologischen Patienten. Sie ist in 20 % bilateral, |
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|
Männer sind häufiger als Frauen betroffen. |
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1 |
Ursache sind myelinisierte Axone der retinalen Gan- |
|
glienzellen im Bereich der Papille und der Netzhaut. |
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|
Es besteht eine Assoziation mit der Trias: Amblyopie, |
|
|
Strabismus, Myopie. |
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2 |
Meistens sieht man ein von der Papille ausgehendes |
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sektoroder flammenförmiges, weißliches oder grau- |
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weißliches Areal. Charakteristisch sind der parallele |
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Verlauf zu den Nervenfasern und ein durch die unter- |
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3 |
schiedliche Länge der Myelinscheiden gefiedert er- |
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scheinender Rand. |
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|
Die Netzhautgefäße können ganz oder teilweise durch |
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die markhaltigen Nervenfasern verdeckt sein. |
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Fluorescein-Angiographie |
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Die Fibrae zeigen eine dezente Hypofluoreszenz durch |
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Blockade der Aderhautfluoreszenz in allen Phasen der |
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Angiographie; eine Hyperfluoreszenz ist nicht zu beob- |
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achten. |
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Diagnose und Behandlung |
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Der typische klinische Befund erfordert den Ausschluss |
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bzw. die Behandlung von möglicher Amblyopie, Stra- |
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bismus und Myopie. Die Fluorescein-Angiographie ist |
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zur Diagnose nur in Ausnahmefällen notwendig. |
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Die Veränderungen bleiben während des ganzen Le- |
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8 |
bens unverändert und erfordern keine spezifische The- |
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rapie. |
||
|
Literatur |
|
9 |
Lee MS, Gonzalez C. Unilateral peripapillary myelinated retinal |
|
nerve fibers associated with strabismus, amblyopia, and myopia. |
||
|
Am J Ophthalmol. 1998;125:554–6. |
|
|
Messmer EP, Ruggli GM, Apple DJ, Naumann GOH. Spezielle Patholo- |
|
10 |
gie der Retina. In: Naumann GOH, ed. Pathologie des Auges. 2. |
|
Aufl. Berlin: Springer Verlag; 1997:998. |
Straatsma BR, Foos RY, Heckenlively JR, Taylor GN. Myelinated retinal nerve fibers. Am J Ophthalmol. 1981;91:25–38.
11
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Das Auftreten ist kongenital und sporadisch (1/11 000), in 15 % bilateral. In 95 % der Fälle kommt nur eine Grube temporal vor.
Die Ursache ist ein Verschlussdefekt der embryonalen ventralen Fissur des N. opticus.
Eine Assoziation existiert mit anderen Fehlbildungen wie: Aicardi-Syndrom, CHARGE-Syndrom, Orbitazysten, kongenitale Vorderhirnfehlbildungen, basale Enzephalozele, fehlendes Corpus callosum.
Die Morning-Glory-Papille ist eine extreme Makropapille mit tunnelförmiger Exkavation und peripapillär ausgeprägter Pigmentierung.
Die Grube hat eine Größe von 0,1–0,7 Papillendurchmesser und eine Tiefe von 0,5–2,5 dpt. Die Farbe ist gräulich (60 %), gelblich (30 %) oder schwarz (10 %). Der Randbereich kann durch Pigmentveränderungen hervorgehoben sein (95 %).
Es bestehen Gesichtsfelddefekte in 60 % und eine Visusminderung in 7 %, meist aufgrund einer serösen Makulaabhebung.
Fluorescein-Angiographie
Sie ist nicht von diagnostischer Bedeutung, sondern nur zur Bestimmung der Ausdehnung der serösen Ablatio indiziert.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch den eindeutigen klinischen Befund, eine optische Kohärenztomographie (OCT) kann hilfreich sein.
Eine Magnetresonanztomographie (MRT) zum Ausschluss zerebraler Veränderungen und eine internistische und neurologische Untersuchung zum Ausschluss von Syndromen sind indiziert.
Temporale Gruben können bei jugendlichen Patienten in 50 % zur serösen Ablatio führen. Chirurgische Möglichkeiten zur Behandlung bei persistierender Makulaabhebung sind: Photokoagulation, Vitrektomie mit Gastamponade, autologes Thrombozytenkonzentrat.
Literatur
Bartz-Schmidt KU, Heimann K, Esser P. Vitrectomy for macular detachment associated with optic nerve pits. Int Ophthalmol. 1995;19:323–9.
Brown GC, Shields JA, Goldberg RE. Congenital pits of the optic nerve head. II. Clinical studies in humans. Ophthalmology. 1980;87: 51–65.
Hoerauf H, Schmidt-Erfurth U, Laqua H. Verlaufsbeobachtungen nach Vitrektomie bei zentraler Ablatio und Grubenpapille. Klin Monatsbl Augenheilkd. 1996;209:238–43.
Hornby SJ, Adolph S, Gilbert CE, Dandona CE, Foster A. Visual acuity in children with coloboma: clinical features and a new phenotype classification system. Ophthalmology. 2000;107:511–20.
Ruthlege BK, Puliafito CA, Duker JS, Hee MR, Cox MS. Optical coherence tomography of macular lesions associated with optic nerve head pits. Ophthalmology. 1996;103:1047–53.
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11.3 Papillenanomalien
Abb. 11.3 a–i
a Klinisches Bild bei Fibrae medullaris: Weißliche, fiederartige, myelinisierte Nervenfasern zirkulär die Papille umgebend.
b Klinisches Bild bei Fibrae medullaris: Weißliche, unregelmäßig begrenzte, markhaltige Nervenfasern.
cLeeraufnahme: Papillenferne Fibrae medullares.
dArteriovenöse Phase: Dezente Hypofluoreszenz im Bereich der Fibrae.
eSpätphase: Weiterhin dezente Hypofluoreszenz im Bereich der Fibrae, keine Leckage oder Anreicherung.
fKlinischer Befund: Grubenpapille temporal mit seröser Ablatio temporal oben.
gKlinischer Befund: Grubenpapille mit sekundären Makulaveränderungen.
hKlinischer Befund: Grubenpapille mit serösem Makulaödem.
iMorning-Glory-Papille: Gefäße werden erst am Papillenrand sichtbar, umgebende exsudative und degenerative Veränderungen von Netzhaut und Pigmentepithel.
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11 Erkrankungen des Sehnervs
Drusen
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Die Inzidenz beträgt 10–20/1000 in histologischen Studien und 3/1000 in klinischen Studien.
Drusen sind bilateral in 69–73 % der Fälle. Wahrscheinlich schon bei der Geburt vorhanden, wurde das früheste klinische Auftreten mit 6 Jahren beobachtet.
Sie sind häufiger bei Patienten mit Retinitis pigmentosa und Angioid Streaks.
Drusen der Papille bestehen aus hyalinen Körpern, häufig teilweise kalzifiziert, die anterior der Lamina cribrosa liegen. Sie sind Folge eines abnormalen intrazellulären Metabolismus mit Kalzifizierung der Mitochondrien.
4 Typen werden unterschieden:
–assoziiert mit erworbenen Erkrankungen (Hypertension, Gefäßverschluss, Chorioretinitis),
–assoziiert mit heredodegenerativen Erkrankungen (Phakomatosen),
–idiopathisch (meist dominant vererbt),
–einfache Riesendrusen.
Gesichtsfelddefekte sind unspezifisch. Eine Visusminderung ist durch Wachstum der Drusen mit Verdrängung der Axone und nachfolgender partieller Optikusatrophie möglich.
Eine transiente Amaurose (Sekunden bis Stunden) ist möglich.
Klinisch sichtbar sind ein schmaler Sklerakanal, Papillenranderhebung und evtl. dilatierte Kapillaren. Papillenrandblutungen bestehen in 14 % und Shuntgefäße in 7 % der Fälle. Selten tritt eine juxtapapilläre subretinale Blutung auf.
Fluorescein-Angiographie
Eine Fluorescein-Angiographie ist nur zur Identifikation von zusätzlichen vaskulären Veränderungen und choroidalen Neovaskularisationen (CNV) sinnvoll.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt bei der Ophthalmoskopie durch das Aufleuchten der Drusen.
In der Autofluoreszenz sind Drusen meist nur darstellbar, wenn sie auch biomikroskopisch sichtbar sind.
Im Ultraschall können im B-Bild auch tiefer liegende Drusen entdeckt werden. Ein negativer Befund schließt bei Kindern und Jugendlichen die Diagnose nicht aus.
Eine Familienuntersuchung ist hilfreich.
Bei unklarer Differenzialdiagnose ist ein CT indiziert.
Bei Diagnosestellung sollte eine Abklärung der Risikofaktoren bzw. Begleiterkrankungen erfolgen.
Es gibt keine Therapie der Drusen. Eine Therapie sekundärer Veränderungen wie einer choroidalen Neovaskularisation ist ggf. erforderlich.
Die Langzeitvisusprognose für die meisten Patienten ist relativ gut.
Literatur
Borruat FX, Sanders MD. Vascular anomalies and complications of optic nerve drusen. Klin Monatsbl Augenheilkd. 1996;208:294–6.
Friedman AH, Beckermann B, Gold DH, et al. Drusen of the optic disc. Surv Ophthalmol. 1977;21:375–90.
Glaser JS. Topical diagnosis: Prechiasmal pathways. Part II. The optic nerve. In: Tasman W, Jaeger EA, eds. Duane’s Clinical Ophthalmology. Vol. 2. Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins. 1999: 35–7.
Lorentzen SE. Drusen of the optic disc: a clinical and genetic study. Acta Ophthalmol Suppl. 1966;90:1–181.
Tso MO. Pathology and pathogenesis of drusen of the optic nervehead. Ophthalmology. 1981;88:1066–80.
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11.3 Papillenanomalien
Abb. 11.3 j–m
jKlinisches Bild: Multiple prominente Drusen im Sehnervenkopf.
kSpätphase: Hyperfluoreszenz, keine Leckage.
lAutofluoreszenz (anderer Patient): Aufleuchten der Drusen.
mAutofluoreszenz (anderer Patient): Aufleuchten der Drusen.
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11 Erkrankungen des Sehnervs
11.4 Stauungspapille C. Jandeck
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Eine Stauungspapille entsteht, wenn der Hirndruck (normal 3–15 mmHg) höher ist als der Augeninnendruck.
Meist besteht bilateral eine Stauungspapille.
Eine einseitige Stauungspapille wird beobachtet bei: Optikustumoren z. B. Meningiom, Gliom oder Kom-
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pression des N. opticus von außen, z. B. endokrine Orbi- |
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topathie (Muskelverdickung), Ethmoidalzysten, retro- |
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bulbäre Tumoren. |
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Der langsame axoplasmatische Fluss wird auf Höhe der |
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Lamina cribrosa blockiert und davor angestaut. Es |
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kommt zum Anschwellen der Axone mit Ödembildung |
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und damit zur Verlagerung der retinalen Zellen nach |
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außen. Dadurch entsteht eine Vergrößerung des blin- |
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den Flecks. |
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Symptome können Schleiersehen, Nebelsehen, Visus- |
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minderung und Abduzenslähmung umfassen. Teilweise |
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wird eine Amaurosis fugax (orthostatisch bedingt) be- |
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obachtet. Eventuell ist eine Protrusio bulbi (durch re- |
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trobulbäre Raumforderung) vorhanden. |
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Bei Hirndruck bestehen Kopfschmerzen, Erbrechen, |
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Krampfanfälle, Atemstörungen und psychische Verän- |
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derungen. |
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Die Papillenschwellung wird in 5 Stadien nach Frisen |
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eingeteilt. |
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Papillenveränderung im Frühstadium: minimale Hy- |
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perämie, geringe Schwellung der Nervenfasern, fehlen- |
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der spontaner Venenpuls. Weitere klinische Befunde in |
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ausgeprägten Stadien sind deutliche Papillenpromi- |
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nenz, vergrößerter Durchmesser, umgebender Halo, |
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Gefäßschlängelung und -dilatation, Blutungen, Exsu- |
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date, Cotton-Wool-Herde und ein Verstreichen der |
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zentralen Exkavation. |
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Chronische Papillenveränderungen sind: wenig Blutun- |
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gen und Exsudate, kapillare Teleangiektasien, okzipi- |
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tale Shuntgefäße, Rarifizierung des Kapillarnetzes, Cot- |
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ton-Wool-Läsionen innerhalb der Papille. |
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Nur in 50 % der Fälle entwickelt sich später eine Optiku- |
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satrophie. |
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Fluorescein-Angiographie |
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Es kommt zu einem frühzeitigen Farbstoffaustritt aus |
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dilatierten Kapillaren auf der Papille. |
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In der arteriovenösen Phase besteht eine diffuse Hyperfluoreszenz aufgrund einer Leckage aus den präpapillären Kapillaren.
In der Spätphase bleibt weiterhin eine diffuse Hyperfluoreszenz bestehen.
Typisch bei älteren Stauungspapillen ist die fleckige feingranulierte Hyperfluoreszenz in der Spätphase.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose ergibt sich aus der Anamnese in Kombination mit dem beidseitigen Papillenbefund. Typisch ist, dass die Gefäße am Papillenrand von den gestauten Axonen zugedeckt werden.
Im Gesichtsfeld sieht man einen vergrößerten blinden Fleck, später Ausfälle meist nasal unten.
Im Ultraschall sind aufgeweitete Sehnervenscheiden erkennbar.
Zur weiteren Abklärung bei bilateraler Stauungspapille sollten ein CT des Schädels und eine neurologische Untersuchung erfolgen.
Bei einseitiger Stauungspapille sind ein CT bzw. eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Orbita mit Kontrastmittel sinnvoll.
Behandlung der Grunderkrankung, in der Regel neurologisch und neurochirurgisch, wichtig ist die Vermeidung von hirndrucksteigernden Faktoren, ggf. Osmotherapie, Steroidtherapie.
Bei Pseudotumor cerebri sind Diuretika indiziert.
Nach Senkung des Hirndruckes erfolgt die Rückbildung der Stauungspapille nach 6–10 Wochen.
Literatur
Austrian Health Communication. Hirndruck. 2003. http://www.ahc-consilium.at/daten/hirndruck.htm
Frisen L. Swelling of the optic nerve head: a staging scheme. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 1982;45:13–8.
Glaser JS. Topical diagnosis: The optic nerve. In: Tasman W, Jaeger EA, eds. Duane‘s clinical ophthalmology. New York: Lippincott Williams & Wilkins; 1999:50–7.
Tso MO, Hayreh SS. Optic disc edema in raised intracranial pressure. III. A pathologic study of experimental papilledema. Arch Ophthalmol. 1977;95:1448–57.
Tso MO, Hayreh SS. Optic disc edema in raised intracranial pressure. IV. Axoplasmic transport in experimental papilledema. Arch Ophthalmol. 1977;95:1458–62.
White WN, Corbett J, Wall M. Raised intracranial pressure. In: Rosen ES, Thompson HS, Cumming WJ, Eustace P, eds. Neuroopthalmology. London: Mosby; 1998:21.1–21.12.
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11.4 Stauungspapille
Abb. 11.4 a–f
aKlinisches Bild: Prominente randunscharfe Papille, Gefäßtrichter verstrichen, Dilatation der Gefäße, streifenförmige Blutungen.
bKlinisches Bild: Prominente randunscharfe Papille, Gefäßtrichter verstrichen, Rarefizierung des Kapillarnetzes auf der Papille, zirkulärer Halo, Cotton-Wool-Läsionen innerhalb der Papille.
cFrühphase: Frühzeitiger Farbstoffaustritt aus den dilatierten Kapillaren auf der Papille.
dArteriovenöse Phase: Diffuse Hyperfluoreszenz aus den präpapillären Kapillaren.
eSpätphase: Diffuse Hyperfluoreszenz, randunscharfe Papille.
fSpätphase: Fleckige, feingranulierte Hyperfluoreszenz (typisch bei älterer Stauungspapille).
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11.5 Kombiniertes juxtapapilläres Hamartom der Retina und des retinalen Pigmentepithels
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Inzidenz: In der Literatur sind ca. 200 Fälle beschrieben. Das Auftreten ist meist einseitig.
Es handelt sich um eine juxtapapillär gelegene, idiopathische, benigne Pigmentepithelläsion mit fingerförmige Infiltration des retinalen Pigmentepithels (RPE) in die sensorische Netzhaut mit gliösen Reaktionen, Gefäßneubildungen und Störungen im Kuhnt-Gewebe.
Histologisch findet sich eine abnorme Ansammlung von an einem Ort normalerweise vorkommenden Gewebeanteilen, von denen einige ein exzessives Wachstum aufweisen können, und eine Hyperplasie des retinalen Pigmentepithels, der Gliazellen und der Blutgefäße.
Die Veränderungen betreffen die Papille und die umgebende Netzhaut.
Funduskopisch findet sich eine große, gering prominente, gräulich-bräunliche und unscharf begrenzte Läsion im Bereich der Papille. Diese besteht aus einem dunkel pigmentierten äußeren Anteil, sowie einer darüber liegenden, verdickten und semitransluzierenden, grauen Membran mit häufig gefiederten Ausläufern zur normal erscheinenden Netzhaut. Im Tumor sind viele kleine feine Kapillaren erkennbar.
Klinische Symptome sind: Visusminderung in 40 % 0,1, Strabismus, Metamorphopsien durch Kontraktion der Membran oder selten durch subund intraretinale Exsudationen. Diese Exsudationen können sich spontan resorbieren und atrophische Veränderungen des den Tumor umgebenden retinalen Pigmentepithels hinterlassen.
Der Verlauf ist langsam fortschreitend. Als Komplikationen können auftreten: choroidale Neovaskularisationen, retinale und Glaskörperblutungen, Makulaforamina.
Fluorescein-Angiographie
In der Frühphase findet sich eine Blockierung der Hintergrundfluoreszenz im Bereich des pigmentierten Areals.
In der Mittelphase zeigt sich ein feines Netzwerk aus dilatierten Kapillaren und Mikroaneurysmen.
In der Spätphase besteht eine deutliche Leckage aus den dilatierten und geschlängelten Kapillaren, die retinalen Gefäße sind nicht verändert.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose ergibt sich in der Regel durch den typischen funduskopischen und fluoreszenzangiographischen Befund.
Da der Verlauf nur langsam fortschreitend ist, erfolgt in der Regel keine direkte Therapie, sondern nur eine Behandlung der Komplikationen.
Eine chirurgische Entfernung der Membran ist schwierig und hat nur eine geringe Chance, den zentralen Visus wieder zu verbessern.
Literatur
Gass JD. Combined pigment epithelial and retinal hamartoma. In: Gass JD, ed. Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment. 4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:824–7.
Laqua H, Wessing A. Congenital retino-pigment epithelial malformation, previously described as hamartoma. Am J Ophthalmol. 1979;87:34–42.
Schachat AP, Shields JA, Fine SL, et al. Combined hamartomas of the retina and retinal pigment epithelium. Ophthalmology. 1984;91:1609–15.
Verma L, Venkatesh P, Lakshmaiah CN, Tewari HK. Combined hamartoma of the retina and retinal pigment epithelium with full thickness retinal hole and without retinoschisis. Ophthalmic Surg Lasers. 2000;31:423–6.
Wiechens B, Amm M. Makuläre kombinierte Malformation („Hamartom“) der Netzhaut und des retinalen Pigmentepithels. Ophthalmologe. 1996;93:724–8.
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11.5 Kombiniertes juxtapapilläres Hamartom der Retina und des retinalen Pigmentepithels
Abb. 11.5 a–f
aKlinisches Bild: Große, gering prominente, gräulich-bräunliche und unscharf begrenzte Läsion im Bereich der Papille.
bFrühphase: Blockade der Hintergrundfluoreszenz im Bereich des pigmentierten Areals.
cMittelphase: Mikroaneurysmen, feines Netzwerk abnormer, dilatierter Kapillaren mit Leckage (dieses Netzwerk überzieht den gesamten Tumor).
dSpätphase: Deutliche, diffuse Gefäßleckage aus den dilatierten und geschlängelten Gefäßen, die retinalen Gefäße sind fluoresceindicht.
eKlinisches Bild: Geringe, prominente, unscharf begrenzte bräunliche Läsion im Bereich der Papille.
fMittelphase: Viele Mikroaneurysmen, dilatierte Kapillaren mit Leckage, Blockade im Bereich der bräunlichen Veränderungen.
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11.6 Parapapilläre choroidale Neovaskularisationen C. Jandeck
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Für die Entwicklung parapapillärer choroidaler Neovaskularisationen (CNV) sind viele verschiedene Ursachen möglich. Die häufigsten sind: altersabhängige Makuladegeneration (AMD), peripapilläre Choroiditis, Presumed Ocular Histoplasmosis Syndrome (POHS), hyaline Drusen im Bereich der Papille, angeborene Papillenfehlbildungen und Angioid Streaks.
Ätiologisch bestehen peripapilläre Veränderungen und Defekte in der Bruch-Membran.
Das Auftreten einer parapapillären choroidalen Neovaskularisation ist meist asymptomatisch mit unverändertem Visus. Eine Visusminderung entsteht bei sekundärer Beteiligung der Fovea.
Im Gesichtsfeld zeigen sich eine Vergrößerung des blinden Fleckes, ein parazentrales oder zäkozentrales Skotom.
Der Verlauf einer parapapillären choroidalen Neovaskularisation kann lange stationär sein, über den natürlichen Verlauf und die Häufigkeit einer Visusminderung gibt es wegen der Seltenheit der Erkrankung keine sicheren Aussagen.
Spätere mögliche Veränderungen sind: zystoides Makulaödem, retinale Degenerationen über der Läsion, hämorrhagische Abhebung des retinalen Pigmentepithels (RPE), exsudative Netzhautablösung oder Glaskörperblutung.
Fluorescein-Angiographie
Die Diagnose einer parapapillären choroidalen Neovaskularisation wird mit der Fluorescein-Angiographie gesichert.
In der Frühphase entwickelt sich im betroffenen Areal eine geringe Leckage.
In der Spätphase besteht eine deutliche Leckage mit unscharf begrenzten Rändern.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose ergibt sich aus dem ophthalmoskopischen Befund und der Fluorescein-Angiographie.
Die Fluorescein-Angiographie ermöglicht die Darstellung der Grenzen und der Aktivität der choroidalen Neovaskularisation sowie der begleitenden subretinalen Veränderungen.
Mit der Gesichtsfelduntersuchung lässt sich anhand der Skotomgröße funktionell eine etwaige Progression beurteilen.
Eindeutige gesicherte Studien zur Therapieindikation liegen nicht vor. Eine Laserkoagulation sollte abhängig von den Symptomen je nach Wachstum und Lage der choroidalen Neovaskularisation erwogen werden.
Literatur
Flaxel CJ, Bird AC, Hamilton AM, Gregor ZJ. Partial laser ablation of massive peripapillary subretinal neovascularization. Ophthalmology. 1996;103:1250–9.
Gass JD. Idiopathic choroidal neovascularisation. In: Gass JD, ed. Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment. 4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:246–51.
Kies JC, Bird AC. Juxtapapillary choroidal neovascularization in older patients. Am J Ophthalmol. 1988;105:11–9.
Lopez PF, Green WR. Peripapillary subretinal neovascularization. A review. Retina. 1992;12:147–71.
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11.6 Parapapilläre choroidale Neovaskularisationen
Abb. 11.6 a–i
aKlinisches Bild: Parapapilläre choroidale Neovaskularisation mit deutlichen Exsudaten im Bereich des temporal oberen Gefäßbogens, Visus 1/50.
bSpätphase: Leckage im Bereich der CNV, unscharf begrenzt.
cKlinisches Bild: Gleicher Patient wie in a, 3 Monate später: Z. n. Laserkoagulation der CNV, geringer Rückgang der sekundären Exsudationen, Visus 0,1.
dArteriovenöse Phase: Leckage im Randbereich der Lasernarbe, kein Rezidiv.
eKlinisches Bild: Gleicher Patient wie in a, 1,5 Jahre später: Laserkoagulationsnarbe temporal der Papille, keine Restexsudate mehr, Visus 0,2.
fKlinisches Bild: 10 Jahre alter Patient: Parapapilläre CNV mit subretinaler Blutung, Visus 1,0.
gArteriovenöse Phase: Leckage mit unscharf begrenzten Rändern im Bereich der CNV, Blockade im Bereich der Blutung.
hKlinisches Bild: Gleicher Patient wie in f, 2 Jahre später, keine therapeutische Intervention: Parapapilläre CNV mit umgebendem Pigmentepitheldefekt; Visus 1,0.
iArteriovenöse Phase: Hyperfluoreszenz im Bereich des Pigmentepitheldefektes, Leckage im Bereich der CNV.
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