- •Widmung
- •Vorwort
- •Anschriften
- •Inhaltsverzeichnis
- •1 Untersuchungsmethoden
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •1.2 Indocyaningrün-Angiographie
- •5.7 Chloroquin-Retinopathie
- •6 Tumoren
- •7 Diabetische Retinopathie
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •2 Behandlung des anaphylaktischen Schocks
- •3 Altersbedingte Makuladegeneration und choroidale Neovaskularisationen anderer Genese – Fluorescein
- •3.1 Altersbedingte Makulopathie und Makuladegeneration
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •1.2 Indocyaningrün-Angiographie
- •4 Altersbedingte Makuladegeneration – Indocyaningrün
- •4.1 Retinale angiomatöse Proliferation
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •5 Hereditäre und toxische Netzhauterkrankungen
- •5.1 Retinitis pigmentosa
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •6 Tumoren
- •6.1 Aderhautnävus und Aderhautmelanom
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •7 Diabetische Retinopathie
- •7.1 Nichtproliferative diabetische Retinopathie
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •8 Andere Gefäßerkrankungen
- •8.1 Hypertensive Retinopathie
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •9 Erkrankungen der Makula und der zentralen Netzhaut
- •9.1 Retinitis centralis serosa
- •1.1 Fluorescein-Angiographie
- •10 Entzündliche und Autoimmunerkrankungen
- •10.1 Toxoplasmose-Chorioretinitis
- •11 Erkrankungen des Sehnervs
- •11.1 Anteriore ischämische Optikusneuropathie
- •5.7 Chloroquin-Retinopathie
- •Sachverzeichnis
9 Erkrankungen der Makula und der zentralen Netzhaut
9.1 Retinitis centralis serosa |
W. Inhoffen |
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Die Bezeichnung Retinitis centralis serosa (RCS) geht auf A. v. Graefe zurück. In der US-amerikanischen Literatur wird die Erkrankung als „Idiopathic Central Serous Chorioretinopathy“ (ICSC) bezeichnet.
Die Retinitis centralis serosa lässt sich als neurosensorische Abhebung durch idiopathische Pigmentepithel-
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leckage beschreiben und in 2 Grundtypen einteilen: |
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– klassische Retinitis centralis serosa mit ein oder |
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mehreren fokalen Leckagen, |
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– diffuse Pigmentepitheliopathie (chronische Retinitis |
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centralis serosa, Kap. 9.2). |
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In den meisten Fällen bleibt die Ätiologie der Retinitis |
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centralis serosa unklar, diese werden als idiopathische |
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Retinitis centralis serosa klassifiziert. Pathogenetisch |
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wird eine lokalisierte Permeabilitätsstörung der Ader- |
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haut vermutet. Eine sekundäre Retinitis centralis serosa |
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kann bei Schwangerschaft, Cortisoneinnahme (auch ge- |
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legentliche Inhalation), nach Organtransplantation, |
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Glomerulonephritis, Morbus Crohn und Aderhautfalten |
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beobachtet werden. |
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Die Erkrankung betrifft überwiegend Patienten in einem |
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Lebensalter von 20–50 Jahren, meist kommt die Erkran- |
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kung einseitig vor. Das Verhältnis Mann/Frau ist 2,7:1, |
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60–90 % weisen eine akute Retinitis centralis serosa, |
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5–40 % eine chronische Retinitis centralis serosa auf. |
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Als häufigste Symptome der Erkrankung werden Seh- |
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minderung, Mikropsie, Metamorphopsien, vermin- |
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derte Dunkeladaptation, Farbsinnstörung und ein zent- |
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raler brauner Fleck im Gesichtsfeld angegeben. |
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Klinisch sind neurosensorische Abhebungen im Bereich |
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der Fovea ohne Pigmentepithelabhebung (PEA) zu be- |
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obachten, in bis zu 30 % mit multiplen Leckagen. For- |
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men mit zentraler Pigmentepithelabhebung sind selte- |
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ner und bullöse Formen sehr selten zu beobachten. |
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Rezidive können bei ca. 30 % der Patienten im Verlauf |
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vorkommen, bei ca. 10 % sogar dreimal oder mehr. |
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Fluorescein-Angiographie |
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In ca. 25 % der Fälle kann ein sog. Regenschirmmuster |
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(„Smokestack“) beobachtet werden. Dabei zeigt sich |
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zunächst eine kleine Hyperfluoreszenz, in der arterio- |
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venösen Phase mit Leckage, die im Verlauf der Angio- |
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graphie nach oben steigt und sich dann entlang der |
neurosensorischen Abhebung wieder nach unten ausbreitet.
In ca. 60 % der Fälle ist ein sog. Tintenklecks („Expanding Pinpoint“) zu erkennen. Es zeigt sich eine punktförmige Hyperfluoreszenz, die sich mit der Zeit gleichmäßig in alle Richtungen vergrößert.
In ca. 15 % findet sich ein nur minimal größer werdender Spot.
Bei 90 % der Fälle findet sich 1 Spot, jedoch in ca. 10 % 2 oder mehr.
In der Indocyaningrün-Angiographie zeigt sich ein Muster mit fleckförmig expandierenden Spätanfärbungen auch an nicht betroffenen Stellen, die oft auch am Partnerauge zu beobachten sind.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose ergibt sich durch typische Symptome und funduskopisch durch ein rundes zentrales Ödem mit klarem Exsudat ohne Anzeichen einer choroidalen Neovaskularisation (CNV). Beweisend ist die FluoresceinAngiographie.
Insgesamt zeigt sich eine gute Prognose bei akuter Retinitis centralis serosa (RCS): 95 % der Patienten erreichen wieder einen Visus von mehr als 0,63. Die Erholungszeit beträgt im Mittel ca. 4 Monate. Die Abheilung erfolgt meist mit Defekten des retinalen Pigmentepithels (RPE) und kann persistierende Metamorphopsien hinterlassen.
Wichtige und gelegentlich schwierige Differenzialdiagnosen sind eine idiopathische choroidale Neovaskularisation, eine neurosensorische Abhebung bei Grubenpapille, eine polypoidale choroidale Vaskulopathie (PCV) und Teleangiektasien. Diese zeigen in der Stereoangiographie Leckagen im Netzhautbereich, nicht darunter.
Als bisher am häufigsten propagierte Behandlungsform wird die lokalisierte Laserkoagulation des ursächlichen Pigmentepitheldefektes postuliert. Eine kontrollierte prospektive vergleichende Studie existiert nicht.
In den meisten publizierten Arbeiten verkürzt die Laserkoagulation die Krankheitsdauer, verbessert jedoch nicht den Endvisus im Vergleich zu unbehandelten Augen. Die Komplikationsrate (Bildung einer choroidalen Neovaskularisation durch Laserbehandlung) liegt bei 1–5 %. Da die spontane Rückbildung im Mittel 3–5 Monate beträgt, werden zz. von den meisten Autoren Laserbehandlungen bei Persistenz erst nach 6 Monaten empfohlen.
Acetazolamid systemisch kann nach Angaben einiger Autoren die Rückbildungszeit bei akuter Retinitis centralis serosa verkürzen, hat aber offenbar keinen Einfluss auf den Endvisus.
Eine systemische Cortisongabe ist kontraindiziert. Bei gleichzeitiger Cortisontherapie anderer Allgemeinerkrankungen sollte die Substitution der Steroide nach Möglichkeit angestrebt werden. Ketoconazole werden als zukünftige mögliche Therapieform diskutiert.
Literatur
Piccolino FC, Borgia L, Zinicola E, Zingirian M. Indocyanine green angiographic findings in central serous chorioretinopathy. Eye. 1995;9:324–32.
Robertson DM. Argon laser photocoagulation treatment in central serous chorioretinopathy. Ophthalmology. 1986;93:972–4.
Yamada K, Hayasaka S, Setogawa T. Fluorescein-angiographic patterns in patients with central serous chorioretinopathy at the initial visit. Ophthalmologica. 1992;205:69–76.
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9.1 Retinitis centralis serosa
Abb. 9.1 a–i
aKlinisches Bild: Akute Retinitis centralis serosa (RCS) mit leicht gelblicher zentraler neurosensorischer Abhebung.
bFrühe arteriovenöse Phase: „Dämpfung“ der Fluoreszenz durch das Exsudat in der Abhebung. Darin zeigt sich eine unregelmäßig hyperfluoreszente Fläche mit 3 hyperfluoreszenten Punkten.
cSpäte arteriovenöse Phase: Einer dieser Punkte (Quellpunkt) expandiert nach oben – beginnender „Smokestack“.
dSpätphase: Die Leckage breitet sich weiter nach oben fort und beginnt, den Hohlraum der neurosensorischen Abhebung auszufüllen.
eFrühe arteriovenöse Phase: Derselbe Patient 3 Monate später. Im Vergleich zur Voruntersuchung sind in der frühen arteriovenösen Phase keine signifikanten Unterschiede erkennbar.
fSpäte arteriovenöse Phase: Es kann kein „Smokestack“ mehr, sondern eine feine flächige Ausbreitung der Hyperfluoreszenz des Quellpunktes beobachtet werden („Expanding Pinpoint“).
gSpätphase: Weitere radiäre Ausbreitung der Hyperfluoreszenz.
hSpäte arteriovenöse Phase: Derselbe Patient weitere 3 Monate später, es zeigen sich keine wesentlichen Unterschiede zur Angiographie bei Erstvorstellung.
iSpätphase: Erkennbarer Quellpunkt wie bei Erstvorstellung (Reaktivierung).
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9 Erkrankungen der Makula und der zentralen Netzhaut
9.2 Chronische Retinitis centralis serosa W. Inhoffen
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Im englischsprachigen Raum wird die chronische Retinitis centralis serosa (RCS) entsprechend ihrem auffälligsten Merkmal als diffuse retinale Pigmentepitheliopathie (DRPE) bezeichnet. Typischerweise zeigen sich diffuse Atrophien des retinalen Pigmentepithels (RPE) mit kleinen flachen neurosensorischen Anhebungen und Pigmentepithelabhebungen (PEA). Der Verlauf ist chronisch und häufige Verschlechterungen sind üblich.
Insgesamt ähnelt das Bild der akuten Retinitis centralis serosa, jedoch sind die Patienten deutlich älter ( 50 Jahre), haben ausgeprägtere Atrophien des Pigmentepithels mit Gesichtsfelddefekten (ca. 70 %), häufig eine beidseitige Ausprägung (ca. 90 %); im Vergleich zur akuten Retinitis centralis serosa kommt es bei einem größeren Anteil der Patienten zur Entwicklung einer choroidalen Neovaskularisation (CNV).
Die Erkrankung kann sich eigenständig oder aus wiederholten RCS-Schüben entwickeln.
In der Regel liegt kein Netzhautödem vor.
Fluorescein-Angiographie
Typisch sind kleine punktförmige Leckagen innerhalb einer Pigmentepithelatrophie, häufig peripapillär, chronisch und rezidivierend, ohne dass eine kräftige Leckage wie bei Quellpunkten im Rahmen einer akuten Retinitis centralis serosa zu beobachten ist.
Nichtleckende RPE-Defekte bilden sich fast immer im Bereich von früheren Abhebungen der neurosensorischen Retina oder auch außerhalb davon (ca. 40 %).
Die Indocyaningrün-Angiographie zeigt eine flächige Anfärbung mit einer Dispersion in der 30-min-Spät- phase, ähnlich wie bei der Retinitis centralis serosa, jedoch wesentlich ausgeprägter.
Diagnose und Behandlung
Ein langfristiger Krankheitsverlauf mit klinischen Verbesserungen und Verschlechterungen ist typisch.
In der Differenzialdiagnose ist die Abgrenzung zur okkulten choroidalen Neovaskularisation bei altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) oft schwierig. Eine Verlaufskontrolle vor endgültiger Diagnosestellung ist daher oft notwendig, ggf. mit Indocyaningrün-Angio- graphie. Blutungen, klassische CNV-Anteile, eine Expansion der Läsion oder ein Netzhautödem sprechen gegen eine alleinige chronische Retinitis centralis serosa.
Um weitere sekundäre Schädigungen (Gesichtsfelddefekte, RPE-Schädigungen, RPE-Atrophie, Sehminderung) durch die Abhebungen zu vermeiden, wird von einigen Autoren eine Laserkoagulation mit Grid-Muster im Bereich der diffusen Leckage (mit Abhebungen der neurosensorischen Netzhaut) empfohlen.
Literatur
Cohen D, Gaudric A, Coscas G, Quentel G, Binaghi M. Epithéliopathie rétinienne diffuse et choriorétinopathie séreuse centrale. [Diffuse retinal epitheliopathy and central serous chorioretinopathy]. J Fr Ophtalmol. 1983;6:339–49.
Lafaut BA, Salati C, Priem H, De Laey JJ. Indocyanine green angiography is of value for the diagnosis of chronic central serous chorioretinopathy in elderly patients. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 1998;236:513–21.
Levine R, Brucker AJ, Robinson F. Long-term follow-up of idiopathic central serous chorioretinopathy by fluorescein angiography. Ophthalmology. 1989;96:854–9.
Spaide RF, Campeas L, Haas A, et al. Central serous chorioretinopathy in younger and older adults. Ophthalmology. 1996;103:2070–9; discussion 2079–80.
Yannuzzi LA, Slakter JS, Kaufman SR, Gupta K. Laser treatment of diffuse retinal pigment epitheliopathy. Eur J Ophthalmol. 1992;2:103–14.
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9.2 Chronische Retinitis centralis serosa
Abb. 9.2 a–i
a Klinisches Bild: Chronische und akute Retinitis centralis serosa (RCS). Aufgehobener Fovealreflex und Abhebung der neurosensorischen Retina extrafoveal bei 2 h.
b Infrarotaufnahme: Hervorhebung einer flachen Abhebung der neurosensorischen Retina entlang des temporal unteren Gefäßbogens sowie einer akuten Abhebung bei 2 h als dunklere Fläche in der konfokalen Infrarotdarstellung mit dem Scanning-Laser- Ophthalmoskop (SLO).
cArteriovenöse Phase: Abhebung der neurosensorischen Retina bei 2h und Defekte des retinalen Pigmentepithels (RPE) entlang des temporal unteren Gefäßbogens.
dSpätphase: Quellpunkt mit kräftiger Leckage bei 2 h (= akute RCS) und diffuse, zarte Leckage im Bereich der RPE-Defekte am temporal unteren Gefäßbogen (= chronische RCS).
eIndocyaningrün-Angiographie (ICG-Angiographie) 10 min: Deutlich hypofluoreszente Linien und beginnende flächige Anfärbung im Bereich der akuten und der chronischen RCS.
fICG-Angiographie 30 min: Deutliche flächige Ausbreitung der ICG-Hyperfluoreszenz im Sinne einer eher chronischen RCS auch bei 2 h.
gKlinisches Bild: Patient mit einer okkulten choroidalen Neovaskularisation. Es zeigt sich ein Mischbild von Atrophien und Pigmentverdichtungen, mit der optischen Kohärenztomographie kann ein Netzhautödem nachgewiesen werden.
hArteriovenöse Phase: Hypound Hyperfluoreszenzen entsprechend dem Fundusbefund.
iSpätphase: Geringe Leckagen temporal oberhalb der Fovea.
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9 Erkrankungen der Makula und der zentralen Netzhaut
9.3 Macular Pucker |
W. Inhoffen |
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Eine epiretinale Gliosebildung in der Makula mit einer Verziehung der Netzhaut und einer daraus resultierenden Funktionsbeeinträchtigung wird als idiopathische epiretinale Gliose (kein peripheres Netzhautforamen erkennbar) oder als „Macular Pucker“ (sekundäre Gliose in der Folge eines Netzhautforamens oder einer
1Netzhautablösung) bezeichnet. Die Grenze zwischen diesen beiden Gruppen ist fließend, da sich auch bei eigentlich idiopathischen epiretinalen Gliosen oft kleine
2 |
periphere, klinisch nicht immer zu diagnostizierende |
Foramina finden. |
Neben der idiopathischen Gruppe und dem klassischen Macular Pucker können epimakuläre Membranen auch
3 |
nach anderen vitreoretinalen Erkrankungen entstehen |
|
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|
(Venenastverschluss [VAV], Laserkoagulation, Uveitis, |
|
okuläre Tumortherapie). |
In der Praxis hat sich für die 3 Gruppen der epiretinalen 4 Gliose als Oberbegriff die Bezeichnung „Macular Pu-
cker“ durchgesetzt.
Histologisch bestehen die Membranen aus Kollagen,
5 |
Anteilen der Membrana limitans interna (ILM), retina- |
|
len Pigmentepithelzellen, Astrozyten, Fibrozyten und |
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Makrophagen. |
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Durch Kontraktion der epiretinalen Membran können |
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die Netzhautgefäße irregulär verzogen werden (bei |
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kleinen Gefäßen mit Ödemfolge). Die Membran kann |
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außerdem die Fovea überwachsen (mit Aufhebung der |
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Foveadepression und homogener Netzhautverdickung) |
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oder durch tangentialen Zug ein Makulaforamen erzeu- |
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gen. |
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Die Prävalenz liegt bei 6 % über 50 Lebensjahre, in |
|
20–30 % der Fälle ist die Erkrankung bilateral. |
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|
In der Regel bemerkt der Patient innerhalb von Wochen |
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einen Visusabfall mit Metamorphopsien, gefolgt von ei- |
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|
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9 |
ner Periode mit relativ stabiler oder sich nur langsam |
|
weiter verschlechternder Sehschärfe. Nur etwa 1 % aller |
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|
Patienten mit Macular Pucker kann mit einer sponta- |
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nen Abhebung der Membran rechnen. Wird durch den |
|
Pucker ein Makulaloch erzeugt, so verschlechtert sich |
||
|
die Sehschärfe rapide. |
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Fluorescein-Angiographie |
|
Angiographisch können die typischen, teilweise kor- |
kenzieherartig verzogenen Gefäße durch den erhöhten Kontrast besser identifiziert werden. In den meisten Fällen zeigt sich nur eine geringe diffuse Leckage aus den Gefäßen ohne Netzhautzysten.
Weiterhin zeigen sich kleine Unschärfen über den Gefäßen durch die Puckerauflagerungen.
In der Regel kann ein Macular Pucker durch den klinischen Befund ohne Angiographie diagnostiziert werden. Diese ist im Zweifelsfall jedoch zur Unterscheidung und Identifikation anderer Ursachen hilfreich (choroidale Neovaskularisationen, Teleangiektasien, Venenastverschluss).
Eine prognostische Bedeutung im Hinblick auf das zu erwartende postoperative Ergebnis kommt der Angiographie bisher nicht zu.
Diagnose und Behandlung
Besonders im rotfreien Licht der Spaltlampe wird der flächige Glitzerreflex der Puckerauflagerung deutlich sichtbar. Weitere Zeichen sind Verziehungen der Gefäße, Fältelung der Membrana limitans interna sowie ggf. Aufhebung des Foveareflexes, Pseudoforamen oder Makulalochbildung als Folge des Puckers.
Durch eine Vitrektomie mit „Membrane Peeling“ werden nicht nur die möglichen Komplikationen des Puckers verhindert, sondern auch eine deutliche Verringerung der Netzhautdicke erzielt. Damit ist eine Sehverbesserung in mehr als 50 % der Fälle verbunden. Die volle Sehschärfe kann nach diesem operativen Eingriff nicht immer erreicht werden, da sich die Foveadepression in vielen Fällen nicht mehr zurückbildet, insbesondere nach lang bestehender epimakulärer Membran.
Der Stellenwert eines zusätzlichen ILM-Peelings nach Entfernung der epiretinalen Gliose und die Verwendung von Vitalfarbstoffen (Indocyaningrün oder Typanblau) zur intraoperativen Membrananfärbung ist bisher nicht durch vergleichende Studien klar definiert worden.
Literatur
Charles S. Epimacular membranes. In: Guyer DR, Yannuzzi L, Chang S, eds. Retina-Vitreous-Macula. London: Saunders; 1999:230–7.
Maguire AM, Margherio RR, Dmuchowski C. Preoperative fluorescein angiographic features of surgically removed idiopathic epiretinal membranes. Retina. 1994;14:411–6.
Massin P, Allouch C, Haouchine B, et al. Optical coherence tomography of idiopathic macular epiretinal membranes before and after surgery. Am J Ophthalmol. 2000;130:732–9.
Park DW, Dugel PU, Garda J, et al. Macular pucker removal with and without internal limiting membrane peeling: pilot study. Ophthalmology. 2003;110:62–4.
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9.3 Macular Pucker
Abb. 9.3 a–f
aKlinisches Bild: Epiretinale Gliose, der Fovealreflex ist aufgehoben.
bRotfreie Funduskopie: Bessere Darstellung der epiretinalen Gliose im rotfreien Licht.
cSpäte arteriovenöse Phase: Verzogene Netzhautgefäße mit nur geringen Gefäßleckagen in umschriebenen Arealen.
dSpätphase: Leckagen jetzt deutlicher erkennbar.
eZum Vergleich Patient mit Z. n. Laserkoagulation bei Venenastverschluss (VAV) und anschließender epiretinaler Gliose. Großes Bild: Rotfreie Funduskopie zeigt deutlich epiretinale Membran. Kleines Bild: Leckage relativ scharf abgegrenzt und sehr kräftig homogen, dies spricht gegen eine epiretinale Membran als Ursache der Leckage.
fArteriovenöse Phase: Kollateralen sind deutlich erkennbar, somit liegt ein VAV mit Lasernarben vor.
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9 Erkrankungen der Makula und der zentralen Netzhaut
9.4 Makulaforamen W. Inhoffen
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Eine Veränderung der normalen Anatomie der Fovea kann durch tangentiale (bei epiretinaler Gliose) oder anterioposteriore Kräfte (bei Traktionssyndrom) verursacht werden. In beiden Fällen kommt es zu fovealen Defekten mit der Ausbildung von Makulaschichtforamina bis zu kompletten, durchgängigen Makulafora-
1mina.
Makulaforamina werden nach Gass in die Stadien 1–4 eingeteilt, wobei Stadium 1a nur die Aufhebung der Fo-
2 |
veadepression, Stadium 1b schon kleine Anteile mit |
|
Vollforamen, Stadium 2–4 Vollforamen bedeuten. Un- |
||
|
terschieden wird darüber hinaus nach Durchmesser |
|
3 |
des Foramens (400 μm Schwelle: Stadium 2– 3) und, |
|
ob der Glaskörper zentral abgehoben ist (Stadium |
||
|
||
|
3– 4), wobei eine bessere Einteilung wahrscheinlich |
|
|
zukünftig durch die optische Kohärenztomographie |
|
4 |
(OCT) möglich sein wird. |
|
Von diesen Makulaforamina abzugrenzen sind die sog. |
||
|
Pseudoforamina (Vortäuschen eines Foramens durch |
|
|
eine zentrale Lücke einer epiretinalen Membran) und |
|
5 |
die sog. Makulaschichtforamina, bei denen noch ein er- |
|
heblicher Anteil intakten Gewebes zentral besteht (z. B. |
||
|
||
|
nach Kollabieren einer Foveazyste). Hierbei muss be- |
|
6 |
rücksichtigt werden, dass 1/3 aller Pseudoforamina in- |
|
nerhalb von 3 Jahren in ein Vollforamen übergehen. |
||
|
Die Prävalenz von idiopathischen Foramina beträgt in |
|
|
den USA etwa 1 auf 5000 Patienten. Die meisten Fora- |
|
7 |
mina sind idiopathisch, nur wenige durch Trauma er- |
|
zeugt. Von den idiopathischen Makulaforamina müs- |
||
|
||
|
sen sekundäre Foramina bei anderen Erkrankungen un- |
|
8 |
terschieden werden (etwa nach zystoidem Makula- |
|
ödem, bei epiretinaler Membran, einem vitreoretinalen |
||
|
Traktionssyndrom oder einer hohen Myopie mit Sta- |
|
|
phylom). |
|
|
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9 |
Subjektive Symptome sind zu Beginn Metamorphop- |
|
sien und Nebelsehen. Bei kleinen vertikalen Traktionen |
||
|
fallen beim Lesen Ausfälle einzelner Buchstabenberei- |
|
|
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che auf. Bilden sich Foramina, kommt es zur Fixations- |
|
verlagerung und damit zum drastischen Sehschärfen- |
||
|
abfall. Im Stadium 1 sind auch Spontanverschlüsse |
|
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möglich, sehr oft verschlechtert sich der Befund jedoch |
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in allen Stadien: 50 % Stadium 1– 2, 70 % Stadium |
|
2– 3. |
Tritt an einem Auge ein Makulaforamen auf, so beträgt das Risiko für eine Lochbildung des Partnerauges ca. 10 % innerhalb von 5–36 Monaten nach Erstdiagnose. Ein wichtiger Risikofaktor ist eine bestehende unvollständige hintere Glaskörperabhebung am Partnerauge.
Fluorescein-Angiographie
Die Fluorescein-Angiographie spielt in der Diagnose des Makulaforamens nach der stereoskopischen Fundusuntersuchung und der optische Kohärenztomographie nur eine untergeordnete Rolle.
Angiographien können nicht sicher zwischen Makulaforamen, Pseudoforamen und Schichtforamen unterscheiden. Treten jedoch in einer aus anderem Grund durchgeführten Angiographie zentrale, scharf begrenzte, singuläre Fensterdefekte ohne Leckage auf (Resultat der Xantophyllverdrängung), muss in erster Linie an ein Makulaforamen Stadium 2–4 gedacht werden und obige Diagnostik durchgeführt werden. Nach erfolgreichem Verschluss des Foramens kann der zentrale Fensterdefekt verschwinden.
Eine klinische Bedeutung besitzt die Angiographie zur Abgrenzung gegen ein zystoides Makulaödem, da diese beiden Entitäten klinisch nicht immer sicher voneinander zu unterscheiden sind.
Diagnose und Behandlung
Funduskopisch sind am einfachsten die Foramina der Stadien 3 und 4 als dunkle zentrale Fläche (evtl. mit kleinen gelben Ablagerungen, sog. „Salamiaspekt“) mit einem Ring aus hochgewölbter Netzhaut erkennbar.
Im Stadium 1a zeigen sich lediglich ein Verlust des Foveareflexes und evtl. ein leicht gelblicher Reflex. Im Stadium 1b verschiebt sich das Xantophyll etwas seitlich, so dass ein zarter gelblicher Ring statt einer zentralen gelblichen Fläche resultiert. Der Watzke-Test zeigt an, ob ein zentraler Gesichtsfelddefekt vorliegt, ist aber bei kleinen Foramina ungenau. Hilfreich sind insbesondere die OCT-Untersuchungen, da diese sehr exakt die anatomischen Verhältnisse darstellen; die alleinige funduskopische Einteilung gilt hier als unsicher.
Die operative Behandlungsmöglichkeit der Vitrektomie führt in der Regel zu guten anatomischen und funktionellen Erfolgen. Die OP-Technik wird derzeit noch unterschiedlich gehandhabt (Verwendung von Indocyaningrün zur Entfernung der Membrana limitans interna, Thrombozytenkonzentrat zum Lochverschluss, Art der Gastamponade).
Literatur
Chew EY, Sperduto RD, Hiller R, et al. Clinical course of macular holes: the Eye Disease Case-Control Study. Arch Ophthalmol. 1999;117:242–6.
Gass JD. Reappraisal of biomicroscopic classification of stages of development of a macular hole. Am J Ophthalmol. 1995;119:752–9. la Cour M, Friis J. Macular holes: classification, epidemiology, natural history and treatment. Acta Ophthalmol Scand.
2002;80:579–87.
Varano M, Scassa C, Capaldo N, Sciamanna M, Parisi V. Development of macular pseudoholes: a 36-month period of follow-up. Retina. 2002;22:435–42.
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9.4 Makulaforamen
Abb. 9.4 a–f
aKlinisches Bild: Makulaforamen Stadium 3: Zentraler Defekt mit Einlagerungen, der Foramenrand ist angehoben.
bFrühe arteriovenöse Phase: Es zeigt sich nur eine kleine Hyperfluoreszenz im Zentrum des Defektes, der abgehobene Rand ist hyperfluoreszent.
cSpäte arteriovenöse Phase: Es ist keine wesentliche Änderung des Bildes zu erkennen.
dSpätphase: Wieder keine Veränderungen und somit keine Leckage in Abgrenzung zum zystoiden Makulaödem oder zu einer choroidalen Neovaskularisation.
eKlinisches Bild: Ein anderer Patient mit vergleichbarem klinischem Bild.
fDie Angiographie zeigt deutliche Unterschiede zu vorigem Patienten: Kleines Bild: Venöse Phase mit Hyperfluoreszenz des gesamten Defektes, der abgehobene Randbereich bleibt hypofluoreszent. Großes Bild: In der Spätphase unveränderter Befund ohne wesentliche Leckage.
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9 Erkrankungen der Makula und der zentralen Netzhaut
9.5 Zystoides Makulaödem W. Inhoffen
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
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Beim zystoiden Makulaödem (ZMÖ) kommt es zu einer |
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Flüssigkeitsansammlung in zystoiden Hohlräumen der |
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Netzhaut in der Folge unterschiedlicher vitreoretinaler |
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Erkrankungen. |
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Bei Erkrankungen der Aderhaut entsteht ein Flüssig- |
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keitstransfer |
von der Aderhaut in die |
Netzhaut bei |
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durchlässigem retinalen Pigmentepithel (RPE), z. B. bei |
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Uveitis, multifokaler Choroiditis, choroidalen (okkul- |
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ten/klassischen) Neovaskularisationen oder Aderhaut- |
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tumoren. |
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Bei Erkrankungen der Netzhaut kann eine erhöhte |
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Durchlässigkeit der Netzhautgefäße beobachtet wer- |
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den, z. B. bei diabetischer Retinopathie, Venenastver- |
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schlüssen (VAV), Teleangiektasien, Strahlenretinopa- |
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thie, Uveitis mit Netzhautgefäßbeteiligung (z. B. Mor- |
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bus Behçet), Irvine-Gass-Syndrom, nach YAG-Kapsulo- |
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tomien, epiretinaler Gliose, Laserkoagulation, Retinitis |
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pigmentosa, nach filtrierender Glaukomchirurgie oder |
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netzhautchirurgischen Eingriffen. |
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Die Flüssigkeit sammelt sich in selbst geschaffenen |
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Hohlräumen |
zwischen der äußeren |
plexiformen |
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Schicht und der inneren Zellschicht; da keine Epithel- |
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auskleidung vorliegt, handelt es sich streng genommen |
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nicht um Zysten, sondern um Pseudozysten. |
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Besonders betroffen ist die Fovea: Aufgrund ihrer be- |
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sonderen Anatomie (lockeres Gewebe in horizontaler |
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Richtung ohne die stabilisierenden senkrechten Mül- |
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ler-Zellen) können sich dort kleinere Zysten vergrö- |
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ßern. |
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Daher ist die Anordnung typisch: zentral 1 bis wenige |
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größere Zysten, umgeben von einem Ring, nach peri- |
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pher immer kleiner werdende Zysten. |
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Subjektive Symptome bei zystoiden Makulaödem sind in der Regel Metamorphopsien und eine Visusminde-
9 rung.
Fluorescein-Angiographie
Typischerweise zeigt sich in der Angiographie eine 10 langsame Fluoresceinansammlung in den zystoiden Hohlräumen, zentral mit wenigen größeren Hyperfluoreszenzen meist mit feinem hypofluoreszentem Pig-
mentring, nach peripher oft viele kleine, fast runde Hyperfluoreszenzen in den Spätphasen. Eine für Studien wichtige Einteilung in 3 Schweregrade nach dem angiographischen Bild ist in der alltäglichen Praxis wenig gebräuchlich.
Das angiographische Bild eines zystoiden Makulaödems tritt weder bei klinisch gelegentlich schwierig abzugrenzenden Makulaforamina noch bei Makuladystrophien oder einer Retinopathia solaris auf.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose ergibt sich durch die Anamnese, Hinweise auf die Grunderkrankung und den funduskopischen Befund.
Spaltlampenmikroskopisch lassen sich die Zysten im seitlich positionierten Spalt im Streulicht am besten nachweisen. Ergänzend können eine optische Kohärenztomographie (OCT) oder eine Angiographie durchgeführt werden.
Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Besserungen sind mit systemischer Acetazolamidgabe, nichtsteroidalen Antiphlogistika und intravitrealen bzw. systemischen Steroidgaben beobachtet worden.
Bei persistierendem zystoidem Makulaödem besteht die Gefahr eines Risses des „Daches“ und damit die Bildung eines Makulaschichtforamens; in diesen Fällen werden auch eine Vitrektomie mit „Membrane Peeling“ oder auch eine perifoveale Laserkoagulation diskutiert.
Literatur
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Otani T, Kishi S. A controlled study of vitrectomy for diabetic macular edema. Am J Ophthalmol. 2002;134:214–9.
Ting TD, Oh M, Cox TA, Meyer CH, Toth CA. Decreased visual acuity associated with cystoid macular edema in neovascular age-rela- ted macular degeneration. Arch Ophthalmol. 2002;120:731–7.
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9.5 Zystoides Makulaödem
Abb. 9.5 a–i
aKlinisches Bild: Aufhebung des Fovealreflexes bei einem Patienten mit einer Uveitis posterior.
bFrühe arteriovenöse Phase (kleines Bild): Nahezu unauffällige perifoveale Kapillaren, jedoch bei 11 h schon kleine Hyperfluoreszenzen. Späte arteriovenöse Phase (großes Bild): Leckage aus den perifovealen Kapillaren und daher Bildung von eher länglich orientierten Leckageaustritten.
cSpätphase: Jetzt Ansammlung des Farbstoffes in den durch das Ödem gebildeten Hohlräumen. In der Mitte die größten „Zysten“, nach peripher in der Größe abnehmend.
dSpäte arteriovenöse Phase: Nach Regression des zystoiden Makulaödems ist kein Austritt von Farbstoff zu beobachten.
eSpätphase: Nur noch sehr geringer Farbstoffaustritt ohne zystoide Konfiguration.
fKlinisches Bild: Auch im Farbfoto gut dokumentierbare zentrale Zyste bei einer Patientin nach Implantation einer Intraokularlinse (Irvine-Gass-Syndrom).
gKlinisches Bild, rotfreie Aufnahme: Das Ausmaß des zystoiden Makulaödems ist in einer rotfreien 20°-Digitalaufnahme besser dokumentierbar, da auch die kleinen Zysten in diesem Modus kontrastreich dargestellt werden können.
hFrühe arteriovenöse Phase: Beginnender Austritt von Farbstoff aus den perifovealen Kapillaren.
iSpätphase: Ansammlung von Farbstoff in den vorgebildeten Hohlräumen in der typischen Anordnung eines zystoiden Makulaödems.
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9 Erkrankungen der Makula und der zentralen Netzhaut
9.6 Aderhautfalten, Aderhautruptur und Angioid Streaks W. Inhoffen
Aderhautfalten
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Aderhautfalten sind parallel verlaufende Verwellungen von Aderhaut und retinalem Pigmentepithel (RPE) im Bereich des hinteren Pols. Je nach Ursache können diese einseitig oder beidseitig im Zusammenhang mit den folgenden Veränderungen auftreten:
–idiopathische Aderhautfalten bei hyperopen Patienten, oft beidseitig, gelegentlich mit einer geringen Sehstörung einhergehend,
–bei okulärer Hypotonie bedingt durch Nachlassen des zur Stabilität der Aderhaut notwendigen Innendruckes (z. B. nach filtrierender Glaukomchirurgie),
–bei Uveitis, z. B. bei chronischem Papillenödem und Skleritis posterior,
–bei retrobulbären Raumforderungen (endokrine Orbitopathie, Tumoren, Mukozele) durch Indentation des Bulbus durch die Raumforderung,
–bei Narbenbildungen in der Aderhaut oder im Subretinalraum, z. B. im Fibrosestadium einer fortgeschrittenen altersabhängigen Makuladegeneration (AMD),
–bei Prominenzen in der Aderhaut (z. B. malignes Melanom der Aderhaut).
Subjektiv können Aderhautfalten symptomlos bleiben oder zu Metamorphopsien und einer Visusminderung führen.
Durch die wellenförmige Anordnung und damit bedingte Verlagerung der Pigmentzellen zeigen sich funduskopisch parallel, meist schräg bis horizontal, manchmal aber auch senkrecht verlaufende dunkle Linien mit dazwischen liegenden depigmentierten Linienzügen. Bei unilateralen Formen sind Skleritis, Tumoren, Gefäßverschlüsse und Hypotonie am häufigsten (je ca. 13–17 %), gefolgt von der altersabhängigen Makuladegeneration (10 %), während bei bilateralen Formen die altersabhängige Makuladegeneration, Hypotonie und idiopathische Formen zusammen 75 % ausmachen.
Fluorescein-Angiographie
Typische hypound leicht hyperfluoreszente Linien, parallel verlaufend ohne Leckage, manchmal auch nur hyperfluoreszierende Linien. Das Muster ist abhängig von der Verwellungskonfiguration. Die Hypofluoreszenz wird durch die an den Verwellungstälern geometrisch bedingte erhöhte Pigmentepitheldichte mit Blockade, die Hyperfluoreszenz durch die verminderte Pigmentepitheldichte bei entsprechenden geometrischen Voraussetzungen verursacht. Die Hyperfluoreszenzen nehmen im Verlauf der Angiographie zu, eine Leckage zeigt sich jedoch nicht.
Diagnose und Behandlung
Aderhautfalten sind funduskopisch meist bereits gut erkennbar, durch die Fluorescein-Angiographie jedoch deutlicher zu identifizieren. Unterschieden werden muss dieses Krankheitsbild von Netzhautfalten (z. B. bei Gliose, kein Nachweis in der Angiographie) bzw. reinen RPE-Falten bei altersabhängiger Makuladegeneration.
Die Behandlung richtet sich nach der auslösenden Ursache der Aderhautfalten.
Literatur
Cassidy LM, Sanders MD. Choroidal folds and papilloedema. Br J Ophthalmol. 1999;83:1139–43.
Leahey AB, Brucker AJ, Wyszynski RE, Shaman P. Chorioretinal folds. A comparison of unilateral and bilateral cases. Arch Ophthalmol. 1993;111:357–9.
von Winning CH. Fluography of choroidal folds. Doc Ophthalmol. 1972;31:209–49.
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9.6 Aderhautfalten, Aderhautruptur und Angioid Streaks
Aderhautruptur
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Nach stumpfen Trauma kann es im Bereich der Netzhaut/Aderhaut zu folgenden anatomischen Veränderungen kommen:
–Berlin-Ödem mit nachfolgenden Pigmentverschiebungen und je nach Lokalisation Sehschärfenminderung,
–Makulaforamen/Netzhautforamen,
–Oradialyse,
–Aderhautruptur.
Häufig liegen mehrere Aderhautrupturen am hinteren Pol vor. Diese sind als bogenförmige, um die Papille orientierte helle Streifen mit Pigmentverschiebungen funduskopisch zu identifizieren. Oft sind sie durch subretinale Blutungen maskiert, welche sich dann, begleitet von einem Visusanstieg, resorbieren.
Eine bleibende Visusminderung kann durch sekundäre Pigmentveränderungen hervorgerufen werden (ca. 7 %).
Die Häufigkeit von sekundären choroidalen Neovaskularisation (CNV) beträgt zwischen 14 % und 20 % und ist umso höher, je näher die Ruptur zur Fovea liegt und je größer sie ist. Eine choroidale Neovaskularisation kann sich innerhalb von 6 Wochen entwickeln, aber auch nach Jahren aus der Narbe hervorgehen.
Fluorescein-Angiographie
Durch die Überlagerung mit einer Blutung zeigen sich häufig nur Anteile der Ruptur, so dass neben der Fluo- rescein-Angiographie zum Ausschluss einer choroidalen Neovaskularisation auch eine Indocyaningrün-An- giographie notwendig sein kann.
In der Fluorescein-Angiographie ist in der Frühphase eine Hypofluoreszenz im Bereich der Ruptur, später eine Hyperfluoreszenz durch Anfärbung des geschädigten Gewebes zu beobachten. Die Blutungen bleiben hypofluoreszent, können aber von der IndocyaningrünAngiographie durchdrungen werden, so dass sich dann das ganze Ausmaß der Ruptur zeigt und ggf. eine unter der Blutung liegende choroidale Neovaskularisation ausgeschlossen werden kann. In der IndocyaningrünAngiographie zeigen sich oft mehr Rupturen als funduskopisch und fluoresceinangiographisch sichtbar sind.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch die Funduskopie und Fluo- rescein-Angiographie, welche insbesondere bei Verdacht auf eine choroidale Neovaskularisation indiziert ist.
Eine Behandlung erfolgt in der Regel nur bei Komplikationen, d. h. bei Bildung einer choroidalen Neovaskularisation. Prospektive vergleichende Studien existieren nicht. In Analogie zu Behandlungen der choroidalen Neovaskularisationen anderer Genese werden derzeit die Laserkoagulation, die photodynamische Therapie (PDT) oder chirurgische Verfahren angewendet.
Literatur
Giuffre G. Déchirures choroïdiennes traumatique: pronostic visuel et évolution à long terme. [Traumatic choroid tears: visual prognosis and long-term course]. J Fr Ophtalmol. 1988;11:569–77.
Kohno T, Miki T, Shiraki K, Kano K, Hirabayashi-Matsushita M. Indocyanine green angiographic features of choroidal rupture and choroidal vascular injury after contusion ocular injury. Am J Ophthalmol. 2000;129:38–46.
Secretan M, Sickenberg M, Zografos L, Piguet B. Morphometric characteristics of traumatic choroidal ruptures associated with neovascularization. Retina. 1998;18:62–6.
Viestenz A, Kuchle M. Eine retrospektive Analyse von 417 Kontusionen und Bulbusrupturen und häufig vermeidbarer Unfallursachen: Das Erlanger Okuläre Contusions-Register (EOCR) 1985 bis 1995. Klin Monatsbl Augenheilkd. 2001;218:662–9.
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9 Erkrankungen der Makula und der zentralen Netzhaut
Angioid Streaks
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
„Angioid Streaks“ (gefäßähnliche Streifen) sind kontinuierliche Defektlinien am hinteren Pol mit Progredienz im Bereich der Bruch-Membran und Veränderungen des retinalen Pigmentepithels. Funduskopisch entsteht so zunächst der Eindruck von ungewöhnlichen zusätzlichen Gefäßen, besonders im Areal um die Papille herum, wo sie oft einen peripapillären Ring bilden. Die „Streaks“ können kreuzen und laufen häufig durch
1das Foveagebiet ohne Sehbeeinträchtigung.
Histologisch ist die Bruch-Membran häufig kalzifiziert, fragmentiert und unterbrochen. Daher kann es an diesen Stellen zum Einwachsen von choroidalen Neovas-
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kularisationen kommen, welche schwierig zu therapie- |
|
ren sind. |
|
Eine Drusenpapille, flächige Pigmentverschiebungen |
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(„Orangenhaut“) und periphere „Salmon Spots“ sind |
ebenfalls häufig zu beobachten. |
Bei etwa 50 % aller Patienten treten diese Erscheinungen isoliert auf, in den anderen Fällen sind die „Angioid
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Streaks“ Ausdruck einer generalisierten Erkrankung: |
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– Pseudoxanthoma elasticum (PXE, am häufigsten) – |
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ca. 85 % dieser Patienten entwickeln Augenauffällig- |
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keiten (= Grönblad-Strandberg-Syndrom), |
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– Ehlers-Danlos-Syndrom (selten). |
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Subjektiv werden Beschwerden erst geäußert, wenn |
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durch eine |
choroidale |
Neovaskularisation mit oder |
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ohne Blutungen eine Sehstörung eintritt. |
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Fluorescein-Angiographie |
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In den Frühaufnahmen zeigen sich helle, hyperfluores- |
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zente, gefäßähnliche Streifen, jedoch ohne Füllungsdy- |
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namik und ohne Leckage, ausgenommen Gefäßneubil- |
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dungen (choroidale Neovaskularisationen). |
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Wichtig zur frühzeitigen Erkennung der choroidalen |
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Neovaskularisationen als Komplikation sind die Früh- |
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zeichen in Form von kleinen, hellen, fast kreisrunden |
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Hyperfluoreszenzen ggf. mit Leckage, aber noch ohne |
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Gefäßmuster einer choroidalen Neovaskularisation. |
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Ergänzend |
kann die |
Indocyaningrün-Angiographie |
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weitere Einzelheiten (z. B. okkulte choroidale Neovas- |
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kularisation, weitere Angioid Streaks, beginnende klas- |
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sische choroidale Neovaskularisation) deutlicher zei- |
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gen. |
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose lässt sich in der Regel schon funduskopisch stellen, jedoch zeigt die Angiographie diese Veränderungen deutlicher.
Differenzialdiagnostisch müssen abgegrenzt werden: Aderhautrupturen, Lacksprünge bei Myopie und Pigmentverschiebungen bei altersabhängiger Makuladegeneration.
Eine Behandlung der Angioid Streaks ist nicht möglich, jedoch sollte bei bislang isoliertem Augenbefund wegen möglicher Systemerkrankungen auch ein Internist hinzugezogen werden.
Die Behandlung von choroidalen Neovaskularisationen mit Laserkoagulation und/oder photodynamischer Therapie bzw. Extraktion bleibt aufgrund hoher Rezidivraten nach oft kurzer Zeit problematisch.
Aufgrund des insgesamt „brüchigen“ Gewebes im Bereich der Bruch-Membran am hinteren Pol kann es auch nach leichter Bulbusprellung zu Aderhautrupturen kommen.
Literatur
Lim JI, Bressler NM, Marsh MJ, Bressler SB. Laser treatment of choroidal neovascularization in patients with angioid streaks. Am J Ophthalmol. 1993;116:414–23.
Pece A, Avanza P, Introini U, Brancato R. Indocyanine green angiography in angioid streaks. Acta Ophthalmol Scand. 1997;75:261–5.
Sato K, Ikeda T. Fluorescein angiographic features of neovascular maculopathy in angioid streaks. Jpn J Ophthalmol. 1994;38:417–22.
Shaikh S, Ruby AJ, Williams GA. Photodynamic therapy using verteporfin for choroidal neovascularization in angioid streaks. Am J Ophthalmol. 2003;135:1–6.
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9.6 Aderhautfalten, Aderhautruptur und Angioid Streaks
Abb. 9.6 a–i
aKlinisches Bild: Aderhautfalten durch Mukozele nasal der Papille. Es zeigen sich dunkle, parallel verlaufende Streifen.
bSpäte arteriovenöse Phase: Helle parallel verlaufende Streifen, entsprechend den Aderhautfalten.
cSpätphase: Die hyperfluoreszenten Streifen sind unverändert, es kann keine Leckage beobachtet werden.
dKlinisches Bild: Ältere Aderhautruptur mit choroidaler Neovaskularisation (CNV). Vernarbte Aderhautrupturlinie temporal der Fovea mit rötlicher, leicht fibrosierter Unregelmäßigkeit.
eFrühphase: Die Gefäße der CNV innerhalb der zentralen Ruptur werden deutlich sichtbar. Die Ruptur selber ist hypofluoreszent mit kreuzenden Aderhautgefäßen.
fSpätphase: Leckage aus den Gefäßen der CNV, Anfärbung der fibrosierten Rupturen.
gKlinisches Bild: Angoid Streaks mit Lasernarbe bei sekundärer CNV und anschließendem Rezidiv. Dunkler Angoid Streak durch die Fovea verlaufend, oberhalb davon Lasernarbe nach zentral pigmentiert. Lasernarbe mit fibrosiertem Rand (Rezidiv).
hFrühe arteriovenöse Phase: Helle Angoid Streaks, dunkle Lasernarbe mit umgebenden CNV-Gefäßen (Rezidiv).
iSpätphase: Keine Leckage aus den Streaks, Staining der Lasernarbenfibrose und des fibrosierten Rezidives, jedoch auch Leckage im nasalen, aktiven Anteil des Rezidives.
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9 Erkrankungen der Makula und der zentralen Netzhaut
9.7 Akute Lichtschädigungen der Netzhaut W. Inhoffen
Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik
Zu den akuten Lichtschädigungen der Netzhaut zählen die Retinopathia solaris, die iatrogene Phototoxizität durch die Beleuchtung mit dem OP-Mikroskop oder Lichtleitern sowie die zufällige Beleuchtung des Auges mit Laserstrahlen.
Retinopathia solaris: Die Sonne wird auf der Netzhaut
1als 160 μm breite Scheibe abgebildet und kann, nur bei dilatierten Pupillen und direkter zentraler Fixation, die Netzhaut um 22° erwärmen und so zu einem thermi-
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schen Schaden führen. Bei einer normalen Pupillen- |
|
größe ist dagegen eine photochemische Reaktion nur |
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denkbar, wenn ca. 90 s lang direkt in die Sonne geblickt |
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wird (z. B. unter Drogeneinfluss). Es resultiert ein klei- |
|
nes begrenztes Ödem direkt in oder neben der Fovea. |
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|
Gefährlich ist in diesem Zusammenhang auch die di- |
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|
rekte Beobachtung mit einem Fernrohr durch den ent- |
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4 |
stehenden Vergrößerungseffekt. |
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Bei einer iatrogenen Phototoxizität durch ein OP-Mi- |
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kroskop oder mit intraoperativ verwendeten Lichtlei- |
|
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tern kann ohne Linsenfokussierung auf einer größeren |
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Fläche ebenfalls eine phototoxische Reaktion auf der |
|
Netzhaut erzeugt werden, welche früher in 0,9–7,4 % |
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vorkommen konnte. Dies wird heute durch das Ein- |
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schwenken spezieller Filtergläser im Beleuchtungs- |
|
strahlengang zum größten Teil verhindert. |
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Laserschaden durch Industrieund Militärlaser entste- |
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hen meistens durch Nd:YAG-Laser im infraroten oder |
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sichtbaren Bereich. Eine direkte Koagulation ist mög- |
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lich, da hohe fokussierte Energien ins Auge gelangen. |
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Die Läsionen ähneln denen der medizinischen Laser- |
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photokoagulation, können aber auch größer sein (z. B. |
|
bis zu einem traumatischen Makulaforamen). |
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Bei der Retinopathia solaris oder iatrogener Laserschä- |
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digung werden oft Metamorphopsien und Skotome |
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(Leseschwierigkeiten) wahrgenommen (meist inner- |
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halb von 1 h nach Verletzung), die häufig auch mit einer |
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Visusminderung einhergehen. Bei der iatrogenen OP- |
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Mikroskopschädigung treten kaum Symptome auf, da |
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die in der Regel geringgradigen Pigmentveränderungen |
außerhalb des Sehzentrums zu beobachten sind.
Rote Laserpointer (bis 5 mW im Handel) gelten als un- 11 bedenklich.
Fluorescein-Angiographie
Bei einer Retinopathia solaris sind keine Leckagen nachweisbar, ggf. besteht ein kleiner Fensterdefekt, wenn die Läsion außerhalb der Xantophyllblockade liegt.
Bei iatrogener Phototoxizität entstehen flächige, unscharf begrenzte, zarte extrafoveale Fensterdefekte, ggf. ist auch eine zarte Leckage anfänglich sichtbar.
Bei Laserunfällen hängt das Erscheinungsbild von der Energie und dem Untersuchungszeitpunkt ab. Es variiert zwischen unauffällig oder rund bis scharf begrenzt mit Leckage, Blockade und Fensterdefekt.
Diagnose und Behandlung
Bei der Retinopathia solaris zeigen sich im klinischen Befund einoder beidseitige foveanahe, meist 200 μm große runde und gelbliche Läsionen. Die Abheilung erfolgt in Form zarter Pigmentverschiebungen. Kleinere Skotome bleiben meist als funktionelle Ausfälle bestehen.
Bei einer iatrogenen Schädigung durch intraoperative Lichtexposition hängt der Schaden von der Lokalisation der meist 0,5–2 Papillendurchmesser großen, ovalen Läsion (leicht gelbliche Fläche mit zartem Ödem) ab. Bei Benutzung von Fiberoptiken treten eher runde Läsionen auf. Die Abheilung erfolgt mit zarten Pigmentverschiebungen bei insgesamt guter Prognose.
Bei Laserunfällen richtet sich die Prognose nach der Lokalisation der Läsion und dem Ausmaß der Schädigung.
Bei keiner der 3 Formen der Lichtschädigung liegt bisher eine gesicherte Therapie zur Verminderung der sich entwickelnden bleibenden Schäden vor. Die oft angewendete Steroidtherapie ist umstritten. Eine besondere Beachtung sollte daher die Prävention dieser durchgehend vermeidbaren Schädigungen finden.
Literatur
Alhalel A, Glovinsky Y, Treister G, Bartov E, Blumenthal M, Belkin M. Long-term follow up of accidental parafoveal laser burns. Retina. 1993;13:152–4.
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Michels M, Sternberg P Jr. Operating microscope-induced retinal phototoxicity: pathophysiology, clinical manifestations and prevention. Surv Ophthalmol. 1990;34:237–52.
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Robertson DM, Lim TH, Salomao DR, Link TP, Rowe RL, McLaren JW. Laser pointers and the human eye: a clinicopathologic study. Arch Ophthalmol. 2000;118:1686–91.
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9.7 Akute Lichtschädigungen der Netzhaut
Abb. 9.7 a–i
aKlinisches Bild: Retinopathia solaris 3 Tage nach Exposition. Es zeigt sich noch eine kreisrunde helle Läsion im Bereich der Fovea, Visusreduktion und Metamorphopsien. Nach Abheilung zeigte sich im Verlauf ein völlig normaler Fundus.
bInfrarotaufnahme: Die Leeraufnahme mit dem Scanning-Laser- Ophthalmoskop deutet auf eine scharf begrenzte, tiefer gelegene Läsion hin.
cFrühe arteriovenöse Phase: Es zeigen sich keine bemerkenswerten Veränderungen.
dSpätphase: Es können keine Fensterdefekte und keine Leckagen beobachtet werden.
eKlinisches Bild: Der klinische Befund des Partnerauges und die bemerkten Symptome entsprechen dem zuvor dargestellten rechten Auge.
fSpätphase: Auch hier können keine Fensterdefekte oder Leckagen beobachtet werden.
gOptische Kohärenztomographie: Der untere Bildausschnitt des in a–d dargestellten Fundus zeigt im akuten Stadium ein intraretinales Ödem, welches die angiographisch sichtbare Blockade ohne Leckage erklärt. Der obere Ausschnitt zeigt wieder normale Verhältnisse nach Abheilung der Akutphase.
hKlinisches Bild: Retinopathia solaris mit Fernrohr. Es zeigt sich eine narbige, scharf begrenzte Pigmentverschiebung oberhalb der Fovea.
iSpäte arteriovenöse Phase: Das Bild ist einer Lasernarbe vergleichbar. Es findet sich ein Atrophiering mit Pigmentverschiebungen und zentralen Pigmentverdichtungen.
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Aus Heimann, H., U. Kellner, M. H. Foerster: Angiographie-Atlas des Augenhintergrundes (ISBN 9783131364913) © 2004 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
