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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Angiographie-Atlas des Augenhintergrundes_Heinrich Heimann, Kellner, Foerster_2004.pdf
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8

Andere Gefäßerkrankungen

 

 

 

 

 

 

 

8.1

Hypertensive Retinopathie

H. Heimann

 

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

In der Fluorescein-Angiographie können bei fortge-

 

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems stellen den

schrittener Erkrankung retinale Kapillarausfälle (Hypo-

 

 

 

größten Anteil der Morbiditätsund Mortalitätsursa-

fluoreszenzen bei Minderperfusion), Veränderungen

 

 

 

chen in Deutschland dar. Die Hypertonie ist der we-

der Kapillararchitektur (insbesondere perifoveal, peri-

 

 

 

sentliche modifizierbare Risikofaktor für Erkrankungen

papillär, temporal der Fovea und entlang der Arterio-

 

 

 

des Herz-Kreislauf-Systems. Die Prävalenz der Hyper-

len), Mikroaneurysmen (zunehmende Hyperfluores-

1

 

 

tonie ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Indus-

zenz mit geringer Leckage), eine vermehrte Gefäß-

 

 

trienationen hoch und liegt in der Altersgruppe zwi-

schlängelung (insbesondere der Arteriolen), arteriove-

 

 

 

 

 

 

schen 35 und 64 Jahren bei 55 %.

nöse Anastomosen (neue Gefäßlumina mit geringer Le-

 

Die hypertensive Retinopathie kann bei akuten und

ckage) und Schrankenstörungen bei Papillenödem be-

2

 

 

chronischen Blutdruckerhöhungen beobachtet werden

obachtet werden.

 

 

und ist ein unabhängiger Risikofaktor für eine erhöhte

Die Aderhautfüllung ist oft verzögert und unregelmä-

 

 

 

kardiovaskuläre Mortalität.

ßig, manchmal sogar erst nach der Füllung der Netz-

3

Bei der chronischen Hypertonie kommt es zu einer fo-

hautgefäße erkennbar.

 

 

kalen Verengung der Arteriolen, kapillaren Minderper-

Bei der hypertensiven Choroidopathie kommt es zu fo-

 

 

 

 

 

 

fusionen und Cotton-Wool-Herden. Darüber hinaus

kalen Leckagen über den Pigmentepitheldefekten.

 

 

 

wird die Blut-Retina-Schranke gestört, intraretinale

 

4

 

 

Blutungen und Exsudate sind die Folge. Langfristige

Diagnose und Behandlung

 

 

Umbauvorgänge der Gefäßarchitektur führen zu einer

Therapeutisch steht die internistische antihypertensive

 

 

 

Endothelzellhyperplasie, Hyalinisierung der Intima und

Therapie im Vordergrund. Auch bei fortgeschrittener

 

 

 

Hypertrophie der Media, die ophthalmoskopisch als

Erkrankung ist der Visus bei hypertensiver Retinopa-

5

 

 

Kupferdrahtarterien zu erkennen sind und an Über-

thie oft noch erstaunlich gut.

 

 

schneidungen von Arterien und Venen zu Kreuzungs-

Von klinischer Bedeutung ist die ophthalmologische

 

 

 

 

 

 

zeichen führen können. Im Extremfall schreitet die Er-

Diagnose bei akuten Blutdruckentgleisungen (bei bis-

6

 

 

krankung bis zu einer proliferativen Retinopathie und

her nicht bekanntem Hypertonus), bei der Feststellung

 

 

einem Papillenödem fort.

chronischer retinaler Gefäßveränderungen bei neu di-

 

Bei einer akuten, massiven Blutdruckerhöhung kann

agnostiziertem Hypertonus und bei weit fortgeschritte-

 

 

 

eine hypertensive Choroidopathie beobachtet werden.

ner Retinopathie. Eine ophthalmologische Behandlung

7

 

 

Durch eine fibrinoide Nekrose der Aderhautgefäße

ist in der Regel erst bei der Entstehung einer proliferati-

 

 

kommt es zu einer fokalen Störung der äußeren Blut-

ven Retinopathie mittels Laserkoagulation notwendig.

 

 

 

 

 

 

Retina-Schranke im Bereich des Pigmentepithels mit

Literatur

8

 

 

lokalisierten Netzhautabhebungen. In der Abheilungs-

 

 

phase zeigt sich hier eine fokale Hyperpigmentierung

Duncan BB, Wong TY, Tyroler HA, Davis CE, Fuchs FD. Hypertensive

 

 

retinopathy and incident coronary heart disease in high risk men.

 

 

 

des retinalen Pigmentepithels (RPE) mit umgebendem

 

 

 

Br J Ophthalmol. 2002;86:1002–6.

 

 

 

Halo (Elschnig-Flecken).

 

 

 

Hayreh SS. Classification of hypertensive fundus changes and their

 

Patienten mit einer hypertensiven Retinopathie weisen

9

order of appearance. Ophthalmologica. 1989;198:247–60.

 

 

ein erhöhtes Risiko für retinale Makroaneurysmen, Ve-

Klein R, Klein BE, Moss SE. The relation of systemic hypertension to

 

 

 

nenastverschlüsse und eine anteriore ischämische Op-

changes in the retinal vasculature: the Beaver Dam Eye Study.

 

 

 

tikusneuropathie auf.

Trans Am Ophthalmol Soc. 1997;95:329–48; discussion 348–50.

10

 

 

Lafaut BA, De Vriese AS, Stulting AA. Fundus fluorescein angiography

 

 

 

 

Fluorescein-Angiographie

of patients with severe hypertensive nephropathy. Graefes Arch

 

Clin Exp Ophthalmol. 1997;235:749–54.

 

 

 

 

 

 

Die wesentlichen Zeichen einer hypertensiven Retino-

Pache M, Kube T, Wolf S, Kutschbach P. Do angiographic data support

11

 

 

pathie lassen sich ophthalmoskopisch ohne Angiogra-

a detailed classification of hypertensive fundus changes? J Hum

 

 

phie

diagnostizieren, fortgeschrittene Gefäßverände-

Hypertens. 2002;16:405–10.

rungen werden in der Angiographie besser dargestellt.

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8.1 Hypertensive Retinopathie

Abb. 8.1 a–f

aFarbaufnahme: Es zeigen sich sternförmig angeordnete harte Exsudate in der Makula und verengte Netzhautarterien mit vermehrtem Wandreflex, Kreuzungszeichen und Gefäßkollateralen insbesondere unterhalb und oberhalb der Papille.

bArterielle Phase: Die Aderhautfüllung ist deutlich verzögert und segmentiert. Die Netzhautarteriolen weisen Wandunregelmäßigkeiten auf und sind deutlich verengt. Oberhalb der Papille werden Gefäßkollateralen sichtbar. Die harten Exsudate „verschwinden“ zum Teil in der Fluoreszenzangiographie und sind nur noch schwach als Hypofluoreszenzen in der Frühphase zu erahnen, im Verlauf der Angiographie sind sie dann gar nicht mehr erkennbar.

cArteriovenöser Übergang: Oberhalb der Papille sind Gefäßkollateralen als anormal verlaufende Gefäßkanäle mit nur geringer Leckage erkennbar. Distal der Kollateralen erkennt man Hypofluoreszenzen durch Kapillarausfälle (Pfeile). In der Fovea dezente Hypofluoreszenz durch das zentrale Netzhautödem. Die Aderhaut weist immer noch eine segmentale, unvollständige Füllung auf.

dSpätphase: Im Verlauf des temporal unteren Gefäßbogens können 2 kleine Gefäßproliferationen durch eine präretinale Leckage identifiziert werden. Die Gefäßanomalien in Papillennähe weisen keine derartigen Leckagephänomene in der Spätphase auf. Es zeigt sich eine geringgradige Hyperfluoreszenz der Papille.

eFarbaufnahme einer hypertensiven Retinopathie mit Engstellung der Netzhautarterien, vermehrten Wandreflexen, Kreuzungszeichen, Cotton-Wool-Herden, streifigen Blutungen und Papillenschwellung.

fArteriovenöser Übergang des Patienten von e: Die Cotton-Wool- Herde sind nur mühsam als dezente Hypofluoreszenzen erkennbar. Durch Stauung und Kollateralen Hyperfluoreszenzen auf der Papille. Gefleckte und verzögerte Aderhautfüllung, Kapillarausfälle und daran angrenzende Bildung von Gefäßkollateralen oberund unterhalb der Papille sowie im Verlauf des temporal oberen Gefäßbogens. Die Blutungen bleiben im Verlauf der Angiographie als konstante, scharf begrenzte Hypofluoreszenzen sichtbar.

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Andere Gefäßerkrankungen

 

 

 

 

 

 

 

 

8.2 Okuläres Ischämiesyndrom

H. Heimann

 

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Punktblutungen (Hypofluoreszenzen durch Blockade)

 

Beim okulären Ischämiesyndrom kommt es zu einer re-

und Mikroaneurysmen (zunehmende punktförmige

 

 

 

tinalen Hypoperfusion durch eine Lumeneinengung

Hyperfluoreszenzen) in der mittleren und äußeren Pe-

 

 

 

der ipsilateralen A. carotis ( 80 % Lumeneinengung),

ripherie, gelegentlich auch am hinteren Pol, können an-

 

 

 

meist auf dem Boden arteriosklerotischer Veränderun-

giographisch unterschieden werden. Die Blutungen

 

 

 

gen.

 

 

 

 

sind selten konfluierend und können so meist von ve-

1

Die Patienten bemerken eine Amaurosis fugax, eine

nösen Gefäßverschlüssen unterschieden werden.

 

 

langsame oder eine plötzliche Visusminderung, kön-

Eine persistierende Fluoreszenz der Gefäßwände der

 

 

 

nen aber auch asymptomatisch sein bzw. erst durch ein

Netzhautarterien in der Spätphase der Angiographie ist

 

 

 

Sekundärglaukom auffallen. Als relativ typisches

im Gegensatz zu retinalen Arterienverschlüssen (keine

2

 

 

Symptom (auch unabhängig von dem Auftreten eines

späte Fluoreszenz) oder Venenverschlüssen (Nachweis

 

 

Sekundärglaukoms) gelten okuläre oder periorbitale

vor allem in den Netzhautvenen) zu beobachten.

 

 

 

Schmerzen. In der Regel liegt das Patientenalter über 60

In einem kleinen Teil der betroffenen Patienten fällt ein

3

 

 

Jahre, Männer sind häufiger als Frauen betroffen.

Makulaödem (späte Ansammlung von Hyperfluores-

 

Schätzungen

zur

Inzidenz

liegen

zwischen

zenzen in der Makula ohne zuzuordnende Neovaskula-

 

 

 

 

1:10 000–1:100 000.

Das Krankheitsbild ist wahr-

risation) auf.

 

 

 

scheinlich unterdiagnostiziert und wird oft mit ande-

Cotton-Wool-Herde zeigen angiographisch eine mä-

4

 

 

ren retinalen Gefäßerkrankungen verwechselt. Eine bi-

ßige Hypofluoreszenz durch die lokalisierte Minder-

 

 

laterale Erkrankung wird bei etwa 20 % der Patienten

perfusion und Blockadephänomene.

 

 

 

beobachtet.

 

 

 

 

 

 

Neovaskularisationen

des vorderen Augensegmentes

Diagnose und Behandlung

5

 

 

kommen bei 60–80 % der betroffenen Patienten vor.

Bei klinischem Verdacht auf ein okuläres Ischämiesyn-

 

 

Weitere Charakteristika sind eine Papillenabblassung,

drom sollte eine internistische/neurologische Diagnos-

 

 

 

 

 

 

eine Engstellung der Netzhautarterien bei Weitstellung

tik einschließlich Untersuchung der Karotiden eingelei-

6

 

 

der Venen und Fundusblutungen. Retinale Neovaskula-

tet werden.

 

 

risationen finden sich bei bis zu 13 % der Patienten.

Durch eine Lumenerweiterung oder Bypasschirurgie

 

Es besteht eine Assoziation mit einem Diabetes melli-

kann die retinale Perfusion verbessert und ein Rück-

 

 

 

tus (56 %), einer Hypertonie (50 %), einer Koronarskle-

gang der beschriebenen okulären Symptome bei einem

7

 

 

rose (38 %) und symptomatischen zerebralen Minder-

Teil der Patienten erzielt werden.

 

 

perfusionen (31 %). Patienten mit einem okulären

Bei Neovaskularisationen kann eine panretinale Laser-

 

 

 

 

 

 

Ischämiesyndrom haben ein stark erhöhtes Risiko für

koagulation eine Regression der proliferativen Erkran-

8

 

 

andere arterielle Verschlusserkrankungen wie zereb-

kung erbringen.

 

 

rale und kardiale Ischämien.

 

 

Insgesamt besteht jedoch nur eine eingeschränkte

 

 

 

 

 

 

 

 

Prognose hinsichtlich des Erhaltes einer guten Seh-

 

Fluorescein-Angiographie

 

 

schärfe oder des peripheren Gesichtsfeldes bei klinisch

9

Richtungsweisend ist die deutliche Verzögerung des

symptomatischen Patienten.

 

 

Fluoresceineintritts in den retinalen/choroidalen Kreis-

 

 

 

 

lauf (Verlängerung der Arm-Retina-Zeit, normaler-

Literatur

 

 

 

weise 10–12 s) und die verlängerte arteriovenöse Pas-

Biousse V. Carotid disease and the eye. Curr Opin Ophthalmol.

10

 

 

sagezeit.

 

 

 

 

1997;8:16–26.

 

 

 

 

 

 

Brown GC, Magargal LE. The ocular ischemic syndrome. Clinical,

Bei der Aderhautfüllung fällt neben der zeitlichen Ver-

 

fluorescein angiographic and carotid angiographic features. Int

 

 

 

zögerung auch eine fleckförmige Füllung des Gefäßsys-

 

 

 

Ophthalmol. 1988;11:239–51.

11

 

 

tems auf.

 

 

 

 

Dugan JD Jr, Green WR. Ophthalmologic manifestations of carotid

Die Arterien sind in der Regel verengt, die Venen erwei-

occlusive disease. Eye. 1991;5:226–38.

tert, ohne jedoch eine vermehrte Schlängelung aufzu-

Mizener JB, Podhajsky P, Hayreh SS. Ocular ischemic syndrome.

Ophthalmology. 1997;104:859–64.

weisen.

 

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8.2 Okuläres Ischämiesyndrom

Abb. 8.2 a–f

a Okuläres Ischämiesyndrom bei Karotisstenose. 58-jähriger Patient, der mit einer Rubeosis unklarer Genese vorgestellt wurde, der Visus war auf 0,5 abgefallen. Die Doppler-Sonographie ergab eine hochgradige ipsilaterale Karotisstenose. Im Fundusbefund erkennt man disseminierte Blutungen, die nicht konfluieren, Mikroaneurysmen und einen Cotton-Wool-Herd. Die Venen sind verbreitert, ohne eine vermehrte Schlängelung aufzuweisen, die Arterien verengt.

bNach 15 s deutlich verzögerte und inhomogene Aderhautfüllung. Die Netzhautgefäße werden ebenfalls mit einiger Verzögerung gefüllt.

cDie Differenz zwischen erstem Erscheinen des Farbstoffes in den Arterien bis zur kompletten Füllung der Venen beträgt in diesem Fall über 20 s (normal bis 11 s). Am gesamten hinteren Pol punktförmige Hyperfluoreszenzen im Bereich von Mikroaneurysmen, über der Papille zeigt sich eine Hyperfluoreszenz.

dIn der Spätphase dezentes Makulaödem und persistierende Blockade durch die Blutungen.

eHypoperfusion bei hochgradiger Karotisstenose, der Patient hatte keine Visusminderung bemerkt. Erst nach 20 s sehr schwaches Anfluten des Farbstoffes in den Netzhautgefäßen.

fArteriovenöser Übergang: Wiederum vergehen über 20 s bis zur vollständigen Füllung der Netzhautvenen. Blutungen oder Mikroaneurysmen liegen noch nicht vor.

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8 Andere Gefäßerkrankungen

8.3 Zentralvenenverschluss H. Heimann

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Ein Zentralvenenverschluss (ZVV) entsteht durch eine Thrombosierung der V. centralis retinae auf der Höhe der Lamina cribrosa. Durch den Verschluss kommt es zu einer Erhöhung des hydrostatischen Druckes mit Austritt von Blutbestandteilen aus den retinalen Gefäßen und einer deutlichen Verlangsamung des retinalen

1Blutstroms. Risikofaktoren sind ein Hypertonus, eine okuläre Hypertonie bzw. ein Glaukom, Gefäßwandschädigungen (z. B. bei Diabetes mellitus und Entzün-

2

dungen) oder eine Erhöhung der Blutviskosität.

Ophthalmoskopisch erkennt man intraund subreti-

 

nale Blutungen in allen 4 Quadranten, ein Netzhaut-

3

ödem mit Verlust der retinalen Transparenz, Cotton-

Wool-Herde, eine Erweiterung und vermehrte Schlän-

 

 

gelung der Netzhautvenen, ein Papillenund ein Maku-

 

laödem. Die Veränderungen können in unterschiedli-

4

cher Ausprägung mit einer großen interindividuellen

Variationsbreite vorkommen.

 

Am gebräuchlichsten ist die Einteilung in ischämischen

 

und nichtischämischen ZVV, wobei jedoch zu beachten

5

ist, dass die Definitionen von Studie zu Studie variieren.

Etwa 30 % der ZVV werden der ischämischen Form zu-

 

 

gerechnet.

6

Ischämische ZVV weisen im Vergleich zu nichtischämi-

schen ZVV neben angiographischen Kriterien in der Re-

 

gel zahlreiche Fundusblutungen und Cotton-Wool-

 

Herde, einen Visus von 0,1, periphere Gesichtsfeldein-

7

schränkungen, ein relatives afferentes Pupillendefizit

und reduzierte Amplituden im Elektroretinogramm auf.

 

 

Wesentliche Komplikationen sind eine dauerhafte Vi-

8

susminderung durch Makulaschädigung und die Ent-

wicklung eines Neovaskularisationsglaukoms, welches

 

in der Regel innerhalb von 7–8 Monaten nach Erkran-

 

kungsbeginn beim ischämischen ZVV entsteht.

9

Von vollständiger Erblindung bis zur Wiederherstel-

lung des vollen Visus sind im Verlauf alle Abstufungen

 

möglich. Eine dauerhafte Visusminderung entsteht

10

durch ein persistierendes Makulaödem, eine Schädi-

gung des parafovealen Kapillarnetzwerkes oder des

 

RPE, eine prolongierte Netzhautischämie oder eine Op-

 

tikusschädigung bei Sekundärglaukom.

11

Die Prävalenz liegt mit 0,1 % etwa 5-mal niedriger als

die des Venenastverschlusses. Das Risiko für die Entste-

hung eines Neovaskularisationsglaukoms liegt beim ischämischen ZVV bei 30–50 %, beim nichtischämischen ZVV bei unter 10 %. Das Risiko für einen Zentralvenenverschluss am Partnerauge ist 10 %.

Fluorescein-Angiographie

Die Venen der Netzhaut erscheinen verbreitert, vermehrt geschlängelt und mit verzögerter Füllung in der venösen Phase des Angiogramms. Die arteriovenöse Passagezeit ist meist deutlich verlängert. Bei schwereren Fällen stellt sich eine prolongierte Fluoreszenz der Venenwände dar.

Im Verschlussgebiet können fleckförmige, teilweise konfluierende intraretinale und präretinale Blutungen (Hypofluoreszenz durch Blockade), ein Netzhautödem (Hypofluoreszenz durch Blockade), Kapillarausfälle bzw. eine Netzhautischämie (Hypofluoreszenz durch Minderperfusion), intraretinale harte Exsudate und Cotton-Wool-Herde beobachtet werden.

In der Spätphase zeigen sich Hyperfluoreszenzen über den gestauten Venen durch eine Störung der Blut-Re- tina-Schranke.

Ein Teil des natürlichen papillären Venenabflusses erfolgt über retinoziliare Gefäße. Diese können bei ZVV in der Angiographie als Kollateralen vermehrt gefüllt, meist ohne wesentliche Leckage, sichtbar werden.

Als fluoresceinangiographisches Charakteristikum zur Unterscheidung zwischen ischämischem und nichtischämischem ZVV gilt ein Kapillarausfall in mehr als 10 Papillendurchmessern Netzhautfläche (etwa 50 % der abgebildeten Netzhaut bei 30°-Aufnahme). Als alleiniges klinisches Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Erkrankungsgruppen ist diese Festlegung jedoch nicht geeignet, zumal sie in den ersten Wochen der Erkrankung (z. B. bei ausgedehnten Blutungen) oft nicht bestimmt werden kann.

Im Verlauf können Gefäßanastomosen und Gefäßanomalien (durch Fluorescein-Angiographie besser sichtbar, keine oder nur geringe Leckage), Teleangiektasien (irreguläre Gefäße mit mäßiger Hyperfluoreszenz) und Gefäßproliferationen (Hyperfluoreszenz durch neu gebildete Gefäße, deutliche Leckage) mit Sekundärglaukom und Glaskörperblutungen entstehen.

Diagnose und Behandlung

Mehr als 50 % der Patienten mit einem nichtischämischen ZVV behalten oder erreichen im natürlichen Verlauf der Erkrankung eine Sehschärfe von 0,5 oder besser.

Die derzeit bestehenden Therapiekonzepte (Hämodilution, Antikoagulanzien, chirurgische Spaltung des Skleraringes, Induktion retinochoroidaler Anastomosen durch Laserkoagulation) sind umstritten und nicht durch prospektive multizentrische Studien gesichert.

Bei einem Makulaödem ist durch eine zentrale Laserkoagulation eine Reduzierung der in der Angiographie sichtbaren Leckage zu erzielen, jedoch führt dies zu keiner Visusverbesserung.

Eine panretinale Koagulation wird beim ischämischen ZVV erst beim Auftreten von Neovaskularisationen der Netzhaut oder des Kammerwinkels empfohlen. Als präventive Maßnahme bei ischämischem ZVV in der Angiographie wird sie von einigen Autoren propagiert, ist jedoch sehr umstritten, da nur knapp die Hälfte der Patienten ein Neovaskularisationsglaukom entwickelt und die Koagulation eine Gesichtsfeldeinschränkung bedingt.

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8.3 Zentralvenenverschluss

Literatur

Cooney MJ, Fekrat S, Finkelstein D. Current concepts in the management of central retinal vein occlusion. Curr Opin Ophthalmol. 1998;9:47–50.

Fekrat S, Finkelstein D. Current concepts in the management of central retinal vein occlusion. Curr Opin Ophthalmol. 1997;8:50–4.

Hayreh SS. Management of central retinal vein occlusion. Ophthalmologica. 2003;217:167–88.

Hayreh SS, Zimmerman MB, Podhajsky P. Hematologic abnormalities associated with various types of retinal vein occlusion. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2002;240:180–96.

Abb. 8.3 a–f

aKlinisches Bild: Ischämischer ZVV mit massivem Netzhautödem, Cotton-Wool-Herden, gestauten und vermehrt geschlängelten Gefäßen und disseminierten Netzhautblutungen in allen Quadranten.

bArteriovenöse Phase: Hypofluoreszenzen durch Blutungen (Blockade) und ausgedehnte Kapillarausfälle (Minderperfusion), Hyperfluoreszenzen durch Leckagen aus den vermehrt gestauten Gefäßen und Anreicherung in den Gefäßwänden. Deutlich verlängerte arteriovenöse Passagezeit.

cSpäte arteriovenöse Phase: Zunehmende präretinale Leckage durch diffusen Fluoresceinaustritt aus den geschädigten Gefäßen. Fluoresceinfärbung der gestauten Venenwände.

dBefund Jahre nach ischämischem ZVV, arteriovenöse Phase: Als Folgeschäden sind Pigmentepithelveränderungen der zentralen Makula (scharf begrenzte Hyperund Hypofluoreszenzen), eine

Verplumpung und Aufweitung des parafovealen Kapillarnetzes und erweiterte retinoziliare Shuntgefäße auf der Papille erkennbar. Oberund unterhalb sind vernarbte Laserkoagulationsherde sichtbar (hypofluoreszentes Zentrum mit hyperfluoreszentem Randsaum).

eKlinisches Bild: Nichtischämischer ZVV mit relativ wenigen streifigen Netzhautblutungen, mäßig erweiterten und vermehrt geschlängelten Venen, keine Cotton-Wool-Herde, geringes Netzhautödem, geringes Makulaödem.

fArteriovenöse Phase: Mäßige Verbreiterung und vermehrte Füllung der Netzhautvenen, geringfügig verlängerte arteriovenöse Passagezeit, keine Kapillarausfälle, geringe Stauung mit erweiterten Kapillaren im Bereich der Papille, keine Leckagen, Hypofluoreszenzen durch die Blutungen (Blockade).

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8 Andere Gefäßerkrankungen

8.4 Venenastverschluss H. Heimann

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Nach der diabetischen Retinopathie stellen Venenastverschlüsse VAV) die häufigste retinale Gefäßerkrankung mit einer Prävalenz von 0,6 % dar. Das Risiko für einen Venenastverschluss des Partnerauges beträgt um 10 %.

Typischerweise erkranken Patienten zwischen 50 und

1

 

70 Jahren ohne eine Geschlechtsprädilektion. Als we-

 

 

 

 

sentlicher Risikofaktor gilt eine arterielle Hypertonie.

 

Der pathophysiologische Mechanismus ist weiterhin

2

 

unklar. Wahrscheinlich spielen Gefäßwandschädigun-

 

gen und Veränderung der Strömungsprofile innerhalb

 

 

einer Netzhautvene die entscheidende Rolle.

3

Der Verschluss tritt distal einer Kreuzungsstelle von Ar-

 

terie und Vene auf, die temporalen Quadranten sind

 

 

 

 

deutlich häufiger betroffen. Bei Verschluss in Höhe des

 

 

N. opticus resultiert ein Verschluss einer Netzhaut-

4

 

hälfte.

Bei einem ischämischem Venenastverschluss ( 5 Pa-

 

 

pillendurchmesser kapillare Nonperfusion) besteht ein

 

 

40 %iges Risiko für Gefäßproliferationen der betroffe-

5

 

nen Augen.

 

Venenastverschlüsse sind in der Regel symptomatisch

 

 

 

(plötzliche Visusminderung oder Gesichtsfeldausfall).

6

 

Die Visusminderung wird durch ein Makulaödem, eine

 

makuläre Ischämie oder makuläre Blutungen hervorge-

 

 

rufen.

7

Fluorescein-Angiographie

 

Der betroffene Venenast ist verbreitert und zeigt eine

 

 

 

verzögerte Füllung in der venösen Phase.

8

Im Verschlussgebiet können fleckförmige, teilweise

 

konfluierende intraretinale und präretinale Blutungen

 

 

(Hypofluoreszenz durch Blockade), ein Netzhautödem

 

 

(Hypofluoreszenz durch Blockade), Kapillarausfälle/

9

 

Netzhautischämie (Hypofluoreszenz durch Minderper-

 

fusion), intraretinale harte Exsudate und Cotton-Wool-

 

 

Herde beobachtet werden.

10

In der Spätphase fallen Hyperfluoreszenzen über der

 

gestauten Vene, typischerweise auch lokal über der

 

 

Verschlussstelle, auf.

 

Wichtig für die Indikation einer Laserkoagulation ist

11

 

die Unterscheidung, ob bei Vorliegen eines Makula-

 

ödems in der Spätphase eine Hyperfluoreszenz zu er-

kennen ist, oder ob es sich um ein ischämisches Makulaödem (ausgedehnte Kapillarausfälle) handelt.

Im Verlauf der Erkrankung kommt es zur Ausbildung von Gefäßanastomosen und Gefäßanomalien (durch Fluorescein-Angiographie besser sichtbar), Teleangiektasien (irreguläre Gefäße mit mäßiger Hyperfluoreszenz), Mikroaneurysmen und Gefäßproliferationen (Hyperfluoreszenz durch neu gebildete Gefäße) mit Sekundärglaukom und Glaskörperblutungen.

Gefäßkollateralen zeigen, im Gegensatz zu Neovaskularisationen, in der Regel keine Fluoresceinleckage.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose ergibt sich in der Regel durch den typischen klinischen Befund. Die Indikation zur Fluores- cein-Angiographie ist gegeben zur Identifikation von Ischämiearealen und Leckage bei Makulaödem (selten im Akutstadium).

Laserbehandlung bei Makulaödem auf der Basis der „Branch Vein Occlusion Study“: Bei einem Visus von 0,5 oder schlechter ist die Grid-Laserkoagulation der Makula bis zu den Gefäßbögen beim Vorliegen einer fluoreszenzangiographisch darstellbaren Leckage in der Makula indiziert. Die Laserkoagulation ist nicht indiziert bei einer Visusminderungen durch Blutungen oder foveale Ischämien.

Die Indikation zur Laserkoagulation im Ischämieareal (mindestens 2 Papillendurchmesser Abstand zur Fovea) ist beim Auftreten von Neovaskularisationen gegeben.

Die Laserkoagulation zur Prävention von Neovaskularisationen bei fluoreszenzangiographisch nachweisbaren Ischämien ist sehr umstritten.

Bei ausgedehnten intraretinalen Blutungen (Akutstadium) ist die Fluorescein-Angiographie nicht sinnvoll, zunächst sollte die Resorption der Blutungen abgewartet werden (da bei ausgedehnten Blutungen keine Laserkoagulation stattfinden kann).

Literatur

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8.4 Venenastverschluss

Abb. 8.4 a–f

aKlinisches Bild: 3 Monate nach Venenastverschluss können intraretinale Blutungen, Cotton-Wool-Herde und ein Netzhautödem im Verschlussareal beobachtet werden, der betroffene Venenast ist vermehrt geschlängelt.

bSpäte arteriovenöse Phase: Hypofluoreszenz im Verschlussgebiet durch das Netzhautödem und deutliche Kapillarausfälle bzw. -ab- brüche. Lokalisierte Hyperfluoreszenzen durch teleangiektatische Gefäßaufweitungen.

cSpätphase: Hyperfluoreszenzen durch Leckagen in der Makula und über dem Verschlussareal. Gleichzeitig erkennt man noch Hypofluoreszenzen durch Blutungen, die bis in die Fovea reichen. Daher ist zunächst ein weiteres Abwarten indiziert, eine Laserkoagulation sollte nach Resorption der Blutungen bei persistierender Leckage in der Makula und einem Visus 0,5 vorgenommen werden.

d Mehrere Monate nach einem Venenastverschluss der temporal oberen Vene ist es zur Ausbildung zahlreicher Kollateralen zu der temporal unteren Vene gekommen. Die Kollateralen sind teleangiektatisch erweitert und weisen in der abgebildeten späten arteriovenösen Phase teilweise lokalisiert Hyperfluoreszenzen auf.

ePersistierendes Makulaödem mit harten Exsudaten mehrere Monate nach Venenastverschluss temporal oben, die Blutungen haben sich vollständig resorbiert.

fArteriovenöse Phase: Es zeigen sich Kollateralbildungen mit teleangiektatischen Gefäßerweiterungen. Bei Leckage bis in die Fovea auf den nicht abgebildeten Spätaufnahmen und einem Visus von 0,4 Indikation zur Laserkoagulation.

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8 Andere Gefäßerkrankungen

8.5 Arterienverschlüsse H. Heimann

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Beim Zentralarterienverschluss kommt es zu einer Okklusion der A. centralis retinae auf der Höhe der Lamina cribrosa durch Thrombenbildung bei Arteriosklerose, Emboli oder bei Arteriitis.

Die Prävalenz retinaler arterieller Emboli liegt bei 1 %. Die Inzidenz von Zentralarterienverschlüssen wird

1

zwischen 1:10 000 und 1:100 000 angegeben. In 1–2 %

 

 

der Fälle kommt es zu bilateralen Okklusionen. Der

 

Großteil der Patienten ist über 60 Jahre alt, Männer sind

2

häufiger betroffen.

Bei etwa 60 % der Patienten entsteht ein Verschluss der

 

Zentralarterie, bei etwa 40 % der Arterienäste, bei etwa

3

5 % kann ein Verschluss der A. ophtalmica (Verschluss

von Netzhaut und Aderhautzirkulation) beobachtet

 

 

werden.

 

Klinik und Ausmaß der Visusminderung sind von der

4

individuellen Anatomie und der Lokalisation des Ver-

schlusses abhängig (A. ophthalmica/A. centralis reti-

 

nae/Aa. ciliares/A. cilioretinalis). Bei bis zu 30 % der Pa-

 

tienten liegt eine zilioretinale Arterie (von den Ziliarar-

5

terien versorgtes retinales Gefäß) vor; diese kann eben-

falls verschlossen, offen bei bestehendem Verschluss

 

 

der A. centralis retinae oder isoliert okkludiert sein.

6

Die Untersuchung zeigt typischerweise ein afferentes

Pupillendefizit. Ophthalmoskopisch kann der Fundus-

 

befund in den ersten Stunden unauffällig sein, danach

 

tritt ein zunehmendes Netzhautödem der inneren

7

Netzhautschichten auf. Als typisch gilt ein kirschroter

Fleck der Makula (verbesserte Sichtbarkeit des retina-

 

 

len Pigmentepithels und der Aderhaut durch die Fovea

8

im Kontrast zu der ödematösen umgebenden Netz-

haut). Bei 20 % können intraarterielle Emboli in den

 

Netzhautarterien gesehen werden (Cholesterolthrombi

 

aus den Karotiden, Fibrin-Thrombozyten-Plaques von

9

den Herzklappen). Im Verlauf kommt es zu einer Reper-

fusion der Netzhautgefäße mit verdünnten Gefäßlu-

 

mina, einer deutlichen Verdünnung der Netzhaut und

10

einer Abblassung der Papille.

Irisneovaskularisationen entstehen bei 20 % der Patien-

 

ten, eine Papillenproliferation tritt bei 5 % im Verlauf

 

auf.

11

Es besteht eine Assoziation mit einer Hypertonie (66 %),

Diabetes mellitus (25 %), Erkrankungen der Herzklap-

pen (25 %) und einer Arteriitis temporalis (2 %). Patienten mit retinalen Arterienverschlüssen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (arteriosklerotische Veränderungen, Apoplex).

Fluorescein-Angiographie

In der Regel erfolgt die Diagnose aufgrund des typischen klinischen Befundes ohne Angiographie. Diese kann unter Umständen in den ersten Stunden des Ver-

schlusses bei noch wenig ausgeprägtem Netzhautödem hilfreich sein.

Bei einer Amaurosis fugax und ansonsten klinisch und ophthalmoskopisch unauffälligem Befund sind von der Angiographie keine signifikanten zusätzlichen Informationen zu erwarten.

Die Angiographie zeigt eine Verlängerung von Arm-Re- tina-Zeit, der Füllung der Netzhautarterien und der arteriovenösen Passagezeit sowie eine späte Anfärbung der Papille. Bei Verschlüssen der A. ophthalmica fehlt im Gegensatz zum Zentralarterienverschluss auch die Aderhautfüllung (keine „Hintergrundfluoreszenz“). Die Perfusion eines möglicherweise vorhandenen zilioretinalen Gefäßes kann erhalten sein und lässt sich dann fluoreszenzangiographisch nachweisen.

Intraluminale Plaquebildungen, Gefäßwandveränderungen und Änderungen der Strömungsprofile können in der Angiographie deutlicher sichtbar gemacht werden.

Im Verlauf der Erkrankung kann es zu einer Reperfusion der Arterien und zu einem „normalen“ Angiogramm kommen. Die Gefäße bleiben in der Regel verengt.

Diagnose und Behandlung

Der Patient bemerkt in der Regel einen plötzlichen, schmerzlosen Visusverlust. Bei Arterienastverschlüssen oder Zentralarterienverschlüssen bei durchgängiger zilioretinaler Arterie wird ein Visus von 0,5 in 80–90 % der Fälle ohne Behandlung erzielt, ansonsten ist die Erkrankung mit einer sehr schlechten Visusprognose verbunden (Amaurose oder Lichtscheinwahrnehmung).

Ein „evidence based“ Therapiekonzept existiert bisher nicht. Eine systemische oder lokale Lysetherapie scheint nur in den ersten Stunden nach Verschluss Erfolg versprechend zu sein; dabei müssen jedoch auch die potenziellen Komplikationen dieser Therapieformen bei dem betroffenen Patientenkollektiv bedacht werden. Weitere Therapieansätze beinhalten Vorderkammerpunktionen oder Bulbusmassagen zur Senkung des intraokularen Druckes.

Literatur

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Sharma S. The systemic evaluation of acute retinal artery occlusion. Curr Opin Ophthalmol. 1998;9:1–5.

Wong TY, Klein R. Retinal arteriolar emboli: epidemiology and risk of stroke. Curr Opin Ophthalmol. 2002;13:142–6.

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8.5 Arterienverschlüsse

Abb. 8.5 a–f

aFarbaufnahme eines Zentralarterienverschlusses mit kirschrotem Fleck der Makula und mehreren Plaques innerhalb der oberen und unteren temporalen Arterien.

bLeeraufnahme: Es zeigt sich ein Netzhautödem unter Aussparung des papillomakulären Bündels.

cArteriovenöse Phase: Deutlich verzögerte, segmentale Aderhautfüllung. Mit Ausnahme eines zilioretinalen Gefäßes keine Füllung der Netzhautarterien. Drainage des zilioretinalen Gefäßes über Netzhautvenen oberund unterhalb des papillomakulären Bündels.

dSpätphase: Nach stark verzögerter und geringgradiger Perfusion der Netzhautgefäße zeigt sich eine Anfärbung der Gefäßwände mit Fluorescein und eine dezente Leckage über der Papille.

eArteriovenöse Phase eines Arterienastverschlusses der oberen Hemisphäre. Die verschlossenen Arterien füllen sich stark verzögert und mit einer deutlich geringeren, unterbrochenen Blutsäule.

fIn der Spätphase ist das Fluorescein aus den Gefäßen und Venen der unteren Hemisphäre größtenteils verschwunden. In der oberen Hemisphäre findet sich noch eine stark segmentierte Anfärbung der Gefäßlumina der Venen durch die herabgesetzte Perfusion.

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8 Andere Gefäßerkrankungen

8.6 Morbus Purtscher A. Schüler

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Der Morbus Purtscher (Angiopathia retinae traumatica) tritt typischerweise nach Schädel-Hirn-Traumen, Thoraxverletzungen oder Frakturen langer Extremitätenknochen akut auf. Ein identisches Krankheitsbild kann sich bei akuter Pankreatitis, Lupus erythematodes, thrombozytopenischer Purpura, chronischem Nierenversagen oder systemischen Autoimmunerkrankungen zeigen.

Es wird vermutet, dass intravaskuläre Mikropartikel (Lipide, Thrombozyten-Leukozyten-Aggregate, Luftembolie) zu einer Okklusion peripapillärer Kapillaren führen.

Leitsymptom ist ein plötzlicher, meist beidseitiger Visusverlust.

Klinisch imponieren z. T. konfluierende Cotton-Wool- Herde und Areale mit oberflächlicher Weißfärbung der Netzhaut am hinteren Pol und peripapillär, gelegentlich können Fleckblutungen beobachtet werden.

Ein Papillenödem kann im Verlauf mit hinzutreten, gehört jedoch nicht zum initialen Krankheitsbild. Eine venöse Stauung mit Tortuositas kann ebenfalls sekundär auftreten.

Die periphere Netzhaut ist meist nicht betroffen.

Fluorescein-Angiographie

Fluoresceinangiographisch kann die Okklusion kleiner Gefäße (Arterienäste) und Kapillaren in Form einer Hypofluoreszenz peripapillär nachgewiesen werden. Die Wände der verschlossenen Gefäße oder der drainierenden Venen können sich im Verlauf vermehrt anfärben.

In der Nähe der Cotton-Wool-Herde können in der späten arteriovenösen Phase bis in die Spätphase punkt-

förmige Hyperfluoreszenzen auftreten. Bei Blutungen sind entsprechende Blockaden der Hintergrundfluoreszenz zu beobachten.

Eine Hyperfluoreszenz der Papille in mittlerer und Spätphase kann bei sekundärem Papillenödem auftreten.

Diagnose und Behandlung

Bei bekannter Traumaanamnese und typischem klinischem Bild kann die Diagnose gestellt werden. Tritt der klinische Befund ohne erklärende Anamnese auf, sollte eine internistische Abklärung veranlasst werden.

Da der Morbus Purtscher vermutlich auf ein akutes Ereignis zurückzuführen ist, besteht keine gesicherte kausale Therapie des stattgehabten Schadens.

Bei nicht traumatischer Ursache soll eine Therapie der auslösenden Grunderkrankung rezidivierende Embolien verhindern.

Die Cotton-Wool-Spots und Blutungen verschwinden im Laufe weniger Wochen. Die Visusprognose hängt einzig vom Ausmaß der makulären Ischämie und der sich entwickelnden Optikusatrophie ab.

Literatur

Behrens-Baumann W, Scheurer G. Purtscher disease. Range of variation of clinical manifestations in 11 patients and pathogenetic considerations. Klin Monatsbl Augenheilkd. 1991;198:99–107.

Behrens-Baumann W, Scheurer G, Schroer H. Pathogenesis of Purtscher’s retinopathy. Graefe’s Arch Clin Exp Ophthalmol. 1992; 230:286–91.

Gass JD. Obstructive retinal arterial disease. In: Gass JD, ed. Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment. 4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:444–66.

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8.6 Morbus Purtscher

Abb. 8.6 a–f

aKlinisches Bild: Rechtes Auge mit Optikusatrophie, juxtapapillären weißlichen retinalen Aufhellungen sowie makulären Pigmentverklumpungen. Die Choriokapillaris scheint ebenfalls alteriert.

bKlinisches Bild: Fast symmetrische Ausprägung am linken Auge bei der Grunderkrankung einer akuten Pankreatitis. Der Patient hatte einige Wochen vor den Aufnahmen eine beidseitige akute massive Visusminderung erlebt.

cMittlere arteriovenöse Phase: Makuläre Hypofluoreszenz (Arterienastverschlüsse, Kapillarokklusionen in Netzund Aderhaut) und fokale punktförmige Hyperfluoreszenzen am Rand von Ischämiearealen. Die Wände der verschlossenen retinalen Gefäße und drainierenden Venen färben sich teilweise an.

dSpätphase: Zunahme der fokalen Hyperfluoreszenzen im Sinne von Leckagephänomenen. Starke Demarkierung der Papille bei Optikusatrophie.

eKlinisches Bild: Morbus Purtscher mit zirkulär die Papille umgebenden, auf den hinteren Pol beschränkten Cotton-Wool-Her- den.

fFrühphase: Verzögerte und deutlich fleckige Aderhautfüllung als Zeichen einer partiellen Okklusion nicht nur der Netz-, sondern auch der Aderhautgefäße. Die Netzhautgefäße füllen sich ebenfalls deutlich verzögert.

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8 Andere Gefäßerkrankungen

8.7 Retinales arterielles Makroaneurysma A. Schüler

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Arterielle Makroaneurysmen treten typischerweise bei Patienten mit einer arteriellen Hypertonie ( 75 % der Fälle) und einem Erkrankungsalter in der 6.–7. Lebensdekade auf. Frauen sind deutlich häufiger betroffen. In 10 % ist ein bilaterales Vorkommen zu beobachten.

 

Die Mehrzahl der Makroaneurysmen findet sich im Be-

1

reich des temporal oberen Arterienastes; sie sind fast

immer zentral des Äquators gelegen. Prädilektionsstel-

 

 

len sind arteriovenöse Kreuzungsstellen und Gefäßauf-

2

zweigungen.

Eine Schädigung der dilatierten Gefäßwand führt zu lo-

 

kaler Leckage mit umgebendem retinalen Ödem und Li-

 

pidexsudaten (Circinata-Figur).

3

In ca. 50 % der Fälle tritt eine Blutung auf. Sowohl sub-

als auch epiretinal liegende Blutungen sollen diagnos-

 

 

tisch wegweisend sein. Die resultierende akute Visus-

4

störung führt oft erst zur Diagnose. Ohne begleitende

Blutung oder Exsudation sind Makroaneurysmen in der

 

Regel asymptomatisch. Rezidivierende Blutungen aus

 

Makroaneurysmen sind selten.

5

Fluorescein-Angiographie

 

 

In Anbetracht der klinischen Variabilität des Krank-

6

heitsbildes kann der fluoresceinangiographische Be-

fund unterschiedlich ausfallen.

 

Das arterielle Makroaneurysma stellt sich schon in der

 

Frühphase als fokale, gefäßassoziierte und scharf de-

7

markierte Hyperfluoreszenz dar. Eine fehlende Hyper-

fluoreszenz bei klinischer Sichtbarkeit des Befundes

 

 

deutet ggf. auf eine spontane Thrombosierung hin.

8

Bei subretinaler Blutung kann eine umgebende Blo-

ckade der Hintergrundfluoreszenz bestehen, während

 

epiretinale Blutungen das Makroaneurysma verdecken

 

können.

9

In der arteriovenösen und späten Phase der Angiogra-

phie kann eine umgebende Hyperfluoreszenz auf eine

 

fokale Exsudation hinweisen.

10

Diagnose und Behandlung

 

 

Das typische Bild einer solitären, circinataförmigen Li-

 

pidexsudation mit zentral gelegener arterieller Gefäß-

11

anomalie ist diagnostisch wegweisend. Fluoresceinan-

giographisch kann die Diagnose von sekundären venö-

sen Gefäßveränderungen und Makroaneurysmen, z. B. nach Venenastverschluss (VAV) oder diabetischer Retinopathie, differenziert werden.

Retinale Hämangiome beim Von-Hippel-Lindau-Syn- drom (VHL) sind durch typische dilatierte zuund abführende Gefäße meist von Makroaneurysmen zu unterscheiden.

Kavernöse retinale Hämangiome sind oft peripher gelegen, zeigen fast nie Exsudationen und sind durch ihr typisches klinisches Bild erkennbar.

Bei gleichzeitiger epiund subretinaler fokaler, juxtamakulärer Blutung am hinteren Pol besteht der Verdacht auf ein Makroaneurysma. Der eigentliche Befund kann durch die Blutung verdeckt sein. Bei massiver Glaskörperblutung ohne erkennbare Ursache kann eine Vitrektomie erwogen und die Diagnose eines Makroaneurysmas möglicherweise erst intraoperativ gestellt werden.

Bei einer solitären makulären subretinalen Blutung muss eine choroidale Neovaskularisation (CNV) bei altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) abgegrenzt werden.

Die Therapie des arteriellen Makroaneurysmas wird nicht einheitlich gehandhabt. Spontanheilungen im Rahmen einer Thrombosierung sind häufig. Bei noch gutem Visus und milder Exsudation kann daher eine Verlaufskontrolle erwogen werden. Nach massiver subretinaler Blutung mit limitierter Visusprognose könnte ebenfalls der Spontanverlauf abgewartet werden.

Eine Laserkoagulation kann bei dokumentierter Visusminderung, zunehmender, makulabedrohender Exsudation oder rezidivierender Blutung in Erwägung gezogen werden. Die Laserbehandlung kann entweder direkt auf das Aneurysma erfolgen oder in Form einer umgebenden Grid-Laserkoagulatiuon durchgeführt werden.

Der Stellenwert chirurgischer Verfahren (Vitrektomie, Gabe von rekombinantem Gewebsplasminogenaktivator [rTPA] und Gasinjektion usw.) ist derzeit noch unklar.

Bei allen Patienten mit arteriellem Makroaneurysma sollte eine internistische Untersuchung aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit einer arteriellen Hypertension veranlasst werden.

Literatur

Brown DM, Sobol WM, Folk JC, Weingeist TA. Retinal arteriolar macroaneurysms: long-term visual outcome. Br J Ophthalmol. 1994;78:534–8.

Gass JD. Aquired retinal arterial macroaneurysms. In: Gass JD, ed. Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment. 4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:472–6.

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8.7 Retinales arterielles Makroaneurysma

Abb. 8.7 a–f

aKlinisches Bild: Patient mit Visusminderung infolge eines retinalen arteriellen Makroaneurysmas mit umgebender Blutung und flachem Ödem.

bFrühphase: Blockade im Bereich der hauptsächlich epiretinalen Blutung mit zentraler Hyperfluoreszenz im Bereich des Aneurysmas. Dessen Lage ist eindeutig dem Arterienverlauf zuzuordnen.

cMittlere arteriovenöse Phase: Zunehmende Hyperfluoreszenz im Aneurysmabereich und Ausbildung einer diffusen Anreicherung im Bereich der Makula als Ursache der Visusminderung.

dSpätphase: Keine signifikante weitere Zunahme des Makulaödems im Verlauf. Eine spontane Thrombosierung des Aneurysmas liegt offensichtlich nicht vor. In diesem Fall könnte eine grid-

förmige indirekte Laserkoagulation des Aneurysmas zu einer Befundbesserung führen.

eKlinisches Bild: Das kavernöse retinale Hämangiom mit typischer traubenförmiger Anordnung der Gefäßaussackungen kann bei zentraler Lage zur Differenzialdiagnose des retinalen Makroaneurysmas gehören. Die angeborene Gefäßanomalie kann in seltenen Fällen exsudative Veränderungen zeigen.

fSpätphase der Fluoreszenzangiographie des kavernösen Hämangioms: Typisch ist die sehr langsame Füllung der Kavernen ohne lokale Exsudation. Typische selektive Hyperfluoreszenz nur in der oberen Hälfte der großen Gefäßkavernen (untere Hälfte durch sedimentierte Erythrozyten verlegt).

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8 Andere Gefäßerkrankungen

8.8 Morbus Coats A. Schüler

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Die seltene retinale Gefäßerkrankung stellt die wich-

 

 

tigste Differenzialdiagnose zum Retinoblastom dar. Die

 

 

Ursache der Erkrankung ist bislang unbekannt.

 

Die Erkrankung tritt fast immer vor dem 10 Lebensjahr

 

 

auf, in über 90 % ist ein unilaterales Auftreten zu beob-

1

 

achten. Knaben sind deutlich häufiger betroffen.

 

Die klinischen Leitsymptome sind: Visusminderung,

 

 

 

Leukokorie, Heterochromie, Sekundärglaukom und

 

 

Schmerzen.

2

Typischerweise können periphere retinale Gefäßano-

 

malien mit Mikroaneurysmen und Kapillarektasien be-

 

 

obachtet werden.

3

Eine defekte Endothelauskleidung der Gefäßanomalien

 

führt zu einer ausgeprägten Exsudation, z. T. mit hoch-

 

 

 

 

blasiger exsudativer Ablatio retinae.

 

Intraund subretinale Exsudate können am hinteren

4

 

Pol und peripher bis hin zu pseudotumorartigen subre-

 

tinalen Lipidund Cholesterinablagerungen (Differen-

 

 

zialdiagnose: Retinoblastom) beobachtet werden.

 

Der Glaskörperraum ist nur im Falle einer Blutung mit

5

 

betroffen.

 

Durch Kapillarokklusionen kommt es zur Ausbildung

 

 

 

einer ischämischen Retinopathie, die bis zur Entwick-

6

 

lung eines schmerzhaften neovaskulären Sekundär-

 

glaukoms fortschreiten kann.

 

Fluorescein-Angiographie

7

Für die Differenzialdiagnose ist die Fluorescein-Angio-

 

graphie eher von geringer Bedeutung, zumal sie bei den

 

 

 

 

oft sehr jungen Patienten und der peripheren Lokalisa-

8

 

tion der Veränderungen nur selten adäquat durchge-

 

führt werden kann.

 

In der Frühphase zeigt sich eine relativ langsame Fül-

 

 

lung der peripheren Kapillarektasien. Darüber hinaus

9

 

kann eine frühe Blockade im Bereich der subretinalen

 

Lipidexsudate beobachtet werden.

 

In der arteriovenösen Phase kommt es zu einer deutli-

10

 

chen Darstellung der Kapillarokklusionsgebiete sowie

 

einer zunehmenden Füllung der Aneurysmen und Ka-

 

 

pillarektasien.

In der späten arteriovenösen Phase kommt es zu einer zunehmenden, z. T. fokalen Exsudation im Bereich der Gefäßanomalien.

In der Spätphase zeigt sich eine diffuse Hyperfluoreszenz durch eine massive subretinale Ansammlung des Farbstoffes im betroffenen Sektor.

Wichtig ist die Identifikation der Exsudationsareale und Ischämiezonen.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnosestellung erfolgt aufgrund des typischen klinischen Erscheinungsbildes nach Ausschluss eines Retinoblastoms (bei fortgeschrittener exsudativer Netzhautablösung ist ggf. ein bildgebendes Verfahren notwendig).

Therapeutisches Ziel ist die Regression der exsudativen Gefäßanomalien sowie die Zerstörung der vorhandenen Kapillarokklusionsareale zur Vermeidung von Sekundärkomplikationen.

Bei früher Diagnosestellung kann eine Therapie mit Laser- oder Kryokoagulation erfolgen.

Bei bestehender hochblasiger Ablatio wurden Therapieversuche mittels Vitrektomie und Endokoagulation (Laser/Kryo) beschrieben.

Bei funktioneller Erblindung mit Schmerzsymptomatik oder wenn ein Retinoblastom nicht ausgeschlossen werden kann, sollte eine Enukleation erwogen werden.

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8.8 Morbus Coats

Abb. 8.8 a–f

aKlinisches Bild: Morbus Coats mit Kapillarektasien, Mikroaneurysmen, Shuntgefäßen sowie Kapillarokklusionen. Fortgeschrittener Befund mit diffusen, unscharf demarkierten subretinalen Lipidexsudaten und Begleitablatio.

bKlinisches Bild: 120°-Weitwinkelaufnahme eines Morbus Coats in früherem Stadium. Periphere Kapillarektasien sowie typischerweise am hinteren Pol angesammelte subretinale Lipidexsudate.

cFrühphase: Langsame Füllung der dilatierten Gefäßanomalien sowie Blockaden im Bereich der Lipidexsudate.

dMittlere arteriovenöse Phase: Zunehmende Füllung der Aneurysmen sowie der sackartig erweiterten Gefäßektasien mit benach-

barten Kapillarokklusionsarealen und beginnender Hyperfluoreszenz infolge einer Exsudation.

e Spätphase: Massive diffuse Hyperfluoreszenz ausgehend von fokal betonten Exsudationsarealen im Bereich der Gefäßanomalien.

fArteriovenöse Phase eines weiteren Falles von Morbus Coats: Erweiterte, zunächst mäßig leckende Gefäßektasien mit sackoder glühbirnenartig erweiterten Gefäßabschnitten und Aneurysmen (Hyperfluoreszenzen) im Grenzbereich zu den nichtperfundierten Arealen der peripheren Netzhaut (Hypofluoreszenz).

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8 Andere Gefäßerkrankungen

8.9 Morbus Eales A. Schüler

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Beim Morbus Eales kommt es zur Entwicklung einer peripheren obliterativen Vaskulitis mit Gefäßeinscheidungen und Gefäßverschlüssen. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen dem 3. und 4. Lebensjahrzehnt. Männer sind häufiger betroffen, im asiatischen Raum wird die Erkrankung gehäuft beobachtet. Ein bi-

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laterales Auftreten kommt in 80–90 % der Fälle vor.

 

 

Die Ursache des Morbus Eales ist unklar. Ein vermuteter

 

Zusammenhang mit einer Exposition zu Tuberkulin-

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Antigenen ist bisher nicht bewiesen.

In vorderem und hinterem Augensegment können ent-

 

zündliche Begleitveränderungen (Endothelbeschläge

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bzw. Vitritis und Makulaödem) beobachtet werden.

Typischerweise treten Neovaskularisationen oder mi-

 

 

krovaskuläre Anomalien am Übergang von vaskulari-

 

sierter zu peripherer ischämischer Netzhaut in bis zu

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80 % der Fälle auf.

Eine Visusminderung wird durch Glaskörpertrübungen

 

oder ein zystoides Makulaödem hervorgerufen.

 

Unbehandelt können sich aus den Proliferationen Glas-

5

körperblutungen sowie eine traktive Netzhautablösung

entwickeln.

 

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Fluorescein-Angiographie

Periphere nichtperfundierte Netzhautareale mit Gefäß-

 

anomalien am Übergang zwischen noch vaskularisier-

 

ter und ischämischer Netzhaut stellen den herausra-

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genden, aber nicht pathognomonischen fluoresceinan-

giographischen Befund dar.

 

 

In der Frühphase können am Übergang zur hypofluo-

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reszenten ischämischen Netzhaut bei milder Ausprä-

gung Kapillarektasien beobachtet werden. Bei massiver

 

Ausprägung zeigen sich ausgedehnte „Sea-Fan“-ähnli-

 

che Proliferationsmembranen. In der mittleren und

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späten arteriovenösen Phase können diese Gefäßano-

malien eine zunehmende Hyperfluoreszenz infolge ei-

 

ner Leckage aufweisen. Blutungen aus den pathologi-

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schen Gefäßen führen zu fokalen Blockaden der Hinter-

grundfluoreszenz.

Makuläre und juxtamakuläre Teleangiektasien mit einem zystoiden Makulaödem in der Spätphase stellen ebenfalls typische fluoresceinangiographische Befunde dar.

Diagnose und Behandlung

Der Morbus Eales ist eine Ausschlussdiagnose; sie darf erst gestellt werden, wenn keine Hinweise auf systemische Erkrankungen, die zu ähnlichen Veränderungen und Symptomen führen können, vorliegen (z. B. Sichelzellanämie, diabetische Retinopathie, familiäre exsudative Vitreoretinopathie, Sarkoidose, Kollagenosen).

Die entzündliche Komponente der Erkrankung spricht auf Steroidtherapie meist nur gering an.

Eine Laseroder Kryokoagulation der peripheren ischämischen Netzhautanteile induziert eine Regression der Proliferationen und wird in erster Linie zur Behandlung der Erkrankung eingesetzt.

Wird der Verlauf durch Glaskörperblutungen, eine traktive Netzhautablösung oder eine sekundäre epiretinale Gliose kompliziert, ist eine Vitrektomie indiziert.

Literatur

Biswas J, Sharma T, Gopal L, Madhavan HN, Sulochana KN, Ramakrishnan S. Eales disease – an update. Surv Ophthalmol. 2002;47:197–214.

El-Asrar AM, Al-Kharashi SA. Full panretinal photocoagulation and early vitrectomy improve prognosis of retinal vasculitis associated with tuberculoprotein hypersensitivity (Eales‘ disease). Br J Ophthalmol. 2002;86:1248–51.

Gass JD. Primary retinal vasculitits or vasculopathy (Eales‘ disease). In: Gass JD, ed. Stereoscopic atlas of macular diseases: Diagnosis and treatment. 4th ed. St. Louis: Mosby; 1997:534–8.

Mandava N, Yannuzzi LA. Miscellaneous Retinal Vascular Conditions. In: Regillo CD, Brown GC, Flynn HW Jr, eds. Vitreoretinal disease: The essentials. New York: Thieme; 1999:202–4.

Shanmugam MP, Badrinath SS, Gopal L, Sharma T. Long term visual results of vitrectomy for Eales disease complications. Int Ophthalmol. 1998;22:61–4.

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8.9 Morbus Eales

Abb. 8.9 a–f

aKlinisches Bild: Morbus Eales mit Perivaskulitis sowie peripherer ischämischer Netzhaut. Am Übergang zur zentralen vaskularisierten Netzhaut zeigen sich Kapillarektasien.

bFrühphase: Deutliche Kapillarektasien mit früher Leckage am Übergang zu den retinalen Nonperfusionsarealen.

cKlinisches Bild: Ausgeprägte „Sea-Fan“-artige Neovaskularisation am Übergang zur ischämischen peripheren Netzhaut.

dFrühphase: Die Neovaskularisation stellt sich in der arteriellen Frühphase deutlich dar. Es zeigt sich ein vollständiger Kapillarund Gefäßverlust der peripheren Netzhaut.

eÜbergang zur mittleren arteriovenösen Phase: Hyperfluoreszenzen durch ausgedehnte Leckagen aus neu gebildeten Gefäßen. Persistierende Hypofluoreszenz (Ischämie) peripher.

fSpäte arteriovenöse Phase: Die weitere Zunahme der Leckage führt zu massiver Hyperfluoreszenz im Bereich der Neovaskularisationen. Im Vergleich zu Teleangiektasien weisen Neovaskularisationen deutlich mehr Leckagephänomene auf.

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8 Andere Gefäßerkrankungen

8.10 Parafoveale Teleangiektasien W. Inhoffen

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Unter Teleangiektasien versteht man irregulär verbreiterte Kapillaren, die bis zu größeren Aneurysmen fortschreiten können. Histologisch zeigen sich Wandverdickungen und eine Degeneration der Perizyten. Am hinteren Pol kommt es insbesondere temporal der Fovea und/oder in der Peripherie zu Gefäßabbrüchen, Lecka-

1

 

gen und einem Gewebsuntergang. Die Ursache der Er-

 

 

 

 

krankung ist unklar, es gibt keine verlässlichen Anga-

 

 

ben über die Prävalenz.

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Es werden Erscheinungsformen mit oder ohne Beteili-

 

gung der peripheren Netzhaut unterschieden. Bei peri-

 

 

pherer Beteiligung liegt in der Regel ein Morbus Coats

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vor (Kap. 8.8).

 

Teleangiektasien ohne eine Beteiligung der Netzhaut-

 

 

 

peripherie werden nach Gass in weitere Gruppen un-

 

 

terteilt:

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Unilaterale juxtafoveale Teleangiektasien = UJT, andere

 

Bezeichnung: IPT (idiopathische parafoveale Telean-

 

 

giektasien):

 

 

– Kongenitale juxtafoveale retinale Teleangiektasien

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Gruppe 1A: Männer im Alter um 40 Jahren sind über-

 

wiegend betroffen, meist einseitige, temporal der Fo-

 

 

 

 

vea gelegene sichtbare Angiektasien in einem Areal

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mit mindestens 1 Papillendurchmesser, teilweise

 

auch mit harten Exsudaten und/oder zystoidem Ma-

 

 

kulaödem, Erstvorstellung mit Visus von ca. 0,5.

 

 

Prognose: Langsame Sehminderung. Therapie: Laser-

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versuch (Aneurysmen, Scatter).

 

– Kongenitale juxtafoveale retinale Teleangiektasien

 

 

 

 

Gruppe 1B (selten): Wie die vorige Gruppe, nur klei-

8

 

nere Ausdehnung der Aneurysmen (ca. 2 h juxtafo-

 

veal), jedoch bis an die avaskuläre Zone. In diesen

 

 

Fällen scheint eine Laserkoagulation nicht indiziert.

 

Bilaterale idiopathische, juxtafoveale Teleangiektasien

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Gruppe 2 = BJT: Keine Geschlechtsbevorzugung, bilate-

 

rale, funduskopisch zunächst okkulte Aneurysmen,

 

 

temporal der Fovea betont ohne harte Exsudate. Selte-

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ner als Typ 1A, Erstvorstellung mit 50–60 Jahren. Prog-

 

nose: Starke, jedoch langsame Sehminderung sowie

 

 

Ausbildung einer choroidalen Neovaskularisation

 

 

(CNV) oder Atrophie möglich.

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Eine weitere Stadieneinteilung nach Gass berücksich-

 

tigt 5 verschiedene Schweregrade:

1 = funduskopisch keine Veränderungen, in der Angiographie milde Anfärbung,

2 = funduskopisch leichte Graufärbung, gelbe Auflagerungen möglich, in der Angiographie gering ausgeprägte Teleangiektasien,

3 = funduskopisch Kapillardilatationen,

4 = funduskopisch Pigmentverklumpungen, chorioretinale Anastomosen,

5 = funduskopisch und angiographisch fibrovaskuläre Masse.

Sekundäre Teleangiektasien können bei Venenverschlüssen, diabetischer Retinopathie, hypertensiver Retinopathie und Strahlenretinopathie beobachtet werden. Aus dem Bereich der Aderhaut lassen sich die polypoidalen Aderhautvaskulopathien davon manchmal schwierig abgrenzen (Indocyaningrün-Angiographie dann empfohlen).

Fluorescein-Angiographie

Bereits in der Frühphase füllen sich die teleangiektatischen Gefäßerweiterungen. Im Gegensatz zu Neovaskularisationen zeigen sie im Lauf der Angiographie meist eine mäßige, jedoch zunehmende Leckage und liegen stereoskopisch betrachtet im Netzhautniveau in Abgrenzung zu der stärkeren Leckage von Neovaskularisationen vor oder unter der Netzhaut. Darüber hinaus finden sich Gefäßrarefizierungen und (bei adultem Morbus Coats) zusätzlich peripher auch Gefäßabbrüche und Aneurysmen der Kapillaren.

Spätphase: flächige Leckage zentral (bei adultem Morbus Coats auch peripher). Bei bilateralen idiopathischen, juxtafovealen Teleangiektasien (BJT) fluoresceinangiographischer Sonderfall: Es findet sich ein langsamer geringer Flüssigkeitsaustritt in den tiefen Kapillaren mit Anfärbung geschädigter intraretinaler Zellen ohne Ödemerzeugung.

Diagnose und Behandlung

Die einzelnen Untergruppen lassen sich durch die Kombination des klinischen Bildes und der Angiographie unterscheiden.

Behandlung: Bei unilateralen juxtafoveale Teleangiektasien (UJT Typ A) fokale Laserversuche perifoveal nur im Anfangsstadium; bei UJT Typ B und bilateralen idiopathischen, juxtafoveale Teleangiektasien (BJT) ist eine Laserkoagulation nicht sinnvoll; bei BJT im Stadium 5 existieren experimentelle Therapieversuche mit photodynamischer Therapie und operativen Verfahren (Vitrektomie).

Literatur

Barile GR, Yannuzzi L. Parafoveal telangiectasis. In: Guyer DR, Yannuzzi LA, Chang S, Shields JA, Green WR, eds. Retina-Vitreous-Ma- cula. London: Saunders; 1999:398–406.

Gass JD, Blodi BA. Idiopathic juxtafoveolar retinal telangiectasis. Update of classification and follow-up study. Ophthalmology. 1993;100:1536–46.

Haller JA. Coat‘s disease and retinal telangiectasis. In: Yanoff M, Duker JS, eds. Ophthalmology. London: Mosby; 1999:23.1–23.6.

Park DW, Schatz H, McDonald HR, Johnson RN. Grid laser photocoagulation for macular edema in bilateral juxtafoveal telangiectasis. Ophthalmology. 1997;104:1838–46.

Potter MJ, Szabo SM, Chan EY, Morris AH. Photodynamic therapy of a subretinal neovascular membrane in type 2A idiopathic juxtafoveolar retinal telangiectasis. Am J Ophthalmol. 2002;133:149–51.

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8.10 Parafoveale Teleangiektasien

Abb. 8.10 a–i

a Klinisches Bild: Zentrale Teleangiektasien bei adultem Morbus Coats. Harte Exsudate, Makulaödem und sichtbare Aneurysmen temporal der Fovea.

bArteriovenöse Phase: Es zeigen sich Aneurysmen und Kapillarabbrüche, harte Exsudate sind in der Angiographie nur als schwache Hypofluoreszenzen zu erkennen.

cSpäte arteriovenöse Phase: Leckage aus den Aneurysmen und betroffenen Kapillaren.

dSpätphase: Weitere Zunahme der Leckage.

eKlinisches Bild bei bilateralen idiopathischen juxtafovealen Teleangiektasien (BJT), Stadium 5: Rechtes Auge mit fibrovaskulärer Masse und Anastomosen.

fKlinisches Bild bei BJT, Stadium 5: Linkes Auge mit fibrovaskulärer Masse und gelblich-milchigem Reflex temporal der Fovea.

gArteriovenöse Phase des linken Auges: Kapillarektasien, Anfärbung einer choroidalen Neovaskularisation (CNV).

hSpäte arteriovenöse Phase des linken Auges: Leckage aus den betroffenen Kapillaren und aus den CNV-Gefäßen.

iSpätphase des linken Auges: Weitere Zunahme der Leckage (funduskopisch und mit der optischen Kohärenztomographie konnte kein Ödem nachgewiesen werden, der Visus lag bei 1,0).

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8 Andere Gefäßerkrankungen

8.11 Strahlenretinopathie L. Krause

Epidemiologie, Pathophysiologie und Klinik

Die Strahlenretinopathie ist eine Gefäßveränderung, die durch die Einwirkung von Protonen, - oder γ- Strahlung auf die Gefäßwandarchitektur ausgelöst wird.

Retinopathien können nach perkutaner Radiatio mit Röntgenstrahlen, nach Brachytherapie mit Rutheniumapplikatoren bzw. Jodapplikatoren oder nach Protonenbestrahlungen auftreten. Sie sind abhängig von der Dosis (ab ca. 30 Gy), der Größe der bestrahlten Fläche sowie von der Art der Fraktionierung. Bei Diabetikern kann die Entwicklung einer Strahlenretinopathie häufiger beobachtet werden.

Die Strahlenretinopathie tritt typischerweise Monate oder Jahre nach der Bestrahlung aufgrund einer chronischen Gefäßwandschädigung auf. Klinisch zeigt sich die okklusive Vaskulopathie durch Kapillarverschlüsse und ischämische Areale mit Mikroaneurysmen, retinalen Blutungen, Netzhautödem, Makulaödem und Exsudaten. Die Entwicklung von Neovaskularisationen (Papille/Netzhaut/Iris) ist möglich.

Die Strahlenretinopathie beschränkt sich nicht auf den direkt mit der maximalen Strahlenenergie bestrahlten Bereich, sondern kann auch außerhalb der im Zentrum des Strahlenfeldes liegenden Gefäße beobachtet werden.

Bei Beteiligung des N. opticus finden sich eine Papillenschwellung und parapapilläre Blutungen (Strahlenneuropathie) mit Übergang in eine Optikusatrophie.

Fluorescein-Angiographie

Das klinische Bild ist bei bekannter Anamnese charakteristisch. Eine Fluorescein-Angiographie erlaubt die Darstellung der avaskulären Areale und eine gezieltere Laserkoagulation.

In der Frühphase bestehen Hyperfluoreszenzen im Papillenbereich durch eine Leckage sowie Hypofluoreszenzen durch Kapillarverschlüsse und Blutungen oder Netzhautödem bzw. Exsudate.

Die arteriovenöse Phase zeigt Hyperfluoreszenzen entlang der Gefäße durch eine gesteigerte Permeabilität der geschädigten Gefäßwände und punktförmige Hyperfluoreszenzen durch Mikroaneurysmen.

In der Spätphase findet sich eine Zunahme der Hyperfluoreszenzen und in einigen Fällen ein zystoides Makulaödem.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose ergibt sich durch Anamnese und klinischen Befund. Der Nachweis der Lage der ischämischen Areale, der Kapillarverschlüsse sowie von Mikroaneurysmen, Proliferationen und Makulaödem erfolgt mit der Fluorescein-Angiographie.

Die Therapie ist abhängig vom Ausmaß und der Lokalisation der Gefäßveränderungen. In Analogie zu anderen, mit Neovaskularisationen einhergehenden Gefäßerkrankungen der Netzhaut wird die panretinale Laserkoagulation eingesetzt. Bei einer Strahlenoptikopathie ist die Prognose hinsichtlich des zu erhaltenden Visus sehr eingeschränkt.

Literatur

Brown GC, Shields JA, Sanborn G, Augsburger JJ, Savino PJ, Schatz NJ. Radiation retinopathy. Ophthalmology. 1982;89:1494–501.

Gunduz K, Shields CL, Shields JA, Cater J, Freire JE, Brady LW. Radiation retinopathy following plaque radiotherapy for posterior uveal melanoma. Arch Ophthalmol. 1999;117:609–14.

Spaide RF, Leys A, Herrmann-Delemazure B, et al. Radiation-associ- ated choroidal neovasculopathy. Ophthalmology. 1999;106: 2254–60.

Takahashi K, Kishi S, Muraoka K, Tanaka T, Shimizu K. Radiation choroidopathy with remodeling of the choroidal venous system. Am J Ophthalmol. 1998;125:367–73.

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8.11 Strahlenretinopathie

Abb. 8.11 a–i

aKlinisches Bild: Im Bild unten ist der Rand einer Strahlennarbe nach Rutheniumapplikatorbestrahlung eines Aderhautmelanoms zu erkennen. Außerhalb der Strahlennarbe sind am hinteren Pol Mikroaneurysmen, Punktblutungen, harte Exsudate und ein Makulaödem sichtbar.

bArteriovenöse Phase: Zentral der Narbe ein Areal mit teleangiektatischen Gefäßneubildungen, punktförmigen kleinen paravasalen Hyperfluoreszenzen der Mikroaneurysmen und beginnender Leckage als Ausdruck der Gefäßwandschädigung. Die klinisch sichtbaren harten Exsudate sind nicht mehr zu identifizieren. In der Strahlennarbe sind durch Schädigung von Pigmentepithel und Choriokapillaris die Aderhautgefäße sichtbar.

cSpätphase: Zunehmende Leckage im vorbeschriebenen Areal bis in die Fovea hinein mit Visusreduzierung, Hyperfluoreszenz im Bereich der Strahlennarbe.

dKlinisches Bild: Gleicher Patient 6 Monate nach Laserkoagulation im betroffenen Areal, deutlicher Rückgang der zentralen Exsudate.

eArteriovenöse Phase: Es lassen sich deutlich weniger teleangiektatische Gefäße darstellen. Im Bereich der Laserherde und der Strahlennarbe sind Aderhautgefäße erkennbar.

fKlinisches Bild: Aderhautmelanom mit „Orange Pigment“ im Verlauf des temporal oberen Gefäßbogens.

gKlinisches Bild: Nach Protonentherapie sind Cotton-Wool-Herde und Blutungen als Zeichen der Gefäßschädigungen und der Strahlenretinopathie am hinteren Pol erkennbar.

hArteriovenöse Phase: Hypofluoreszenzen durch Blockade im Tumorareal. Im außerhalb des eigentlichen Strahlenfeldes liegenden Gebiet der Makula sind teleangiektatische Gefäßaufweitungen des parafovealen Kapillarnetzes erkennbar. Diese führen in der Folge zu weiteren Leckagen und dadurch zu einem Makulaödem.

iKlinisches Bild: Strahlenoptikopathie eines anderen Patienten nach Protonenbestrahlung eines großen Aderhautmelanoms nasal (Tumor nicht abgebildet).

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