- •Vorwort zur 3. Auflage
- •Inhaltsverzeichnis
- •Abkürzungsverzeichnis
- •Autorenverzeichnis
- •1 Epidemiologie der AMD
- •1.1 Klassifikation
- •1.2 Häufigkeit
- •1.2.1 Prävalenz
- •1.2.2 Inzidenz
- •1.3 Natürlicher Verlauf
- •1.4 Genetische Faktoren
- •1.4.1 Gene des Komplementsystems
- •1.4.2 ARMS2-Lokus (10q26)
- •1.4.3 Gene des Lipidmetabolismus
- •1.5 Umweltfaktoren
- •1.5.1 Rauchen
- •1.5.2 Antioxidanzien
- •1.5.3 Body-Mass-Index
- •1.5.4 Hypertonie
- •1.5.5 Kataraktchirurgie
- •1.6 Interaktion zwischen Risikofaktoren
- •Literatur
- •2 Genetik
- •2.1 Einleitung
- •2.3 Frühe Erkenntnisse
- •2.3.1 ABCA4-Gen
- •2.4.1 Funktionelle Implikationen
- •Literatur
- •3 Alterung der Netzhaut und des retinalen Pigmentepithels*
- •3.1 Einleitung
- •3.2 Ursache und Folgen des Alterns
- •3.4 Alterung der Neuroretina
- •3.5.3 Akkumulation von Lipofuszin
- •Literatur
- •4 Das Komplementsystem bei der AMD
- •4.1 Einleitung
- •4.2 Das Komplementsystem
- •4.6 Schlussfolgerung
- •Literatur
- •5 Histopathologie
- •5.1 Retinales Pigmentepithel
- •5.2 Bruch-Membran
- •5.2.1 Aufbau der Bruch-Membran
- •5.3 Chorioidale Neovaskularisation
- •Literatur
- •6.1 Einleitung
- •6.2 Drusen
- •6.4 Störungen der Aderhautperfusion
- •Literatur
- •7 Klinische Manifestationen der choroidalen Neovaskularisation bei AMD
- •7.1 Einleitung
- •7.2.1 Minderung der Sehschärfe
- •7.2.2 Metamorphopsie
- •7.2.3 Gesichtsfeldausfälle
- •7.2.4 Weitere Symptome
- •7.3.1 Blutung
- •7.3.4 Weitere Befunde
- •7.4.1 Fluoreszein-Angiographie
- •7.4.2 Indozyaningrün-Angiographie
- •7.4.3 Autofluoreszenz
- •7.4.4 Optische Kohärenztomographie
- •Literatur
- •8 Geographische Atrophie
- •8.1 Einführung
- •8.2 Klinische Merkmale
- •8.3 Histologie und Pathogenese
- •8.7 Risikofaktoren
- •8.7.1 Genetische Faktoren
- •8.7.2 Systemische Risikofaktoren
- •8.7.3 Okuläre Risikofaktoren
- •8.9.1 Messung der Sehschärfe
- •8.9.2 Kontrastsensitivität
- •8.9.3 Lesegeschwindigkeit
- •8.9.4 Fundusperimetrie
- •8.10 Therapeutische Ansätze
- •8.10.2 Antiinflammtorische Substanzen
- •8.10.3 Komplementinhibition
- •8.10.4 Neuroprotektion
- •8.10.6 Serotonin-1A-Agonist
- •Literatur
- •9 Imaging bei AMD
- •9.1 Einleitung
- •9.2 Farbphotographie
- •9.3 Monochrome Photographie
- •9.4 Autofluoreszenz
- •9.5 Optische Kohärenztomographie
- •9.5.1 Welleneigenschaften des Lichts
- •9.5.2 Kohärenzlänge
- •9.6 Angiographie
- •9.6.5 Fluoreszein-Injektion
- •9.6.6 Fluoreszein-Angiographie
- •9.6.7 Indozyaningrün-Angiographie
- •9.7.1 Drusen
- •9.8 Neovaskuläre AMD
- •9.10 Follow-up
- •9.10.1 Thermischer Laserkoagulation
- •9.10.2 Photodynamische Therapie
- •9.11 Anti-VEGF-Therapie
- •Literatur
- •10 Optische Kohärenztomographie
- •10.1 Einleitung
- •10.4 OCT bei geographischer Atrophie
- •10.5 OCT bei exsudativer AMD
- •Literatur
- •11 Mikroperimetrie
- •11.1 Einleitung
- •11.2 Technische Entwicklung
- •11.2.2 Automatische Mikroperimetrie
- •11.2.4 Mikroperimetrie: Auswertung
- •11.2.5 Weitere Mikroperimeter
- •11.3 Mikroperimetrie bei AMD
- •11.3.2 Geographische Atrophie
- •11.3.3 Neovaskuläre AMD
- •11.3.4 Therapie der neovaskulären AMD
- •Literatur
- •12 Nahrungsergänzung
- •12.1 Einleitung
- •12.2 Antioxidanzien und Zink
- •12.3 β-Carotin
- •12.4 Makuläre Xantophylle
- •12.6 Vitamin E
- •12.7 Vitamin C
- •12.8 Zink
- •12.10 AREDS2
- •Literatur
- •13.1 Einleitung
- •13.2 Grundlagen
- •13.2.1 Klinischer Hintergrund
- •13.2.2 Laserphotokoagulation
- •13.2.3 Photodynamische Therapie
- •13.3 Behandlungsabläufe
- •13.3.1 Laserphotokoagulation
- •13.3.2 Photodynamische Therapie
- •13.4 Studienergebnisse
- •13.4.1 Laserphotokoagulation
- •13.4.2 Photodynamische Therapie
- •13.5.1 Laserphotokoagulation
- •13.5.2 Photodynamische Therapie
- •13.6 Varianten
- •13.6.2 Photodynamische Therapie
- •13.7 Derzeitige Leitlinien
- •13.7.1 Laserphotokoagulation
- •13.7.2 Photodynamische Therapie
- •13.8 Perspektiven
- •14 Anti-VEGF-Therapie: Grundlagen und Substanzen
- •14.1 Einleitung
- •14.2 Vascular endothelial growth factor
- •14.3.1 Sequestrierung von freiem VEGF
- •14.4 Neue Applikationsformen
- •14.5 Kombinationstherapie
- •Literatur
- •15.1 Hintergrund
- •Literatur
- •16 Kombinationstherapien zur Behandlung der AMD
- •16.1 Einleitung
- •Literatur
- •17 Behandlungsansätze bei trockener AMD
- •17.1 Einleitung
- •17.2 Aktuelle Behandlungsmöglichkeiten
- •17.3 Die Ursachen der AMD adressieren
- •17.4.1 Endpunkte klinischer Studien
- •17.4.3 Modulatoren des Sehzyklus
- •17.5 Zusammenfassung
- •Literatur
- •18 Chirurgische Therapie
- •18.1 Makulaplastik
- •18.2 Makulatranslokation
- •18.5 Indikationen zur Chirurgie
- •18.5.1 Non-Responder
- •18.5.2 Pigmentepithelruptur
- •18.5.3 Massive submakuläre Blutung
- •18.5.4 Trockene AMD
- •Literatur
- •19 Lesefähigkeit bei AMD
- •19.1 Einleitung
- •19.2 Physiologische Grundlagen
- •19.3.3 Beurteilung des Fixationsverhaltens
- •19.3.4 Motorik
- •Literatur
- •20 Vergrößernde Sehhilfen bei AMD
- •20.4 Vergrößerungsmöglichkeiten
- •20.8 Elektronische Vorlesegeräte
- •20.9 Ergänzende Hilfsmittel
- •20.11 Grundlagen der Verordnung
- •Literatur
- •Stichwortverzeichnis
20.9 · Ergänzende Hilfsmittel |
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die Sehbehinderten mit AMD, die eine sehr hohe Vergrößerung benötigen und viel Geduld aufbringen müssen, da auch die Lesegeschwindigkeit stark herabgesetzt ist. Aber diese hochgradig sehbehinderten, lesegewohnten Patienten erreichen durch Übung über einen längeren Zeitraum wieder Lesefähigkeit.
20.8Elektronische Vorlesegeräte
Kann Lesefähigkeit mit vergrößernden Sehhilfen nicht erreicht werden und besteht ein großer Lesewunsch, so kann ein sprechendes Vorlesegerät erprobt werden. Textvorlagen und Bücher werden in relativ kurzer Zeit mit Hilfe eines Scanners eingelesen und in synthetischer Sprache in unterschiedlicher Qualität vorgelesen. Verschiedene Firmen bieten gerade für ältere Sehbehinderte einfach zu bedienende Geräte an. Nach einer Eingewöhnungszeit kann sich ein Sehbehinderter an die synthetische Sprache mit männlicher oder weiblicher Stimmlage gewöhnen. Hier sind inzwischen sehr natürlich wirkende Stimmen verfügbar. Voraussetzung ist, dass bei älteren Sehbehinderten keine Schwerhörigkeit vorliegt.
Inzwischen ist es auch möglich, eine Tageszeitung oder verschiedene Wochenzeitschriften digital per Modem abzurufen. Anhand einer systematischen Gliederung nach Kapiteln und Überschriften kann der Patient sich den Text selbständig mit einer einfachen Tastatur vorlesen lassen. Damit entfällt das bei den sonstigen Scannersystemen notwendige Zurechtschneiden der Zeitung, welches in der Regel von einer anderen sehenden Person übernommen werden muss. Noch ist das Angebot, der für den Sehbehinderten besonders wegen der örtlichen Informationen wichtigen Tageszeitungen, recht beschränkt.
Auch das iPad erlaubt einen Einsatz als Vorlesegerät, bei dem es neben Büchern auch per Internet geladene Texte und Zeitschriften vorlesen kann. In den USA sind inzwischen auch zahlreiche Tageszeitungen verfügbar. Die aktuelle Weiterentwicklung mit zusätzlicher Kamera erlaubt in Verbindung mit einer Texterkennungssoftware eventuell einen echten Einsatz als Vorlesegerät.
▬Vorteile: Geschriebene Texte, Bankauszüge und vor allem Bücher können gescannt werden, dies eröffnet den Zugang auch zu aktueller Literatur
▬Nachteile: Die Spaltenund Zeilenerkennung ist nicht immer optimal gelöst, so dass für den älteren Sehbehinderten beim Lesen der Tageszeitung oder von Kontoauszügen Probleme auftreten können. Das Lesegut muss zum Scannen genau ausgerichtet werden. Hier ist der Sehbehinderte oft auf fremde Hilfe angewiesen.
Abb. 20.9 Abspielgerät für DAISY-Dateien mit einfacher Handhabung
Für die Nutzung von Hörbüchereien ist inzwischen das sogenannte DAISY-Format der Standard. Hierbei werden die Audio-Dateien als MP3-Dateien verknüpft. Es ist möglich, gezielt zu einzelnen Kapiteln, Seiten oder auch Sätzen sowie auch zu selbst definierten Stellen zu springen oder sich über die Restzeit bis zum Ende des Textes zu informieren. In Deutschland können die dafür erforderlichen Abspielgeräte sogar von der Krankenkasse übernommen werden ( Abb. 20.9).
20.9Ergänzende Hilfsmittel
Lesepult. Sehbehinderten mit AMD ist unbedingt ein Lesepult oder ein Konzepthalter zu empfehlen. Lesepulte können auch bei Platzmangel auf jeden Tisch gestellt werden. Praktisch sind klappbare Leseständer, bei denen verschiedene Neigungswinkel, z. B. zum Lesen, zum Schreiben oder zum Lösen eines Kreuzworträtsels, genutzt werden. Der Abstand zum Lesegut ist vorgegeben, also fixiert, und der ältere Sehbehinderte lernt leicht, ihn einzuhalten. Die Schräglage des Lesetischs verhindert das Herunterbeugen des Sehbehinderten zum Lesetext bei nahem Leseabstand und bietet so eine bessere und entspannte Körperhaltung. Alternativ gibt es auch Tische, die in Höhe und Neigung frei einstellbar sind und so für die jeweilige Sitzposition angepasst werden können.
Beleuchtung. Der ältere Sehbehinderte hat einen erhöhten Lichtbedarf. Bei guter Beleuchtung kann sogar eine geringere Vergrößerung zum Lesen ausreichend sein. Damit vergrößert sich das Sehfeld bzw. der Leseausschnitt.
Die Raumbeleuchtung in der Wohnung sollte bei älteren Sehbehinderten unbedingt überprüft und wenn möglich angehoben werden. Für Naharbeit und zum Lesen ist
316 Kapitel 20 · Vergrößernde Sehhilfen bei AMD
eine gute Beleuchtung nur durch Einzelplatzbeleuchtung zu erreichen. Es empfiehlt sich, die Wohnung mit mehreren Einzelplatzbeleuchtungen auszurichten. Besonders bewährt haben sich Federgelenkleuchten, die in allen Richtungen verstellt und gedreht und somit bei der Benutzung von vergrößernden Sehhilfen und Lesepulten angepasst werden können. Der schwere Fuß der Tischleuchten kann auf dem Tisch je nach Bedarf verschoben werden. Kleine aufklappbare Leuchten mit einer homogenen Ausleuchtung des Arbeitsfeldes stellen eine kostengünstige Alternative dar.
Eine weiße Lichtfarbe wird in der Regel bevorzugt. Zu empfehlen sind unbedingt sog. Kaltlichtleuchten oder Leuchten, die nicht zu viel Wärme abgeben, da sich die Wärme bei längerem Lesen subjektiv negativ auswirkt. Zu empfehlen sind Tischleuchten mit 50-Watt-Halogen-Nie- dervolt-Lampen mit einer Glasabdeckung vor der Lampe, die in 2 Stufen schaltbar sind. Nachteilig sind kleine Lampen mit hoher Leuchtdichte. Bei ungünstiger Stellung der Leuchten kann eine hohe Reflexblendung eintreten.
20.10Besonderheiten bei der Versorgung mit vergrößernden Sehhilfen
Lesetechnik. Bei Sehbehinderten mit AMD empfiehlt es sich, auf die Lesetechnik des Betroffenen einzugehen und Leseübungen als Hausaufgabe über einen Zeitraum von 2 Wochen zu verlangen. Aus seiner Tageszeitung kann der Sehbehinderte den Artikel heraussuchen, den er gerne lesen möchte, da er die Überschrift auf Grund der Großschrift lesen kann. Zum Lesen des kleinen Drucks wird eine vergrößernde Sehhilfe als Leihgabe mitgegeben.
Die Leseübungen werden dem Sehbehinderten mit AMD ausführlich erklärt und mit ihm geübt. Ein kleiner schwarzer Papierstreifen unter die zu lesende Zeile gelegt, verhindert, dass der Sehbehinderte beim Lesen die Zeile verliert und in der Zeile darunter oder darüber weiter zu lesen versucht. Hier kann auch die Unterschriftenhilfe für Blinde eingesetzt werden. Das Lesen mit dem Finger oder verlängertem Finger, einem Kugelschreiber oder Bleistift in der Hand – möglichst schwarz – bewirkt die Auge- Hand-Koordination und gibt ein Gefühl zunehmender Sicherheit beim Lesen. Mit diesem »verlängerten Finger« gleitet man die Zeile langsam lesend entlang, gleitet in der gleichen Zeile schnell zurück, schiebt den schwarzen Papierstreifen unter die nächste Zeile und liest mit dem gleichen Stift die frei gewordene Zeile. Mit diesen Leseübungen, 2 – bis 3-mal pro Tag 10–15 min, kann die Lesefähigkeit verbessert oder überhaupt erst wieder Lesefähigkeit erreicht werden. Ein Erfolg stellt sich allerdings
20 nur ein, wenn eine deutlich spürbare Motivation des älteren Sehbehinderten zu den Leseübungen vorhanden ist.
Versorgung bei AMD so früh wie möglich. Auch eine leichte Beeinträchtigung der Lesefähigkeit bei Beginn der AMD sollte so schnell wie möglich mit einer vergrößernden Sehhilfe versorgt werden [2]. Meist genügt eine Verstärkung des Nahzusatzes in der Brille. Schon eine leichte Verstärkung des Nahzusatzes auf 4 oder 5 dpt bewirkt oft ein flüssigeres Lesen. Es ist wichtig, die Lesefähigkeit zu erhalten. Besteht erst ein Verlust der Lesefähigkeit über einen längeren Zeitraum von 2 oder mehr Jahren, so bedeutet es für den älteren Patienten ungeheure Mühe und Aufwand, wieder in den Leseprozess hineinzukommen. Das Lesen kann verlernt werden. Da ein Lesen mit vergrößernden Sehhilfen mit Mühe und Anstrengung verbunden ist, wird von dem älteren Sehbehinderten ein hohes Maß an Konzentration und Motivation verlangt. Dieser persönlich hohe Aufwand kann anfangs oft nicht erbracht werden. Eine sehr hohe Vergrößerung zu Beginn erleichtert den Einstieg. Diese kann nach vielen Lesestunden und vielen Leseübungen in eine schwächere Vergrößerung umgestellt werden.
Das Lesen schadet dem Auge nicht! Dem älteren Sehbehinderten, der eher zu einer »Sehschonung« neigt, kann dies nicht oft genug erklärt werden. Es muss dem Sehbehinderten bewusst werden, dass durch regelmäßiges Lesen der vorhandene Sehrest besser ausgenutzt wird und das funktionale Sehen sich verbessert.
Finden sich bei älteren Sehbehinderten makuläre Veränderungen mit Exsudaten oder Hämorrhagien, sollte so schnell wie möglich ein Hilfsmittel zum Lesen zur Verfügung gestellt werden. Während man früher mit der Versorgung gewartet hat, so hat die Erfahrung gezeigt, dass es besser ist, den Lesevorgang früh zu unterstützen und den Sehbehinderten ein vorübergehendes Hilfsmittel zum Lesen zur Verfügung zu stellen. Das Angebot an Lupen ermöglicht es, ein nicht kostspieliges Hilfsmittel anzubieten. Die Lesefähigkeit bleibt damit erhalten und erleichtert die spätere Versorgung mit weiteren Hilfsmitteln [2].
Kosmetisch störend findet der ältere Sehbehinderte oft das mattierte Glas vor dem nicht lesenden Auge. Das nicht lesende Auge muss aber unbedingt okkludiert werden, da auch eine geringe Sehschärfe des schlechteren Auges beim Lesen Doppelkonturen verursacht.
Lupenbrillen und Brillen mit Galileioder KeplerSystem sind keine Mobilitätshilfen, d. h. ein Sehbehinderter mit AMD kann nicht damit gehen; sie sind nur stationär zu benutzen. Vergrößernde Hilfsmittel bieten sehr viele Vorteile und erhalten die Selbständigkeit des älteren Sehbehinderten, aber auch die Nachteile dieser Hilfsmittel müssen akzeptiert werden. Es empfiehlt sich allgemein die Anwesenheit einer Begleitperson sowohl beim Beratungsgespräch als auch bei der Erprobung vergrößernder Sehhilfen.
Literatur
20.11Grundlagen der Verordnung
Vergrößernde Sehhilfen sind erst nach ausführlicher und bei älteren Sehbehinderten mehrmaliger Erprobung zu verordnen. Es empfiehlt sich, die erprobte vergrößernde Sehhilfe als Leihgabe für einen Zeitraum von 8–14 Tagen mit entsprechender Anleitung mitzugeben. Beratungszentren für Sehbehinderte an Universitätsaugenkliniken, Augenkliniken, bei Augenärzten mit entsprechender Einrichtung oder Augenoptikern, die sich auf diesem Gebiet spezialisiert haben [12], können überprüfen, welches Hilfsmittel der Sehbehinderte für seine Sehaufgabe benötigt. Die Notwendigkeit wird durch den Augenarzt festgestellt und eine entsprechende Verordnung ausgestellt. Die mechanische Anpassung erfolgt durch den Augenoptiker. Die Genehmigung der Krankenkasse ist erforderlich. Sie richtet sich nach dem Sozialgesetzbuch V: »Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein, sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten«.
Die vergrößernde Sehhilfe ist ausreichend, wenn der Sehbehinderte damit Zeitungsschrift wieder lesen kann. Die Zweckmäßigkeit ergibt sich aus der Nutzung des Hilfsmittels. Wirtschaftlich soll das Hilfsmittel sowohl in Anschaffung als auch Gebrauch sein. Nach verschiedenen Urteilen sind diejenigen Hilfsmittel notwendig, die die Grundbedürfnisse des Einzelnen befriedigen, sofern sie nicht als Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen sind [10]. So stellt eine vergrößernde Sehhilfe nur zum Fernsehen in diesem Sinne kein verordnungsfähiges Hilfsmittel dar.
Die vergrößernde Sehhilfe ist das Hilfsmittel, kann aber nur begrenzt eingesetzt werden. Optisch vergrößernde Sehhilfen werden in Deutschland typischerweise Eigentum des Patienten. Elektronisch vergrößernde Sehhilfen wie ein Bildschirmlesegerät sind als Hilfsmittel des § 182 RVO anerkannt (nach einem Urteil des Bundessozialgerichts von 1979). Die Krankenkasse oder der Versicherungsträger schließt mit dem Sehbehinderten einen Leihvertrag ab. In gewissen zeitlichen Abständen sollte mit dem Sehbehinderten Kontakt aufgenommen werden, um zu klären, wie und ob er noch mit dem Bildschirmlesegerät zurechtkommt. Besteht der Wunsch nach einem Echtfarbgerät, so kann die Krankenkasse den Aufpreis dem Sehbehinderten in Rechnung stellen. Inzwischen werden aber solche Geräte oft komplett bezahlt.
Auf dem Rezept muss neben der Sehschärfe angegeben werden, welche Vergrößerung der Sehbehinderte zum Lesen von Buchdruck benötigt. Zusätzlich muss vermerkt werden, mit welchem optisch vergrößernden Hilfsmittel wieder Lesefähigkeit erlangt werden kann. Da es sich bei den vergrößernden Sehhilfen um Spezialsehhilfen handelt, ist es möglich, das erprobte Hilfsmittel mit Firmenbezeich-
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nung zu erwähnen. Die Verordnung des Bildschirmlesegeräts sollte nicht nur formlos auf einem Rezept erfolgen, sondern es sollte ausführlich begründet werden.
Elektronische Vorlesegeräte bzw. Lesesprechgeräte sind als Hilfsmittel für Blinde anerkannt. Auch bei bestehender Leistungspflicht ist die praktische Erprobung unerlässlich. Die Bedienung sollte einwandfrei möglich sein, die Texte sollten in synthetischer Sprache verstanden und verarbeitet werden. Der Blinde sollte mindestens 1 h pro Tag das Vorlesegerät nutzen.
Ergänzende Hilfsmittel wie Beleuchtung werden nicht übernommen, da es sich hierbei um Hilfsmittel des täglichen Lebens handelt. Hingegen sind Lesepulte im Hilfsmittelverzeichnis aufgeführt und damit verordnungsfähig.
Fazit
Der Sehbehinderte mit AMD kann mit optisch und elektronisch vergrößernden Sehhilfen wieder Lesefähigkeit für Buchund Zeitungsdruck erlangen [5, 8, 13]. Nicht nur die Selbständigkeit des Sehbehinderten wird dadurch unterstützt oder sogar erst möglich, sondern sie führt auch zu einer deutlichen Steigerung des Selbstwertgefühls [2]. Nicht jeder ältere Sehbehinderte möchte Bücher lesen oder gar schreiben. Dank des umfangreichen Angebotes an unterschiedlichen Hilfsmitteln stehen auch Hilfen für die täglichen Belange zur Verfügung [13].
Die vergrößernde Sehhilfe ist ein Hilfsmittel und muss als solches von dem älteren Sehbehinderten, ebenso wie die Sehbehinderung akzeptiert werden. Ausschlaggebend sind die eigene Motivation und der große Lesewunsch. Die Zahl der zu versorgenden Sehbehinderten mit AMD steigt mit der höheren Lebenserwartung. Es ist wünschenswert und unbedingt erforderlich, dass Sehbehindertenberatungsstellen an Augenkliniken etabliert werden, um und eine umfassende Versorgung der Patienten anzubieten. Bei der Versorgung älterer Sehbehinderter muss bedacht werden, dass mit zunehmendem Alter ein physiologischer Alterungsprozess einsetzt, der die Leistungsfähigkeit herabsetzt. Diese physiologischen Alterungsprozesse sollten wiederum von der Umgebung des älteren Sehbehinderten akzeptiert werden, um verständnisvoller und geduldiger mit dem älteren Sehbehinderten umzugehen.
Literatur
[1]Blankenagel A (1988) Optisch und elektronisch vergrößernde Sehhilfen. Auswahl, Erprobung und Verordnung. Augenspiegel
[2]Blankenagel A, Rohrschneider K (2000) Vergrößernde Sehhilfen bei Älteren. In: Nikolaus T (Hrsg) Klinische Geriatrie, Springer, Berlin, Heidelberg, 402–409
[3]Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2008) Anlage zu §2 der Versorgungsmedizin-Verordnung vom 10.12.2008, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Bonn
318Kapitel 20 · Vergrößernde Sehhilfen bei AMD
[4]Diepes H, Krause K, Rohrschneider K (2007) Sehbehinderung. Ursachen – Auswirkungen – Versorgung, DOZ Verlag, Heidelberg
[5]Fröhlich SJ, Lackerbauer CA (2006) Qualitätskontrolle bei der Rehabilitation sehbehinderter Patienten. Evaluation der Nutzung von vergrößernden Sehhilfen. Ophthalmologe 103:1038–1043
[6]Krueger H, Conrady P (1989) Der Einsatz von Lupen in der Industrie. REFA-Nachrichten 2:13–18
[7]Krumpaszky HG, Klauß V (1996) Epidemiology of blindness and eye disease. Ophthalmologica 210:1–84
[8]Nguyen NX, Weismann M, Trauzettel-Klosinski S (2008) Ophthalmologische und soziale Rehabilitation von sehbehinderten Patienten: Eine retrospektive Analyse an der Tübingen Sehbehindertenambulanz im Zeitraum von 1999 bis 2005. Ophthalmologe 105:563–569
[9]Rohrschneider K (2005) Optisch und elektronisch vergrößernde Sehhilfen. In: Kampik A, Grehn F (Hrsg) Augenärztliche Rehabilitation, Thieme, Stuttgart, S. 35–45
[10]Rohrschneider K (2008) Vergrößernde Sehhilfen. Klin Monatsbl Augenheilkd 225:R55–R72
[11]Rohrschneider K (2010) Rehabilitation jenseits der Ophthalmochirurgie – ein Stiefkind in der Augenheilkunde? Z prakt Augenheilkd 31:69–72
[12]Rohrschneider K, Blankenagel A (2000) Sehbehindertenversorgung an deutschen Augenkliniken – früher und heute. Z prakt Augenheilkd 21:523–528
[13]Rohrschneider K, Kiel R, Pavlovska V, Blankenagel A (2002) Nutzung und Akzeptanz von vergrößernden Sehhilfen. Klin Monatsbl Augenheilkd 219:507–511
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