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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Altersabhangige Makuladegeneration_Holz, Pauleikhoff, Spaide, Bird_2011.pdf
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150 Kapitel 9 · Imaging bei AMD

von jedem Gewebepunkt bei jeder gegebenen Belichtungszeit ein stärkeres Signal als mit einem TD-OCT-Gerät. Die Abstimmung zwischen Scan-Geschwindigkeit und dem Si- gnal-Rausch-Verhältnis ermöglicht jedem OCT mit einer spezifischen A-Scan-Taktung zu arbeiten. Für TD-OCT betrug diese im Allgemeinen 400 A-Scans pro Sekunde. Die A-Scan-Raten von SD-OCT bewegen sich in der Regel zwischen 27.000 und 41.000.

9.5.5Verbesserte Tiefenauflösung der optischen Kohärenztomographie

Ein Nachteil der SD-OCT ist, dass Auflösung und Sensitivität mit zunehmender Diskrepanz in der Wegstrecke abnehmen. Noch störender ist die zunehmende Dunkelheit der Strukturen in der Tiefe des Auges. Eine Technik zur besseren Bildgebung tiefer gelegener Strukturen, die mit vielen SD-OCT-Einheiten durchführbar ist, besteht darin, das OCT-Gerät näher an das Auge heranzuführen, um ein invertiertes Bild zu erhalten [23]. Aufgrund eines

9Unterschiedes in der Sensitivität bietet dieses invertierte Bild mehr Informationen über tiefere Strukturen. Die-

se Technik wird als Enhanced-Depth-Imaging-OCT oder EDI-OCT bezeichnet. Sie ermöglicht eine Abbildung der Choroidea und bei sehr hoch Myopen eine Darstellung der gesamten Skleradicke.

Swept-Source-OCT (SS-OCT) nutzen einen anderen Weg zur Bildgewinnung, bei dem die Frequenz der Lichtquelle rasch verändert wird. Mittels einer Photodiode wird das Interferogramm aufgenommen. Ein großer Vorteil der SS-OCT ist, dass das Ergebnis der Photodiode im Wesentlichen in Echtzeit erscheint, so dass man nicht warten muss, bis die Speicher einer CCD gefüllt sind und dann nacheinander ausgerechnet werden. Dies ermöglicht SS-OCT-Geräten im Vergleich zur SD-OCT eine höhere Scan-Geschwindigkeit, so dass A-Scan-Raten von 100.000 bis zu über 300.000 möglich sind. Ein zusätzlicher Nutzen der SS-OCT im Vergleich zur SD-OCT ist eine geringere Abnahme der Sensitivität bei zunehmender Gewebetiefe. SS-OCTs werden voraussichtlich die nächste Generation im Handel erhältlicher OCTs sein, so dass Bildgebung und Beurteilung der Choroidea eine größere Verbreitung im klinischen Alltag finden werden.

9.5.6Allgemeine Eigenschaften

der Makularegion bei der optischen Kohärenzangiographie

OCT-Geräte erstellen ein Bild nicht aufgrund der Helligkeit der Reflektion, sondern anhand der Kohärenz-

information. Beides korreliert gelegentlich miteinander, doch gibt es Strukturen wie z. B. das Melanin im RPE oder Erythrozyten in Blutgefäßen, die sehr stark Nah-In- frarotlicht reflektieren und aufgrund dieser Reflektionen zu einem Verlust der Kohärenzinformation führen. In diesen Situationen können Objekte, die hinter streuenden Strukturen liegen, dunkel erscheinen (»abgeschattet« sein), auch wenn das verschattende Objekt das Licht nicht absorbiert hat. Mit Hilfe der OCT können verschiedene Schichten der Retina unterschieden werden. Für manche dieser Schichten hat sich noch keine klare anatomische Zuordnung etabliert. Was als äußere Körnerschicht bezeichnet und einer hyporeflektiven Schicht in der äußeren Netzhaut zugeordnet wurde, besteht wahrscheinlich aus der äußeren Körnerschicht und dem äußeren Teil der äußeren plexiformen Schicht.

9.6Angiographie

Die Fundusangiographie wird mit zwei verschiedenen Farbstoffen durchgeführt: Natriumfluoreszein, das hauptsächlich den retinalen Blutkreislauf sichtbar macht und Indozyaningrün, das vor allem zur Untersuchung der choroidalen Zirkulation verwendet wird [1]. Die

Fluoreszein-Angiographie wurde als erstes entwickelt und hat einen weit größeren Einsatzbereich. Auch weiß man mehr über die Korrelation zwischen Histopathologie und angiographischen Ergebnissen als bei Indozyaningrün. Bislang gibt es nur wenige spezifische Indikationen für die Indozyaningrün-Angiographie und die Aussagekraft vieler ihrer Ergebnisse steht noch nicht fest. Daher stellt die Fluoreszein-Angiographie dasjenige Angiographieverfahren dar mit Hilfe dessen die Vorgänge dieser Untersuchungsmethode am einfachsten zu verstehen sind. Die Indozyaningrün-Angiographie hat jedoch neue Einsichten in die Pathophysiologie verschiedener Typen der choroidalen Neovaskularisation (CNV) ermöglicht und dient als Methode der Wahl zur Diagnose der polypoidalen choroidalen Vaskulopathie, eines Subtyps der CNV.

9.6.1Eigenschaften des Farbstoffes Fluoreszein

Fluoreszein-Natrium hat ein molekulares Gewicht von 376,27 Dalton und ist gut wasserlöslich. Der Farbstoff wird über die Nieren ausgeschieden, so dass eine Entfernung des Farbstoffs aus dem Gefäßsystem bei Patienten mit Nierenerkrankung eingeschränkt sein kann. Das Fluoreszein-Molekül wird durch blaugrünes Licht der

9.6 · Angiographie

Wellenlänge 465–490 nm angeregt und erreicht einen höheren Energiezustand. Beim erneuten Absinken auf einen niedrigeren Energiezustand emittiert das Molekül ein grüngelbes Fluoreszenz-Licht längerer Wellenlänge zwischen 520 und 530 nm. Die emittierte Fluoreszenz steht in zeitlichem Zusammenhang mit der Anregung. Jedes Quantum an stimulierendem Licht führt fast unmittelbar zur Freisetzung eines Quantum FluoreszenzLichts. In einer Funduskamera wird ein sog. Exzitationsfilter vor eine Breitband-Lichtquelle geschaltet, so dass nur das blaugrüne Licht passiert. Dieses Licht stimuliert das Fluoreszein im Auge, das wiederum gelbgrünes Licht emittiert. Das Licht, das die Kamera erreicht, besteht aus gelbgrüner Fluoreszenz und etwas reflektiertem blaugrünem Exzitationslicht. Ein Sperrfilter blockiert das reflektierte blaue Licht und lässt nur das gelbgrüne Fluores- zenz-Licht passieren. Die resultierende Fluoreszenz wird von einem Nachweissystem erfasst, das früher aus einem Film bestand, jedoch heute fast immer eine CCD-Kame- ra verwendet. Scanning-Laser-Ophthalmoskop-Systeme nutzen Laserlicht mit einer Wellenlänge von 488 nm, das über den Fundus gescannt wird, und einen Langpassfilter, der bei 500 nm beginnt, um die Laserwellenlängen abzufangen.

Die Exzitationsund Sperrfilter werden so gewählt, dass sich die transmittierten Wellenlängen kaum überschneiden. So wird vermieden, dass irrelevantes Licht durch die Filter dringt und den Detektor erreicht. Manche Strukturen wie z. B. harte Exsudate oder Drusen des Sehnervs reflektieren große Mengen des Anregungslichts zurück zur Kamera. Aufgrund der geringen Überschneidung der Filtersysteme kann ein Teil dieses reflektierten Lichtes durch den Sperrfilter gelangen und als falsche oder Pseudofluoreszenz erscheinen. Pseudofluoreszenz wird heute durch den Einsatz moderner Filter weitgehend vermieden. Auch weitere im Fundus abgelagerte Stoffe wie z. B. Lipofuszin fluoreszieren, wenn sie durch das Exzitationslicht angeregt werden. Diese Fluoreszenz wird vor der Farbstoffinjektion aufgenommen und Autofluoreszenz genannt.

9.6.2Eigenschaften des Farbstoffes Indozyaningrün

Indozyaningrün (ICG) wird durch Absorption von infrarotem Licht der Wellenlänge 790–805 nm angeregt und emittiert Fluorezenzlicht zwischen 825 und 835 nm. Ein Sperrfilter blockiert reflektiertes Licht unter 825 nm. Das retinale Pigmentepithel und die Choroidea absorbieren weit größere Mengen des Lichts, das für die Floreszeinangiographie verwendet wird, als des Nah-Infrarotlichts der

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9

 

 

 

ICG-Angiographie. Auch Streuungsphänomene sind abhängig von der Wellenlänge. Bei längeren Wellenlängen tritt eine stärkere Streuung auf als bei kürzeren. Da ICG im Nah-Infrarotspektrum absorbiert und fluoresziert, ist im Vergleich zur Fluoreszein-Angiographie, ein bessere Visualisierung durch das RPE, serös-hämorrhagischer Flüssigkeiten oder flacher Blutungen möglich. Obwohl ICG eine deutlich geringere Fluoreszenz-Intensität aufzuweisen scheint als Natrium-Fluoreszein, erlaubt die höhere Transmission von Licht über 800 nm und die ausgeprägte intravaskuläre Retention von ICG eine bessere Visualisierung der choroidalen Architektur als in der Fluoreszein-Angiographie. Etwa 25% des intravaskulären ICG werden pro Minute durch die Leber eliminiert. Bei Patienten mit Störungen der Leberfunktion kann es zu einer verzögerten Elimination des Farbstoffs aus dem Blutkreislauf kommen.

9.6.3Kameras in der Fluoreszenz-Angiographie

Im Wesentlichen kommen zwei Kamerasysteme zum Einsatz, die auf einem Laserophthalmoskop oder einer Funduskamera basieren. Scanning-Laser-Ophthalmos- kope arbeiten mit fokussiertem Laserlicht, dass in einem Rastermuster über den Fundus geführt wird. Scanning- Laser-Ophthalmoskope ermöglichen eine konfokale Bildgebung, bei der nur Licht einer interessierenden Fokusebene vom Bildsensor aufgenommen wird. Dies erlaubt die Ausblendung von Licht nicht interessierender Bildebenen. Diese optische Eigenschaft ist ein Faktor, der Scanning-Laser-Ophthalmoskopen einen höheren Kontrast vaskulärer Strukturen ermöglicht. Eine weitere Stärke der Scanning-Laser-Systeme ist die Aufnahme von Bildern in Echtzeit bei hoher Bildfrequenz. So ist eine akkurate Darstellung der Füllungsphase verschiedener Teile des Gefäßsystems möglich, die zu einem Neovaskularisationsgebiet hinund von ihm wegführen. Die selektive Laserung dieser Gefäße bildet die Grundlage für die Ablation solcher zuführenden Gefäße zur Behandlung der choroidalen Neovakularisation. Die Beobachtung der Farbstoffbewegung durch das okuläre Gefäßsystem erlaubt dem Beobachter eine Integration der Information über die Zeit, was die Fähigkeit erhöht, Gefäße zu erkennen.

Die zweite Methode ist ein Funduskamera-basiertes System. Diese Systeme nutzen mehrere Kondensatoren, die über eine Xenon-Blitzlichtröhre entladen werden. Die resultierenden Photographien werden in der Regel digital als Einzelbild erfasst. Begrenzungen der Bildfrequenz einer Funduskamera ergeben sich durch die benötigte

152 Kapitel 9 · Imaging bei AMD

Zeit für die Wiederaufladung der Kondensatoren, die Lesegeschwindigkeit der CCD-Kamera und die erforderliche Zeit für die Speicherung der Bilder. Die meisten Funduskameras können nicht mehr als ein oder zwei Bilder pro Sekunde aufnehmen. Desweiteren verfügen Funduskameras nicht über konfokale Bildgebung, so dass jede Fluoreszenz-Quelle im Strahlengang dargestellt wird. Im Vergleich zur Scanning-Laser-Ophthalmoskopie haben die Bilder der Funduskamera jedoch eine höhere Auflösung bei geringerem Rauschen.

9.6.4Patienteneinwilligung und -aufklärung

Der Arzt sollte die Risiken der Fluoreszein-Angiographie erläutern. Nach einer Fluoreszein-Angiographie sieht jeder Patient gelblich aus. Der Urin nimmt eine besonders gelbe Färbung an. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Übelkeit (etwa 5%) und Erbrechen sowie die Entstehung von Urtikaria (ebenfalls etwa 5%) [16, 17].

9Patienten, bei denen bereits in der Vergangenheit solche Probleme aufgetreten sind, haben ein erhöhtes Risiko

für ein Wiederauftreten bei erneuter Fluoreszein-An- giographie [16]. Die Übelkeit vergeht ohne Behandlung innerhalb weniger Sekunden. Sofern sie nicht sehr mild ausfällt wird eine Urtikaria in der Regel mit Diphenhydramin oder einem ähnlichen Antihistaminikum behandelt. Eine Extravasation des Farbstoffs bei der Injektion ist schmerzhaft und verursacht einen gelben Fleck, der etwa einen Tag sichtbar bleibt. Auch schwerwiegendere Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Schock, laryngealer Spasmus und sogar Todesfälle wurden beobachtet, doch treten diese glücklicherweise äußerst selten auf.

Die Indozyaningrün-Angiographie zeigt im Vergleich zur Fluoreszein-Angiographie insgesamt seltener Nebenwirkungen. Dies könnte an der höheren Proteinbindung von Indozyaningrün liegen, durch die eine Stimulation von Chemorezeptoren weniger wahrscheinlich ist. Der Farbstoff Indozyaningrün wurde erstmals 1956 für die Anwendung am Menschen zugelassen, und zwar für Untersuchungen der Leber und des Herzens [18]. Daher verfügen wir heute über nahezu 55 Jahre Erfahrung mit ICG-Nebenwirkungen. Sehr selten treten milde gastrointestinale Störungen, Jucken oder Urtikaria auf [19–21]. Eine Extravasation injizierten ICG ist schmerzhaft und kann einen dunkelgrünen Fleck verursachen, der mehrere Tage sichtbar bleiben kann.

Die Inzidenz von Todesfällen nach Fluoreszein-In- jektion liegt bei 1 von 222.000, für ICG wurde sie auf 1 von 333.000 geschätzt [17]. ICG wird grundsätzlich gut vertragen, doch enthält es 5% Gewichtsanteil anorgani-

schen Jods. Unklar ist das Risiko für Patienten mit einer Allergie gegen organisches Jod. Gelegentlich wurden Patienten mit bekannter Schalentierallergie vor jodhaltigen Radiokontrastmitteln gewarnt, doch gibt es kaum tatsächliche Erkenntnisse, die diese Empfehlung untermauern. Die logische Verbindung zwischen Radiokontrastmitteln und ICG oder zwischen Schalentieren und dem anorganischen Jod in ICG-Zubereitungen erscheint noch schwächer, da diese Patienten weiterhin jodiertes Salz konsumieren. Patienten mit Nierenerkrankungen oder Leberfunktionsstörungen können ein potenziell höheres Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen haben [22]. ICG zeigte kein Durchdringen der Plazentaschranke, es wurden jedoch keine Untersuchungen zur fetalen Toxizität durchgeführt.

Sowohl die Fluoreszeinals auch die IndozyaningrünAngiographie sind sichere, in der Arztpraxis durchführbare Methoden, doch können gelegentlich Nebenwirkungen, selten schwerer Natur, auftreten. Die Patienten müssen daher sorgfältig nach potenziellen Risikofaktoren befragt werden. Desweiteren müssen, wie bei allen intravenös verabreichten Substanzen, eine angemessene Notfallausrüstung und entsprechend ausgebildetes Personal zur Verfügung stehen, um die Notfallversorgung sicherzustellen. Bislang gibt es verschiedene Meinungen zur Notwendigkeit einer schriftlichen Einverständniserklärung zur Fundusangiographie, doch sollte der Patient in jedem Fall auf Risiken und Nutzen der Angiographie hingewiesen werden.

9.6.5 Fluoreszein-Injektion

Am häufigsten wird Fluoreszein in Form von 5 ml einer 10%igen Lösung oder als 2 ml einer 25%igen Lösung verabreicht. Hinsichtlich der Bildgebung besteht kaum ein Unterschied zwischen den beiden Konzentrationen. Das zu injizierende Fluoreszein wird in eine Spritze aufgezogen, auf der ein 23 Gauge-Butterfly angebracht wird. Der Butterfly ist mit einem flexiblen durchsichtigen Schlauch verbunden, in dem der Rückfluss an Blut sichtbar wird und die intravenöse Lage der Nadel anzeigt. Üblicherweise wird die antekubitale Vene verwendet, da sie groß und leicht zugänglich ist. Bei manchen Patienten, insbesondere adipösen, können die Gefäße des Handrückens besser zu sehen und für eine Injektion geeignet sein. Nachteile der Handvenen sind eine etwas schmerzhaftere Injektion, dass sie eher zum weg rollen neigen und dass eine Ekchymose nach Injektion eher sichtbar ist. Desweiteren wird die Laufzeit des Farbstoffs vom Arm zum Auge manchmal als grober Hinweis auf die okuläre Perfusion genutzt, obwohl diese Laufzeit von

9.6 · Angiographie

vielen Faktoren wie z. B. Ort und Geschwindigkeit der Injektion beeinflusst wird.

9.6.6 Fluoreszein-Angiographie

Nach der Injektion beobachtet der Photograph bereits abwartend das Fundusbild. Bei jungen Erwachsenen erscheint der Farbstoff innerhalb von 12 Sekunden; bei älteren Patienten kann dieses Intervall verzögert sein. Beim ersten Zeichen von Fluoreszenz im Auge wird eine rasche Serie von Aufnahmen gemacht ( Abb. 9.3). Bei digitalen Systemen ist es üblich, viele Bildaufnahmen früh nach der Injektion zu machen, da unbrauchbare Bilder leicht verworfen werden können. Zu Anfang der AngiographieSerie sind häufig Feinjustierungen des Fokus oder der Beleuchtung nötig. Nach der Frühphase können Stereopaare der Makula und der Papille sowohl vom betroffenen als auch vom Partnerauge angefertigt werden. Zu Zeiten der Bildaufnahmen auf Film wurden fast immer Stereophotographien gemacht, was bei konventioneller digitaler Bildgebung weniger üblich ist. Die Stereoansicht digitaler Angiographien ist möglich. Weist der Patient eine makuläre Störung auf, sollte der Photograph die Retina peripher der großen Gefäßbögen mit der Kamera »abtasten« und jede sichtbare Auffälligkeit photographieren. Dann werden die Aufnahmen der mittleren Phase, die 1–2 Minuten nach Injektion gemacht werden, abgeschlossen. Etwa 5–6 Minuten nach Injektion werden weitere Stereopaare der Makula und jeder sichtbaren pathologischen Veränderung aufgenommen. Manche Kliniker nehmen zusätzlich 10–15 Minuten nach Injektion eine Serie von Bildern auf.

9.6.7 Indozyaningrün-Angiographie

Die Farbstoffinjektion von Indozyaningrün entspricht der bei Fluoreszein-Angiographie. Der Photograph

153

9

 

 

 

muss früh nach Injektion bereit für Aufnahmen sein, da sich die choroidalen Gefäße vor den Gefäßen der Retina füllen. Bilder der mittleren Phase werden zu zwei verschiedenen Zeitpunkten erstellt – eines etwa 5 Minuten und das zweite etwa 10 Minuten nach Injektion. Bilder der Spätphase werden etwa 30 Minuten nach Injektion aufgenommen. Im Allgemeinen stellen Scan- ning-Laser-Systeme die Frühphase mit besserer zeitlicher Auflösung dar als Funduskamera-Systeme. Diese wiederum ermöglichen bessere Aufnahmen der Spätphase.

9.6.8Interpretation der Fluoreszein-Angiographie

Im Serum ist Fluoreszein zu 80% an Protein gebunden und zu 20% frei. Die Bindung führt zu einer leichten Veränderung von Absorption und Emissionsspektrum. Ungebundenes Fluoreszein kann frei diffundieren. Seine Diffusion wird normalerweise durch die Blut-Augen- Schranke beschränkt – eine Kombination zweier separater anatomischer Grenzen, die den Fluss gelöster Stoffe und Flüssigkeit ins Auge kontrollieren. Den äußeren Teil der Blut-Augen-Schranke bildet das retinale Pigmentepithel. Der innere Teil besteht aus den Wänden der retinalen Gefäße.

Füllungsablauf

Als erste Struktur, etwa 1 Sekunde vor den retinalen Arteriolen, beginnen die größeren choroidalen Gefäße zu fluoreszieren. In der Fluoreszein-Angiographie ist die retinale Zirkulation leichter zu erkennen, da sie im Wesentlichen zweidimensional aufgebaut ist, sich von einem zentralen Punkt aus füllt und über dem pigmentierten RPE liegt, das einen kontrastierenden Hintergrund bietet. Die initiale Phase der Fluoreszein-Füllung wird »Frühphase« oder »arterielle Phase« genannt. Die

 

 

Abb. 9.3a,b Fluoreszein-Angiographie.

 

 

a 26 Sekunden nach Injektion füllen sich

 

 

die retinalen Arteriolen mit Fluoreszein-

 

 

Farbstoff und eine früh gefüllte choroidale

 

 

neovaskuläre Membran (Pfeil) ist sichtbar.

 

 

b 47 Sekunden nach Injektion sind die

 

 

Retinagefäße komplett mit Fluoreszein

a

b

gefüllt und es zeigt sich eine Leckage aus

der choroidalen Neovaskularisation

 

 

154 Kapitel 9 · Imaging bei AMD

Farbstofffront bewegt sich rasch durch die retinalen Gefäße, doch kann der Photograph diese Bewegung durch das retinale Arteriolensystem eventuell auf einem der frühen Bilder festhalten. Immer kleinere retinale Arteriolen füllen sich, während sich die Farbstofffront auf das Kapillarbett zubewegt. Wenn die Farbstofffront die Kapillaren erreicht, erhöht sich plötzlich die retinale Fluoreszenz mit einem Aufleuchten. Während es nicht möglich ist, einzelne Gefäße der Choriokapillaris zu erkennen, können bei Patienten ohne Medientrübungen leicht einzelne perifoveale Kapillaren differenziert werden.

Anschließend erreicht die Farbstofffront die postkapillären Venolen und dann die größeren Venen. Dieser Ablauf benötigt bei einer gesunden Person wenige Sekunden, doch kann die Arterie-zu-Venen-Zeit bei älteren Personen erhöht sein. Schließlich verlässt der Farbstoffbolus das Auge wieder, so dass die Gesamtfluoreszenz des Augenhintergrunds für wenige Sekunden etwas abzunehmen scheint. Wenig später rezirkuliert der Farbstoffbolus durch den Körper und erscheint wie-

9der im okulären Kreislauf, was die Fundusfluoreszenz wieder etwas anhebt. Die Angiogrammphase innerhalb

einer Minute nach Injektion wird manchmal als Rezirkulationsphase bezeichnet. Die Rezirkulationsphase ist für den Photographen oder auf einem Videofilm eines Scanning-Laser-Ophthalmoskops deutlich zu erkennen. Auf einzelnen Bildaufnahmen ist sie jedoch weniger gut zu erkennen. Bilder, die zwischen 1 und 3 Minuten nach Injektion entstehen, werden üblicherweise als Aufnahmen der mittleren Phase bezeichnet. Mit der Zeit wird der Farbstoff aus dem Blutkreislauf eliminiert und die Gesamtfluoreszenz nimmt ab. Nach etwa 5 Minuten erscheint der Fundus erheblich dunkler als nach der anfänglichen Farbstoffinjektion. Dieses Stadium wird als Spätphase des Angiogramms bezeichnet.

Die Makula

Bedingt durch seine Anatomie weist das Makulagebiet ein besonderes Fluoreszenz-Muster auf. Während des Fluoreszein-Angiogramms erscheint die Fovea aus mehreren Gründen dunkler als ihre Umgebung: Die Fovea selbst ist avaskulär, so dass kein Aufleuchten retinaler Kapillaren auftritt. Die Makula erscheint gelb, da Xan- thophyll-Pigment kürzere Lichtwellenlängen absorbiert und damit jegliche Anregung des Fluoreszein-Farbstoffs vermindert. Die retinalen Pigmentzellen der Makularegion sind größer und weisen mehr Melaninpigment als die retinalen Pigmentzellen anderer Gebiete auf, so dass sowohl die Anregung als auch die resultierende Fluoreszenz der darunterliegenden choroidalen Gefäße reduziert wird.

Tab. 9.1 Fluoreszein-Hyperfluoreszenz bei altersabhängiger Makuladegeneration

Transmittierte

RPE-Verdünnung, -Atrophie oder

Fluoreszenz

-Depigmentierung, RPE-Riss

Abnormale Gefäße

CNV

Leckage

Aus CNV direkt in den subretinalen

 

Raum, Leckage durch das RPE

Pooling

Neurosensorische Abhebung, zysto-

 

ides Makulaödem

Staining

Narben, »Waldbrand«-Staining an

 

Atrophierändern

Tab. 9.2 Fluoreszein-Hypofluoreszenz bei altersabhängiger Makuladegeneration

Blockierte retinale

Glaskörperoder retinale Blutung

Fluoreszenz

 

Blockierte choroidale

Blutung

Fluoreszenz

RPE-Hyperplasie

 

RPE-Hypertrophie

 

RPE-Reduplikation nach RPE-Riss

Vaskuläre Füllungs-

Verschluss eines Gefäßbetts

defekte

 

Abweichungen vom normalen angiographischen Erscheinungsbild

Hyperfluoreszenz liegt vor, wenn ein Mehr an Fluoreszenz beobachtet wird ( Tab. 9.1). Dies kann durch eine Anreicherung des angiographischen Farbstoffs in einer Volumeneinheit des Fundus bedingt sein oder durch eine verbesserte Sichtbarkeit des fluoreszierenden Materials. Unter normalen Umständen stellen das Melanin in Choroidea und retinalem Pigmentepithel sowie das Xanthophyll-Pigment in der Makula ein Hindernis für die Darstellung der choroidalen Fluoreszenz dar. Eine Abnahme eines dieser Faktoren würde die Sichtbarkeit einer größeren Fluoreszenz-Transmission erlauben. Die betroffenen Gebiete werden Transmissionsdefekte genannt. Die zweite Ursache für Hyperfluoreszenz kann die erhöhte Farbstoffakkumulation innerhalb pathologischer Gefäßveränderungen oder in Form einer extravaskulären Leckage sein. Ein Beispiel für abnorm vermehrte Gefäße ist die choroidale Neovaskularisation. Eine Leckage kann auch aus Gefäßen austreten. Per definitionem wird eine Fluoreszein-Leckage in einen Raum als Pooling des Fluoreszeins und eine Leckage in ein Gewebe als Staining bezeichnet.