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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Tipps und Tricks fur den Augenarzt Problemlosungen von A bis Z_Schmidt_2008

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„Pseudohypopyon“ bei einem Retinoblastom

P 337

„Pseudohypopyon“ bei einem Retinoblastom

Ziel

Frühzeitige Abklärung eines„Pseudohypopyons“ mit einer Leukokorie.

Problem

Die häufigste Fehldiagnose eines Retinoblastoms ist eine Uveitis („Iridozyklitis“) mit Glaskörpertrübungen und Zellen der Vorderkammer. Auch Augenschmerzen können als Uveitissymptome auftreten.

Lösung und Alternativen

Kleine weißliche Knötchen am Pupillenrand oder eine Weißverfärbung der unteren Vorderkammer können von der Mutter eines Kleinkinds zufällig gesehen werden. Lichtscheu eines Kleinkinds kann ein erstes Zeichen einer Medientrübung (z. B. Glaskörperinfiltration mit Retinoblastomzellen) sein. Auch eine Irisneovaskularisation kann sich ausbilden.

Ein nicht-entzündlich bedingtes Hypopyon („Pseudo-Hypopyon“) kann durch folgenden Test von einem entzündlichen Hypopyon unterschieden werden: Der Patient wird gebeten, seinen Kopf rasch zur Seite zu neigen. Bei einem nicht-entzündlichen Hypopyon verlagern sich die Zellen schnell zur Seite der Kopfneigung, hingegen besteht bei einem entzündlich bedingten Hypopyon eine deutliche Verzögerung der Zellverlagerung zur Seite.

Im Glaskörper findet sich nicht selten ein deutlicher Lichtweg (TyndallPhänomen) mit dichten weißen, teils schneeflockenartigen Trübungen. Der Augendruck kann ansteigen, sodass sich ein Hornhautödem bildet.

Bei einem hereditären Retinoblastom besteht die Gefahr des Befalls des zweiten Auges. Bilaterale Tumore werden oft früher als unilaterale Tumore erkannt.

Eine einseitige Leukokorie kommt vor beim M. Coats, bei einer Incon-

338 P „Pseudohypopyon“ bei einem Retinoblastom

tinentia pigmenti sowie bei einer retinalen Dysplasie oder beim persistierenden hyperplastischen primären Glaskörper, PHPV („persistent hyperplastic primary vitreous“).

Einseitige Pseudogliome finden sich auch bei Netzhautablösungen sowie bei reaktiven massiven Proliferationen infolge metastatischer Endophthalmitis oder eines Glaskörperabszesses z. B. nach Meningokokkensepsis oder im Gefolge einer Nematoden-Endophthalmitis.

Eine beidseitige Leukokorie kommt vor bei der kongenitalen Katarakt, Frühgeborenen-Retinopathie, bei der Trisomie-13 und -18 sowie beim Norrie-Syndrom (Norrie-Warburg-Syndrom).

Eine Diagnoseverzögerung bei 33 Kindern ohne positive Familienanamnese: Während die ersten Symptome im Mittel im Alter von 15,0 ± 14,4 Monaten auftraten, erfolgte die Diagnosestellung erst im Alter von 20,8 ± 13,5 Monaten. Eine verzögerte Diagnosestellung erfolgte vor allem beim Leitsymptom Strabismus.

Ein Retinoblastom kann im Tumorgewebe Kalkablagerungen aufweisen, die durch ein CT und / oder MRI nachgewiesen werden können.

Bei Glaskörpertrübungen ist eine diagnostische Vitrektomie, in Operationsbereitschaft (bei fortgeschrittenem Tumor) zu empfehlen.

Abb. 1

„Leukokorie” (weißes Aufleuchten der Pupille) bei Retinoblastom (aus Grehn

2008)

„Pseudohypopyon“ bei einem Retinoblastom

P 339

Es wurde gezeigt, dass in etwa 20 % der Fälle eine Aderhautbeteiligung und bei etwas über 25 % der Fälle ein Sehnervbefall bestand.

Neue Tumore nach Behandlung: In einer Übersicht mit 427 unilateralen Retinoblastom-Augen zeigten sich bei einer Beobachtungszeit von 8,2 Jahren nach der Behandlung des ersten Tumors bei 25 (6 %) neue Tumore. Patienten mit einseitigem, sich innerhalb der ersten 6 Lebensmonate entwickelndem Retinoblastom mit positiver Familienanamnese waren in besonderem Maße gefährdet, einen neuen intraokulären Tumor zu entwickeln.

Hieraus ergibt sich, dass Patienten mit einseitigem Retinoblastom in regelmäßigem Abstand überwacht werden müssen.

Weiterführende Tipps

Hirnund Augentumor, das trilaterale Retinoblastom; Hypopyon, Früherkennung mit Glyzerintropfen

Literatur

Abramson DH, Gamell LS, Ellsworth RM et al. (1994) Unilateral retinoblastoma: new intraocular tumours after treatment. Br J Ophthalmol 78:698–701

Baez KA, Ulbig MW, Cater J, Shields CL, Shields JA (1994) Irisneovaskularisationen, erhöhter

Augeninnendruck und Glaskörperblutungen als Risikofaktoren für den Befall des Sehnerven und der Aderhaut bei Kindern mit Retinoblastom. Ophthalmologe 91:796–800

Damaske E, Jünemann G (1969) Über Spätfälle von Retinoblastom. Klin Monatsbl Augenheilkd 155:837–843

Grehn F (2008) Augenheilkunde. 30. Auflage, Springer Verlag

Kase S, Parikh JG, Rao NA (2008) Peripapillary subretinal neovascularization in retinoblastoma. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol 246:931–934

Mafee MF, Goldberg MF, Greenwald MJ, Schulman J, Malmed A, Flanders AE (1987) Retinoblastoma and simulating lesions: role of CT and MR imaging. Radiol Clin North Am 25:667–682

Schüler A, Bornfeld N, Foerster MH (1997) Diagnoseverzögerung beim Retinoblastom. (Abstract) Klin Monatsbl Augenheilkd 211:7

Shields JA, Shields CL, Eagle RC, Blair CJ (1988) Spontaneous pseudohypopyon secondary to diffuse infiltrating retinoblastoma. Arch Ophthalmol 106:1301

Sommer P, Kunze P (1969) Pseudo-Uveitis durch Retinoblastom. Beitrag zur Kinik und Pathologie. Klin Monatsbl Augenheilkd 155:844–850

340 P Pupillen-Wechselbelichtungstest („swinging flashlight test“)

Pupillen-Wechselbelichtungstest („swinging flashlight test“)

Ziel

Rasche Orientierung darüber, ob ein Sehnerv geschädigt ist.

Problem

Ein Patient berichtet über eine einseitige Sehminderung. Bevor eine ausführliche ophthalmologische Untersuchung erfolgt, sollte auch geprüft werden, ob eine organische Sehnervläsion besteht. Mit dem Test der pupillaren Wechselbelichtung wird die afferente Pupillenreaktion beider Augen verglichen, daher wird er auch als„Test des relativen afferenten Pupillendefizits“ („RAPD“) bezeichnet.

Lösung und Alternativen

Vorgehensweise: Vor der Untersuchung sollte festgestellt werden, ob eine Isokorie besteht und ob direkte Lichtund Naheinstellungsreaktionen beider Pupillen auslösbar sind.

Der zu Untersuchende sitzt in einem abgedunkelten Raum und blickt auf einen entfernt liegenden Gegenstand, um eine Naheinstellungsmiosis zu vermeiden. Der Untersucher beleuchtet zunächst ein Auge mit einem homogenen Lichtkegel beispielsweise eines Ophthalmoskops oder einer hellen Taschenlampe. Der Lichtstrahl sollte von unten auf das Auge gerichtet sein. Auf diese Weise wird das Licht im oberen Netzhautbereich zu einer sekundären Lichtquelle gebündelt, sodass von hier aus alle Lichtstrahlen gleichmäßig das Innere des Auges ausleuchten. Hierdurch wird erreicht, dass auch der makuläre Bereich nicht zu stark belichtet und geblendet wird. Nachdem wenige Sekunden lang ein Auge angestrahlt worden ist, schwenkt der Untersucher nach ca. 2–3 Sekunden den Lichtstrahl rasch auf das andere Auge. Beide Pupillen werden bereits bei Belichtung des ersten Auges er-

Pupillen-Wechselbelichtungstest („swinging flashlight test“)

P 341

wartungsgemäß enger. In der Zeit des Lichtwechselns auf das andere Auge beginnen beide Pupillen sich wieder zu erweitern. Durch Belichtung des zweiten Auges erfolgt erneut eine Pupillenkonstriktion, vorausgesetzt, dass das zweite Auge eine regelrechte Funktion aufweist. Liegt hingegen eine Sehminderung des zweiten Auges vor, beispielsweise eine Neuritis nervi optici, so ist bei Belichtung des kranken Auges eine Pupillenerweiterung („pupillary escape“) zu beobachten.

Das Hinund Herschwenken des Lichtstrahls sollte mehrfach wiederholt werden, da nicht selten leicht unterschiedliche Pupillenreaktionen zu sehen sind.

Affektionen des N. opticus, beispielsweise infolge von Durchblutungsstörungen, Verletzungen, einem fortgeschrittenen Glaukom, Tumorkompression oder Entzündung gehen mit afferenten Störungen der Pupille einher.

Der Untersucher kann bei dem Test folgende Fehler begehen: Der Abstand der Lichtquelle vom Patienten oder die Richtung des einfallenden Lichtstrahls während der Untersuchung des ersten und zweiten Auges werden geändert. (Ein schräger Lichteinfall auf ein Auge bewirkt eine andere Pupillenreaktion im Vergleich zu einer Belichtung von gerade unten).

Der Patient sollte stets auf einen fernen Punkt blicken und seine Fixation während der Untersuchung nicht ändern. (Ein Blick in die Nähe zwischendurch bewirkt eine Naheinstellungsmiosis.)

Der Raum sollte stets in gleicher Weise abgedunkelt bleiben.

Bei seitengleicher Pupillenreaktion darf eine Simulation erst dann angenommen werden, wenn eine funktionelle Amblyopie, beispielsweise bei einem Strabismus ausgeschlossen wurde.

Es besteht eine deutliche Korrelation zwischen der „RAPD“-Reaktion und dem geschätzten Ganglienzellverlust. Eine Simulation, aber auch eine wenig ausgedehnte Netzhauterkrankung führt nicht zu einer pathologischen „RAPD“-Reaktion.

Bei Trübungen der optischen Medien fällt der Pupillen-Wechselbelich- tungstest regelrecht aus.

Mit dem Pupillen-Wechselbelichtungstest kann bei einer beidseitigen höhergradigen Sehminderung oder, wenn beide Pupillen nicht oder nur gering auf Licht reagieren (Pupillotonie) oder bei einer deutlichen Anisokorie keine Aussage getroffen werden.

342 P Pupillen-Wechselbelichtungstest („swinging flashlight test“)

Bei einem unsicheren Ergebnis des Tests kann er wiederholt werden, indem ein schwacher Graufilter vor jedes Auge gehalten wird. Im Falle einer RAPD wird der Effekt der Pupillenerweiterung dann verstärkt, wenn der Filter vor das kranke Auge gehalten wird.

Weiterführende Tipps

Amaurose durch Optikuskompression; Anfallsglaukom (Winkelblockglaukom); „Angiopathia retinae traumatica“, die Purtscher-Reti- nopathie; Maskierte oder okkulte Arteriitis cranialis (Riesenzellarteriitis, Arteriitis temporalis Horton); Neuritis nervi optici (Gesichtsfeldausfall); Optikusneuropathie, anteriore ischämische (AION) bei einer Amiodaronbehandlung; Papillenschwellung

Literatur

Lagrèze WD, Kardon RH. (1998) Correlation of relative afferent pupillary defect and estimated retinal ganglion cell loss. Graefe’s Arch Clin Exp Ophthalmol 236:401–404

Mehdorn E, Schmidt D (1980) Simulationsproben. Z prakt Augenheilk 5:17–22 Meienberg O, Kommerell G (1978) Störungen der Pupillenmotorik. Akt Neurol 5:245–252

„Puppenkopfphänomen“ (Okulo-zephaler Reflex)

P 343

„Puppenkopfphänomen“ (Okulo-zephaler Reflex)

Ziel

Bei Paresen sollte stets das„Puppenkopfphänomen“ geprüft werden.

Problem

Bei Bewegungseinschränkungen der Augen ist zu klären, ob infranukleäre, nukleäre oder supranukleäre Paresen vorliegen. Diese Frage stellt sich vor allem bei Blickparesen.

Lösung und Alternativen

Jede Kopfbewegung löst eine kompensatorische Augenbewegung aus, sodass beispielsweise bei einer Drehung des Kopfs nach rechts die Augen sich nach links und bei einer Kopfbewegung nach unten sich die Augen nach oben drehen. Diese momentan einsetzenden kompensatorischen physiologischen Augenbewegungen werden auch als „Puppenkopfphänomen“ bezeichnet.

Zur Prüfung des „Puppenkopfphänomens“ wird bei Blickparesen der Patient gebeten, einen Punkt im Raum zu fixieren und sich dabei zu entspannen, sodass der Untersucher den passiv beweglichen Kopf des Patienten in der Hand hält und in verschiedene Richtungen dreht, während die Augen beobachtet werden. Bleiben die Augen bei Aufforderung, zur Seite zu blicken, unverändert in ihrer paretischen Position, gelangen sie aber bei den passiven Kopfbewegungen zur Prüfung des „Puppenkopfphänomens“ bis in die Endstellung, so handelt es sich um eine supranukleäre Läsion. Bewegen sich die Augen jedoch weder bei passiven Kopfbewegungen noch auf die Aufforderung, zur Seite zu blicken, so ist eine nukleäre oder infranukleäre Schädigung anzunehmen.

Es wurde gezeigt, dass bei Patienten mit einer kongenitalen Ophthalmoplegie die Kopfbewegungen deutlich stärker ausgeprägt waren als bei

344 P „Puppenkopfphänomen“ (Okulo-zephaler Reflex)

einer erworbenen Motilitätsstörung. Dieses Verhalten bei angeborenen Augenmuskelparesen lässt darauf schließen, dass im Laufe des Lebens ein kompensatorischer Mechanismus der Kopfbewegungen eingetreten ist, der die Bewegungseinschränkung der Augen ausgleicht.

Weiterführende Tipps

Vestibulo-okulärer Reflex (VOR)

Literatur

Mehdorn E (1993) Supranukleäre Augenbewegungsstörungen. Ophthalmologe 90:296–312 Schmidt D (2007) Neuroophthalmologische Befunde bei Schädel-Hirn-Traumata. In: Stalla

GK (Hrsg) Therapieleitfaden Hirnschädigung: Interdisziplinäre Aspekte bei Schädel- Hirn-Trauma und Schlaganfall. UNI-MED Verlag, Bremen London Boston, S 143–152

Schmidt D, Schmidt CL (1978) Optokinetischer und vestibulärer Kopfnystagmus. Untersuchungen von Normalpersonen und Patienten mit angeborenen und erworbenen Augenmotilitätsstörungen. In: Kommerell G (Hrsg) Neurophysiologie und Klinik der Augenbewegungsstörungen. J.F. Bergmann Verlag, S 301–305

Schuster P (1921) Zur Pathologie der vertikalen Blicklähmung. Dtsch Z Nervenheilkd 70:97– 115

Quincke-Ödem,„angioneurotisches“ Ödem

Q 345

Quincke-Ödem,„angioneurotisches“ Ödem

Ziel

FrüherkennungderAugenschwellungundumgehendeinternistische / HNOärztliche Behandlung wegen Erstickungsgefahr.

Problem

Ein 25-jähriger Patient stellte sich wegen einer monströs entzündlichen „prall-elastischen“, innerhalb weniger Stunden aufgetretenen Gesichtsschwellung ohne Rötung, insbesondere der Augenlider, Lippen, aber auch der Mundschleimhaut vor.

Lösung und Alternativen

Das Quincke-Ödem, benannt nach Heinrich Irenäus Quincke, entsteht akut, anfallsartig und benötigt einige Tage zur Rückbildung. Das Ödem befindet sich in der Subkutis, ist schmerzlos, juckt nicht und ist im Allgemeinen nicht von einer Urtikaria begleitet. Es handelt sich um ein Angioödem, das durch erhöhte Gefäßpermeabilität der postkapillären Venolen hervorgerufen wird. Die Schwellungen befinden sich an Stellen mit lockerem Bindegewebe. Ein sich plötzlich entwickelndes Glottisödem kann lebensbedrohlich werden. Die Anfälle können rezidivieren.

Bekannt wurde ein hereditäres Quincke-Ödem mit einem autosomaldominant vererbbaren Defekt des C1-Esterase-Inhibitors (C1-Inhibitor- protein; C1-INH), der zu einer erhöhten Gefäßdurchlässigkeit führt.

Therapie

C1-INH-Substitution; Antihistaminika und Steroide sind wirkungslos. Bei massivem Larynxödem: Intubation, evtl. Tracheotomie.

346 Q Quincke-Ödem,„angioneurotisches“ Ödem

Weiterführende Tipps

Ankylosierung der Lidränder bei einem Pemphigoid (Schleimhautpemphigoid); Bakterielle Entzündungen des vorderen Augenabschnitts;

„Graft-versus-Host Disease“ (GvHD) (Transplantat-Wirt-Reaktion nach haematopoetischer Stammzelltransplantation)

Literatur

Quincke H (1882) Über akutes umschriebenes Hautödem. Monatshefte prakt Dermatol 1:129131

Pichler WJ (1996) Angioödem. In: Peter HH, Pichler WJ (Hrsg) Klinische Immunologie, 2. Aufl. Urban & Schwarzenberg, München

Röther E, Peter HH (1996) Symptome der Autoimmunität. In: Peter HH, Pichler WJ (Hrsg) Klinische Immunologie, 2. Aufl. Urban & Schwarzenberg, München