Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Tipps und Tricks fur den Augenarzt Problemlosungen von A bis Z_Schmidt_2008
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Perfluordecalin |
P 317 |
Perfluordecalin
Ziel
Entfernung einer Kunstlinse aus dem Glaskörper.
Problem
Als Komplikation einer Operation oder nach einer Kapsulotomie kann eine dislozierte Kunstlinse in den Glaskörper gerutscht sein.
Lösung und Alternativen
Mit „schweren Flüssigkeiten“ wie Perfluordecalin kann eine Kunstlinse „aufgeschwemmt“ werden. Aufgrund ihres geringen spezifischen Gewichts schwimmt die Kunstlinse auf der schweren Flüssigkeit, sodass die Linse leicht entfernt werden kann. Anschließend muss Perfluordecalin wieder vollständig entfernt werden.
Perfluordecalin wird in der Glaskörperchirurgie wegen des hohen spezifischen Gewichts als wasserunlösliche, chemisch inerte Substanz erfolgreich bei komplizierter Netzhautablösung verwendet.
Patienten mit proliferativer diabetischer Retinopathie und mit ausgeprägten fibrovaskulären Proliferationen und iatrogen verursachten Löchern an den Rändern der abgelösten Retina wurden erfolgreich behandelt, indem nach einer Vitrektomie mit Dissektion der Membranen die Retina mit Perfluordecalin geglättet wurde, sodass anschließend eine Endolasertherapie durchgeführt werden konnte ohne Gefahr einer neuen Lochbildung. Nach Entfernung von Perfluordecalin erfolgte die intraokuläre Tamponade mit Silikonöl oder mit einem lang wirkenden Gas.
Weiterführende Tipps
Glaskörperblutung unklarer Genese; Sehminderung durch eine „PVR“ (Proliferative Vitreoretinopathie)
318 P Perfluordecalin
Literatur
Dick B, Schwenn O, Stoffelns B, Pfeiffer N (1998) Späte Luxation einer schiffchenförmigen Silikonlinse in den Glaskörper nach Nd:Yag-Kapsulotomie. Ein Fallbericht. Ophthalmologe 95:181–185
Mathis A, Pagot V, David JL (1991) The use of perfluorodecalin in diabetic vitrectomy. Fortschr Ophthalmol 88:148–150
Photophobie, konsensuelle |
P 319 |
Photophobie, konsensuelle
Ziel
Enukleation eines amaurotischen Auges bei Beschwerden des sehenden
Auges.
Problem
Ein 19-jähriger Mann litt unter einer Photophobie des gesunden Auges nach verletzungsbedingter Erblindung mit chronischer Entzündung des Partnerauges. Die Lichtscheu war so stark ausgeprägt, dass der Patient „morgens beim Öffnen der Augen die heftigsten Schmerzen empfand.“ Er konnte nicht arbeiten, nicht lesen, ein weißes Papier blendete ihn und bereitete ihm Schmerzen.
Lösung und Alternativen
Erst nach Enukleation des blinden Auges waren die Blendungsbeschwerden verschwunden. Diese konsensuell auftretende Photophobie wurde durch Reizung der Ziliarnerven auch des Partnerauges erklärt.
Als Therapie erfolgte eine retrobulbäre Injektion von 1,5 ml 95 %igem Alkohol in den Konus der Orbita des chronisch entzündeten, erblindeten Auges. Danach verschwanden die Blendungsbeschwerden des gesunden Auges. Eine retrobulbäre Injektion mit Kochsalzlösung hingegen führte zu keiner Besserung der Beschwerden. Alkohol bewirkt eine „chemische Denervierung“ der Ziliarnerven.
Schwer verletzte Augen mit lang anhaltender Entzündung führen progressiv zu einer Ansammlung von Zytokinen wie Prostaglandinen, Leukotrienen und Interleukinen, die in den extrazellulären Raum gelangen. Es wird angenommen, dass ein Lichtreiz das Reservoir an toxisch wirkenden Entzündungsmediatoren in dem erkrankten Auge verstärkt, sodass der Reiz neuronal übertragen wird und zur Lichtscheu auch am gesunden Auge führt.
320 P Photophobie, konsensuelle
Cave: Eine Photophobie eines gesunden Auges nach einer Verletzung des Partnerauges ist auch das erste Zeichen einer sympathischen Ophthalmie.
Weiterführende Tipps
Amaurose durch Optikuskompression; Retrobulbärinjektion
Literatur
Assia EI, Gutman I, Naveh N, Blumenthal M (1996) Late consensual photophobia after contralateral ocular trauma. Neuro-ophthalmology 16:143–148
Wilbrand H, Saenger A (1901) Die Neurologie des Auges. Ein Handbuch für Nervenund Augenärzte. Die sympathische Reizung. Bergmann Verlag, Wiesbaden, S 100–102
Photostress-Test („Lichtbelastungs-Test“) |
P 321 |
Photostress-Test („Lichtbelastungs-Test“)
Ziel
Vermeidung von Gefahren infolge unerkannter erhöhter Blendempfindlichkeit.
Problem
Eine Blendung führt zur verzögerten Wahrnehmung von Gegenständen. Je stärker die Netzhaut geblendet wurde, um so länger dauert die Normalisierung des Sehvermögens. Somit ist bei Medientrübungen des Auges die Readaptationszeit verlängert, was besonders im Straßenverkehr nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Fußgänger, insbesondere Personen mit getrübten optischen Medien auf nächtlicher Straße zu Unfällen führen kann. Auch Patienten mit einer Makulopathie können eine deutlich verlängerte Erholungszeit nach Blendung aufweisen.
Lösung und Alternativen
Durchführung des Tests
1.Zunächst erfolgt eine Visusprüfung beider Augen mit bester Korrektur, beispielsweise geprüft an der Snellen-Tafel auf 6 m Entfernung. Die Pupillen dürfen dabei nicht erweitert werden.
2.Im Falle einer einseitigen Visusminderung sollte zunächst das besser sehende Auge geprüft werden. Während das schlechter sehende Auge abgedeckt ist, erfolgt die Blendung des zu prüfenden Auges, das in eine helle Lichtquelle dicht vor dem Auge im Abstand von 2–3 cm blickt. Die Blendung dauert 10 Sekunden. Direkt nach der Blendung wird der Patient aufgefordert, die Zahlen der Snellen-Tafel zu lesen. Der Patient benötigt eine gewisse Zeit, bis er mit seinem gut sehenden Auge wieder den Ausgangsvisus erreicht. Der Test wird sodann mit dem schlecht
322 P Photostress-Test („Lichtbelastungs-Test“)
sehenden Auge durchgeführt. Die Erholungszeit wird in Sekunden gemessen. Im Falle einer Netzhauterkrankung wie beispielsweise einer Makuladegeneration oder einer Trübung der abbildenden Medien ist die Erholungszeit verlängert – im Unterschied zu Patienten mit Optikusschäden, bei denen keine Verlängerung der Readaptationszeit gefunden wurde.
Weiterführende Tipps
Bakterielle Entzündungen des vorderen Augenabschnitts; Benetzungsstörungen; Cataracta electrica durch Starkstromoder Blitzschlagverletzung; Neovaskularisation, juxtafoveale chorioidale
Literatur
Aulhorn E, Harms H (1970) Über die Untersuchung der Nachtfahreignung von Kraftfahrern mit dem Mesoptometer. Klin Monatsbl Augenheilkd 157:843–873
Glaser JS, Savino PJ, Sumers KD, McDonald SA, Knighton RW (1977) The photostress recovery test in the clinical assessment of visual function. Am J Ophthalmol 83:255–260
Krastel H, Gertz J, Paul I, Klothmann T (1980) Beitrag der Sofortadaptation zur funktionellen Differenzierung zwischen Sehnervenund Netzhautschäden. Ber Dtsch Ophthamol Ges 77:379–385
Severin SL, Tour RL, Kershaw RH (1967) Macular function and the photostress test 1. Arch Ophthalmol 77:2–7
Severin SL, Tour RL, Kershaw RH (1967) Macular function and the photostress test 2. Arch Ophthalmol 77:163–167
„Pie in the sky“-Defekt |
P 323 |
„Pie in the sky“-Defekt
Ziel
Lokalisation einer Sehbahnschädigung infolge eines typischen Gesichtsfeldausfalls.
Problem
Gesichtsfeldausfälle beider Augen können auf die Lokalisation einer Sehbahnschädigung hinweisen.
Lösung und Alternativen
Die unteren Fasern der Sehbahn verlaufen nach dem Corpus geniculatum laterale um das Temporalhorn herum und bilden die Meyer’sche Schleife. Läsionen rufen obere Gesichtsfeldausfälle hervor.
Tumore des Temporallappens bewirken nicht selten eine inkongruente homonyme obere Quadrantenanopsie. Auch nach einer operativen Teilresektion des anterioren Anteils des Temporallappens wegen epileptischer Anfälle können typische Defekte im Gesichtsfeld auftreten. Es zeigt sich ein sektorförmiger Ausfall im oberen („sky“) temporalen Gesichtsfeldquadranten, aussehend wie ein herausgeschnittenes Kuchenstück („pie“) mit deutlicher Mittellinienbegrenzung bei einem nahezu vollständigen Quadrantenausfall des Partnerauges nasal oben. Typischerweise ist die vertikale Begrenzung scharfrandig, die horizontale Begrenzung jedoch eher etwas irregulär und flacher auslaufend. Die Ausfälle befinden sich stets auf der Gegenseite der Läsion.
Bei Temporallappenprozessen können aber auch kongruente homonyme obere Quadrantenausfälle beobachtet werden.
Die generelle Regel bezüglich der Gesichtsfeldausfälle durch retrochiasmale Prozesse lautet, dass homonyme Gesichtsfelddefekte der hinteren Sehbahn kongruenter sind als Ausfälle direkt hinter dem Chiasma.
324 P „Pie in the sky“-Defekt
Abb. 1
Inkongruenter Gesichtsfeldausfall nach oben („pie in the sky“)
Weiterführende Tipps
Hemianopsie, homonyme, Untersuchung „am Krankenbett“
Literatur
Walker AE, Walsh FB (1968) Visual disturbances in temporal lobectomized patients. In: Smith JL (ed) Neuro-ophthalmology, Symposium of the University of Miami and the Bascom Palmer Eye Institute. CV Mosby Company 4:230–248
Walsh FB, Hoyt WF (1969) Clinical Neuro-Ophthalmology. Williams & Wilkins Comp. Baltimore 3:2186
Pigmentepithelerkrankung mit gelegentlicher zerebraler Vaskulitis |
P 325 |
Pigmentepithelerkrankung mit gelegentlicher zerebraler Vaskulitis: Die akute posteriore multifokale plakoide Pigmentepitheliopathie (APMPPE)
Ziel
Frühzeitige augenärztliche Diagnose und Beachtung neurologischer Symptome.
Problem
Eine akute Sehminderung mit einem Zentralskotom kann bei jungen Menschen, gelegentlich mit begleitender Iritis auftreten. Ein Infekt kann vorausgegangen sein.
Lösung und Alternativen
Der Fundus weist zahlreiche flache, gelb-weiße Läsionen in Höhe des retinalen Pigmentepithels und der Chorioidea vorwiegend im Bereich des hinteren Pols auf. Eine Papillitis kann zusätzlich vorhanden sein. Im weiteren Verlauf finden sich unregelmäßig fleckige dunkel-pigmentierte sowie rundliche, manchmal gezackte hypopigmentierte Areale, die sich im Fluoreszenzangiogramm als ausgedehnte Defekte des retinalen Pigmentepithels zeigen. Allerdings können deutliche Gesichtsfeldausfälle vorhanden sein. Nach mehreren Wochen oder Monaten bessert sich häufig der Befund. Eine primäre Läsion der Choriocapillaris wird vermutet.
Die APMPPE ist eine selbstlimitierte, wahrscheinlich vaskuläre Erkrankung der präkapillären Arteriolen der Chorioidea mit sekundärer ischämischer Schwellung der darüberliegenden Pigmentepithelzellen.
Neurologische Symptome bzw. Ausfallerscheinungen zeitgleich mit den okulären Veränderungen sind mehrfach beschrieben worden, insbe-
326 P Pigmentepithelerkrankung mit gelegentlicher zerebraler Vaskulitis
sondere eine zerebrale Vaskulitis. APMPPE-artige Fundusveränderungen einer jungen Frau wurden auch bei einer tödlich verlaufenden subakuten sklerosierenden Panenzephalitis beschrieben.
Abb. 1
Akute posteriore multifokale plakoide Pigmentepitheliopathie (APMPPE) (aus Grehn 2008)
Weiterführende Tipps
AIDS, opportunistische Infektionen; Neovaskularisation, juxtafoveale chorioidale; Neuroretinitis bei Katzenkratzkrankheit; Toxoplasmose der Retina-Chorioidea
Literatur
Althaus C, Unsöld R, Sundmacher R (1992) Zerebrale Komplikationen bei akuter posteriorer
multifokaler plakoider Pigmentepitheliopathie (APMPPE), 90. Zusammenkft Dtsch Oph-
thalmol Ges Mannheim
