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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Tipps und Tricks fur den Augenarzt Problemlosungen von A bis Z_Schmidt_2008

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Hydrophthalmus (kongenitales Glaukom)

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Praktisches Vorgehen bei Druckmessung

Zur Augendruck-Messung wird vor allem die Ketanest-Kurznarkose empfohlen. Die Augendruck-Messung sollte so schnell wie möglich erfolgen, also dann, wenn die Narkose gerade zu wirken beginnt, da der Druck unter Ketanest in wenigen Minuten ansteigen kann, sodass ein falscher Wert ermittelt wird. (Eine Inhalationsnarkose sollte stets vermieden werden, da hierbei die Gefahr einer zu niedrigen Druckmessung besteht!)

Sporadisches oder hereditäres Auftreten?

Ein primäres kongenitales Glaukom kann sporadisch auftreten oder es kann ein autosomal-rezessiver Erbgang vorliegen. Die Genorte hierfür wurden auf Chromosom 2(2p21) und Chromosom 1(1p36) festgestellt. Der Genort einer Mutation für die autosomal-dominante Form des juvenilen Offenwinkelglaukoms wurde auf Chromosom 1(1q23-q25) nachgewiesen.

Allgemeinkrankheiten mit kindlichem Glaukom

Kinder mit einem Glaukom infolge einer kongenitalen Anomalie können eine Iridokorneale Dysgenesie (Goniodysgenesie, Axenfeld-Rieger-Syn- drom, Rieger-Anomalie) aufweisen. Auch bei einer Aniridie, einem Stur- ge-Weber-Syndrom, einem uvealen Kolobom, einer Neurofibromatose und beim Larsen-Syndrom kann eine Druckerhöhung vorliegen.

Bei chronischer Uveitis im Kindesalter ist auch mit einem Sekundärglaukom zu rechnen.

Weiterführende Tipps

Buphthalmus bei einem Rankenneurinom (plexiformes Neurinom) des Oberlids; Megalokornea (Glaukom im Säuglingsund Kleinkindalter)

208 H Hydrophthalmus (kongenitales Glaukom)

Literatur

Azuma I (1984) Ein Bericht zum kongenitalen Glaukom. Klin Monatsbl Augenheilkd 184:287– 289

Beck AD (2001) Diagnosis and management of pediatric glaucoma. Ophthalmol Clin North Am 14:501–512

Draeger J, Wirt H (1988) Klassifizierung und Therapie des Glaukoms im Kindesalter. Fortschr Ophthalmol 85:63–69

Fingert JH, Stone EM, Sheffield VC, Alward WLM (2002) Myocilin glaucoma. Surv Ophthalmol 47:547–561

Lütjen-Drecoll E, Draeger J, Rohen W (1972) Histopathologische Untersuchungen über die strukturellen Veränderungen in der Kammerwinkelregion nach mikrochirurgischen Glaukomoperationen. Klin Monatsbl Augenheilkd 160:281–292

Müller-Jensen K (1964) Einfluß der Allgemeinnarkose auf den Augeninnendruck. Fragwürdigkeit der Tonometrie in Narkose beim Hydrophthalmus. Klin Monatsbl Augenheilkd 145:526–534

Hypopyon, Früherkennung mit Glyzerintropfen

H 209

Hypopyon, Früherkennung mit Glyzerintropfen

Ziel

Früherkennung eines Hypopyons bei trüber Hornhaut.

Problem

Ein beginnendes Hypopyon ist bei Trübungen der unteren peripheren Hornhaut schlecht oder gar nicht zu erkennen.

Lösung und Alternativen

Ein Tropfen Glyzerin bei der Spaltlampenuntersuchung bewirkt einen klareren Einblick in die vordere Augenkammer, sodass ein beginnendes Hypopyon sichtbar werden kann, beispielsweise bei Verdacht auf eine beginnende Endophthalmitis. Dabei empfiehlt es sich, einen leichten Druck mit einem Glasstäbchen auf den Bulbus unterhalb des Limbus zur besseren Beurteilung der unteren Vorderkammerbereiche auszuüben.

Bei Verdacht auf ein gering ausgeprägtes Hypopyon bei Trübung des unteren Hornhautbereichs wird der Patient gebeten, sich längere Zeit auf eine Seite zu legen. Bei der anschließenden Kontrolluntersuchung an der Spaltlampe ist dann das seitlich verlagerte Hypopyon erkennbar.

Bei einem Hypopyon wird unterschieden zwischen einer Pyramidenform bei mykotischer Keratitis und einer horizontalen Begrenzung bei einer bakteriellen Keratitis.

Weiterführende Tipps

„Pseudohypopyon“ bei einem Retinoblastom

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Indirektes Trauma als Ursache einer Amotio?

Indirektes Trauma als Ursache einer Amotio?

Ziel

Klärung des Zusammenhangs zwischen indirektem Trauma und Netzhautablösung.

Problem

Bei einem indirekten Trauma ist die Frage nach dem Kausalzusammenhang einer Netzhautablösung nach einem Unfall manchmal schwierig zu beantworten. Ein indirektes Trauma kann ein Auge mit vorgeschädigter, degenerativer Netzhaut und beginnender Lochbildung treffen oder einen bereits beginnenden Netzhautablösungsprozess beschleunigen.

Lösung und Alternativen

Die Frage der Entstehung einer Netzhautablösung durch ein indirektes Trauma, beispielsweise durch eine Schädelprellung wird immer wieder erneut aufgeworfen und in Gutachten im Allgemeinen nicht anerkannt, denn die Forderung ist stets, ob der Schaden auch ohne ein Trauma zur selben Zeit entstanden sein könnte.

In mehreren Berichten der Literatur wurde hervorgehoben, dass unter zahlreichen schädelverletzten Patienten (Commotio cerebri, Contusio cerebri, Schädelbasisfraktur, Impressionsfraktur) fast nie eine indirekt entstandene Netzhautablösung festgestellt worden war.

Es ist zu betonten, dass eine primäre Disposition zur Amotio vorgelegen haben muss, sonst ist es kaum vorstellbar, dass durch ein indirektes Trauma die Amotio entstanden sein könnte.

Eine schwere körperliche Anstrengung kann nicht als Ursache von Netzhautablösungen gewertet werden.

In der Literatur werden Beispiele mit einseitigem Trauma und Amotio retinae angeführt, bei denen nach gewisser Zeit sich eine Netzhautablösung

Indirektes Trauma als Ursache einer Amotio?

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auch am Partnerauge entwickelt hat, sodass dann ein Zusammenhang der retinalen Schädigung nicht mehr als Unfallfolge gelten kann. Eine primär vorhandene Netzhautdegeneration ist in dieser Situation anzunehmen.

Weiterführende Tipps

Amotio retinae (Wo ist das Netzhautloch zu finden?); Makulaloch; Netzhautblutungen nach vorausgegangener Strahlenbehandlung;Orbitadachverletzung (ein möglicher neurochirurgischer Notfall);Orbitahämatom, posttraumatisches

Literatur

Burggraf H, Burggraf A (1984) Grundlagen augenärztlicher Begutachtung in der Bundesrepublik Deutschland. G. Fischer Verlag, Stuttgart

Engelking E (1953) Über die rententechnische Beurteilung des Traumas für die Entstehung der

Amotio bei Myopia maligna. Ein Beitrag zum Problem der adäquaten und inadäquaten

Verursachung. Klin Monatsbl Augenheilkd 123:746–751

Gasteiger H (1969) Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit im Gutachten. Klin Monatsbl Augenheilkd 154:570–575

Hollwich F (1969) Der Unfall als Entstehungsursache von Netzhautablösungen. Klin Monatsbl Augenheilkd 154:582–590

Lisenhoff H, Plog G (1972) Über die Wahrscheinlichkeit des Zusammenhanges zwischen indirektem Trauma und Amotio retinae. Mod Probl Ophthalmol 10:474–478

Schmöger E, Hochmann H (1966) Beitrag zur Rolle des indirekten Traumas als Ursache einer Ablatio retinae. Klin Monatsbl Augenheilkd 148:433–438

Sachsenweger R (1969) Das indirekte Trauma als Ursache von Netzhautablösungen. Klin Monatsbl Augenheilkd 154:575–582

212 I

Intraokuläre und intrakranielle Blutungen

Intraokuläre und intrakranielle Blutungen bei einem„battered child syndrome“ durch Kindesmisshandlung

Ziel

Früherkennung einer Kindesmisshandlung.

Problem

Durch Kindesmisshandlung können schwere Augenschäden auftreten. Bei nichtbakteriell bedingter beidseitiger asymmetrischer, rezidivierender Keratokonjunktivitis der unteren Bindeund Hornhaut, insbesondere bei Blutungen ist an eine Kindesmisshandlung, insbesondere auch an ein Schütteltrauma („whiplash shaken child syndrome“) zu denken.

Lösung und Alternativen

Intraokuläre und intrakranielle Blutungen ohne äußere Zeichen einer Kopfverletzung können Folge eines Schütteltraumas sein. Eine Hirnschädigung kann auftreten, wenn ein junges Kind – meist aus Ungeduld, Ärger oder Wut eines Erwachsenen oder Jugendlichen, aber auch aus Angst und Verzweiflung angesichts Erstickungsgefahr, nachdem sich das Kind verschluckt hat – kräftig geschüttelt wird, sodass das Gehirn wiederholt an die Schädelinnenwand geschleudert wird. Retinale Blutungen können dem klinischen und radiologischen Nachweis eines subduralen Hämatoms vorausgehen.

Ein Schädel-CT ist bei unklaren Augenbefunden, insbesondere bei nicht geklärten retinalen Blutungen erforderlich. Ein initiales CT kann auch einen unauffälligen Befund ergeben. Bei weiterhin bestehender Unklarheit rezidivierend auftretender Augenschäden müssen wiederholte CT angefertigt werden.

Intraokuläre und intrakranielle Blutungen

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Eine Keratokonjunktivitis der unteren Bindeund Hornhaut wird dadurch erklärt, dass infolge des Bell’schen Phänomens bei Augenschluss der obere Anteil des Bulbus stärker geschützt wird als der untere Augenbe-

reich.

Typische Allgemeinsymptome des „battered child syndrome“ sind Lethargie, Erbrechen, Reizbarkeit. Betroffene Kinder können sich in einem weinerlichen Zustand mit reduziertem Allgemeinzustand befinden. Es ist stets erforderlich, nach Frakturen und Hämatomen zu suchen.

Abb. 1

Befund nach 10 Monaten: Leukokorie, beidseitige totale Ablatio (aus Grote 2002)

Weiterführende Tipps

Amblyopie bei Kleinkindern und älteren Kindern; Bakterielle Entzündungen des vorderen Augenabschnitts; Bewusstloser Patient, Prüfung der reflexbedingten Augenbewegungen am Krankenbett; Bildgebende Verfahren, Befunde, Gefahr der Fehlleitung; Orbitahämatom, posttraumatisches

214 I

Intraokuläre und intrakranielle Blutungen

Literatur

Giangiacomo J, Khan JA, Levine C, Thompson VM (1988) Sequential cranial computed tomography in infants with retinal hemorrhages. Ophthalmology 95:295–299

Grote A (2002) Traktionsablatio, Optikusatrophie, apallisches Syndrom nach Schütteltrauma bei einem Säugling. Ophthalmologe 99:295–298

Harder B, Hennerici MG, Jonas JB (2007) Retinaler Zentralvenenkollapsdruck in der Diagnostik der idiopathischen intrakraniellen Hypertension. Klin Monatsbl Augenheilkd 224:852–855

Kiffney GT (1964) The eye of the „battered child“. Arch Ophthalmol 72:231–233

Ong T, Hodgkins P, Marsh C, Taylor D (2005) Blinding keratoconjunctivitis and child abuse. Am J Ophthalmol 139:190–191

Rohrbach JM, Szurman P, Bartz-Schmidt KU (2004) Augenverletzungen im Kindesund Jugendalter. Klin Monatsbl Augenheilkd 221:636–645

Kantenfilter

K 215

Kantenfilter

Ziel

Verbesserung der Bildqualität bei Sehbehinderten.

Problem

Bei deutlicher Sehbehinderung ist jede optische Verbesserung der Bildqualität anzustreben.

Lösung und Alternativen

Kantenfilter reduzieren das blaue Streulicht und führen zu einer Kontrastverstärkung. Es handelt sich um Brillengläser mit selektiver Reduktion des kurzwelligen Lichts. In ihren Transmissionseigenschaften zeigen sie eine relativ scharfe Grenze („Kante“) zwischen dem gesperrten blauen Licht und den übrigen durchgehenden Strahlen unterschiedlicher Wellenlängen. Kantenfilter werden deshalb auch Blau-Blocker genannt. Je größer der gefilterte blaue Anteil am Gesamtspektrum desto auffälliger gelb oder rot sehen die Gläser aus.

Der subjektive Gewinn an Kontrastsehvermögen durch Kantenfilter konnte für niedrige Ortsfrequenzen bei Patienten mit Retinopathia pigmentosa nachgewiesen werden. Kantenfilter werden individuell angepasst, denn eine feste Zuordnung der Absorptionskante (z. B. 511 nm) zu bestimmten Krankheitsbildern (z. B. Makuladegeneration) hat sich nicht bewährt. Eine Reihe von Patienten empfindet das Sehen mit Kantenfiltergläsern als sehr angenehm.

Kantenfilter können bei verschiedenen Netzhautdegenerationen eine Verbesserung der Kontrastwahrnehmung bewirken und damit das Sehvermögen verbessern. Bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zeigte sich jedoch, dass Kantenfilter zu keiner Sehverbesserung führen.

Der Einfluss von Rotgläsern bei Retinopathia pigmentosa ist fraglich. Der Effekt von Rotgläsern bei Patienten mit Retinopathia pigmentosa und

216 K Kantenfilter

bei Normalpersonen wurde in einer Studie geprüft. Dabei zeigte sich, dass Rotgläser in der Regel keine wirkliche Verbesserung des Sehvermögens bewirkten, dass aber andererseits – abgesehen von einer schlechteren Farbdiskriminierung – auch kein Nachteil durch Farbgläser zu erwarten ist.

Abb. 1

Kantenfiltergläser mit unterschiedlichen Absorptionskanten (Fa. Multilens) (aus Grein 2002)

Weiterführende Tipps

Brechungsanomalie bei Albinismus; Sehhilfen, vergrößernde; Spiegelbrille

Literatur

Grein HJ (2002) Low-vision – Versorgung Sehbehinderter mit vergrößernden Sehhilfen. Anpassung und Verordnung. Ophthalmologe 99:884–900

Rohrschneider K, Stritzke M, Ziese D, Bayer Y (2002) Einfluß von Kantenfiltern auf die Lesefähigkeit bei altersbedingter Makuladegeneration. 100. Tagung Dtsch Ophthalmol Ges 26.–29.9.2002, Berlin. Ophthalmologe 99:210

Van den Berg TJTP (1990) Red glasses and visual function in retinitis pigmentosa. Doc Ophthalmol 73:255–274

Wetzel C, Auffarth GU, Krastel H, Blankenagel A, Alexandridis E (1996) Verbesserung der Kontrastempfindlichkeit durch Kantenfilter bei hoher Adaptationsleuchtdichte bei Retinitis pigmentosa. Ophthalmologe 93:456–462