Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Tipps und Tricks fur den Augenarzt Problemlosungen von A bis Z_Schmidt_2008
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184 H Hämodilution, isovolämische
Weiterführende Tipps
Anti-Phospholipid-Syndrom mit serologischen Markern (Gefäßverschluss als Notfall)
Literatur
Gallasch G (1987) Rebound-Effekte nach isovolämischer Hämodilution venöser Gefäßverschlüsse und deren Verhütung. Fortschr Ophthalmol 84:367–368
Hansen LL, Wiek J, Arntz R (1988) Randomisierte Studie zur Wirksamkeit der isovolämischen Hämodilution bei retinalen Venenastverschlüssen. Fortschr Ophthalmol 85:514–516 Mehdorn E, Laqua H (1990) Durchblutungsstörungen der Netzhaut und des Sehnerven. Fort-
schr Ophthalmol 87:70–81
Schmidt D (1996) The Incomplete Central Retinal Artery Occlusion (ICRAO). Visual Recovery with Conservative Therapy. Neuroophthalmolgy 16:171–182
Wolf S, Arend O, Bertram B, Schulte K, Kaufhold F, Teping C, Reim M (1991) Hämodilution bei Patienten mit Zentralvenenthrombose der Retina. Eine plazebokontrollierte randomisierte Studie. Fortschr Ophthalmol 88:35–43
Hemianopsie, bilaterale homonyme |
H 185 |
Hemianopsie, bilaterale homonyme
Ziel
Frühzeitiger Nachweis eines zerebralen Infarkts.
Problem
Eine bilaterale (oder auch einseitige) homonyme Hemianopsie wird am häufigsten durch Infarkte des Okzipitalhirns hervorgerufen. Derartige Infarkte werden gelegentlich zu spät erkannt, insbesondere wenn ein Anton-Syn- drom vorliegt und keine zusätzlichen neurologischen Defizite auftreten.
Lösung und Alternativen
Eine bilaterale homonyme Hemianopsie ist charakterisiert durch ähnlich ausgeprägte Gesichtsfeldausfälle auf korrespondierender Seite der vertikalen Mittellinie jedes Auges, beispielsweise eine vollständige homonyme Hemianopsie nach rechts und eine obere Quadrantenanopsie nach links bei erhaltenem unteren Gesichtsfeldquadranten und regelrechter Sehschärfe beider Augen. Die Pupillenreaktionen auf Licht sind dabei erhalten. Der Fundus weist regelrechte Papillen auf.
Eine homonyme Hemianopsie kann auch infolge eines erhöhten intrakraniellen Hirndrucks durch ein subdurales Hämatom, außerdem (selten) auch durch einen Migräneanfall beobachtet werden.
Bei ausgedehnter okzipitaler Schädigung tritt eine kortikale Blindheit auf, beispielsweise im Rahmen einer Enzephalitis, einer degenerativen Erkrankung, nach zerebraler Hypoxie nach einem Herzstillstand oder bei progressiver multifokaler Leukenzephalopathie.
186 H Hemianopsie, bilaterale homonyme
Abb. 1
Schematischer Sehbahnfaserverlauf im Bereich des Chiasma opticum mit zugehörigen typischen Skotomkonfigurationen im 30°-Gesichtsfeldbereich nebst prozentualen Häufigkeitsverteilungen, bezogen auf die Gesamtzahl von 153 Patienten (aus Schiefer et al. 2005)
Abb. 2
Bilaterale homonyme Hemianopsie (Gesichtsfeldgrenzen links unten mit den Prüfmarken I/4 und III/4)
Hemianopsie, bilaterale homonyme |
H 187 |
Weiterführende Tipps
Gesichtsfeldprüfung, orientierende, Untersuchung „am Krankenbett“;
Gesichtsfelduntersuchung bei einoder beidseitigen Sehstörungen;
Hemianopsie,homonyme,Untersuchung„amKrankenbett“; Intraokuläre und intrakranielle Blutungen bei „battered child syndrome“ durch Kindesmisshandlung; Schachbrett-Gesichtsfeld
Literatur
Eibl KH, Neubauer AS, Kampik A, Ulbig MW (2004) Inkomplette, inkongruente homonyme Hemianopsie nach rechts im Rahmen einer multiplen Sklerose. Ophthalmologe 101:294– 296
Förster O (1890) Über Rindenblindheit. Graefes Arch Ophthalmol 36:94–108
Hoyt WF, Walsh FB (1958) Cortical blindness with partial recovery following acute cerebral anoxia from cardiac arrest. Arch Ophthalmol 60:1061–1069
Nepple EW, Appen RE, Sackett JF (1978) Bilateral homonymous hemianopia. Am J Ophthalmol
86:536–543
Schiefer U, Pätzold J, Dannheim (2005) Konventionelle Perimetrie, Teil I: Einführung – Grundbegriffe. Ophthalmologe102:627–646
Schmidt D, Noetzel H, Mühlhäuser J (1977) Okzipitale Erblindung bei der juvenilen, spongiösen, glioneuralen Dystrophie. Klin Monatsbl Augenheilkd 171:520–525
188 H Hemianopsie, homonyme (Untersuchung„am Krankenbett“)
Hemianopsie, homonyme (Untersuchung „am Krankenbett“)
Ziel
Frühzeitiges Erkennen eines Gesichtsfeldausfalls (ohne Perimeter) mit Hinweis auf eine zerebrale Läsion.
Problem
Eine Gesichtsfelduntersuchung am Perimeter ist nicht bei jedem Patienten durchführbar, insbesondere, wenn ein Patient nach einem Schlaganfall an das Bett gebunden ist. In solchen Situationen sollte der Arzt versuchen, wenigstens einen groben Gesichtsfeldausfall mit einer einfachen Untersuchungsmethode nachzuweisen. Eine vom Patienten nicht selbst wahrgenommene Hemianopsie (Anton-Syndrom) kann bei stummen Okzipitalinfarkten auftreten.
Lösung und Alternativen
Test der Farbentsättigung
Der Patient wird aufgefordert, einen Punkt zu fixieren, der auf einem hellen Papier eingezeichnet wurde. Der Papierabstand zum Patienten beträgt beispielsweise 1 m. Anschließend werden zwei Gegenstände gleicher Farbe, zwei rote Verschlusskappen von Tropffläschchen im Abstand von etwa 2–3 cm jeweils rechts und links vom Fixierpunkt vor das Papier gehalten. Im Falle eines einseitigen Gesichtsfeldausfalls wird der Patient unter stetem Blick auf den Fixierpunkt auf der Seite des Ausfalls die Verschlusskappe grau, „schmutziger“ oder evtl. auch heller sehen, im erhaltenen Gesichtsfeldbereich nimmt er die rote Farbe hingegen wahr. Der Test sollte monokular und binokular durchgeführt werden.
Hemianopsie, homonyme (Untersuchung„am Krankenbett“) |
H 189 |
Bei homonymen Ausfällen, beispielsweise nach links, berichten Patienten nicht selten, nur mit einem Auge schlechter sehen zu können. Es ist ihnen nicht bewusst geworden, dass in Wirklichkeit beide Augen von dem Gesichtsfeldausfall der linken Seite betroffen sind. Dem Patienten sollte seine Fehleinschätzung verdeutlicht werden, indem er aufgefordert wird, beim Fixieren eines Gegenstands abwechselnd jeweils ein Auge mit der Hand abzudecken.
Patienten mit einer homonymen Hemianopsie sind sich manchmal ihres Ausfalls nicht bewusst, sodass erst bei einer Routineuntersuchung die Sehstörung erkannt oder vielleicht nach einem Verkehrsunfall (beispielsweise beim Rückwärts-Einparken des PKWs) der Gesichtsfeldausfall bemerkt wird.
Weiterführende Tipps
Hemianopsie, bilaterale homonyme; Hemianopsie, inferiore; Hemineglekt, Unterscheidung von homonymer Hemianopsie, Untersuchung „am Krankenbett“
Literatur
Burde RM, Savino PJ, Trobe JD (1989) Neuroophthalmologie. Symptome-Diagnose-Therapie. Kohlhammer, Stuttgart
Papageorgiou E, Hardiess G, Schaeffel F, Wiethoelter H, Karnath HO, Mallot H, Schoenfisch B, Schiefer U (2007) Assessment of vision-related quality of life in patients with homonymous visual field defects. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol 245:1749–1758
190 H Hemianopsie, inferiore
Hemianopsie, inferiore
Ziel
Frühdiagnose aufgrund internistischer Befunde, aber auch mit bildgebenden Verfahren, erforderlich.
Problem
Ein Patient mittleren Alters bemerkte einen plötzlichen unteren Gesichtsfeldausfall eines Auges. Da er mit dem Partnerauge schon immer schlecht gesehen hatte, konnte er nun kaum mehr lesen.
Lösung und Alternativen
Der Patient wies eine Hemianopsia inferior seines einzig sehenden Auges infolge einer anterioren ischämischen Optikusneuropathie (AION) auf. Eine AION führt vor allem zunächst zu einem Ausfall des nasal unteren Quadranten, nicht selten aber zum vollständigen Ausfall des inferioren Gesichtsfelds. Ursache ist meistens eine Arteriosklerose bei entsprechenden Risikofaktoren wie beispielsweise Hypertonie, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Hyperurikämie. Auch eine superiore Hemianopsie (seltener) kann akut bei einer AION entstehen. Sicher zu stellen sind stets entzündliche Gefäßerkrankungen wie eine Arteriitis cranialis oder medikamentöse Ursachen.
Ein vollständiger Gesichtsfeldausfall nach unten an beiden Augen wurde auch bei einem Tuberculum-sellae-Meningeom beobachtet. Es ist deshalb erforderlich, wenn keine typischen Papillenveränderungen einer AION vorhanden sind, stets ein Schädel-CT oder ein MRT zu veranlassen.
Bei einer altitudinalen inferioren Hemianopsie kann bereits die Lesehaltung des Patienten auffallen, der den Text hoch hält.
Hemianopsie, inferiore |
H 191 |
Weiterführende Tipps
Anti-Phospholipid-Syndrom mit serologischen Markern; Hemianopsie, homonyme (Untersuchung „am Krankenbett“); Optikusneuropathie, anteriore ischämische (AION) bei einer Amiodaronbehandlung
Literatur
Enoksson P (1965) Perimetry in neuro-ophthalmological diagnosis. Acta Ophthalmol (Suppl) 82:28–29
Mildenberger I, Lagrèze W, Schiefer U (2006) Nervenfaserverlaufsausfälle bei prächiasmaler Läsion. Klin Monatsbl Augenheilkd 223:146–149
Schmidt D, Bührmann K (1977) Inferior Hemianopia in Parasellar and Pituitary Tumours. In: Glaser JS (ed) Neuro-Ophthalmology. Neuro-Ophthalmology-Symposion Meeting in Miami/Florida, USA, 04.–07.01.1977. CV. Mosby Comp. St. Louis, pp 236–247
Schmidt D (1989) Opticus-Sehbahn im Alter. In: Platt Handbuch der Gerontologie, Augenheilkunde. G. Fischer, Stuttgart, pp 226-260
Walsh FB, Hpyt WF (1969) Clinical Neuro-ophthalmology, edn. 3, The Williams & Wilkins Comp 3, p 2287
192 H Hemianopsie, monokulare temporale
Hemianopsie, monokulare temporale
Ziel
Ausschluss eines chiasmanahen Tumors.
Problem
Eine einseitige temporale Hemianopsie mit Mittellinienbegrenzung des Ausfalls kann bei ungenauer Gesichtsfelduntersuchung des Partnerauges dazu führen, dass ein chiasmanaher Tumor übersehen wird. Bei jedem einseitigen mittellinienbetonten Gesichtsfeldausfall ist vor allem eine Untersuchung des peripheren oberen Gesichtsfeldquadranten des Partnerauges erforderlich.
Lösung und Alternativen
Es gibt aber auch Situationen mit einseitiger Optikuskompression ohne Läsion der sich kreuzenden Nervenfasern des Partnerauges. Derartige rein einseitige temporale Gesichtsfeldausfälle wurden bei Hypophysenadenomen, Tuberculum-sellae-Meningeomen, Kraniopharyngeomen oder Atrozytomen beschrieben. Ein prächiasmaler Prozess durch Optikuskompression ist selten anzutreffen.
Eine einseitige temporale Hemianopsie mit Mittellinienbegrenzung wurde auch ohne chiasmanahen Tumor beschrieben, wenn eine einseitige angeborene Papillenanomalie mit Hypoplasie und nasaler Agenesie der Nervenfasern des N. opticus, beispielsweise bei fehlendem Septum pellucidum eines De-Morsier-Syndroms besteht. Hierzu ist eine zerebrale MRT Untersuchung erforderlich.
Beim De-Morsier-Syndrom (Septo-optic dysplasia) wurde auch eine doppelseitige bitemporale Hemianopsie zusammen mit einer beidseitigen Hypoplasie des Sehnervs beobachtet.
Hemianopsie, monokulare temporale |
H 193 |
Weiterführende Tipps
Diplopie bei Tumoren des Chiasmabereichs; Pupillen-Wechselbe- lichtungstest („swinging flashlight test“); Refraktionsskotom
Literatur
Hershenfeld SA, Sharpe JA (1993) Monocular temporal hemianopia. Br J Ophthalmol 77:424– 427
Rush JA, Bajandas FJ (1978) Septo-optic dysplasia (de Morsier syndrome). Am J Ophthalmol 86:202–205
Smolyar A, Eggenberger ER, Kaufman DI (2005) Monocular temporal hemianopia associated with optic nerve hypoplasia. Arch Ophthalmol 123:1155
