Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Tipps und Tricks fur den Augenarzt Problemlosungen von A bis Z_Schmidt_2008
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154 E Erblindung, okzipitale
Zerebrale Achromatopsie
Hierbei wurden Gesichtsfeldausfälle der oberen Quadranten gefunden, die bilateralen Läsionen des unteren striären Kortex entsprechen. Patienten mit einer Hemi-Achromatopsie weisen häufig eine Läsion der rechten Hemisphäre mit entsprechendem Ausfall des Farbensehens im linken Gesichtsfeld auf.
Eine rasch zunehmende Sehminderung beider Augen eines älteren Menschen mit homonymer Hemianopsie und schließlich vollständiger Blindheit kann als Folge von Metastasen beispielsweise eines Bronchialkarzinoms, aber auch durch vaskuläre Prozesse der A. cerebri posterior auftreten.
Weiterführende Tipps
Achromatopsie und Prosopagnosie; Bildgebende Verfahren, Befunde, Gefahr der Fehlleitung; Diskonnektions-Syndrom am Beispiel einer Alexie ohne Agraphie; Ophthalmoskopie zur Nystagmusbeurteilung, Untersuchung „am Krankenbett“; Schachbrett-Gesichtsfeld; Spiegelraumbewegungen (Rieken); Temporaler Halbmond
Literatur
Leuenberger AE, Jeker J (1979) Computertomographiebefunde bei doppelseitiger Amaurose. Klin Mbl Augenheilk 174:865–869
Orbán T, Födö V (1966) Rindenblindheit infolge beiderseitiger Metastase im Okzipitalpol. Klin Monatsbl Augenheilkd 148:700–704
Rüegg S, Engelter S, Jeanneret C, Hetzel A, Probst A, Steck AJ, Lyrer P (2003) Bilateral vertebral artery occlusion resulting from giant cell arteritis. Report of 3 cases and review of the literature. Medicine 82:1–12
Schmidt D, Noetzel H, Mühlhäuser J (1977) Okzipitale Erblindung bei der juvenilen, spongi-
ösen, glioneuralen Dystrophie. Klin Monatsbl Augenheilkd 171:520–525
Schmidt D (1989) Opticus-Sehbahn im Alter. In: Platt: Handbuch der Gerontologie, Bd. 3,
Augenheilkunde. G. Fischer, Stuttgart, New York, S 226–260
Thystrup J, Knudsen GM, Mogensen AM, Fledelius HC (1994) Atypical visual loss in giant cell arteritis. Acta Ophthalmol 72:759–764
Fixationsflucht |
F 155 |
Fixationsflucht
Ziel
Frühes Erkennen und Beurteilung der unruhigen Augenbewegungen.
Problem
Kinder mit zerebralen Schäden, Epilepsie oder einem Strabismus zeigten eine Photophobie und unruhige Augenbewegungen mit seitlichem Abschweifen der Bulbi. Eine Mutter berichtete: „Die Augen laufen dem Kind beständig davon.“
Lösung und Alternativen
Die Untersuchung ergab, dass bei einigen Kindern die Augen extrem nach unten gerichtet waren, wie beim Phänomen der „untergehenden Sonne“. Es bestand außerdem eine Kopfschiefhaltung. Bei heller Beleuchtung fixierte das Kind nicht, jedoch waren im abgedunkelten Raum die abnormen Augenbewegungen weniger stark ausgeprägt. Die Prüfung des Fixationsverhaltens bei der ophthalmoskopischen Untersuchung ergab fehlendes zentrales Fixieren.
Mehrere Kinder waren Frühgeborene. Es ist anzunehmen, dass die zerebralen Schäden, die bei allen Kindern nachgewiesen wurden, zu den Augenbewegungsstörungen sowie zur Kopfschiefhaltung geführt hatten.
Da keine Trübungen der brechenden Medien vorhanden waren, könnte die Photophobie zusätzlich auch durch die medikamentöse antiepileptische Behandlung der Kinder zu erklären sein.
156 F Fixationsflucht
Weiterführende Tipps
Amblyopie bei Kleinkindern und älteren Kindern; Nystagmus, kongenitaler, mit Kopfzwangshaltung; Strabismus, akuter; Tremor des Kopfs bei Spasmus nutans
Literatur
Aring E, Grönlund MA, Hellström A, Ygge J (2007) Visual fixation development in children. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol 245:1659–1665
Lang J (1978) Fixationsflucht, Photophobie und Strabismus. In: Kommerell G (Hrsg) Augenbewegungsstörungen. Neurophysiologie und Klinik. Symposium der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (15.–17.4.1977). Bergmann Verlag München, S 307––310
„Football“-Pupille (ovale Pupille) |
F 157 |
„Football“-Pupille (ovale Pupille)
Ziel
Frühzeitige Untersuchung und stetige Überwachung der Pupillenreaktionen nach einem Schädel-Hirntrauma“.
Problem
Nach einem Verkehrsunfall wird bei einem bewusstlosen Patienten eine einseitig erweiterte, entrundete ovale Pupille (in der amerikanischen Literatur auch als„Football“-Pupille bezeichnet) festgestellt.
Lösung und Alternativen
Eine einseitige ovale Pupille ist nach einem Schädelhirntrauma eines der wichtigsten Zeichen eines epioder subduralen Hämatoms. Die Lichtreaktion der Pupille ist reduziert oder aufgehoben. Unbehandelt ist die Prognose quoad vitam sehr schlecht, denn eine erweiterte Pupille deutet auf einen zunehmenden intrakraniellen Druck hin. Die Pupille des Partnerauges kann sich auch innerhalb kurzer Zeit erweitern und in diesem Finalstadium reaktionslos werden. Die Beobachtung der Pupillen in regelmäßigen kurzen Abständen nach einem Schädelhirntrauma ist stets erforderlich. Es gilt als Kunstfehler, die Pupille eines Patienten nach einem Schädelhirntrauma medikamentös zu erweitern.
Es kann sich um ein subdurales Hämatom handeln, das den N. oculomotorius an der Clivuskante („Clivuskanten-Syndrom“) bzw. am Tentoriumschlitz komprimiert.
Eine umgehende Abklärung durch ein Schädel-CT ist erforderlich, damit durch den Neurochirurgen die Indikation zur Entlastungsoperation gestellt werden kann.
Auch nach hypertoniebedingter zerebraler Blutung, nach einem rupturierten sakkulären Aneurysma oder nach zerebralen Infarkten kann die Pupille oval verformt sein.
158 F „Football“-Pupille (ovale Pupille)
Abb. 1
Epidurales Hämatom mit Massenverschiebung: Der Gyrus cinguli wird zur Seite gedrängt. Neben dem Hirnstamm werden mediale Anteile des Schläfenlappens in die hintere Schädelgrube gepresst
(Mittelhirneinklemmung). Der Hirnstamm wird nach kaudal verschoben mit Verdrängung der Kleinhirntonsillen in das Foramen magnum
Weiterführende Tipps
Indirektes Trauma als Ursache einer Amotio?; Papillenschwellung;
Skew-Deviation
Literatur
Burde RM, Savino PJ, Trobe JD (1989) Neuro-ophthalmologie. Symptome-Diagnose-Therapie. Kohlhammer, Stuttgart
Fisher CM (1980) Oval pupils. Arch Neurol 37:502–503
Schiefer W (1979) Die Klinik des epiduralen Hämatoms. Nervenarzt 50:69–73
Frühgeborenenretinopathie (Retinopathia praematurorum) |
F 159 |
Frühgeborenenretinopathie (Retinopathia praematurorum)
Ziel
Zeitplan für die Ophthalmoskopie der Frühgeborenen.
Problem
Manchmal besteht die Intention, Frühgeborene zu früh, also in den ersten Lebenstagen und -wochen, zu untersuchen, zu einem Zeitpunkt, an dem noch gar keine Fundusveränderungen zu erwarten sind. Bei sehr unreifen Frühgeborenen erschweren Glaskörpertrübungen, die Tunica vasculosa lentis und eine ungenügende Pupillendilatierbarkeit den Funduseinblick.
Lösung und Alternativen
Erst ab der 30. Schwangerschaftswoche (SSW) ist die Pupille in der Regel ausreichend frei für eine ungehinderte indirekte Ophthalmoskopie der Netzhautperipherie.
Die erste augenärztliche Untersuchung sollte in der sechsten postnatalen Woche (Lebenstag 36–42) erfolgen, aber nicht vor einem postmenstruellen Alter von 31 Wochen. Kinder mit einer Schwangerschaftsdauer von mindestens 27 vollen Wochen sollten nach Vollendung der vierten Lebenswoche (in der fünften Lebenswoche) erstmalig untersucht werden.
Die Frühgeborenenretinopathie tritt bei Kindern unter 1500 g Geburtsgewicht (30 Gestationswochen) auf. Der Anteil der Frühgeborenen unter 1000 g Geburtsgewicht liegt bei 0,5 % aller lebend geborenen Säuglinge.
Therapie
Die Laserkoagulation ist der Kryokoagulation bei einer Behandlung in der Zone I überlegen. Das Trauma mit den auftretenden Schmerzen ist bei der
160 F Frühgeborenenretinopathie (Retinopathia praematurorum)
Laserbehandlung geringer als bei einer Kältebehandlung. Außerdem muss die Konjunktiva bei einer Laserbehandlung – im Unterschied zur Kryotherapie – nicht operativ eröffnet werden. Da die Laserherde nicht konfluieren, kann ein peripheres Restgesichtsfeld erhalten bleiben.
Abb. 1
Zoneneinteilung gemäß Internationaler Klassifikation. Zone I: Die zentrale Netzhaut innerhalb eines Kreises um die Papille mit dem Radius des doppelten Abstandes von Papille zu Fovea. Zone II: Die mittelperiphere Netzhaut peripher von Zone I innerhalb eines Kreises mit dem Radius
des Abstandes von Papille zu nasaler Ora serrata. Zone III: Die periphere Netzhaut außerhalb von Zone II (aus Clemens et al. 1999)
Weiterführende Tipps
Amotio retinae; Laserpexie
Frühgeborenenretinopathie (Retinopathia praematurorum) |
F 161 |
Literatur
Chung EJ, Kim JH, Ahn HS, Koh HJ (2007) Combination of laser photocoagulation and intravitreal bevacizumab (Avastin R) for aggressive zone I retinopathy of prematurity. Graefes
Arch Clin Exp Ophthalmol 245:1727–1730
Clemens S, Eckardt C, Gerding H et al. (1999) Augenärztliche Screening-Untersuchung von Frühgeborenen. Ophthalmologe 96:257–263
Gerding H (2004) Neue Empfehlungen zum Frühgeborenen-Screening. Augenarzt 38:174 Jandeck C, Kellner U, Foerster MH (2000) Okuläre Veränderungen bei Frühgeborenen. Oph-
thalmologe 97:799–818
Koreen S, Lopez R, Kauffmann Jokl DH, Flynn JT, Chiang MF (2008) Variation in appearance of severe zone 1 retinoptahy of prematurity during wide-angle contact photography. Arch Ophthalmol 126:736–737
Reinolds JD, Dobson V, Quinn GE et al. (2002) Evidence-based screening criteria for retinopathy of prematurity. Arch Ophthalmol 120:1470–1476
Schmidt D (1989) Untersuchungen des Augenhintergrundes beim Neugeborenen. Pädiatr Praxis 39:713–714
162 G Gelb-orangefarbiges Pigment eines Aderhautnävus
Gelb-orangefarbiges Pigment eines Aderhautnävus
Ziel
Beurteilung und Überwachung von Aderhaut-Nävi.
Problem
Chorioidale Nävi gelten im Allgemeinen als asymptomatisch. Solange ihr Durchmesser weniger als 6 mm beträgt, besteht eine geringere Wahrscheinlichkeit einer Entartung als bei größeren Pigmentflecken. Die klinische Erfahrung zeigt, dass ein Aderhautnävus im Allgemeinen über viele Jahre unverändert bleibt. Aber die Tendenz zur malignen Entartung besteht. Manche Aderhautnävi weisen eine gelb-orange Färbung auf. Welche Bedeutung kommt dieser Färbung zu?
Lösung und Alternativen
Bei dem gelb-orangefarbigen Pigment handelt es sich um Lipofuscin. Langzeitbeobachtungen ergaben, dass die Gefahr einer malignen Melanomentstehung deutlich erhöht ist, wenn gelb-orangefarbiges Pigment vorhanden ist. (Kontrolle in regelmäßigen Abständen!)
Von kleinen chorioidalen Tumoren, die zunächst beobachtet wurden, vergrößerten sich 21 % nach zwei Jahren und 31 % nach fünf Jahren. Zu den fünf Risikofaktoren eines Aderhautnävus, ein malignes Melanom zu entwickeln, gehören Tumordicke von mehr als 2 mm, Kontakt des Tumors mit der Papille, Sehstörungen, orangefarbiges Pigment und subretinale Flüssigkeitsansammlung.
Als Regel gilt: Je dünner ein chorioidales Melanom ist, desto günstiger ist die Prognose. Die 5-Jahres Mortalitätsrate lag bei kleinen Aderhauttumoren (< 3 mm) bei 16 %, bei Tumoren mittlerer Größe (3–8 mm) bei 32 % und bei großen Tumoren (> 8 mm) bei 53 %.
Gelb-orangefarbiges Pigment eines Aderhautnävus |
G 163 |
Maligne Melanome des Auges können – wenn auch sehr selten – bereits im Kindesund Jugendalter auftreten.
Weiterführende Tipps
Glaskörperblutung unklarer Genese; Maskeradezeichen
Literatur
Collaborative ocular melanoma study group (1997) Factors predictive of growth and treatment of small choroidal melanoma. Arch Ophthalmol 115:1537–1544
Elner VM, Flint A, Vine AK (2004) Histopathology of documented growth in small melanocytic choroidal tumors. Arch Ophthalmol 122:1876–1878
Fischer P, Müller-Jensen K, Frenzel H (2000) Peripapilläres Melanom. 10-Jahres-Beobachtung. Klin Monatsbl Augenheilkd 217:363–366
Font RL, Zimmerman LE, Armaly MF (1974) The nature of the orange pigment over a choroidal melanoma. Histochemical and electron microscopical observations. Arch Ophthalmol 91:359–362
Shields CL, Cater J, Shields JA, Singh AD, Santos MCM, Carvalho C (2000) Combination of clinical factors predictive of growth of small choroidal melanocytic tumors. Arch Ophthalmol 118:360–364
Shields CL (2005) To find small ocular melanoma: a mnemonic to identify choroidal melanoma in its early stages. In: Rapuano CJ (ed) The year book of ophthalmology, chapter 10: Ocular Oncology. Elsevier, Mosby, pp 267–272
Singh AD, Shields CL, Shields JA, Sato T (2000) Uveal melanoma in young patients. Arch Ophthalmol 118:918–923
Smith LT, Irvine AR (1973) Diagnostic significance of orange pigment accumulation over choroidal tumors. Am J Ophthalmol 76:212–216
