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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Tipps und Tricks fur den Augenarzt Problemlosungen von A bis Z_Schmidt_2008

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124 C Chorioiditis und Diplopie bei Borreliose

Bei den vielfältigen, zunächst uncharakteristischen entzündlichen Krankheitszeichen ist auch an eine Sarkoidose, Tuberkulose oder Lues zu denken.

Weiterführende Tipps

AIDS, opportunistische Infektionen; Doppelbilder durch Botulismus;

Strabismus, akuter

Literatur

Bialasiewicz AA (1992) Augenbefunde bei Lyme-Borreliose. Ophthalmologe 89:W47–W59 Bialasiewicz AA (2000) Neuroretinitis. Ophthalmologe 97:374–391

Leber Th (1916) Die pseudonephritischen Netzhauterkrankungen, die Retinitis stella. In: Graefe-Saemisch: Handbuch der Augenheilkunde, 2. Aufl. Engelmann Verlag, Leipzig, S 1319–1331

Neß T, Pleyer U, Neudorf U, Frosch M (2007) Infektiöse Uveitis im Kindesalter: Borreliose, Tuberkulose, Lues. Klin Monatsbl Augenheilkd 224:488–493

Reim H, Reim M (1992) Augenbefunde bei Infektion mit Borrelia burgdorferi. Klin Monatsbl Augenheilkd 201:83-91

Schönherr U, Lang GE, Meythaler FH (1991) Bilaterale Lebersche Neuroretinitis stellata bei Borrelia burgdorferi-Serokonversion. Klin Monatsbl Augenheilkd 198:44-47

Chrysiasis (Gold im Auge)

C 125

Chrysiasis (Gold im Auge)

Ziel

Frühes Erkennen von Goldablagerungen im Auge.

Problem

Wegen rheumatoider Arthritis sind Patienten gelegentlich mit Goldsalzverbindungen (Injektionen) über viele Jahre behandelt worden. In früheren Jahrzehnten gab es auch Versuche, andere entzündliche Krankheiten wie Tuberkulose, Syphilis oder auch Lupus erythematodes mit Gold zu therapieren.

Lösung und Alternativen

Der Anamnese-Erhebung bezüglich der bisherigen Allgemeinbehandlung kommt eine große Bedeutung zu, denn nicht selten wird versäumt, nach Behandlungen von Allgemeinkrankheiten zu fragen.

Fremdkörpergefühl, Blendempfindlichkeit und Epiphora können gelegentlich erste Zeichen der Goldsalzeinlagerungen sein.

Bei entsprechender Anamnese und Beschwerden ist auf feine, unregelmäßige, bräunliche Ablagerungen mit metallischem Glanz in der Kornea zu achten, die am besten im regredienten Licht zu erkennen sind.

Goldablagerungen im Auge wurden im Epithel der Bindehaut und Kornea sowie der Linse („lens chrysiasis“) nach jahrelanger Behandlung mit Goldsalzverbindungen gefunden. In der Hornhaut sind sie in allen Schichten des Stromas sowie in der Deszemet-Membran anzutreffen. Im Allgemeinen befinden sich die Goldkörnchen reaktionslos, ohne entzündliche Veränderungen, im Gewebe. Selten wurden aber auch eine Iritis und / oder eine vorübergehende Konjunktivitis beobachtet. Lidhautveränderungen in Form eines Erythems mit Pruritus – oder selten einer exfoliativen Dermatitis – können gesehen werden. Nach Absetzen der Goldbehandlung bilden sich die Kristalleinlagerungen zurück.

126 C Chrysiasis (Gold im Auge)

Literatur

Gottlieb NL, Major JC (1978) Ocular chrysiasis correlated with gold concentrations in the crystalline lens during chrysotherapy. Arthritis Rheum 21:704–708

Kincaid MC, Green WR, Hoover RE, Schenck PH (1982) Ocular chrysiasis. Arch Ophthalmol 100:1791–1794

Roberts WH, Wolter JR (1956) Ocular chrysiasis. Arch Ophthalmol 56:48–52

Rodenhäuser JH (1969) Über Augenveränderungen nach parenteraler Goldbehandlung. Klin Monatsbl Augenheilkd 155:61–65

Walsh FB (1964) Clinical Neuro-Ophthalmology, 2nd edn. Williams & Wilkins Comp, pp 1211–1212

Conjunctivitis lignosa, holzartig verhärtete Bindehaut

C 127

Conjunctivitis lignosa, holzartig verhärtete

Bindehaut mit Plasminogenmangel

Ziel

Frühzeitiges Erkennen eines verminderten Plasminogenspiegels.

Problem

Eine Conjunctivitis lignosa ist charakterisiert durch ein verdicktes Bindehautepithel mit grau-weißen fibrinösen, sulzigen Bindehautschwellungen sowie weißliche Bezirke von holzartig harter Konsistenz und ist vorwiegend bei jungen Mädchen anzutreffen. Die Conjunctivitis lignosa stellt eine seltene Form einer Bindehautentzündung im Kindesalter dar, die nicht infektiös ist und einen chronischen Verlauf mit rezidivierenden Läsionen aufweist.

Lösung und Alternativen

Es handelt sich um eine lymphozytenvermittelte immunologische Erkrankung mit Ausbildung von dicken gelblichen Membranen im Tarsusbereich. Die Membranen bestehen aus eosinophilem Material, Mukopolysacchariden, Fibrin und IgG.

Es wurde festgestellt, dass Fibrin wesentlich an der harten, holzartigen Beschaffenheit der Bindehautmembran beteiligt ist. Bei einer massiven pseudomembranösen Konjunktivitis wurde das Gewebe exzidiert. Es fanden sich zahlreiche hyaluronidasesensitive saure Mukopolysaccharide im Granulationsgewebe.

Eine Gerinnungsanalyse zeigte einen deutlich verminderten Plasminogenspiegel sowie eine um ca. 50 % reduzierte Plasminogenaktivität.

Zusätzliche Läsionen im Respirationstrakt mit viskösem fibrinhaltigem Sekret und rezidivierenden schweren tracheobronchalen Obstruktionen mit der Gefahr einer schweren Bronchitis und einer Pneumonie wurden beobachtet. Auch eine Nephritis wurde bei einzelnen Patienten beschrieben.

128 C Conjunctivitis lignosa, holzartig verhärtete Bindehaut

Therapie

Eine chirurgische Abtragung der Pseudomembranbildung sowie eine Lokaltherapie mit Heparin führten zu einer Besserung des Befunds, jedoch trat nach wenigen Monaten ein Rezidiv auf. Nach erneuter Abtragung der Membranen, die sich wieder gebildet hatten, führte eine topische Anwendung von Anistreplase (Eminase®)-Tropfen als Fibrinolytikum zu einer Auflösung der restlichen Fibrinmembranen, sodass sich die Konjunktiva tarsi vollständig reepithelisierte.

Bei einer einseitigen membranösen Konjunktivitis eines Kindes mit einem schweren systemischen Plasminogenmangel war die Entfernung der Membranen und die lokale Gabe von Plasmin ineffektiv. Erst nach topischer Verabreichung von Plasminogen trat eine rasche, deutliche Besserung mit vollständiger Rückbildung der Membranen auf.

Bei einer erwachsenen Patientin, die rezidivierend vom neunten Lebensmonat an unter holzähnlichen Membranen der Augen litt, wurde bei erneutem Rezidiv im Erwachsenenalter die Membran in Lokalanästhesie exzidiert. Anschließend wurde erfolgreich eine Amnionmembran eingenäht, die nach 2 Monaten entfernt werden konnte.

Weiterführende Tipps

Ankylosierung der Lidränder bei einem Pemphigoid (Schleimhautpemphigoid); Bakterielle Entzündungen des vorderen Augenabschnitts;

Blutige Tränen

Literatur

Barbino S, Rolando M (2004) Amniotic membrane transplantation in a case of ligneous conjunctivitis. Am J Ophthalmol 137:752–753

Eagle RC, Brooks JS, Katowitz JA, Weinberg JC, Perry HD (1986) Fibrin as a major constituent of ligneous conjunctivitis. Am J Ophthalmol 101:493–494

Heidemann DG, Williams GA, Hartzer M, Ohanian A, Citron ME (2003) Treatment of ligneous conjunctivitis with topical plasmin and topical plasminogen. Cornea 22:760–762

Conjunctivitis lignosa, holzartig verhärtete Bindehaut

C 129

Kraft J, Zeitler P, Schuster V, Walter W (1999) Konjunktivitis lignosa bei schwerem Typ I-Plas- minogenmangel. 97. Tagung Dtsch Ophthalmol Ges Berlin 23.–26.9.1999. Ophthalmologe 96 (Suppl 1):26

Kruse FE, Cursiefen C, Seitz B, Völcker HE, Naumann GOH, Holbach L (2003) Klassifikation der Erkrankungen der Augenoberfläche. Ophthalmologe 100:899–914

Pau H, Haensch R (1978) Die Conjunctivitis lignosa – eine Autoimmunerkrankung? Klin Monatsbl. Augenheilkd 173:644–647

Sauder G, Hugger P, Buch C von (2002) Therapie der Konjunktivitis lignosa mit topischen Fibrinolytika. 100. Tagung Dtsch Ophthalmol Ges 26.–29.9.2002, Berlin, Ophthalmologe 99 (Suppl 1):202

Schuster V, Seregard S (2003) Ligneous conjunctivitis. Surv Ophthalmol 48:369–388

130 D Darmentzündungen und Auge

Darmentzündungen und Auge

Ziel

Frühe Abklärung von Fundusveränderungen bei Allgemeinkrankheiten.

Problem

Eine 25-jährige Patientin berichtete über schlechteres Sehen seit einigen Tagen, vor allem beim Lesen mit dem linken Auge. Im 18. Lebensjahr wurde ein M. Crohn festgestellt, der mit Kortikosteroiden (5–10 mg / d) behandelt wurde. Da sie keine Beschwerden mehr hatte, wurden die Medikamente in den letzten Wochen abgesetzt.

Lösung und Alternativen

Der Visus war auf 0,4 links reduziert. Der Augenhintergrund links ergab umschriebene Aufhellungen (chorioiditische Herde) entlang des temporal oberen Gefäßbogens. Es handelte sich um eine Chorioiditis bei M. Crohn.

Chronisch-entzündliche Darmkrankheiten (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) sind vorwiegend bei 20bis 40-jährigen Menschen anzutreffen. Am häufigsten wird eine Iridozyklitis festgestellt, aber auch eine Panuveitis, Keratitis, Skleritis oder Episkleritis, ein orbitaler Pseudotumor, eine orbitale Myositis können dabei beobachtet werden. Eine retinale Vaskulitis mit einer Neuroretinitis wurde selten beschrieben. Als Folge eines Arterienastverschlusses wurden retinale Neovaskularisationen beobachtet, die mit einer panretinalen Photokoagulation behandelt werden mussten. Okuläre Komplikationen bei Morbus Crohn wurden mit einer Häufigkeit von 2–6 % angegeben.

Darmentzündungen und Auge

D 131

Therapie

Unter einer hoch dosierten Kortikosteroidbehandlung trat bei der Patientin eine Verbesserung des Sehvermögens auf, jedoch blieben chorioretinale Narben bestehen.

Weiterführende Tipps

Chorioiditis und Diplopie bei Borreliose; Neuroretinitis bei Katzenkratzkrankheit; Toxoplasmose der Retina-Chorioidea

Literatur

Crohn BB (1925) Ocular lesions complicating ulcerative colitis. Am J M Sc 169:260–267 Duker JS, Brown GC, Brooks L (1987) Retinal vasculitis in Crohn´s disease. Am J Ophthalmol

103:664–668

Egetenmeier H, Lang GE (2007) Papillenödem bei Morbus Crohn. Klin Monatsbl Augenheilkd 224:943–944

Hopkins DJ, Horan E, Burton IL, Clamp SE, de Dombal FT, Goligher JC (1974) Ocular disorders in a series of 332 patients with Crohn´s disease. Br J Ophthalmol 58:732–737

Krohne TU, Inhetvin-Hutter C, Holz FG (2005) Einseitige Visusminderung in Gegenwart retinaler Hämorrhagien bei einer 35-jährigen Patientin. Ophthalmologe 102:622–624

Saatci OA, Koçak N, Durak I, Ergin MH (2002) Unilateral retinal vasculitis, branch retinal artery occlusion and subsequent retinal neovascularization in Crohn’s disease. Int Ophthalmol 24:89–92

Schmidt D, Neß T (1997) Inflammatory diseases of the gut and the eye in four patients. EyeGut Meeting, February 21–22, 1997, University of Erlangen-Nuremberg, Clinic Auton Research 7:42

Schneiderman JH, Sharpe JA, Sutton DMC (1979) Cerebral and retinal vascular complications of inflammatory bowel disease. Ann Neurol 5:331–337

Sedwick LA, Klingele TG, Burde RM, Behrens MM (1984) Optic neuritis in inflammatory bowel disease. J Clin Neuro-ophthalmol 4:3–6

132 D Diplopie bei Tumoren des Chiasmabereichs

Diplopie bei Tumoren des Chiasmabereichs

Ziel

Frühzeitige Abklärung von Doppelbildern.

Problem

Chiasmanahe Tumore können auch Doppelbilder verursachen.

Lösung und Alternativen

Durch laterales Wachstums eines Hypophysentumors in den Bereich des Sinus cavernosus kann durch Tumordruck auf einen dort verlaufenden Hirnnerv eine Augenmuskelparese auftreten. Im Sinus cavernosus befinden sich alle okulomotorisch wirksamen Hirnnerven, die beiden ersten Trigeminusäste und der Plexus caroticus des Sympathikus. Auf diese Weise können zusätzlich zu Motilitätsstörungen auch Sensibilitätsstörungen des Auges und sympathikusbedingte Pupillenveränderungen beobachtet werden.

Da eine Diplopie durch sehr unterschiedliche Ursachen hervorgerufen werden kann, sollte nach der Motilitätsund Gesichtsfeldprüfung stets auch ein CT veranlasst werden.

Diplopie kann auch als Folge von vaskulär oder traumatisch bedingten Hirnnervenparesen auftreten. Auch an Augenmuskelparesen bei einer Arteriitis temporalis ist zu denken, ebenso an Doppelbilder durch Botulismus oder durch Borreliose.

Weiterführende Tipps

Abduzensparese, beidseitige oder kongenitale Esotropie?; Halbfeldgleiten („hemifield slide“); Kopfzwangshaltung bei Trochlearisparese,

Diplopie bei Tumoren des Chiasmabereichs

D 133

Untersuchung „am Krankenbett“; „Red-eyed shunt syndrome“ (ArteriovenöseFistelimSinuscavernosus),Blickdiagnose; Sakkaden,hypometrische; Simpson-Test bei einer Ptose des Oberlids; Strabismus, akuter

Literatur

Burde RM, Savino PJ, Trobe JD (1989) Neuroophthalmologie. Symptome-Diagnose-Therapie. Kohlhammer, Stuttgart

Jefferson G (1940) Extrasellar extension of pituitary adenomas. Proc R Soc Med 33:433–458 Meyer HJ (1965) Das Chiasma-Trauma. Klin Monatsbl Augenheilkd 146: 833–845

Schmidt D (1995) Die Arteriitis temporalis Horton. Diagnose, Differentialdiagnose, Therapie. Elephas Buchverlag, St. Gallen, S 209

Siebeck R, Schiefer W (1963) Zur Symptomatologie und Therapie sellanaher Prozesse. Klin Monatsbl Augenheilkd 142:194–212