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104 B Bulbusperforation, gedeckte
Bulbusperforation, gedeckte
Ziel
Frühzeitige Erkennung einer Skleraperforation und Ausschluss eines intraokulären Fremdkörpers.
Problem
Ein Patient bemerkt einige Tage nach einem Autounfall eine Sehstörung.
Lösung und Alternativen
Das verletzte Auge ist gerötet, die Vorderkammer ist etwas flacher als auf der gesunden Seite, es besteht ein geringes Hyphäma. Die Pupille ist nach 5 Uhr birnenförmig verzogen. Die Hornhaut ist nicht verletzt. Es besteht ein Hyposphagma, sodass die Sklera nicht beurteilt werden kann. Der Augendruck ist deutlich herabgesetzt.
Dieser Befund spricht für eine gedeckte Perforation; die Pupillenverziehung weist auf die Richtung der Skleraperforation hin.
Ein solcher Befund stellt eine Indikation zur Sklerarevision dar. Die Sklerawunde muss versorgt werden. Bei lange bestehender Hypotonie des Bulbus kann sich eine „Stauungspapille e vacuo“ und / oder eine Aderhautamotio und schließlich eine Phthisis bulbi ausbilden. Die perforierenden Verletzungen können beispielsweise durch Verkehrsunfälle (Windschutzscheibenverletzung), Spielzeugverletzungen im Kindesalter oder durch Stichoder Glassplitterverletzungen verursacht werden.
Da möglicherweise ein intraokulärer Fremdkörper vorhanden ist, sollte eine Sonographie, evtl. sogar ein CT durchgeführt werden.
Da die Möglichkeit eines intraokulären Metallfremdkörpers besteht, ist eine MRT-Untersuchung streng kontraindiziert.
Bulbusperforation, gedeckte |
B 105 |
Weiterführende Tipps
Amotiooperation mit Silikonölauffüllung; Glaskörperblutung unklarer Genese; Intraokuläre und intrakranielle Blutungen bei einem „battered child syndrome“; Makulaloch; Orbitadachverletzung (ein möglicher neurochirurgischer Notfall); Orbitahämatom, posttraumatisches
Literatur
Behr C (1912) Ueber die im Anschluß an perforierende Bulbusverletzung auftretende Stauungspapille. Klin Monatsbl Augenheilkd 50:56–81
Duke-Elder ST (1972) System of Ophthalmology. Injuries. Mechanical Injuries, part 1, vol 14, Perforating Injuries. Henry Kimpton, London, pp 323–424
Faulborn J, Atkinson A, Olivier D (1977) Primary vitrectomy as a preventive surgical procedure in the treatment of severely injured eyes. Br J Ophthalmol 61:202–208
Heimann K, Paulmann H, Tavakolian U (1978) Indikationen zur Pars-plana-Vitrektomie bei perforierenden Augenverletzungen. Klin Monatsbl Augenheilkd 172:263–269
Ricklefs G (1966) Augapfelprellungen und perforierende Augenverletzungen im Kindesalter. Klin Monatsbl Augenheilkd 149:390–397
Schmidt D, Bernsdorff A (1989/1990) Augenverletzungen im Kindesalter. Pädiat Praxis 39:291–304
106 B „Bull’s-eye“-Makulopathie (Schießscheibenmakula)
„Bull’s-eye“-Makulopathie (Schießscheibenmakula)
Ziel
Frühzeitige Abklärung der Makula bei unklaren Sehstörungen durch ein Fluoreszenz-Angiogramm, insbesondere bei Medikamenteneinnahme.
Problem
Sehstörungen in Form von farbigen Flecken vor beiden Augen können Ausdruck einer beginnenden Makulopathie sein. Eine Schießscheibenmakula ist ophthalmoskopisch nicht immer als solche zu erkennen, da manchmal minimale Pigmentunregelmäßigkeiten bei nahezu regelrechtem Visus bestehen.
Lösung und Alternativen
Die Schießscheibenmakula ist bei geringer Ausprägung am besten im Fluo- reszenz-Angiogramm zu erkennen. Sie ist durch eine zentrale dunklere homogene Zone, die von einer zirkulären Zone mit ringförmigen atrophischen oder pigmentierten Veränderungen des Pigmentepithels umgeben ist, charakterisiert. Es zeigt sich im Angiogramm die typische hyperfluoreszente ringförmigen Kokardenform.
Die Schießscheibenmakula kann bei der medikamentösen Langzeitbehandlung beispielsweise mit Chloroquin, Deferoxamin oder Indomethacin auftreten.
Nach zahlreichen Erythrozytenkonzentrat-Infusionen, die wegen eines myelodysplastischen Syndroms gegeben werden, kann eine Hämosiderose entstehen. Mit Deferoxamin (Desferal®) wird versucht, deutlich erhöhtes Ferritin zu senken. Bei einer ausgeprägten Makulopathie mit einer Visusreduktion ist jedoch zu erwägen, Deferoxamin abzusetzen. Auch eine Blausinnstörung wurde unter einer Deferoxaminbehandlung festgestellt.
„Bull’s-eye“-Makulopathie (Schießscheibenmakula) |
B 107 |
Weiterführende Tipps
Amsler-Netz; Chloroquinschaden der Makula
Literatur
Cursiefen C, Grunert U, Jünemann A (1997) Chloroquin-induzierte Schießscheiben-Makulo- pathie ohne elektrophysiologische Veränderungen. Klin Monatsbl Augenheilkd 210:400– 401
Graham CM, Blach RK (1988) Indomethacin retinopathy: case report and review. Br J Ophthalmol 72:434–438
Mehta AM, Engstrom RE, Kreiger AE (1994) Deferoxamine-associated retinopathy after subcutaneous injection. Am J Ophthalmol 118:260–262
Schmidt D, Finke J (2004) Schießscheiben-Makula durch Deferoxamin-Behandlung. Klin Monatsbl Augenheilkd 221:204–209
Spraul CW, Schicketanz C, Lang GE (1996) Okuläre Nebenwirkung der Deferoxamin-Thera- pie bei aplastischer Anämie mit transfusionsbedingter Hämochromatose. Klin Monatsbl
Augenheilkd 209:31–36
108 B Buphthalmus bei einem Rankenneurinom
Buphthalmus bei einem Rankenneurinom (plexiformes Neurinom) des Oberlids
Ziel
Früherkennung eines angeborenen Glaukoms und einer Amblyopie bei einem verdickten fehlgebildeten Oberlid.
Problem
Bei einem Rankenneurinom des Lids kann ein gleichzeitig vorhandenes kongenitales Glaukom bei Neurofibromatose (NF-1) übersehen werden. Häufig ist auch ein Strabismus mit Amblyopie vorhanden. Auch eine begleitende Verdickung der Orbitalwand („Osteophytenbildung“) und / oder eine Usurierung des Knochens wurden beobachtet.
Lösung und Alternativen
Der Buphthalmus sollte frühzeitig operiert werden, ebenfalls die meistens ausgeprägte Oberlidveränderung, die zur Amblyopie führt. Wegen starker Gewebsveränderungen sind häufig mehrere Eingriffe erforderlich. Auf die operativen Schwierigkeiten bei einer angeborenen Oberlidfehlbildung mit „kleinen harten Strängen“, die sich „drüsenartig“ anfühlten, wies erstmals Billroth hin. Zu achten ist auf zusätzliche Veränderungen einer NF-1, insbesondere auf Lischknötchen der Iris.
Die operativen Ergebnisse zur Verbesserung der Funktion des Oberlids sind auch heutzutage meistens nicht befriedigend. Es wurde empfohlen, das plexiforme Fibrom einschließlich der nicht selten vorhandenen neurofibromatösen Wucherungen temporal des Auges auszuräumen. Wegen des Fehlens von Lidhebermuskulatur wurde eine Frontalissuspension durchgeführt. Es ist wichtig, beim Aufklärungsgespräch mit prognostischen Aussagen zurückhaltend zu sein.
Buphthalmus bei einem Rankenneurinom |
B 109 |
Weiterführende Tipps
Gesichtsfelduntersuchung bei einoder beidseitigen Sehstörungen;
Hydrophthalmus (kongenitales Glaukom); Megalokornea (Glaukom im Säuglingsund Kleinkindalter)
Literatur
Billroth Th (1863) Ueber die Entstehung der Fibroide. Arch klin Chir 4:545–549 Birch-Hirschfeld A (1920) In: Die Krankheiten der Orbita. Handbuch der ges Augenheilk Begr.
von A. Graefe & Th. Saemisch 2. Neubearb Auflage, Julius Springer, Berlin, S 655–683 Neubauer H (1988) Chirurgie der Lider. In: Mackensen G, Neubauer H (Hrsg) Augenärztliche
Operationen. Springer, Berlin Heidelberg New York Tokio,S 227–228
Tonsgard JH, Kwak SM, Short MP, Dachman AH (1998) CT imaging in adults with neurofibro- matosis-1. Frequent asymptomatic plexiform lesions. Neurology 50:1755–1760
110 C Cataracta electrica durch Starkstromoder Blitzschlagverletzung
Cataracta electrica durch Starkstromoder Blitzschlagverletzung
Ziel
Erkennen von Spätschäden (langfristige Kontrolluntersuchungen erforderlich).
Problem
Eine Starkstromverletzung einer Patientin mit Eintrittsstelle des Stroms am Kopf kann zur Bewusstlosigkeit und zu Verbrennungen der Haut an der Stromeintritts und -austrittsstelle führen, letztere wurde beispielsweise am Arm festgestellt.
Lösung und Alternativen
Eine Verletzung durch Blitzschlag ist nicht immer tödlich, kann aber zu schweren Hautund Augenschäden führen. Sehstörungen können direkt nach einer Starkstrombzw. Blitzschlagverletzung, selbst Monate, aber auch Jahre danach auftreten, was von gutachterlicher Bedeutung sein kann, wenn der Patient über eine späte Sehstörung klagt. Der Augenarzt ist dann aufgerufen, anhand der Anamnese und des Augenbefunds über den Zusammenhang zwischen Verletzung und objektivem Krankheitsbefund Stellung zu nehmen.
Am häufigsten tritt nach einem Blitzschlag eine subkapsuläre Katarakt ein. Es ist jedoch stets auch auf eine Uveitis und Makulopathie zu achten.
Kataraktbedingte Sehstörungen nach Starkstromverletzung („Cataracta electrica“) einer jungen Patientin entstanden an einem Auge erst nach 1½ Jahren, am anderen Auge nach 2½ Jahren. Von Bedeutung ist, dass das später erkrankte Auge zwei Jahre nach dem Unfall keine Linsenschädigung aufwies, dann aber eine rasch zunehmende Katarakt entwickelte.
Voraussetzung für eine Augenschädigung ist, dass sich die Stromeintrittsstelle am Kopf bzw. in der Nähe der Orbita befindet.
Cataracta electrica durch Starkstromoder Blitzschlagverletzung |
C 111 |
Ein 13-jähriger Patient wurde an der linken Schläfenseite vom Blitz getroffen. Es war keine Bewusstlosigkeit eingetreten. Beide Augen waren ca. 10 Minuten lang blind. Danach besserte sich der Visus unvollständig; es bestanden eine beidseitige Iritis sowie Pigmentepitheldefekte der Makula bei fehlendem Foveolarreflex. Nach 6 Wochen zeigte sich eine subkapsuläre Katarakt und eine Makulopathie mit gelb-weißen Aufhellungen. Im Elek- tro-Okulogramm waren herabgesetzte Amplituden nachweisbar.
Abgesehen von einer Linsentrübung können eine thermische Papillenschädigung, ein zystoides Makulaödem, ein Makulaloch und eine Zentralvenenthrombose nach einer Blitzschlagverletzung auftreten.
Sowohl bei Starkstromunfällen als auch bei Verletzungen durch Blitzschlag sind Langzeitbeobachtungen erforderlich, da eine Katarakt sich manchmal spät ausbildet.
Es wurde auch berichtet, dass ein Patient, obwohl er nicht vom Blitz getroffen wurde, ein schweres zentrales Netzhautödem aufwies. Das Netzhautödem ist durch direktes Schauen aus nächster Nähe in das übermäßig helle Licht zu erklären. Diese retinale Schädigung der Makula ist vergleichbar mit einer solaren Netzhautläsion bei einer länger anhaltenden Beobachtung einer Sonnenfinsternis ohne Augenschutz.
Weiterführende Tipps
Chalcosis bulbi; Makulaloch; Photostress-Test
Literatur
Campo RV, Lewis RS (1984) Lightning-induced macular hole. Am J Ophthalmol 97:792–794 Gaßler H (1966) Über die Starkstromverletzung mit 5000 Volt und nachfolgender Katarakt
beider Augen. Klin Monatsbl Augenheilkd 148:245–248
Handa JT, Jaffe GJ (1994) Lightning maculopathy. A case report. Retina 14:169–172 Handmann W (1938) Zentrale Schädigung der Netzhaut beider Augen durch Strahlenwirkung
eines Blitzes. Klin Monatsbl Augenheilkd 100:438–444
Hillscher V (1933) Ein Beitrag zur Kasuistik des Blitzstars. Klin Monatsbl Augenheilkd 91:610– 625
Lagrèze WD, Bömer TG, Aiello LP (1995) Lightning-induced ocular injury. Arch Ophthalmol 113:1076–1077
112 C Chalcosis bulbi mit„Sonnenblumenkatarakt“
Chalcosis bulbi mit„Sonnenblumenkatarakt“
Ziel
Frühzeitige Diagnose eines intraokulären Fremdkörpers (FK).
Problem
Kleine Kupferdrahtteile treffen häufig mit hoher Geschwindigkeit das Auge. Mehrfach wurde berichtet, dass die Verletzung gar nicht oder kaum bemerkt wurde, sodass erst viel später, als die Sehverschlechterung eintrat, ein Augenarzt konsultiert wurde. Die augenärztliche Untersuchung führt nicht immer gleich zur Diagnose, insbesondere wenn die anamnestischen Verletzungsangaben den Arzt im Stich lassen.
Lösung und Alternativen
Die FK-Splitter sind oft klein und liegen abgekapselt, durch Bindegewebe umwachsen, peripher im Glaskörper-Netzhautbereich. Die Eintrittsstelle der Bindehaut-Sklera kann so klein oder vernarbt sein, dass sie kaum sichtbar ist. Entscheidend ist, bei der Anamnese-Erhebung stets nach der beruflichen Tätigkeit des Patienten zu fragen.
Die häufigsten nichtmagnetischen metallischen intraokulären Fremdkörper (FK) sind Kupfersplitter (auch Messingsplitter, bestehend aus einer Kupfer-Zinklegierung mit überwiegendem Kupferanteil, z. B. 60 % Kupfer, 40 % Zink). Ursachen der Kupferdrahtverletzungen sind Arbeitsunfälle in der kupferverarbeitenden Industrie.
Wenn Kupfer ins Auge gelangt, so bildet sich bei langer Verweildauer eine Katarakt („Sonnenblumenkatarakt“) mit grünlichen Kupferablagerungen dicht unter der vorderen Linsenkapsel aus.
Außerdem kann sich eine grünliche Verfärbung der tieferen Hornhautschichten entwickeln (Chalcosis corneae).
Chalcosis bulbi mit„Sonnenblumenkatarakt“ |
C 113 |
Auch die Irisfarbe kann sich ändern, sodass eine Heterochromie entsteht.
Kupferionen führen im Makulabereich zur Visusminderung. Die Makula kann irreguläre gelbliche Veränderungen aufweisen.
In etwa der Hälfte der Verletzungen trat der FK durch die Kornea ein. Nach kurzer Verweildauer des Kupferdrahts im Auge kann bereits ein deutlicher Netzhautschaden entstehen, der mit dem ERG festgestellt werden kann.
Kupfer-FK können frühzeitig zu einem Glaskörperabszess führen. Bereits 24 Stunden bis einige Wochen nach der Verletzung – in Abhängigkeit von der Position im Glaskörper – kann sich der Abszess entwickeln. Eine schnellere Entzündungsreaktion tritt im Randbereich des Glaskörpers auf, im Unterschied zur langsamen Reaktion im zentralen Glaskörperbereich. Es fanden sich pathologisch erhöhte Enzymaktivitäten nach FK-Verletzung als Zeichen der Gewebsschädigung. Auffällig war ein Anstieg der Aminosäuren im Glaskörper.
Therapie
Wegen eines zunehmenden Visusund Gesichtsfeldverfalls ist die Entfernung der oft kleinen Drahtfragmente (Vitrektomie) angezeigt.
Weiterführende Tipps
Cataracta electrica durch Starkstromoder Blitzschlagverletzung;Photostress-Test; Skiaskopie
Literatur
Reim M, Lukow K, Weber H (1989) Enzymaktivitäten in Retina und Glaskörper nach experimenteller Implantation eines Messingsplitters. Klin Monatsbl Augenheilkd 195:363–367
Rosenthal AR (1977) Experimental aspects of implantation of copper in the vitreous of the rabbit eye. In: Neubauer H, Rüssmann W (Hrsg) Intraokularer Fremdkörper und Metallose.
