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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Tipps und Tricks fur den Augenarzt Problemlosungen von A bis Z_Schmidt_2008

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94 B Blinzelfrequenz, abnorme

Blinzelfrequenz, abnorme

Ziel

Nachweis einer erhöhten Blinzelfrequenz als pathologisches Zeichen.

Problem

Ein Patient kann durch vermehrtes oder verringertes Blinzeln auffallen. An einer abnormen Blinzelfrequenz kann ein krankhafter Zustand erkannt werden.

Lösung und Alternativen

Die Blinzelfrequenz bei Säuglingen in einem Alter bis zu zwei Monaten ist sehr niedrig (durchschnittlich 0,7 Lidschläge / Minute). Je älter das Kind wird, umso stärker nimmt die Blinzelfrequenz zu, mit einem Maximum der Lidfrequenz im Alter von 20 Jahren (8–24 Lidschläge / Minute). Sie ist bei jedem Menschen auffallend konstant, jedoch mit deutlicher interindividueller Variabilität der spontanen Blinzeltätigkeit. Die Lidschlagaktivität hängt von der jeweiligen Tätigkeit ab. Sie liegt deutlich höher während einer Unterhaltung im Vergleich zu einer Lesesituation. Bei kornealer Anästhesie oder manchmal bei einem Sicca-Syndrom ist der Lidschlag im Vergleich zur Situation einer Konversation herabgesetzt.

Es besteht eine Zunahme der Blinzelfrequenz durch Blendung.

Bei Kindern kann unter pathologischen Bedingungen die Blinzelfrequenz gesteigert sein: Erkrankungen des vorderen Augenabschnitts, insbesondere Entzündungen der Augen und Trübungen der abbildenden Medien können zu einer vermehrten Blendung führen. Auch eine unkorrigierte Brechungsanomalie (Ametropie) kann manchmal eine erhöhte Blinzelfrequenz bewirken.

Blinzelfrequenz, abnorme

B 95

Lidschlagaktivität bei Bildschirmarbeit

Die Lidschlagaktivität ist bei hoher Konzentration auf die Tätigkeit während der Bildschirmarbeit deutlich geringer, sodass eine verlängerte Exposition der Hornhaut mit frühem Aufreißen des Tränenfilms resultiert. Auf diese Weise treten Sicca-Beschwerden bei vielen Personen bei längerer Arbeit am Bildschirm auf – als wichtiges sozioökonomisches Problem. Ein Computerprogramm mit einem akustischen Animationssignal (als Piepser) wurde eingerichtet, um den Probanden an das Blinzeln zu erinnern. Mit diesem Programm war es möglich, die Lidfrequenz deutlich zu steigern.

Neurologische Erkrankungen (Epilepsie, Hirntumor, angeborene zerebrale Störungen, Migräne, Autismus), Strabismus divergens sowie psychogene Störungen (Tic) kommen als weitere Ursachen für eine erhöhte Blinzelfrequenz in Frage.

Patienten mit einer endokrinen Orbitopathie oder mit einem Parkin- son-Syndrom weisen eine herabgesetzte Blinzelfrequenz auf. Hierbei droht eine Expositionskeratopathie.

Weiterführende Tipps

Konvergenzspasmus (Naheinstellungsspasmus); Strabismus, akuter

Literatur

Coats DK, Paysse EA, Kim DS (2001) Excessive blinking in childhood: a prospective evaluation of 99 children. Ophthalmology 108:1556–1561

Freudenthaler N, Neuf H, Kadner G, Schlote T (2003) Characteristics of spontaneous eyeblink activity during video display terminal use in healthy volunteers. Graefes Arch Ophthalmol 241:914–929

Lavezzo MM, Schellini SA, Padovani CR, Hirai FE (2008) Eye blink in newborn and preschoolage children. Acta Ophthalmol 86:275–278

Nakamori K, Odawara M, Nakajima T, Mizutani T, Tsubota K (1997) Blinking is controlled primarily by ocular surface conditions. Am J Ophthalmol 124:24–30

96 B Blinzelfrequenz, abnorme

Ponder E, Kennedy WP (1927) On the act of blinking. Quart J Exp Physiol 18:89–110 Schlote T, Kadner G, Freudenthaler N (2004) Marked reduction and distinct patterns of eye

blinking in patients with moderately dry eyes during video display terminal use. Graefes Arch Ophthalmol 242:306–312

Zametkin AJ, Stevens JR, Pittman R (1979) Ontogeny of spontaneous blinking and of habituation of the blink reflex. Ann Neurol 5:453–457

Ziemsen F, Freudenthaler N, Regnery K, Schlote T (2005) Lidschlagaktivität während der Bildschirmarbeit. Teil 1: Okuläre Beschwerden und pathophysiologische Grundlagen. Ophthalmologe 102:805–811; Teil 2: Reduzierter Lidschlag und therapeutische Ansätze. Ophthalmologe 102:895–901

Blutige Tränen

B 97

Blutige Tränen

Ziel

Ausschluss von Tumoren der Bindehaut, der Tränendrüse oder des Tränensacks.

Problem

Eine Patientin weist Blut auf der Bindehaut auf. Was sollte dabei untersucht werden?

Lösung und Alternativen

Blutige Tränen können durch ein kleines Angiom der Bindehaut hervorgerufen werden.

Bei Erwachsenen kann auch eine ernste Krankheit wie ein malignes Melanom des Tränensacks Ursache von Blutungen aus dem Tränenpünktchen und damit der Tränen sein.

Auch bei starkem Nasenbluten kann Blut aus den Tränenröhrchen fließen. Auch nach Tränendrüsenläsionen können Tränen blutig sein.

Bei anämischen jungen Mädchen kann im Rahmen des Menstruationszyklus im Pubertätsalter stärkeres Nasenbluten auftreten – und dabei auch Blut in den ableitenden Tränenwegen und der Tränenflüssigkeit erscheinen.

Bei einer Konjunktivitis epidemica kann eine hämorrhagische Konjunktivitis entstehen. Hierbei befinden sich die Blutungen vorwiegend subkonjunktival.

Eine hämorrhagische Konjunktivitis wurde auch bei manchen bakteriellen Entzündungen gefunden, beispielsweise bei der Pneumokokkenkonjunktivitis.

98 B Blutige Tränen

Weiterführende Tipps

Bakterielle Entzündungen des vorderen Augenabschnitts; Orbitadachverletzung (ein möglicher neurochirurgischer Notfall)

Literatur

Abboud IA, Hanna LS (1971) Bleeding from the conjunctiva. Br J Ophthalmol 55:487–491 Faulborn J, Witschel H (1972) Malignes Melanom des Tränensacks. Klin Monatsbl Augen-

heilkd 161:662–665

Stock W (1920) Über einige besondere Fälle von Erkrankungen der Tränenorgane. Blutige Tränen. Vereinigung der Augenärzte der Provinz Sachsen, Anhalts und der Thüringer Lande. Klin Monatsbl Augenheilkd 65:417

Toth Z (1944) Blutige Tränen. Klin Monatsbl Augenheilkd 110:518–520

Blutverlust mit anteriorer ischämischer Optikusneuropathie

B 99

Blutverlust mit anteriorer ischämischer Optikusneuropathie (Notfalluntersuchung und -behandlung)

Ziel

Frühe Behandlung einer akuten Sehminderung infolge einer schweren Ma- gen-Darmblutung.

Problem

Die Assoziation einer mit akuter beidseitiger Erblindung einhergehenden vorderen ischämischen Optikusneuropathie (AION, Apoplexia papillae) im Rahmen schwerer Blutverluste, insbesondere gastrointestinaler Blutungen, mag manchen Ärzten nicht immer geläufig sein. Die Papillenschwellung kann zu einer Verwechslung mit einer Stauungspapille führen. Diese Fehldiagnose könnte fatalerweise zu umfangreichen und zeitraubenden neurologischen und neuroradiologischen Untersuchungen führen, sodass die notwendige Sofortbehandlung zur Rettung des Sehvermögens versäumt würde.

Lösung und Alternativen

Eine deutliche beidseitige Papillenschwellung zusammen mit kleinen radiären papillären Blutungen tritt häufig mit akuter hochgradiger Sehminderung auf. Entscheidend ist die genaue Anamnese mit dem Hinweis auf gastrointestinale Blutungen. In der Regel handelt es sich um Patienten mit schweren Allgemeinkrankheiten, bei denen bereits eine Vorschädigung des Gefäßsystems besteht. In der Literatur wird die Kombination eines Blutverlusts mit einer arteriellen Hypotonie als Urasche der Sehnervschädigung hervorgehoben.

100 B Blutverlust mit anteriorer ischämischer Optikusneuropathie

Die sofortige Therapie besteht in der Gabe von Bluttransfusionen sowie einer Hypotoniebehandlung.

Nur in seltenen Fällen mit chronischem Verlauf wurde trotz ausgeprägter anhaltender Anämie mit einer AION eine spontane Besserung der Sehfunktion beobachtet.

Abb. 1

Goldmann-Gesichtsfeld bei anteriorer ischämischer Optikusneuropathie (AION) durch Blutverlust. Temporaler Gesichtsfeldrest mit horizontaler Begrenzung (nach Schmidt und Neumann 2001)

Weiterführende Tipps

Amaurose beider Augen als Folge einer akuten autoimmunen Neuritis nervi optici; Gesichtsfelduntersuchung bei einoder beidseitigen Sehstörungen; Hemianopsie, inferiore

Blutverlust mit anteriorer ischämischer Optikusneuropathie

B 101

Literatur

Favre Ch, Mermoud A, Zografos L (1992) Ischémie antérieure du nerf optique et rétinopathie anémique. Klin Monatsbl Augenheilkd 200:547–549

Johnson MW, Kincaid MC, Trobe JD (1987) Bilateral retrobulbar optic nerve infarctions after blood loss and hypotension. Ophthalmology 94:1577–1584

Pincus F (1918) Zur Kenntnis der Sehstörungen nach Blutverlust. Ophthalmol Ges Heidelberg, 41. Versammlg:383–392

Rootman J, Butler D (1980) Ischaemic optic neuropathy – a combined mechanism. Br J Ophthalmol 64:826–831

Schmidt D, Neumann HPH (2001) Visual loss after gastrointestinal bleeding. EURETINA (European meeting on Macular and Vitreoretinal Diseases) Hamburg, 25.–27.5. 2001

Uhthoff W (1922) Beiträge zu den Sehstörungen und Augenhintergrundsveränderungen bei Anämie. Ophthalmol Ges Heidelberg, 43. Versammlg:204–212

Unger L (1955) Über Sehstörungen nach Blutverlusten. Klin Monatsbl Augenheilkd 126:41– 50

102 B Brechungsanomalie bei Albinismus

Brechungsanomalie bei Albinismus

Ziel

Frühzeitige Erkennung und Behandlung einer Refraktionsanomalie zur Vermeidung einer Amblyopie.

Problem

Bei Patienten mit Albinismus (okulokutaner oder okulärer Albinismus) findet sich häufig eine Refraktionsanomalie. Aber auch ein Astigmatismus, eine Hyperopie und seltener eine Myopie oder eine Anisometropie wurden ermittelt. Außerdem bestehen Nystagmus, manchmal mit Kopfzwangshaltung (okulärer Torticollis) und Strabismus.

Lösung und Alternativen

Um eine Amblyopie zu verhindern, die das Sehvermögen bei einer bereits vorhandenen fovealen Hypoplasie und / oder einem Nystagmus zusätzlich reduziert, ist eine frühe optische Korrektion (Brille, vor allem Kontaktlinse) erforderlich.

Bei einem okulären Schiefhals mit einem Nystagmus sollte frühzeitig die Anderson-Kestenbaum-Operation erwogen werden.

Cave: Vor operativen Eingriffen bei Albinismus ist eine vermehrte Blutungsneigung auszuschließen, wie sie beim Steinbrinck-Chédiak-Higashi- Syndrom oder beim Hermanski-Pudlak-Syndrom vorkommt.

Weiterführende Tipps

Amblyopie bei Kindern; Sehhilfen, vergrößernde; Skiaskopie („retinoscopy“)

Brechungsanomalie bei Albinismus

B 103

Literatur

Chédiak M (1952) Nouvelle anomalie leucocytaire de caractère constitutionel et familial. Rév

Hématol 7:362–367

Higashi O (1954) Congenital gigantism of peroxidase granules. Tohoku J Exp Med 59: 315– 332

Käsmann-Kellner B, Ruprecht KW (1999) Albinismus. Klassifikation und klinisches Spektrum. Z prakt Augenheilkd 20:189–203

Kommerell G (1974) Nystagmusoperationen zur Korrektur verschiedener Kopfzwangshaltungen. Klin Monatsbl Augenheilkd 164:172–191

Steinbrinck W (1948) Über eine neue Granulationsanomalie der Leukocyten. Dtsch Arch klin Med 193:577–581