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Ausländische Studenten steigen aus

Ausländische Studenten studieren erheblich länger als deutsche Studenten. Über die Hälfte von ihnen bricht das Studium ohne Examen ab. Damit liegt ihre Abbruchquote um das Doppelte höher als bei deutschen Studierenden. Für psychische Störungen sind sie ebenfalls anfälliger, und auch ihr Selbstmordrisiko ist deutlich höher. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob ihre Schwierigkeiten die Folge von Sprachproblemen sind. Sieht man aber die Statistiken genauer an, dann zeigt sich, das Sprachschwierigkeiten nicht der entscheidende Grund sein können: Denn es gibt einen ausgeprägten Unterschied zwischen den Studierenden aus industrialisierten und unterentwickelt gehaltenen Ländern. Beide Gruppen haben Sprachschwierigkeiten, aber die Studierenden aus der armen Welt haben sehr viel größere Probleme mit dem Studium.

Untersucht man ihre Situation genauer, dann stellt man fest, dass sie unter sehr viel höherem Erwartungsdruck stehen als Studierende aus industrialisierten Ländern. Sie kommen zwar meist aus den Oberschichten ihrer Heimat - ein Ergebnis der gezielten Förderung durch die Bundesregierung, die auf diese Weise die Führungsschichten an sich binden will -, aber sie stehen unter erheblichem Erfolgsdruck von daheim. Wenn sie dort etwas gelten wollen, müssen sie auf jeden Fall irgendein Diplom, irgendeinen Titel zurückbringen. (Außerdem sind ihre Stipendien meist als Erfolgsprämien ausgezeichnet, d. h. ohne Studienerfolg, ohne Abschluss, müssen sie zurückgezahlt werden.)

Aber nicht der Druck ist das Entscheidende, sondern wie sie darauf reagieren. Sie reagieren nämlich nicht zuversichtlich, dass es mit einiger Anstrengung zu schaffen sei, sondern ängstlich, weil sie sich mit einer völlig fremden Kultur konfrontiert sehen. Dazu kommt, dass sie in dieser fremden Welt - im Unterschied zu vielen Studenten aus Industrieländern -meist sofort als Ausländer erkannt und von der einheimischen Bevölkerung als minderwertig diskriminiert werden (sie haben z. B. größte Schwierigkeiten, ein Zimmer zu finden). In dieser für sie völlig ungewohnten Situation reagieren sie mit einer sehr verständlichen Verhaltensstrategie: Sie tun alles, um Misserfolge zu vermeiden, jeder Situation, die ein Scheitern möglich macht, weichen sie aus.

(Nach: W.Wagner, Uni-Angst und Uni-Bluff, In:Rotbuch 172,1977)

Aufgaben zum Text 2

1. Antworten Sie auf die Fragen zum Text.

1) Wie hoch ist die Abbruchquote bei ausländischen Studenten?

2) Worin besteht der Unterschied zwischen Studierenden aus industrialisierten und unterentwickelten Ländern?

3) Wie verstehen Sie „Erwartungsdruck“, „Erfolgsdruck“, „Erfolgsprämie“?

4) Warum entsteht bei ausländischen Studenten das Angstgefühl?

5) Wie reagieren diese Studenten auf unangenehme Situationen?

2. Übersetzen Sie folgende Sätze aus dem Text, analysieren Sie deren

Struktur.

1) Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob ihre Schwierigkeiten die Folge von Sprachproblemen sind.

2) Sieht man aber die Statistiken genauer an, dann zeigt sich, dass Sprachschwierigkeiten nicht der entscheidende Grund sein können.

3) Untersucht man die Situation genauer, dann stellt man fest, dass sie unter sehr viel höherem Erwartungsdruck stehen als Studierende aus industrialisierten Ländern.

4) Sie reagieren nämlich nicht zuversichtlich, dass es mit einiger Anstrengung zu schaffen sei, sondern ängstlich, weil sie sich mit einer völlig fremden Kultur konfrontiert sehen.

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