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МЕЖКУЛЬТ Т1 СТУД 2017.doc
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Kapitel II

Geistige Werte müssen uns ansprechen wie Könige. Sie dürfen nicht aufgedrängt werden. Arthur Schopenhauer (1788 - 1860), deutscher Philosoph

Was wahrhaft gilt, fängt dort erst an, wo man es nicht mehr kaufen kann. Erich Limpach(1899 - 1965), deutscher Dichter, Schriftsteller und Aphoristiker

TEXT

Lesen Sie den folgenden Text. Achten Sie darauf, auf welche Besonderheiten der interkulturellen Kommunikation hingewiesen wird.

Kulturelle Werte

Werte in einer Gesellschaft stellen eine wichtige Orientierung in einer jeden Gesellschaft dar. Sie sind eine äußere Leitlinie, an denen sich jedes Individuum ausrichten muss, will es innerhalb einer Gesellschaft akzeptiert werden. Werte und Normen stellen Ansprüche der Gesellschaft an das Individuum dar. Kulturelle Werte werden in der Gesellschaft dargestellt als etwas „Selbstverständliches“ und Universales. Die Analyse oder sogar Anzweifelung von Werten wird häufig bestraft Korrekte Befolgung von Werten und Normen wird belohnt (z. B.: „Das ist einer von uns“).

Das Individuum lernt Werte und Normen zu erkennen, zu befolgen, emotional zu akzeptieren und danach zu handeln. Dieser Prozess wird in den Sozialwissenschaften als Internalisierung bezeichnet, d. h. Verinnerlichung gesellschaftlicher Werte, Sitten, Normen und sozialer Rollen im Rahmen der Sozialisation und der Erziehung. „Durch den Prozess der Sozialisation wird das hilflose Kleinkind allmählich zu einer Person, die eine Vorstellung von sich selbst entwickelt und die über das notwendige Wissen, Können und Handeln verfügt, wodurch das Leben in seiner Gesellschaft erst möglich ist. Dabei ist das Kind von Anfang an ein handelndes Wesen. Sozialisation ist aber nicht nur auf die Kindheit beschränkt. Sie erfolgt über das gesamte Leben des Menschen und reicht von der Wiege bis zur Bahre. Sozialisation verbindet das Individuum mit der Gesellschaft, sie erfolgt immer durch und in Gesellschaft. Deshalb kann sie auch als „Vergesellschaftung“ des Menschen verstanden werden. Sozialisation ist aber auch die Verbindung vor einer Generation zur nachfolgenden Generation. Durch sie wird eine Art soziale Erinnerung und soziales Erbe gesichert“, schreibt Prof. Dr. Wolf-Dieter Scholz.

Das Besondere an interkultureller Kommunikation ist, dass sie zwischen Gesprächspartnern stattfindet, die von unterschiedlichen gesellschaftlichen, familiären und religiösen Werten geprägt sind. Je nachdem, in welchem Kulturraum sie aufgewachsen sind, haben die Gesprächspartner – bewusst oder unbewusst – ein für ihren Kulturkreis typisches Verständnis von Zeit und Raum, von guter Kommunikation, woran Werte wie Verlässlichkeit und Vertrauen festzumachen sind, entwickelt. Die Sprache an sich spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Z.B. haben Deutsche, Österreicher und die Bewohner der deutschsprachigen Schweiz eine gemeinsame Sprachbasis. Deswegen anzunehmen, dass die Zusammenarbeit im Team von Anfang an reibungslos verlaufen wird, wäre blauäugig. Wer schon mal ein deutsch-österreichisch-schweizerisches Projektteam geleitet hat, wird festgestellt haben, dass dieses Team anfangs eine besondere Art von „Dolmetscher“ braucht. Einen, der Übersetzungsarbeit zwischen den Wertewelten, gleichsam „von deutsch nach deutsch“ leistet. Das Gleiche gilt für Teams, deren Mitglieder aus Großbritannien – Australien – den USA mit Englisch als Muttersprache stammen, den französisch-sprachigen aus Frankreich – Belgien – Algerien usw. und für fachlich wie auch sozial heterogene Teams.

Eine Lebensgemeinschaft (Kultur) prägt Werte und gibt sie weiter. Daraus entstehen kollektive Rituale und individuelle Verhaltensweisen zum Schutz oder zur Weiterentwicklung der Gruppe.

Während einer Kommunikationssituation werden stets die Sach- und die Beziehungsebene bedient. In den unterschiedlichen Kulturen variiert lediglich die Ausprägung dieser Dimension.

Während der deutsche Geschäftsmann eine sachorientierte Beziehung zu seinen Kollegen und Partnern anstrebt, ist in China der Aufbau einer stabilen und vertrauensvollen Beziehung das „A und O“ für erfolgreiche Geschäftsbeziehungen. Das ist nur durch langfristige Kontaktpflege und die Einbeziehung des Privatbereichs bei der Arbeit möglich. Die Aussagen eines deutschen und eines chinesischen Geschäftsmannes stellen die beiden Stanpunkte sehr treffend dar:

Der deutsche Geschäftsmann sagt:

„Warum sollen wir befreundet sein? Wir wollen doch Geschäfte miteinander machen!“

Der chinesische Geschäftsmann sagt:

„Warum sollen wir Geschäfte machen? Wir sind ja nicht einmal befreundet»

Die Chinesen kooperieren nur mit Geschäftspartnern, zu denen sie bereits eine Beziehung aufgebaut haben oder mit denen sie auch auf einer persönlichen Ebene gut auskommen. Das hat den Grund, dass sie zuerst Vertrauen zu ihrem Partner aufbauen müssen, bevor sie wichtige Verhandlungen eingehen. Hierbei ist es von besonderer Bedeutung, dass man auch private Interessen und Belange klar kommuniziert, denn das dient der Beziehungspflege. Diese starke Beziehungsorientierung benötigt natürlich viel Zeit und setzt eine Öffnung der Geschäftspartner für einander voraus. Das ist für Manager aus westlich geprägten Kulturkreisen oftmals zeitraubend und unvorstelbar.

Für viele Amerikaner ist es wichtig, von ihrem Umfeld gemocht zu werden In den meisten Bereichen des öffentlichen Lebens begegnen Sie daher einer, aus deutscher Sicht, sehr ausgeprägten Freundlichkeit, die einige gar als übertrieben wahrnehmen. Diese dient in erster Linie dazu, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Im amerikanischen Business-Alltag herrschen so vergleichsweise höfliche Umgangsformen. Der Wunsch nach guten, vertrauensvollen Beziehungen im Unternehmen sorgt für einen positiven Kommunikationsstil. Während in Deutschland zudem Kritik in der Regel nicht persönlich genommen wird, sollte in den USA mit negativen Äußerungen sehr sensibel umgegangen werden; Kritik sollte vor allem sachbezogen sein. Konsequenz ist, dass im amerikanischen Berufsleben sehr viel gelobt wird, auch für scheinbar banale Aufgaben. Lob und Anerkennung motivieren die meisten amerikanischen Mitarbeiter.

Die Personenorientierung ist eine der kulturellen Besonderheiten Russlands. Für das bessere Verständnis soll kurz der Begriff „Beziehungsorientierung“ vorgestellt werden, welcher diesem Kulturstandard zugrunde liegt. Tendiert eine Kultur zur Beziehungsorientierung, steht in der Kommunikation die zwischenmenschliche Ebene im Vordergrund. Das heißt, es wird vor allem auf die Atmosphäre zwischen den Beteiligten geachtet: Ohne eine vertrauensvolle Basis zwischen den Gesprächspartnern geschaffen zu haben, ist keine Zusammenarbeit möglich. Daher werden Bekanntschaften, Freundschaften und Geschäftsbeziehungen oft mit großem Einsatz aufgebaut und gepflegt. Dies kann z.B. über gemeinsame Aktivitäten in der Freizeit oder den Austausch von Geschenken geschehen. In den Aufbau der persönlichen Verbindungen werden also viel Zeit und Mühe investiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass in beziehungsorientierten Kulturen die Sachebene gar keine Rolle spielt – sie kommt allerdings nur im Zusammenspiel mit einer persönlichen Bindung zum Tragen. Deutschland als ein eher individualistisches Land betont gerade im zwischenmenschlichen Bereich eher den Sach- als den Personen-Aspekt. Aus diesem Grund ist die Bedeutung der engen persönlichen Beziehungen in Russland für viele Deutsche nicht nur unverständlich, sondern regelrecht gewöhnungsbedürftig.

Obwohl alle Kulturen völlig oder zumindest ein bisschen anders als unsere eigene sind, können wir sie doch verstehen. Wenn wir sagen, dass wir die Kultur einer Gruppe von Menschen verstehen, heißt das, wir kennen ihre Regeln und Werteinstellungen und schätzen sie. Sie zu schätzen heißt nicht, dass man sie so gut wie seine eigene Kultur finden muss, man kann natürlich zwei Dinge schätzen und trotzdem eines davon bevorzugen.

Übrigens ist es so, dass eine fremde Kultur zu kennen und zu schätzen auch heißt, die eigene Kultur besser kennen zu lernen und zu verstehen.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Wertvorstellung / www.linguee.com/german-english/translation/kultureller+einfluss.html / www.usabilityblog.de/.../einfluss-kultureller-un..www.usabilityblog.de/.../einfluss-kultureller-un.. ; Prof. Dr. Wolf-Dieter Scholz/ Mark Euler MA www.staff.uni-oldenburg.de/wolf...scholz/.../3.1-Systematisi...; 7 Blickwinkel auf Interkulturelle Kommunikation In Zusammenarbeit von RKW Berlin GmbH und proventis consult Autorin: Cornelia F. Kräm rkw-bb.de/.../leitfaden_interkulturelle_Kommunikation.pdf ; www.eidam-und-partner.de/de/.../kulturelle-werte-russland ; Kulturelle Werte in den USA - Eidam & Partner www.eidam-und-partner.de/.../eidam_und_partner_kulturell...; Kulturelle Werte in China - Eidam & Partnerwww.eidam-und-partner.de/.../eidam_und_partner_kulturell...)