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Schastina_J_M_Deutschsprachige_Literatur_des_20_Jahrhunderts_Teil_I.doc
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Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten. Rund schweigen Wälder wunderbar Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut. Ihr Abendglocken lang und leise Gebt noch zum Ende frohen Mut. Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit. Im Kahn den blauen Fluß hinunter Wie schön sich Bild an Bildchen reiht - Das geht in Ruh und Schweigen unter.

Georg Heym (1887-1912)

Geboren 30.10.1887 Hirschberg (Schlesien); gestorben 16.1.1912 Berlin.

Heym entstammte einer Familie von Gutsbesitzern und Beamten. Der autoritäre, oft jähzornige Vater war Staatsanwalt, später Kaiserlicher Militäranwalt am Berliner Reichskammergericht; er konnte sich für den Sohn nur eine Juristen- oder Offizierskarriere denken.

Ostern 1905 mußte Heym wegen schlechter Leistungen und eines Schülerstreichs das Gymnasium wechseln. 1907 bestand er das Abitur. Er schrieb seit 1899 und führte seit Ende 1904 ein Tagebuch. Noch das letzte dieser Hefte, vier Wochen vor Heyms Tod begonnen, trägt den Titel: „Tagebuch des Georg Heym. Der nicht den Weg weiß“.

Dem väterlichen Wunsch entsprechend nahm Heym das Jurastudium auf. Nach Semestern in Würzburg und Jena setzte er das Studium in Berlin fort und bestand dort 1911 die erste juristische Staatsprüfung. Aus dem Vorbereitungsdienst ließ er sich beurlauben mit der Absicht, nicht wieder in den juristischen Dienst zurückzukehren. Er schrieb sich am Orientalischen Seminar der Berliner Universität ein, um Dragoman zu werden; zugleich bewarb er sich bei mehreren Regimentern um eine Stelle als Offiziersanwärter. An eine Existenz als freier Schriftsteller hat er vermutlich nie gedacht.

Heym ertrank beim Schlittschuhlaufen auf der Havel.

Seine Werke u.a.:

Der Athener Ausfahrt (1907), Versuch einer neuen Religion (1909), Der ewige Tag (1911), Umbra vitae (1912), Der Dieb (1913).

Der Krieg I (1911)

Aufgestanden ist er, welcher lange schlief, Aufgestanden unten aus Gewölben tief. In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt, Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

In den Abendlärm der Städte fällt es weit, Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit, Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis. Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.

In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht. Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht. In der Ferne <wimmert> ein Geläute dünn Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.

Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an. Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt, Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.

Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut, Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut. Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt, Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.

Über runder Mauern blauem Flammenschwall Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall. Über Toren, wo die Wächter liegen quer, Über Brücken, die von Bergen Toter schwer.

In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein. Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt, Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.

Und mit tausend roten Zipfelmützen weit Sind die finstren Ebnen flackend überstreut, Und was unten auf den Straßen wimmelt hin und her, Fegt er in die Feuerhaufen, daß die Flamme brenne mehr.

Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald, Gelbe Fledermäuse zackig in das Laub gekrallt. Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht

Eifersucht

Die Straße wird zu einem breiten Strich. Die Häuser werden weiß wie eine Wand. Die Sonne wird ein Mond. Und unbekannt, Gleichgültig, fremd, ein jedes Angesicht.

Sie sehen aus wie Blätter von Papier, Weiß, unbeschrieben. Aber hinten winkt Ein schlankes blaues Kleid, das fern versinkt Und wieder auftaucht, und sich fern verliert.

Auf seinem Nacken sitzt die Eifersucht. Ein altes Weib, gestiefelt. Einen Dorn Bohrt in das Hirn sie ihm, und haut den Sporn In ihres Reittiers weicher Flanken Bucht.

Aufgaben zum Text:

  1. Das 1911 geschriebene Gedicht „Krieg“ hat einen stark geprägten prophetischen Charakter. Beweisen Sie es mit dem Text!

  2. Welchem Thema ist das Gedicht „Eifersucht“ gewidmet?

  3. Welche Rolle spielen hier die Vergleiche?

  4. Worin besteht die besondere Aussagekraft der expressionistischen Lyrik?

Kapitel 3. Die großen Romanautoren

Franz Kafka (1883-1924), Alfred Döblin (1878-1957 ), Hermann Hesse (1877-1962), Thomas Mann (1875-1955), Heinrich Mann (1871-1950), Elias Canetti (1905-1994).

Die Schriftsteller, von denen in diesem Kapitel die Rede ist, sind keiner einheitlichen Stilrichtung, literarischen Schule oder gar Epoche zuzuordnen. Ihre Individualität, ihre ästhetische Selbstständigkeit und ihre eigene Subjektivität bilden die Basis, die sie vereint. Sie entstammen dem 19. Jahrhundert, wurzeln in der literarischen Tradition des 19. Jahrhunderts, aber entfalten ihre größte literarische Kreativität und Wirksamkeit (mit Ausnahme Thomas Manns und Elias Canettis) im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, was sie zu eigentümlichen Grenzgängern zwischen den Epochen, den historischen wie den literarischen macht. Außerdem verhalfen sie dem deutschen Roman zur Weltgeltung. Schließlich bewährt das Werk aller dieser Autoren seine Bedeutung und Wirkmächtigkeit bis in unsere Tage hinein.

Franz Kafka (1883-1924)

Geboren 3.7.1883 in Prag, gestorben 3.6.1924 in Kierling bei Wien. Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns. 1901-1906 studierte er Germanistik und Jura in Prag; 1906 promovierte er zum Dr. jur. Dann kurze Praktikantenzeit am Landesgericht Prag. 1908-1917 Angestellter einer Versicherungsgesellschaft, später einer Arbeiter-Unfall-Versicherung. 1917 erkrankte er an Tbc, was ihn 1922 zur Aufgabe des Berufes zwang.

Kafka fühlte sich als einsamer und unverstandener Einzelgänger, nur mit Max Brod und Franz Werfel verband ihn Freundschaft; bekannt war er auch mit Martin Buber und Johannes Urzidil. In den Sommermonaten der Jahre 1910 bis 1912 führten ihn Reisen und Kuraufenthalte nach Italien, Frankreich, Deutschland, Ungarn und in die Schweiz. Sein Verhältnis zu Frauen war schwierig und problematisch: zweimal hat er sich 1914 verlobt und das Verlöbnis wieder gelöst; 1920-1922 quälte ihn eine unerfüllte Liebe zu Milena Jesenska, was zahlreiche erhaltene Briefe dokumentieren; seit 1923 lebte er mit Dora Dymant zusammen als freier Schriftsteller in Berlin und Wien, zuletzt im Sanatorium Kierlang bei Wien, wo er an Kehlkopftuberkulose starb. Sein literarischer Nachlass, den er testamentarisch zur Verbrennung bestimmt hatte, wurde posthum gegen seinen Willen von Max Brod veröffentlicht.

Seine Werke u.a.:

Betrachtung (1913), Blumfeld, ein älterer Junggeselle (1915), Die Verwandlung (1916), Das Urteil (1916), In der Strafkolonie (1919), Ein Landarzt (1919), Brief an den Vater (1919), Ein Hungerkünstler (1924), Der Prozeß (1925), Das Schloß (1926), Amerika (Romanfragment) 1927, Beim Bau der Chinesischen Mauer (1931).

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