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  1. Wege der Bereicherung des deutschen Wortschatzes. Bereicherung des deutschen Wortschatzes durch Wortbildung

Der deutsche Wortschatz wird auf folgenden Wegen bereichert: Wortbildung (Bildung neuer Wörter), Wortentlehnung aus anderen Sprachen, Bedeutungswandel (Veränderung der Bedeutung schon existierender Wörter) und Bildung von phraseologischen Fügungen.

Der Hauptweg der Bereicherung des deutschen Wortschatzes ist die Wortbildung, d. h. die Bildung neuer Wörter nach den für diese Sprache charakteristischen wortbildenden Modellen (nach den existierenden wortbildenden Typen).

Für die deutsche Sprache sind folgende Arten der Wortbildung charakteristisch: Zusammensetzung, Ableitung, Übergang in eine neue Wortart (aus einer grammatischen Kategorie in eine andere), Kürzung, Lautnachahmung.

  • Die Zusammensetzung, d.h. die Bildung neuer Wörter durch das Aneinanderrücken der Stämme, ist in den indoeuropäischen Sprachen eine der produktivsten Arten der Wortbildung. Die deutsche Sprache ist besonders reich an Zusammensetzungen: Redeteil, Schlafzimmer, Dampfschiff, dunkelblau, stattfinden etc.

  • Unter der Ableitung versteht man die Bildung neuer Wörter mit Hilfe von Affixen (d. h. von Präfixen und Suffixen). Die deutsche Sprache weist ein entwickeltes System der Ableitung auf, d. h. der Wortbildung mit Hilfe von Affixen. Das Suffix ist ein wortbildendes Morphem, das am Ende des Wortes zur Wurzel oder zum Stamm hinzugefügt wird — Freund, freundlich, Freundlichkeit. Das Präfix ist ein wortbildendes Morphem, das am Anfang des Wortes zur Wurzel oder zum Stamm hinzugefügt wird — kennen, erkennen, anerkennen.

  • Der Übergang aus einer grammatischen Wortart in die andere zerfällt in einige Unterarten, nämlich Substantivierung, Adjek­tivierung, Adverbialisierung usw., je nachdem in welche Wortart die Wörter übergehen. Die größte Bedeutung für die Bereicherung des Wortbe­standes hat die Substantivierung, d. h. der Übergang der Wörter verschiedener Wortklassen (Verben, Adjektive, Präpositionen u.a.) in die Klasse des Substantivs. Besonders verbreitet ist für die deutsche Sprache der substan­tivierte Infinitiv: das Leben, das Dasein, das Liegen, das Schlafen, das Sein (Zustand); das Lesen, das Gehen, das Springen (Prozeß). Substantiviert werden auch Partizipien, Adjektive (der Kranke, die Kranke; der Alte, die Alte). Das substantivierte Partizip I bezeichnet gewöhnlich die handelnde Person: der Rei­sende, der Vorsitzende, der Liebende.

  • Die Kürzung ist die Wortbildungsart, mit deren Hilfe die schon in der Sprache existierenden Zusammensetzungen und Wortverbindungen zu einem Komplex abgekürzt werden, z. B. GmbH – Gemeinschaft mit beschränkter Haftung.

  • Die Lautnachahmung ist eine beson­dere Wortbildungsart, bei der die Wörter infolge der Nachahmung der Naturlaute entstehen, z. B. unter dem Einfluß des Kuckucks­geschreis ist das Wort Kuckuck, die Bezeichnung dieses Vogels selbst, entstanden. Lautnachahmende Wörter können verschiedenen Wortarten anhören. Am häufigsten entwickeln sich auf diese Weise Interjek­tionen: Ach! Juchhe! Bum! Klatsch! Patsch! Knacks! Plumps! Hops! usw. (Vgl. russ. ах! ох! бац! бах! шлеп хлоп! u. a.) Es sind auch eine Reihe Verben auf diese Weise entstanden: dudeln, klirren, krähen, quaken, meckern, trillern, ticken, tacken, miauen u. a. (vgl. russ. мяукать, квакать, тикать u. a.).

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