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12. Das Verb. Die semantische Klassifikation der deutschen Verben

Das Verb bezeichnet einen Vorgang. Unter dem Vorgang werden in der Grammatik eigentliche Vorgänge, d. h. Handlungen sowie Zustände und der Übergang aus einem Zustand in einen anderen verstanden, z. В.: arbeiten, schreiben, laufen (Vorgang); sitzen, schlafen, wohnen (Zustand); aufstehen, einschlafen, erwachen (Übergang aus einem Zustand in einen anderen).

Das deutsche Verb verändert sich nach Person, Zahl, Zeit und Modus (der). Die transitiven Verben verändern sich auch nach dem Genus (das). Man unterscheidet: a)drei Personen;

b)zwei Zahlformen: den Singular, den Plural;

c )sechs Zeitformen, die drei Zeitstufen — die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft — ausdrücken: das Präsens — die Gegenwart; das Präteritum

d as Perfekt die Vergangenheit

das Plusquamperfekt

d as Futurum I

d as Futurum II die Zukunft

d)drei Modi: den Indikativ, den Konjunktiv, den Imperativ;

e)zwei Genera: das Aktiv, das Passiv.

Die Veränderung des Verbs nach Person, Zahl, Zeit, Modus und Genus heisst die Konjugation.

Die deutschen Verben können je nach ihrer Semantik in vier Gruppen eingeteilt werden:

  1. Vollverben, oder Hauptverben, die einen Vorgang, einen Zustand oder den Übergang aus einem Zustand in einen anderen ausdrücken, z. В.: lernen, kämpfen, wachsen, einschlafen;

  2. H і l f s v e r b e n, die zur Bildung zusammengesetzter Verbalformen dienen: sein, haben, werden;

3)kopulative Verben (die Kopula, die Kopulas), die zur Bildung eines zusammengesetzten nominalen Prädikats dienen: sein, werden, scheinen, bleiben, helfen;

  1. M о d a l v e r b e n, die verschiedene modale Bedeutungsschattierungen wie Möglichkeit, Wunsch, Aufforderung, ausdrücken und gewöhnlich in Verbindung mit einem Vollverb gebraucht werden: können, dürfen, sollen, müssen, wollen, mögen, lassen.

13. Die morphologische klassifikation der deutschen verben

Der Infinitiv, das Präteritum und das Partizip II eines Verbs werden als seine Grundformen betrachtet. Je nach dem Charakter der Grundfor­men werden die deutschen Verben in folgende Gruppen eingeteilt:

  1. s t a r k e Verben;

Die starken Verben bilden ihre Grundformen mit Hilfe des Ablauts, z. В.: geben — gab — gegeben. Das Partizip II der starken Verben hat das Suffix -en, z. В.: geles-en, getrag-en.

Man unterscheidet sieben Ablautsreihen der starken Verben. Jede Ablautsreihe hat ihre Merkmale, z.B.:

I. Ablautsreihe

Infinitiv

Präteritum

Partizip II

reiten

schreiben

ritt

schrieb

geritten

geschrieben

Zu der I. Ablautsreihe gehören alle starken Verben mit dem Stamm­vokal ei. Im Präteritum und im Partizip II erscheint ein langes [і:] (і, ie) oder ein kurzes [І] (І).

IV. Ablautsreihe

Infinitiv

Präteritum

Partirip II

nehmen

nahm

genommen

Brechen

brach

gebrochen

Zu der IV. Ablautsreihe gehören die starken Verben mit dem Stamm­vokal e oder a, dem ein Sonorlaut folgt oder vorangeht. Im Präteritum haben diese Verben ein langes [a:], im Partizip II — ein langes [o:] oder ein kurzes [o].

  1. schwache Verben;

Die schwachen Verben bilden das Präteritum mit Hilfe des Suffixes -(e)te und das Partizip II — mit Hilfe des Suffixes -(e)t: lernen — lern-te — gelern-t, baden — bad-ete — gebad-et.

Die Zahl der schwachen Verben ist sehr gross. Alle Verben, die neu entstehen, werden schwach konjugiert, z. В.: verfilmen — verfilmte — verfilmt.

  1. die Verben Präteritopräsentia;

Das sind die Verben: dürfen, können, sollen, müssen, mögen, wollen, wissen. Diese Verben heißen Präteritopräsentia, weil ihre Präsensformen die starken Präteritumformen sind, d. h.: 1) sie verändern ihren Stammvokal; 2) sie haben keine Personalendung in der 1. und 3. Person Singular; 3) ihre Singular- und Pluralformen im Präsens haben verschiedene Stammvokale (außer sollen).

Singular: ich (er) kann, darf, muss, soll, mag, will, weiß.

Plural: wir (sie) können, dürfen, müssen, sollen, mögen, wollen, wissen.

Das Präteritum und das Partizip II von den Verben Präteritopräsen­tia werden wie bei schwachen Verben gebildet, wobei der Umlaut fehlt:

mochte — gemocht

wollte — gewollt

wußte — gewußt

durfte — gedurft

konnte — gekonnt

sollte — gesollt

mußte — gemußt

  1. unregelmässige Verben;

Das sind die Verben: haben, sein, werden, gehen, stehen, tun, bringen. Sie bilden ihre Grundformen unregelmäßig, z. В.:

gehen — ging — gegangen

stehen — stand — gestanden

tun — tat — getan

bringen — brachte — gebracht

haben — hatte — gehabt

sein — war — gewesen

werden — wurde — geworden

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