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2. Das Adjektiv

Das Adjektiv ist nach Substantiv und Verb die drittgrößte Wortart: Sie macht etwa -1\6 des Gesamtwortschatzes der deutschen Sprache aus. Das Adjektiv bezeichnet die Eigen­schaft im weitesten Sinne des Wortes: es sind Benennungen von äußeren Merkmalen und inneren Eigenschaften von Menschen, Tieren, Gegenständen, von abstrakten gegenständlich gedachten Erscheinungen, Charak­teristiken einer Handlung, Geschehensart, anderer Eigenschaften oder Umstände. Daher bezeichnet man das Adjektiv als charakterisierendes Beiwort oder als Artwort.

Der Terminus Beiwort kennzeichnet auch die Valenz und das syntaktische Funktionieren des Adjektivs. Das Adjektiv verbin­det sich mit anderen autosemantischen Wortarten oder mit einem an­deren Adjektiv, um sie näher zu bestimmen. In Verbindung mit einem Substantiv fungiert das Adjektiv als Attribut, Prädikativ (auch Arter­gänzung genannt), als Prädikatsattribut. Das Attribut bildet zusammen mit dem Substantiv ein Satzglied und erscheint als Gliedteil, während das Substantiv den Gliedkern bildet. In Verbindung mit einem Verb, Adjektiv oder Adverb erscheint das Adjektiv als Umstandsergänzung (zur Aufhebung der Unterscheidung zwischen Adjektiv und Adverb. bei gut, schlecht, fleißig, langsam, spät).

Täglich stand der junge Sklave

Um die Abendzeit am Springbrunn,

Wo die weißen Wasser plätschern;

Täglich ward er bleich und bleicher. (Heine)

Schreckensbleich stürzte der Regisseur auf die Bühne und bat um Ruhe. (Bredel)

Aus dem Hause drang Klavierspiel, jemand übte fleißig eine schwierige Köhler-Etüde. (Kellermann)

Die verallgemeinerte Wortklassenbedeutung des Adjektivs und sein Funktionieren im Satz bestimmen seine grammatischen Kategorien und seine Abwandlungsart.

Mit der verallgemeinerten Wortklassenbedeutung des Adjektivs ist die Kategorie der Komparation verbunden. Sie hat zum Unterschied von den anderen Kategorien des Adjektivs absoluten Charakter und findet Ausdruck in den Vergleichsformen des Adjektivs. Die Vergleichsformen des Adjektivs bilden eine dreigliedrige Oppositionsreihe: Po­sitiv / Komparativ / Superlativ. Die Kategorie der Komparation ist ein wichtiges Charakteristikum des Adjektivs als Wortart.

Die anderen grammatischen Kategorien des Adjektivs, und zwar die Kategorien des Kasus und Numerus sowie das Genus, haben rela­tiven Charakter und bringen das Kongruenzverhältnis zwischen dem attributiven Adjektiv und dem Bezugssubstantiv zum Ausdruck. Sie kommen dementsprechend nur bei einer syntaktischen Verwendung des Adjektivs zur Geltung, wenn das Adjektiv als Attribut fungiert und als Gliedteil besonders eng mit seinem Bezugswort verbunden ist. In allen anderen syntaktischen Verwendungen, wenn das Adjektiv als selbständiges Satzglied erscheint oder auch wenn das attributiv ver­wendete Adjektiv abgesondert wird und seine Verbindung mit dem Be­zugswort entsprechend gelockert wird, kennt das Adjektiv diese Kate­gorien nicht und wird in der flexionslosen (ungebeugten) Form gebraucht:

Es ist sonnig, es rauscht in der Luft. (Seghers)

...worauf Tony ihn, rot vor Zorn, in die Seite stieß. (Th. Mann)

Und Tonio Kröger ging ganz verklärt und beschwingt von danken. (Th. Mann)

Wir nahmen freundschaftlich Abschied, und fröhlich stieg ich den Berg hinauf. (Heine)

Das Cafe war völlig leer. (Kellermann)

Die flexionslose Form des Adjektivs ist eine Besonderheit im For­menbestand der Adjektive; sie geht in das Flexionsparadigma nicht ein, ist deswegen nicht als Nullform, sondern als reiner Stamm zu sehen.

Eine weitere Besonderheit des Adjektivs ist die variable Fle­xion; das Adjektiv ist an keinen beständigen Deklinationstyp gebunden, sondern es kann nach dem Gesetz der Monoflexion (A d m o n i) schwach oder stark dekliniert werden.

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