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Seminararbeit_Uvarov.docx
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3.2 Kontroversen.

Unter den Historikern gibt es zahlreiche Kontroversen, die den faktischen Inhalt der Ideologie S. Uvarovs zu begreifen und zu erklären versuchen.

Der Begriff der „Offiziellen Volkstümlichkeit“ wurde erstmals am Anfang der 1870er vom liberalen Literaturhistoriker A. Pypin eingeführt, der durch diesen den reaktionär-konservativen Geist der Innen-und Außenpolitik der Regierung Nikolaus I. bezeichnen wollte und der Volkstümlichkeitsgrundsatz der dreieinigen Formel S. Uvarovs sollte ihm zufolge nur als Euphemismus der Leibeigenschaft verstanden werden82.

A. Miller weist darauf hin, dass dieser Begriff nunmehr von späteren Historikern aufgegriffen wurde83 und in der Geschichtsschreibung verankert werden konnte, den er aber zurückweist, da dieser Begriff den wahren Inhalt der Theorie S. Uvarovs verkehrt bzw. die angebliche Einigkeit der Ideen S. Uvarovs, des Zaren und der loyalen Öffentlichkeit hervorhebt, was aber nicht der Fall war84.

A. Miller betrachtet die Tätigkeit S. Uvarovs und sein Konzept in erster Linie als eine Erwiderung auf aktuelle Herausforderung damaliger Zeit bzw. die Nationsbildung, die in den Bedingungen der fortwährenden Wachstums des Kaiserreichs und daraus hervorgehenden ethnischen Heterogenenisierung der Bevölkerung Russlands durch die Realisierung des Volkstümlichkeitsgrundsatzes befördert werden muss, um nicht sowohl die russische Elite, als auch die Eliten der nationalen Minderheiten in einer imperialen Nation zusammenzuschmelzen. S. Uvarov ging es nur um die Integration der Eliten, die aber nicht auf der Grundlage der Russifizierung, sondern der gemeinsamen imperialen Idee verwirklicht werden sollte. Die breiten Massen der Leibeigenen müssen davon ausgeschlossen bleiben. S. Uvarov bestand ausschließlich auf die Integration der im Kaiserreich lebenden Nationen und deswegen lehnte er den Panslawismus grundsätzlich ab. A. Miller zufolge scheint der Volkstümlichkeitsgrundsatz das wichtigste Prinzip der Ideologie S. Uvarovs gewesen zu sein, während die Orthodoxie- und Selbstherrschaftsgrundsätze utilitär verstanden werden sollten.85

R. Wortman geht davon aus, dass das Hauptziel dieser Ideologie der Wunsch Nikolaus I. war, dem europäischen Kaiser aus Sankt-Peterburg die Züge des Moskauer Zaren zurückzukehren bzw. seine deutschstämmige Monarchie zu nationalisieren, aber nur um die Stärke der Bindung zwischen der Selbstherrschaft und dem Volk hervorzuheben, die der Meinung Nikolaus I. nach den Sieg der Dekabristen hatte nicht zulassen können. Die Vorführungen des nationalen Geistes durch Nikolaus I. sollten die Distanz zwischen der Adelselite und dem Volk nicht kürzen, sondern sichern und die Gehorsam als eine typische Nationseigenschaft akzentuieren.86

Entnimmt man den Positionen A. Millers und R. Wortmans, ergibt sich daraus der Grundgedanke, dass der Hauptzweck der Theorie S. Uvarovs war, entweder die imperiale Einigkeit teilweise im Sinne vom damaligen europäischen Nationalismus zu befördern oder die Monarchie und Volk auf der nationalen Grundlage zu integrieren. Im ersten Fall werden die Ideen des Ministers als Fundament der Theorie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“ bestimmt und im zweiten Fall werden die persönlichen Vorstellungen des Zaren als Gehalt dieser Theorie dargestellt.

N. Riasonovsky betrachtet die Politik und die Theorie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“ nicht als ein intellektuelles Konstrukt S. Uvarovs oder Nikolaus I., sondern als gesetzmäßige Reaktion dieser beiden Staatsmänner auf die faktischen Verhältnisse Russlands. Sie mussten von komplizierten Umständen Russlands ausgehen und auf sie gemäß reagieren. Diese Theorie war das Produkt seiner Zeit und typischer Verhältnisse dieser Epoche. Also, nicht der Zar und sein Minister mit ihrer Theorie gaben dem System eine Gestalt, sondern umgekehrt. Sie wollten und konnten dieses System nicht ablösen, deswegen mussten sie ihr gehorchen und in ihren Rahmen handeln. 87

M. Ševčenko fasst die allgemeine Tendenz der Forschung der Theorie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“ als eine allmähliche Entkopplung der Historiker vom dessen Verständnis von A. Pypin, der sie als ganzheitliche reaktionäre Linie solcher Obskuranten wie S. Uvarov, M. Pogodin, S. Ševyrev, F. Bulganin an der Spitze mit Nikolaus I. verstand. Jetzt erkennen sowohl russische, als auch andere Historiker die Tatsache an, dass die damalige konservative Szene und die Meinungen ihrer Vertretern äußert differenziert und uneinig waren und dass angebliche ganzeinheitliche reaktionäre Theorie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“ eine pluralistische Verflechtung verschiedener Gesinnungen war, die im relativ freien Wettkampf ausgearbeitet und entwickelt werden konnten88.

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