- •Die Theorie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“ als das konservative Konsens der Gesellschaft Russlands in der Regierungszeit Nikolaus I.
- •Inhaltsverzeichnis
- •Einleitung
- •2. Herausbildung der Theorie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“ durch deren Urheber.
- •2.2. Orthodoxie.
- •2.3 Selbstherrschaft.
- •2.4 Volkstümlichkeit.
- •2.5 Nikolaus I. Und „Offizielle Volkstümlichkeit“.
- •3.Ergebnisse und Kontroversen im Bezug auf das Wesen und Bedeutung der Theorie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“.
- •3.1.Ergebnisse.
- •3.2 Kontroversen.
- •4. Zusammenfassung.
- •5.Quellen- und Literaturverzeichnis
- •5.2 Literatur
3.Ergebnisse und Kontroversen im Bezug auf das Wesen und Bedeutung der Theorie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“.
3.1.Ergebnisse.
Zum Ende der 1840er ist es klar geworden, dass sich Uvarovsche Staatsideologie nicht durchsetzten konnte, obwohl sich ein Teil der russischen Gesellschaft an dieses Konzept anzulehnen bereit war. Der Furcht vor der ausgebrochenen alleuropäischen Revolution von 1848 und die Aufklärung der zwei oppositionellen politischen Gruppen am Ende der 1840er bzw. der geheimen Gesellschaft der ukrainischen Nationalisten „Kyrill-Methodius‘ Verband“73 und der sozialistischen Gruppe von Butaševič-Petraševskij74 verschlechterten das Verhältnis des Zaren zu S. Uvarov. Nikolaus I. schuf die Sonderausschüsse und ersuchte sie, alle von S. Uvarov unternommenen Maßnahnahmen in Bildungs- und Zensurbereich zu überprüfen und die gefährlichsten oder unverlässlichen von ihnen abzuschaffen. Ohne Vertrauen des Monarchen und als seine dreieinige Ideologie in Bildung durch die strenge Staatskontrolle und Polizeimaßnahmen ersetzt worden war, sah sich S. Uvarov gezwungen, im Oktober 1849 zurückzutreten75. Es dürfte sein Versuch gescheitert gelten, die europäische Bildung an Treue der Selbstherrschaft anzupassen.
Trotzdem dürfte der Hauptgrund des Scheiterns des Konzepts S. Uvarovs nicht an ihn selbst liegen, sondern an den Charakter des Regimes Nikolaus I., bei dem S. Uvarov stark eigenengt gewesen sein muss, sich eine Abweichung von persönlichen archaischen Vorstellungen des Zaren zuzulassen, um dreieinige Ideologie noch mehr an den Zeitgeist anpassen zu können. Der Furcht des Zaren vor jeder Initiative von unten und Streben sie durch Polizeiaufsicht einzudämmen sammelte sich die ganze russische Opposition von Slawophilen bis zu Westler gegen ihn76, was die Akzeptanz von Thron ausgehenden ideologischen Konzepte auch negativ beeinflusst haben kann. M. Geršenzon betont, dass Versuch Nikolaus I. den Geist seines Landes zu kontrollieren gescheitert war und die Brutalität seines Dranges den inneren geistlichen Widerstand stärker machte77, was sich in der großen Welle der Angriffe auf das Regime seitens nicht nur der russischen Emigranten, sondern auch der ausländischen Beobachter wie z.B. Marquis de Custine vom Europa aus niederschlug78. S. Uvarov durfte darauf öffentlich keine Stellung nehmen und dafür seine Theorie weiter entwickeln79 und diese Herausforderung wurde ausschließlich durch die Polizeimaßnahmen bekämpft.
L. Trepanier versucht den Grund des Scheiterns dieser Theorie, durch die vom russischen Volk fordernden Bedingungen der Akzeptanz eines oder anderen politischen Symbols zu erläutern:
„What makes the populace of Russia in the Russian people is the acceptance and articulation of certain political symbols, usually of the type that acknowledge a transcendent dimension of reality such a cosmological, anthropological or soteriological. Official Nationality was none of these“80
Es dürften somit zwei Hauptgründe des Scheiterns der ersten Staatsideologie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“ genannt werden. Der erste kann als Unmöglichkeit der Vereinbarung der europäischen Bildung mit der Treue an der selbstherrschenden Monarchie bezeichnet werden, da die erste die letzte entweder direkt ausschließt oder verschleiernd in Frage stellt. Und der zweite erwies sich als Unmöglichkeit in den Bedingungen des Leibeigenschaftssystems und feudalen gesellschaftlichen Struktur, die selbstherrschende Monarchie und die Stütze auf die breiten intellektuellen Schichte und Volksmassen insgesamt zu vereinbaren, da die erste noch nicht reif damals dafür war, sich selbst nicht als ausländische81, sondern als russische Dynastie aller Russen anzunehmen und die notwendigen gesellschaftlichen Reformen durchzuführen, zwar die Abschaffung der Leibeigenschaft und Beförderung der sozialen Mobilität
