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Seminararbeit_Uvarov.docx
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2.5 Nikolaus I. Und „Offizielle Volkstümlichkeit“.

Will man das Grundmotiv der Regierung Nikolaus I. verstehen, sollte man den Grundzug seiner Person eingehen. M. Geršenzon weist darauf hin, dass Nikolaus I. keinesfalls ein doofer und unmenschlicher Despot war, sondern ein Doktrinär, der sich im Laufe seiner 30-jährigen Regierungszeit von bescheidenen und archaischen Vorstellungen seiner Jugendzeit über das Wesen einer selbstherrschenden Monarchie nicht befreien konnte und die Folgen der Lebensunfähigkeit seiner Prinzipien als ein Missverstehen seiner Befehle und Weisungen durch seine Untertanen betrachtete67. Diese archaischen Vorstellungen des Zaren definieren sein widersprüchliches Verhältnis zum von S. Uvarov vorgeschlagenen Staatsideologieentwurf, da Nikolaus die Dreieinigkeit der Orthodoxie, Selbstherrschaft und Volkstümlichkeit als ein Grundstein Russlands seit vielen Jahrhunderten sah und den Aufstand der Dekabristen eher als die Herausforderung seiner persönlichen Legitimität und nicht der Staatsverfassung Russlands verstand; seine Macht und selbstherrschende Regierungsform hätten keine ideologische Rechtfertigung verlangt68. Aber trotzdem musste er damit rechnen, dass sich die russische konservative Bewegung seit N. Karamzin verstärkte und eine offizielle ideologische Rechtfertigung des existierenden Systems aufforderte, die sich nicht nur einzig und allein auf der Loyalität der Monarchie einengte, sondern die ganze geistliche und denkende Potenzial des Kaiserreiches aufbrächte, um den Drang der westlichen Demokratie und Liberalismus eindämmen zu können. Ein großer Teil der intellektuellen Russen war ganz entschieden für ein solches Konzept69.

Aber genauso wie S. Uvarov erwies Nikolaus I. keine Sympathie, Russland vom Westen im Sinne der Ideen und Vorschläge der romantischen Nationalisten abzuschotten und eine Mobilisierung der Volksenergie nach der Idee der Slawophilen ihm ganz unzulässig gewesen zu sein scheinen konnte. Nikolaus I. bestand wie S. Uvarov eher auf die Notwendigkeit einer Filtrierung des westlichen Einflusses, aber er war der erste russische Monarch, der sich vom kosmopolitischen Charakter des Absolutismus im Geist des 18. Jahrhunderts abrückte und ausgehend vom Krach des europäischen Absolutismus ihn hauptsächlich als zum Russland gehörende Eigenschaft zu betrachten begann. So ließ Nikolaus I. seinem Sohn und Nachfolger eine Reise durch Europa vollziehen, aber warnte ihn in der Vorschrift vor der Versuchung europäischer Lebensformen:

„ […] Es können sich viele Dinge erweisen, die Dir gefallen könnten, aber wenn Du sie viel aufmerksamer betrachtet haben wirst, stellt es sich heraus, dass diese dort zu verehrende Dinge bei uns nicht nachgeahmt werden könnten. Wir müssen unsere Nationszugehörigkeit immer bewahren, die uns die Kräfte, Erlösung und Einzigartigkeit zur Verfügung stellt!“70

Darüber hinaus dürfte man schließen, dass sich die Vorstellungen S. Uvarovs und des Zaren bezüglich der Volkstümlichkeit im Wesentlichen deckten. Nikolaus I. begünstigte die Tätigkeit der dynastischen und romantischen Nationalisten. Im Vergleich mit seinem Minister blieb Nikolaus ein aufrichtiger Orthodoxer71, der aber mit S. Uvarov einverstanden war, die Rolle der Religion als Bindeglied zwischen seinen Untertanen und dem Thron zu festigen und zu starken, was im enormen Zuwachs der Finanzierung des Synods seinen Niederschlag fand, die im Laufe seiner Regierungszeit von 2.000 Silberrubel 1825 bis zu 200.000 1849 Silberrubel zunahm72.

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