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Seminararbeit_Uvarov.docx
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2.4 Volkstümlichkeit.

Von drei Prinzipien scheint der Volkstümlichkeitsgrundsatz eine besondere Rolle gespielt zu haben, der gerade als ein nötiges Mittel verstanden werden könnte, das die Bindung der europäischen Ausbildung an die Kaisertreue ermöglichte:

„Side by side with these two national principles there is also a third, no less important, no less puissant, that of nationality [narodnost’]. This principle lack the cohesiveness of the preceding ones, but both emanate from the same source and are linked on every page of Russian history. In regard to nationality, the entire the difficulty lay in reconciling old and new concepts: but nationality does not compel us to move backward or to stay in place: it does not require immobility of ideas […] “58

Es lässt sich noch ein Verständnis des Volkstümlichkeitsgrundsatzes von S. Uvarov erwähnen, das auf die Reife Russlands unter den anderen europäischen Nationen hindeutet und auf die Gleichberechtigung Russlands unter ihnen besteht59.

Aber im Vergleich mit den Orthodoxie- und Selbstherrschaftsgrundsätze, denen S. Uvarov klare theoretische Bedeutung und mögliche praktische Umsetzung zugeschrieben hat, hat er selbst die Schwierigkeit anerkannt, den Volkstümlichkeitsgrundsatz mit einem konkreten Inhalt zu füllen und den besten Vertretern der vaterländischen Ausbildungsschicht eine Möglichkeit gewährt, die dafür ihre Kräfte und Leben bereit abzugeben wären, bei der Lösung der Frage des konkreten Gehalts des Volkstümlichkeitsgrundsatzes mitwirken zu dürfen60.

Die im Werk von C. Whittaker gut beschriebene Auseinandersetzung S. Uvarovs mit den von Öffentlichkeit ausgehenden Ideen und Vorschlägen im Bezug auf das Volkstümlichkeitsverständnis könnte nicht nur die eigenen Vorstellungen des Ministers, sondern auch die Reflexion dieser Idee bei der russischen Öffentlichkeit zeigen lassen.

C. Whittaker definiert die drei öffentlichen Gruppen, die den Volkstümlichkeitsgrundsatz angenommen und den mit verschiedenem Gehalt gefüllt haben bzw. die erste Gruppe der dynastischen Nationalisten, die zweite der romantischen Nationalisten und die dritte der Slawophilen. Die dynastischen Nationalisten, die von solchen Personen wie F. Bulganin, N. Greč und O. Senkovskij vertreten waren, verstanden die Volkstümlichkeit in erster Linie als defensive Strategie der Bewahrung von Status quo in der Innenpolitik und die Großmachtstellung Russlands in der Außenpolitik. Sie setzten die Nation mit der Staatsverfassung des Kaiserreichs der Romanovsdynastie gleich, die als Hüterin der nationalen Kultur verstanden wurde.61 Dieser Gruppe dürfte man S. Uvarov und den Zaren selbst zuschreiben.62 Die Professoren der Moskauer Universität M. Pogodin und S. Ševyrev, aus denen sich die zweite Gruppe zusammensetzte, ergänzten die Loyalität der selbstherrschenden Monarchie durch nationalistische Hervorhebung der besonderen Rolle Russland und die Bedeutung dessen Bewohner, die sich in einem poetischen Reichtum, friedliebenden Werden des Volkes und einer Mission der Slawen den verfaulenden Westen zu retten niederschlagen.

Wenn die Vertreter der ersten Gruppe mit dem Monarchen an der Spitze die Auseinandersetzung Russlands mit Westen als eine Inkompatibilität der Staatsverfassungen bezeichneten, vertieften M. Pogodin und S. Ševyrev diese Dichotomie weiter, die auch die kulturelle Dimension erfasste:

„Der dritte unsere Grundzug erweist sich als Begreifen unserer Volkstümlichkeit und der Überzeugung davon, dass jede Reform bei uns nur dann einwurzeln kann, wenn sie ans Gefühl des Volkes angepasst und als untrennbare Zug und Gedanke des Volkes etabliert werden wird. In diesem Gefühl verbirgt sich der Grund unserer Unentschlossenheit, die literarische Entwicklung mit dem erschöpften Westen fortzusetzen und unserer großen Fähigkeit, gegen alle seinen Versuchungen immun und unempfindlich zu bleiben. Dies verhindert auch die unfruchtbaren Versuche unserer einigen Bürger, die russischen Herz und Verstand durch diese fremden Einflüsse zu indoktrinieren […] Dieses Gefühl orientiert uns an die Forschung unseres alten Russlands, das uns das ursprüngliche und reine Volkstümlichkeitsbild zur Verfügung stellt. Die Regierung selbst ruft uns dazu […] Der Mann des Zaren, dem die Ausbildung der Jugendlichen anvertraut worden war, hatte schon vor langem diese Prinzipien als einen tiefschürfenden Gedanke geäußert und sie wurden als die Grundlage der Volkserziehung eingesetzt“63

Der westlich ausgebildete und mit dem Westen vertraute S. Uvarov, auf den als den Mann des Zaren seine Denkweise S. Ševyrev bezog, konnte mit dieser nicht einverstanden sein, obwohl er mit ihm und M. Pogodin befreundet war und ihre Zeitschrift begünstigte64.

Viel inkompatibler war für S. Uvarov die Position der dritten slawophilischen Gruppe bezüglich der Volkstümlichkeit, deren Vertreter wie A. Khomjakov, Gebrüder Aksakovs und Kirijevskijs Geschichte Russlands seit Peter dem Großen in der Frage stellten, indem sie die Zarenfigur nicht als eine absolute Zentralgewalt betrachteten, sondern nur als ein Symbol der Nation, der den Volkswille in Form von allrussischer Gemeinschaft „Zemskij sobor“ zulassen sollte, ihm bei der Regierungsgeschäften raten zu dürfen. Für sie war ein Absolut die Idee dieses Volkswillens bzw. Sobornost‘, die sich aus dem Charakter der Nation ergibt und sie auf der Grundlage der Orthodoxie, Brüderschaft, Harmonie und des dorfgemeinschaftlichen patriarchalischen Wesens zusammenhalten lässt65.

C. Whittaker fasst zusammen, dass sich S. Uvarov in der Mitte zwischen der ultraeuropäischen und der ultrarussischen Denkweise im Bezug auf das Verständnis des Volkstümlichkeitsgrundsatzes befand. S. Uvarov hat versucht, die neue europäische Volksidee des 19. Jahrhunderts mit dem aufgeklärten Absolutismus des 18. Jahrhunderts zu vereinbaren und die Öffentlichkeit ersucht ihm darin zu helfen, die aber von ihm gestellten Rahmen abwich, indem sie diese Idee weiter entwickelte oder andere Prioritäten einsetzte.66

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