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Seminararbeit_Uvarov.docx
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2. Herausbildung der Theorie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“ durch deren Urheber.

2.1 Die Weltanschauung S. Uvarovs und die Leitidee seiner „Offizielen Volkstümlichkeit“.

Der 1788 in einer adligen Familie geborene Sergej Uvarov ist einer der gut ausgebildeten Menschen seiner Epoche in Russland geworden, der sich durch die neusten geistlichen Einflüsse aus Europa auszeichnete. Die Forscher einigen sich, dass die deutsche Philosophie ihn am tiefsten geprägt zu haben schien. T. Schiemann und R. Pipes weisen durch die von S. Solov’ev unternommene Beschreibung S. Uvarovs auf seine mehr als guten Kontakte mit Goethe, Stein und W. von Humboldt hin25 26.

M. Ševčenko präzisiert die Bedeutung dieser Kontakte und des deutschen Einflusses durch die Tatsache, dass S. Uvarov die von der deutschen Romantik ausgegangene Idee der Gleichsetzung des Volkes und des Staates mit einem biologischen Organismus und den Begriff des „Volksgeistes“ als unverletzte organische Einigkeit eines Volkes übernommen hatte27. Daraus entwickelte sich seine tiefste Überzeugung, dass die zielgerichtete Umgestaltung des Organismus nur nach herausgefunden Gesetzten des historischen Wachstums verwirklicht werden darf, da jedes Element des Staates oder des Volkes mit einem anderen nicht mechanisch, sonder organisch verkoppelt ist 28.

Zugleich wurde S. Uvarov durch den damaligen Zeitgeist in Russland und die Weltanschauung eines typischen russischen Aristokraten geprägt. Mit einigermaßen negativen Konnotationen hebt S. Solov’ev diesen Umstand besonders hervor, dass Uvarov unter der Nachwirkung der Tage Katharinas der Großen stand und sich durch die Begeisterung für die liberalen Ideen des ersten Jahrzehntes der Regierung Alexander I. charakterisierte, der aber innerlich ein unfreier Mensch und Diener seines Herren geblieben war29.

Auf der Grundlage dieser widersprüchlichen Verflechtung der Züge eines durch die europäische Ideen tief betroffenen aufgeklärten Mannes und eines treuen Dieners des selbstherrschenden Monarchen sah sich S. Uvarov verpflichtet, in den Bedingungen der nach der Niederlage des Aufstandes der Dekabristen etablierten Reaktion der russischen Gesellschaft einen dynamischen und nicht rückständigen30 geistlichen Ausweg vorzuschlagen, der die Verbindung an Europa nicht ausschließe, sondern sie durch die Prinzipien der Treue an die uralte gesellschaftliche Staatsverfassung ergänzte und füllte31 und die Gleichgültigkeit im Bezug auf die radikalen westlichen Ideen vermittelte32. Nach der intellektuellen Kultur war S. Uvarov der tief vom Westen ausgeprägte Mensch, der wünschte, dass die nächste europäisch ausgebildete Generation die russische Kultur besser verstände und Russisch besser sprechen könnte33.

„ Here […] what is necessary is a Russian system and a European education; a Russian system—since what is useful und fruitful is only that conforms with the present order, with the spirit of the people, with its needs, with its political laws; a European education—since more than ever before we are obliged to look intently at what it happened outside the borders of the Fatherland, but to look not in spirit of blind imitation or stupid envy, but to cure our own prejudges and seek the best discoveries“34

Diese von S. Uvarov hergeleiteten Prinzipien hatten sich in seiner berühmten Formel „Orthodoxie, Selbstherrschaft, Volkstümlichkeit“ niedergeschlagen, die erstmals in seiner an den Zaren gerichteten Denkschrift von 4. Dezember 1832 erwähnt35 und später als Theorie der „Offiziellen Volkstümlichkeit“ verallgemeinert wurden.

Obwohl S. Uvarov der erste Intellektuelle war, der als ein hoher Beamter die Ideologie der Eigentümlichkeit der gesellschaftlichen und politischen Struktur Russlands zu etablieren versuchte, war diese Idee erstmals durch die Tätigkeit von N. Karamzin aktualisiert worden:

„Autocracy is the Palladium of Russia; on its integrity depends Russia’s happiness […] A gentleman, favored by fortune, is accustomed from birth to feel self-respect, to love the fatherland and the sovereign for the advantages of his birth-right, and to be powerfully attracted to distinctions which his ancestors have earned and he himself will earn by his own accomplishments […] I should like to see the Synod have a more important body of members and sphere of action […] it would be better yet to pass a law […] which would insist that bishops show greater concern for the morals of the parishioners […] The gentry and the clergy, the Senate and the synod as repositories of laws, over all—the sovereign, the only legislator, the autocratic source of authority—this is foundation of the Russian monarchy, which the principles followed by the rulers can either strengthen or weaken “36

Entnimmt man dem Inhalt dieser Denkschrift, dürfte Karamzin der erste russische Intellektuelle genannt werden, der nicht nur die Grundstruktur Russlands als eine Bilanz zwischen den Autokraten, dem Adel und den Geistlichen mit ihren eigenen Rollen, Rechten und Pflichten zu betrachten begann, sondern erklärte, dass nur die Bewahrung dieser Grundstruktur und die Festigung der einzelnen Komponenten, wie z.B. die Stärkung der Rolle der Geistlichen im Leben der Gesellschaft und des Staates in der Gegenwart und der Zukunft keine Alternativen haben muss. N. Karamzin war auch der erste, der das Problem des Verhältnisses zwischen den Intellektuellen und der Monarchie anging. Seiner Ansicht nach ist kulturelle Freiheit für einen Intellektuellen viel wichtiger als politische Freiheit und er sollte sich mit der kulturellen und persönlichen Freiheit befassen und der Regierung politische und soziale Probleme überlassen37.

Als S. Uvarov 1833 zum Kultusminister ernannt wurde, verfasste er dem Zaren einen Bericht von 19. November desselben Jahres, wo er ihm das Motto und die Leitidee neuer Ideologie darstellte: die Volksausbildung müsse sich im Rahmen der vereinigten Idee der Orthodoxie, Selbstherrschaft und Volkstümlichkeit vollziehen, aus denen sich die Eigentümlichkeit Russlands zusammensetze und ohne sie gebe es keine Aussicht auf Überleben Russlands38. Zehn Jahre später betonnte er nochmal, dass seine wichtigste Aufgabe die Festigung Russlands auf der Grundlage dieser nur dem Russland gehörenden Anfänge, ihrer Suche und ihrer Verschmelzung zu verstehen sei39.

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