Die Stadtmaus und die Feldmaus
Eine Stadtmaus ging spazieren und kam zu einer Feldmaus. Die bewirtete sie mit Eicheln, Körnchen, Nüssen und womit nur sie konnte.
Die Stadtmaus aber sprach: „Du bist eine arme Maus. Warum willst du hier in Armut leben? Komm mit mir! Ich will dir und mir genug schaffen von vielerlei köstlicher Speisen.“
Die Feldmaus zog mit ihr in ein wunderschönes Haus, in dem die Stadtmaus wohnte, und sie gingen in die Kammer. Dort gab es reichlich Fleisch, Speck, Würste, Brot, Käse und so weiter.
Da sprach die Stadtmaus: „Nun iss und sei guter Dinge. Solche Speisen habe ich tagtäglich überflüssig.“
Indes kam der Kellermeister und rasselte mit den Schlüsseln an der Tür. Die Mäuse erschraken und liefen davon. Die Stadtmaus fand schnell ihr Schlupfloch, doch die Feldmaus wusste nicht wohin. Sie lief an der Wand hinauf und hinab und verzweifelte an ihrem Leben.
Als der Kellermeister wieder hinausgegangen war, sprach die Stadtmaus: „Es ist keine Gefahr mehr. Lass uns guter Dinge sein!“ Die Feldmaus antwortete: „Du hast gut reden. Du wusstest dein Schlupfloch ohne weiteres zu finden, während ich vor Angst fast gestorben bin. Ich will dir sagen, welcher Meinung ich bin: Bleib du eine reiche Stadtmaus und friss Würste und Speck. Ich will ein armes Feldmäuschen bleiben und meine Eicheln essen. Du bist keinen Augenblick sicher vor dem Kellermeister, vor den Katzen, vor vielen Mäusefallen, und das ganze Haus ist dir feind. Von all diesen Dingen bin ich frei und sicher in meinem armen Feldloch.
2.2 Charakterisieren Sie die gelesene Fabel nach dem angegebenen Schema
1. Tiere und Pflanzen treten in der Fabel als Menschen auf. 2. Menschliche Schwächen wie Neid, Dummheit, Geiz, Eitelkeit und so weiter sind Thema der Fabeln. 3. Meist kommen nur 2 Tiere in der Fabel vor. 4. In einer Fabel wird keine genaue Zeit genannt. 5. Es wird kein genauer Ort genannt. 6. Fabeln sind kurz. 7. Fabeln enthalten keine genauen Schilderungen. 8. Eine Fabel steht in der Vergangenheit. 9. Fabeln haben mit dem wirklichen Leben der Menschen zu tun. 10. Wichtige Leute (Könige) werden in manchen Fabeln versteckt angegriffen. 11. Am Ende einer Fabel steht oft, was man aus der Fabel lernen kann. 12. Fabeln sind in 3 Teile gegliedert: a) Ausgangssituation (Überschrift, wie ist die Situation); b) Rede und Gegenrede (Streit, Streitgespräch); c) Lösung (Die Lösung und die Moral der Fabel). Die einzelnen Teile müssen nicht alle in einer Fabel enthalten sein.
Sehen Sie das typische Beispiel durch. Beachten Sie die Bestandteile der Fabel.
Der Esel und der Wolf
Ein Esel begegnete einem hungrigen Wolfe. (Ausgangssituation)
„Habe Mitleiden mit mir", sagte der zitternde Esel, „ich bin nur ein armes, krankes Tier; sieh nur, was für einen Dorn ich mir in den Fuß getreten habe!" „Wahrhaftig, du dauerst mich", versetzte der Wolf, „und ich finde mich mit meinem Gewissen verbunden, dich von diesen Schmerzen zu befreien." (Streitgespräch)
Kaum war das Wort gesagt, so ward der Esel zerrissen. (Lösung)
