- •Thema 1. Phraseologie, ihr Gegenstand und ihre Einteilung
- •1. Gegenstand der Phraseologie
- •2. Definition des Phraseologismus
- •3. Klassifikation der Phraseologismen
- •3.1. Strukturelle Klassifikation
- •3.2. Semantische Klassifikation
- •Eulen nach Athen tragen – у ліс дрова возити;
- •Zusammenfassung
- •Literatur
- •Aufgaben
3.2. Semantische Klassifikation
Semantische Klassifikation unterscheidet Phraseologismen nach ihrer Motiviertheit oder Nichtmotiviertheit. Alle Arten der Phraseologismen wie Funktionsverbgefüge, sprichwörtliche Redensarten, stehende Vergleiche und Wortpaare werden danach analysiert, ob sie motiviert, noch motiviert oder schon unmotiviert sind. Die völlig unmotivierten Phraseologismen heißen in der linguistischen Literatur „Idiome im eigentlichen Sinne“ oder „echte Idiome“.
Funktionsverbgefüge bestehen aus einem vollsemantischen Substantiv und einem desemantisierten Verb, sie entsprechen einem Verb und sind durch die Wortbedeutung ihrer Teile motiviert, z. B.:
jemandem Hilfe leisten – helfen
etwas zum Ausdruck bringen – ausdrücken
zum Ausdruck kommen – ausgedrückt werden
etwas zur Verfügung haben – über etwas verfügen
Sprichwörtliche Redensarten können teilweise motiviert oder unmotiviert sein.
Teilweise motivierte sprichwörtliche Redensarten sind bildhaft, metaphorisch, man kann ihren übertragenen Sinn entschlüsseln:
etwas mit Ach und Krach schaffen – (розм.) насилу, ледве-ледве; з горем пополам;
in den sauren Apfel beißen – скоритися лихій долі, змиритися з прикрою необхідністю;
jemandem unter die Arme greifen – допомогти кому-н.; підтримати кого-н. у скрутному становищі;
den Bock zum Gärtner machen – пустити цапа в город.
Unmotivierte sprichwörtliche Redensarten (Idiome im engeren Sinne des Wortes) sind für Ausländer unverständlich, man soll ihre Bedeutung im Wörterbuch extra nachschlagen. Ihr Sinn lässt sich heute aus ihren Komponenten nicht erklären, z. B.:
Eulen nach Athen tragen – у ліс дрова возити;
ihm hängt der Himmel voller Geigen – він не тямить себе від щастя;
der blaue Brief – повідомлення про звільнення з роботи.
Motiviert oder unmotiviert können auch andere strukturelle Typen der Phraseologismen sein – stehende Vergleiche und Wortpaare.
Man unterscheidet motivierte stehende Vergleiche, wo ein Bild vor unserem inneren Auge entsteht, und wir verstehen, warum etwas oder jemand mit einem Gegenstand, Tier oder Menschen verglichen wird. So z. B.:
fleißig wie eine Biene – alle wissen, dass Bienen sehr fleißig und ein Sinnbild des Fleißes sind;
stark wie ein Bär – der Vergleich ist vertändlich;
reden wie ein Wasserfall – die Vielzahl der Worte gleicht den fallenden Wassermassen.
Unmotivierte stehende Vergleiche sind phraseologisiert (idiomatisiert), heute versteht man nicht ohne Weiteres, warum man das so sagt. Die Erklärung bedarf der Nachforschungen in einem phraseologischen Wörterbuch, z.B.:
frieren wie ein Schneider (= sehr frieren), laufen wie ein Schneider (= sehr schnell laufen) – das Bild ist verdunkelt;
es zieht hier wie Hechtsuppe! (es zieht sehr, es herrscht starker Luftzug) – der stehende Vergleich enthält ein Fremdwort, das nur in diesem Vergleich gebraucht wird.
Die Teilung in motivierte und unmotivierte Phraseologismen betrifft auch die Wortpaare. Zu den motivierten Wortpaaren gehören:
alt und jung; auf Schritt und Tritt; schalten und walten.
Unmotivierte Wortpaare enthalten veraltete Wörter (Archaismen) –
mit Kind und Kegel (mit allen Angehörigen); mit Kind und Kegel (mit der gesamten Familie; mhd. kegel, kekel = uneheliches Kind; H. u.): Pfingsten 83 endlich tat sich etwas, das auch Karoline interessieren konnte. Ein Ausflug! Mit Kind und Kegel (Kühn, Zeit 113).
mit Jubel und Trubel (mit großer Freude und sehr laut); (Tru|bel, der; -s [frz. trouble= Verwirrung; Unruhe, zu: troubler = trüben; verwirren, beunruhigen, über das Vlat. zu lat. Turba = Verwirrung; Lärm, Schar, Haufe]: [mit Gewühl verbundenes] lebhaftes geschäftiges od. lustiges Treiben: in der Stadt herrschte [ein] großer, ungeheurer, hektischer Trubel; ). Auch: Jubel, Trubel, Heiterkeit (1. angeregte Stimmung, laute Fröhlichkeit. 2. oft abwertend; hektisches, lautes Treiben: ich sah doch immer diese Westerns und diese Cowboys, Mann ... bei denen war immer Jubel, Trubel, Heiterkeit [Rechy (Übers.), Nacht 171]).
Krethi und Plethi ([nach der Lutherschen Übersetzung von 2.Sam. 8., 18 (u.a.) Bez. für die Kreter u. Philister in der Söldnertruppe des biblischen Königs David] (abwertend): Hinz und Kunz (Hinz): Krethi und Plethi waren/(auch:) war da.).
