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5.Der ahd. Sprachraum und die ahd. Territorialdialekte.

Auch die germanischen Stammessprachen wurden im Prozeß der Kon­solidierung der einzelnen Stämme immer mehr ausgeglichen. Im Rahmen des Frankenreiches entwickelten sich zwei Sprachen: die westlichen Franken eigneten sich die romanische Sprache Galliens (das Altfranzö­sische) an, die östlichen Stämme sprachen ihre germanischen Dialekte, das Althochdeutsche. Im Norden wurde das Althochdeutsche durch die sog. zweite (althochdeutsche) Lautverschiebung abgegrenzt. Die von der zweiten Lautverschiebung betrofenen Gebiete (der mittlere und südli­che Teil des deutschen Sprachgebiets) werden als hochdeutscher Sprach­raum angesehen, die übrigen altdeutschen Gebiete (Niedersächsisch, Niederfränkisch) gehören zum Niederdeutschen.

Das Althochdeutsche weist zwei Dialektgruppen auf: Oberdeutsch und Mitteldeutsch. Zu der ersten Gruppe gehören das Alemannische, Bairische, Südrheinfränkische, Ostfränkische. Die zweite Gruppe bilden das Rheinfränkische, Mittelfränkische und das Thüringische.

Hochdeutsche Territorialdialekte:

Oberdeutsch

1. Bairisch.

2. Alemannisch.

3. oberdeutsches Fränkisch:

a) Südfränkisch.

b) Ostfränkisch.

Mitteldeutsch

1. mitteldeutsches Fränkisch:

a) Rheinfränkisch.

b) Mittelfränkisch.

2. Thüringisch.

Niederdeutsche Territorialdialekte:

1.Niederfränkisch.

2.Niedersächsisch (im 10./11. Jh.).

6.Das Wort „Deutsch“. Die Entwicklung des Schrifttums.

In den frühesten Quellen aus der Epoche des ostfränkischen Reiches kommt es in mittellateinischer Form theo-discus vor: lingua theodisca (786), gens teudisce (860). Die deutsche Form des Wortes erscheint in den Werken Notkers (in diutiskün «auf deutsch»), in Annolied (diutischemi lande), in der Kaiserchronik (die Diutischen). Um 1000 findet man bereits den Ausdruck die diutisca zunga. Parallel werden auch teutonicus, Teutonia, germanicus, Germania gebraucht. Im 15.— 16. Jh. entsteht die Zusammensetzung Teutschland (< ahd. diutiskiu lant), später Deutschland.

Das Wort deutsch wurde aus dem germ. *peudo- (ahd. diot «Volk») abgeleitet und bedeutete ursprünglich «volkssprachlich» (wenn auf die Sprache der Franken bezogen) «volksmäßig», «allgemein verständlich». Auf die Form des Wortes (theodiscus, theotiscus, teudiscus) hat wahr­scheinlich das lat. Teutonicus(тевтонский, германский) Einfluß gehabt.

Die althochdeutsche Schrift ist aus dem lateinischen Alphabet entstanden, aber auch angelsächsiche Schreibgewohnheiten wirkten dabei mit, denn die angelsächsische Mission hat in Deutschland eine bedeutende Rolle gespielt. Die Orthographie war schwankend und unbeholfen. Das wird durch Dialektunterschiede noch verstärkt. Aus diesen Gründen ist der phonetische Wert der einzelnen Schriftzeichen sehr schwer zu bestimmen.

7.Sprachliche Denkmäler des Ahd.

Die deutsche Sprache der vorliterarischen Zeit (V. Jh.— Mitte VIII. Jh.) weist keine schriftlichen Denkmäler. Die Runenschrift (Schutzinschriften auf Waffen, Grabsteinen u. a.) ist sehr spärlich vertreten.

Die schriftliche Überlieferung der deutschen Sprache beginnt um 770, die des Altenglischen ein Jahrhundert früher. Sie ist in der ahd Epoche eng mit dem Kirchenleben verbunden. In Klosterstuben wurden theologische Traktate, Gebete, Psalmen ins Deutsch übertragen, Ge­schichtswerke geschrieben, Bibelkommentare für die Schule und die Ausbildung der Geistlichen verfaßt. Die Klöster wurden zu Hauptstätten der Bildung, zu Zentren des geistigen Lebens der frühfeudalen Gesell­schaft.

Am meisten bekannt durch ihr Schrifttum sind die Klöster St. Gal­len, Murbach, Reichenau (alemannischer Bereich), St. Emmeram, Tegernsee, Monsee, die Bischofssitze Regensburg, Freising, Salzburg (bairischer Bereich), Würzburg, das Kloster Fulda (ostfränkischer Bereich), die Klöster Lorsch, Mainz (rheinfränkisch), Weißenburg (südrheinfränkisch), Bischofssitze Köln und Trier (mittelfränkisch).

Das älteste deutsche Sprachdenkmal, das zeitlich und örtlich bestimmt werden konnte, ist der um 770 in Freising erfaßte Abrogans. Es gehört zu den sog. Glossaren, d. h. lat. Vokabellisten mit Überset­zung. Es haben sich auch zahlreiche Gebete, Taufgelöbnisse, Beichtfor­meln u. a. erhalten.

Unter den größeren prosaischen Werken seien genannt die Überset­zung des lat. theologischen Traktats des Erzbischofs von Sevilla Isidor «Über den katholischen Glauben» («De fide catholica», das letzte Jahr­zehnt des 8. Jhs., fränkisch), die Evangelienübersetzung des christlichen Schriftstellers Tatian aus Syrien (um 830, ostfränkisch) und die Über­setzung der Benediktinerregel (802—817, alemannisch).

Die wichtigsten Denkmäler der Versdichtung sind «Muspilli» (um 830, bairisch), die «Evangelienharmonie» Otfrieds von Weißenburg (um 865, südrheinfränkisch), das «Ludwigslied» (881—882, rheinfränkisch).

Die Sprachdenkmäler heimischer Herkunft und weltlichen Inhalts sind zu dieser Zeit selten. Das einzige Denkmal der altgermanischen Heldendichtung ist ein Fragment des «Hildebrandsliedes» (um 815). Nichtkirchlichen Charakter tragen auch die Merseburger Zaubersprüche, die Straßburger Eide, das Ludwigslied, der sog. ältere Physiologus.

Ganz besondere Verdienste bei der Entwicklung des alten deutschen Schrifttums besitzt Notker Labeo (950—1022), der Schulvorsteher im Kloster St. Gallen. Er übersetzte viele philosophische Schriften aus dem Lateinischen ins Deutsche (alemannisch), u. a. das Werk «Vom Trost der Philosophie» des spätrömischen Philosophen Boethius und zwei Ab­handlungen des Aristoteles und schuf dabei eine große Anzahl philoso­phischer Termini.

Unter den Sprachdenkmälern des Altsächsischen ist in erster Li­nie die Evangeliendichtung «Heliand» zu nennen. Der «Heliand» wurde um 830 verlaßt und ist in zwei fast vollständigen Handschriften erhal­ten. Auch die Fragmente der altsächsischen «Genesis» stellen einen gro­ßen Wert für das Studium der deutschen Sprachgeschichte dar. Die lateinische Sprache behaup­tete zu dieser Zeit ihre herrschende Stellung im deutschen Schrifttum. Geschichtswerke und Bibelkommentare, Gesetzbücher, wissen­schaftliche Schriften u. a. wurden lateinisch verfaßt.

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