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3. Die Entwicklung der deutschen Literatursprache im 17-18. Jhd.

Im 17. Jh. standen in Deutschland nur noch drei Varianten der Literatursprache miteinander im Wettbewerb: die ostmilleldeutsche, die oberdeutsche und die schweizerische. Es hielt der Wettkampf um die allgemeine Geltung zwischen dem Ostmitteldeutschen und dem Oberdeutschen bis zur Mitte des 18. Jh. an.

Die bedeutendsten Grammatiker und Verfasser von Wörterbüchern, die sich im 17.-18. Jh. um die Normung der deutschen Sprache bemühten, stammen sich aus Norddeutschland und bekannten sich zun Ostmitteldeutschen. Groß war der Einfluß der Universitäten Wittenberg, Jena, Halle sowie der Einfluß Leipzigs, das um diese Zeit zum Mittelpunkt des Buchhandels wurde, und der Einfluß der Dichter der Schlesischen Schule Opitz, Logau und Moscherosch. Jetzt war die Frage der Sprachgebrauchs entschieden. Dass auch die südwestdeutschen Dichter (neben Wieland vor allem Goethe und Schiller) die oatmitteldeutsche Schriftssprache annahmen, war besonders bedeutsam.

4. Die Regelung der Rechtschreibung

Das Neuhochdeutsche erbte von der vorausgehenden Zeit eine ungeregelte Schreibung. Die Uneinheitlichkeit der Schreibung fand ihren Ausdruck darin, dass derselbe Laut sehr oft verschiedene Bezeichnungen hatte: j und y standen sehr oft für i, z. B. jm, yhm «ihm», v für u, z. B. und «und» neben du «du», umgekehrt u für v(f), z. B. befolgt «befolgt» neben valsch «falsch» , w für u, z. B. fraw «Frau», fewer «Feuer». Das i: wurde durch ii, ij oder y wiedergegeben. Der Umlaut, den man durch Überschreibung des e bezeichnete, also a, o, u wurde nur unregelmäßig gekennzeichnet. Im 16.-17. Jh. haben sich infolge der Nornumg viele Charakterzüge des neuzeitlichen ortographischen Systems herausgebildet. Zu Anfang des 16. Jh. machte sich die Tendenz zur Großschreibung der Substantive bemerkbar. Auch die Zeichensetzung wurde im 17. Jh. regelmäßider: der alte Schrägstrich(Virgel) wurde durch den Beistrich(Komma) verdrängt. Es breitete sich die Anwendung des Aisrufezeichens, der Klammern und der Anführungszeichen.

Die Anwendung des etymologischen Prinzips begünstigte die Verbreitung der Schreibungen ä, äu anstelle der Lutherschen e, eu in: älter, Fähre, Hände, Häuser. Der Qualitätswandel der Vokale brachte solche Schreibungen aus dem Gebrauch wie eddel, fedder, odder, die noch bei Luther üblich gewesen waren(Konsonantenverdoppelung wurde zum Zeichen der Vokalkürze), und trug zur Festigung der Schreibung ie und zur Ausbreitung des stummen h als Zeichens der Vokallänge bei.

5. Die Sprachregelung auf dem Gebiet der Grammatik

Auf dem Anfandsstadium der Entwickluhg des Neuhochdeutschen wiesen alle Wortformen noch große Schwankungen auf.

Das Substantiv wies große Schwankungen sowohl im grammatischen Geschlecht, z. B. der und die Back, die und der Butter, die und das Finsternis, als auch im Deklinationstyp und in der Pluralbildung auf. Besonders uneinheitlich und labil waren die Wortformen des Substantivs im Oberdeutschen im Zusammenhang mit der Apokope des unbetonten –e. Infolge der Apokope wurde auch der Umlaut im Plural in viel drößerem Umfange gebraucht, z. B. die Täg, die Ärm usw. Ungleichmäßig geht auch die Verbreitubg des Umlauts und der Pluralsuffixe vor sich, so heißt es im Plural die Gewölbe und die Gewölber, die Steine und die Steiner, die Orte und die Örter.

Große Differenzen zwischen den oberdeutschen und mitteldeutschen Grammatikern gab es in bezug auf das auslautende –e der Maskulina und Neutra. Den mitteldeutschen Affe, Ende wurde bis weit ins 18. Jh. hinein oberdeutsche Aff, End gegenübergestellt. Die Grammatiken des 17. Jhs. lassen im N. Sg. Parallelformen zu, wie Straß, Straße, Straßen, in den obliquen Kasus: Straße und Straßen. Im 18. Jh. gelten die schwachen Singularformen der Feminina schon als veraltet. Um diese Zeit wird auch die Verteilung der Endungen –en und –ens im G. Sg. geregelt: des Namens, des Herzens.

Sehr labil und ungeregelt war zu Beginn der nhd. Zeit der Gebrauch Formen des Adjektivs. Nach adjektivischen Pronomen und unbestimmten Zahlwörtern sagt man ein frommer, im Pl. seine fromme, seiner frommen.

Einige VERBEN schwankten zwischen der starken und der schwachen Konjugation. So kamen z. B. schwache Präteritumformen wie bindete, rufte, fahret u. a. vor; besonders häufig waren sie im Oberdeutschen. Die alte Unterscheidung zwischen Sg. und Plural im Präteritun der starken Verben , z. B. steig-stiegen, schrei-schrien, ist bei Luther noch allgemein. Albertus behandelt den Unterschied zwischen Haupt- und Gliedsatzstellung des Verbs bezüglich des Hilfsverbs haben. Schottelius stellt die Regel auf, dass die Trennung der Verbalpräfixe nach wenn, als, dass, so unterbleibt.

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