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10.Vokalismus der Nebensilben: Bewahrung, Abschwächung, Schwund (Apokope, Synkope)

Die vergleichende Gegenüberstellung einiger ahd. und mhd. Wörter zeigt eine auffällige Veränderung der Vokale in unbetonten bzw. in schwach betonten Silben. Während im Ahd. noch sämtliche langen und kurzen einfachen Vokale sowie der Diphthong iu in Nebensilben vorkommen, werden diese Vokale beim Übergang zum Mhd. zu einem reduzierten e abgescgwächt. Im einzelnen lassen sich drei Entwicklung von Nebensilbenvokallen beim Übergang vom Ahd. zum Mhd. und in mhd. Zeit selbst feststellen: Bewahrung, Abschwächung und Schwund. Bewahrung. Volle Vokale bleiben erhalten, wenn sie einen stärkeren Nebenton tragen. Das ist meist dann der Fall, wenn der Bedeutungsgehalt dieser Silben nicht verblaßt ist. Das gilt z.B. für bestimmte Ableitungssilben, die im Mhd. noch produktiv sind: -unge, -nisse, -aere, - inne, -in, -lin, -lich. Abschwächung. Die Abschwächung der Vokalphoneme ist durch die unbetonte Stellung im Wort begingt. Sie nimmt folgende Formen an: Kürzung der Vokaldauer, Übergang der Vokalphoneme a, o, u, e, i in das Murmel-e, Schwund des Vokalphonems in der Wortmitte (Synkope) oder im Wortauslaut (Apokope).Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Abschwächung der Vokalphoneme und dem Charakter der Wortbetonung. Besonders stark hat sich die Abschwächung der unbetonten Vokale in den Flexionsilben (die Deklination und die Konjugation), in einigen Suffixen (ahd. –il = mhd. –el) und in einigen Präfixen (ahd. ga-, gi- = mhd. ge-) durchgesetzt. Schwund. Volle Vokale konnten in mehrsilbigen Wörtern völlig verschwinden. Nach der Stellung des Vokales im Wort unterscheidet man die Apokope, d.h. den Abfall des unbetonten Vokals im Wortauslaut (ahd. spile = mhd. spil). Und die Synkope, d.h. den Ausfall des unbetonten Vokals im Wortinner (ahd. giloubo = mhd. gloube).

11.Kurzvokale im Mhd. E–Laute. Ablaut: qualitativer und quantitativer.

Die mhd. Kurzvokale müssen beim Lesen zunächts besonders beachtet werden; denn in sehr vielen Fällen zeigt das Nhd. an ihrer Stelle lange Vokale. e-Laute. Während für das Nhd. allgemein die Regel gilt, dass kurze Vokale offen sind, kann im Mhd. in betonter Silbe sowohl kurzer geschlossener als auch kurzer offener e-Laut vorkommen. Für die Aussprache ist die Herkunft des Lautes von Bedeutung. Geht das mhd. e auf ein germ. e zuräck, so ist es als kurzer offener Laut zu artikulieren; es wird in den historischen Grammatiken häufig durch Trema `` gekennzeichnet. Kurzer geschlossener e-Laut ist aus ahd. a durch sogennante Primärumlaut entstanden und wird durch einen daruntergesetzten Punkt bezeichnet.

Ablaut. Unter Ablaut versteht man den regelmäßigen Wechsel von Vokalen in etymologisch verwandten Wörtern oder Wortelementen. Er beruht auf den Betonungsverhältnissen im Indoeuropäisch. Musikalischer Akzent, d.h. unterschiedliche Tonhöhe, führte zur Herausbildung unterschiedlicher Vokalqualitäten. Als Ergebnis dieses qualitativen Ablauts, auch Abtönung gennant, stehen im Mhd. bei verwandten Wörtern oder in Formen des gleichen Wortes nebeneinander. Diesen Formen des Vokalwechsels liegt in jedem Falle ein ide. e/o-Wechsel zugrunde; das ist im Mhd. infolge der eingetretenen lautischen Veränderungen nicht mehr zu erkennen. Quantitativer Ablaut, sogennante Abstufung, wurde durch unterschiedlichen dynamischen Akzent hervorgerufen und liegt den folgenden Formen des Vokalwechsels im Mhd. zugrunde.

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