2.2 Konzepte der Forschung
Die Sprache und Gesellschaft stehen in einer engen Verbindung. So wird die soziale Seite des Geschlechtes durch Kommunikationshandlung realisiert und hergestellt. Die Darstellung von Frauen und Männern widerspiegelt sich in ihrem Verhalten. Durch diese Realisation entsteht soziales Geschlecht (vgl. Kuße 2008/ Gottsburgen 2000). „Sprache ist eine Form sozialen Verhalten«, bestätigt W. Labov (1972: 123).
Neben der Entwicklung der Soziolinguistik als selbständige Sprachforschung ist mit den feministischen Strömungen eine neue Forschung entstanden: Frauenforschung oder Feministische Linguistik. Solche Sprachwissenschaftlerinnen wie J. Butler, S. Trömel–Plötz, R. Lakoff, D. Cameron, D. Tannen haben einen großen Beitrag in der Linguistik geleistet.
Warum eigentlich Frauenforschung? M. Pohl (1996: 82) gibt eine Erklärung dazu: „Die Forschung zum Problemkreis „Frau und Sprache“ geht davon aus, dass es nicht nur signifikante Unterschiede zwischen „Frauensprache“ und „Männersprache“ gibt, sondern das sich in diesen Unterschieden Diskriminierung und Benachteiligung der Frauen zeigt“.
In diesem Studium kann man zwei Aspekte aussondern:
Der sprachliche: Sprache als System
Der kommunikative: Sprachverhalten.
Die Untersuchungen des kommunikativen Aspektes beziehen sich auf den Unterschieden bei den Sprechhandlungen von Männern und Frauen. Erstens, bestimmt M. Pohl verschiedene Sozialisation von beiden Geschlechtern. Zweitens, „erwachsen geschlechtstypische Interaktionsstrategien direkt aus der Situation, die Frauen einen geringeren Handlungsspielraum zur Verfügung stellt als Männern“ (Pohl 1996: 82-83). So werden die Frauen in Gesprächen auf vielfältige Weise diskriminiert.
Ein anderer wichtiger Ansatz der gesellschaftlichen Betrachtung der Sprache ist zu beachten – Konzept des „Doing gender“, der von C. West und H. Zimmerman gegründet wurde. Sie betrachten das Geschlecht nicht als gegebene biologische Gegebenheit, sondern als Ergebnis des sozialen Verhaltens, indem die Kategorien „Mann“ und „Frau“ ungleichartig sind. Also wird es die geschlechtsstereotypische Handlung kritisiert, wenn die in solchem Kontext wie z.B. „Ach, doch alle Frauen sind so“ oder „Er ist ein Mann, was willst du von ihm?“ vertretbar sind (vgl. Gildemeister 2004/Gottburgsen 2000). In Rahmen des Ansatzes wird das Thema der Transsexualität betrachtet, R. Gildemeister erläutert es als:
Das Konzept des „doing gender“ wurde dagegen vor dem Hintergrund von soziologischen Analysen zur Transsexualität entwickelt und besagt im Kern, dass Geschlechtszugehörigkeit und Geschlechtsidentität als fortlaufender Herstellungsprozess aufzufassen sind, der zusammen mit faktisch jeder menschlichen Aktivität vollzogen wird und in den unterschiedliche institutionelle Ressourcen eingehen (Gildemeister 2004: 137).
Die kommunikativen Rollen von Frauen und Männern werden in einer kommunikativen Situation zwischen Sender und Empfänger gewechselt. Denen entsprechend wird es eine kommunikative Kompetenz erfordert, bzw. vom Sender „die Fähigkeit, situationsangemessen und rezipientenorientiert sprachliche Äußerungen zu produzieren“, vom Empfänger „die Fähigkeit, kontextabhängig sprachliche Äußerungen zu rezipieren“ (Schwarz-Friesel, 2007, S. 23). Mit anderen Worten beschreibt E. Goffman (2005: 43) eine Interaktion als Austausch der Rollen zwischen Sprecher und Hörer, „um ein Aussage-Antwort-Format zu stützen, bei dem das anerkannte Recht des jeweils Sprechenden – das Rederecht – hin- und herwechselt“.
Das
oben geschriebene Kommunikationsmodel wurde von Stuart
Hall ??präsentiert,
und gilt als ein der Grundmodelle für Soziolinguistik:
Codierte Nachricht
Sender Übertragungskanal Empfänger
Codierte Nachricht
Störungen
Im Laufe der Kommunikation wird es deutlich, „welche soziale Identität die Sprecher haben, welche Absichten sie verfolgen und in welchen Formen sie dies tun“ (Knoblauch 1991:451).
W. Labov (1972) betrachtet das Sprachsystem als eine variable Struktur, die von sprachsysteminternen und ‐externen Faktoren determiniert wird. Das System der gesellschaftlichen Organisation im Gegensatz wird als eine statische betrachtet, infolgedessen sind soziale Faktoren konstant. „Der soziale Faktor „Geschlecht“ wird aufgrund äußerer, weil biologischer Merkmale konstruiert, der Faktor „Alter“ aufgrund eines linearen, […] der Faktor „soziale Schicht“ aufgrund messbarer Kriterien wie Berufsbildung, Einkommen etc.“ (Schlobinski, 2003: 52).
Die Untersuchungen auf der sprachlicher Ebene sind auch von Interesse einer anderen Bereich der Soziolinguistik: der kulturwissenschaftlichen Linguistik. Die sogenannten „Genderlekten“6 als sprachliche Einheiten, werden nach folgenden Kriterien untersucht:
• Konventionen weiblichen und männlichen Sprechens (besondere Formen der Intonation, Syntax, Lexik)
• Konventionen weiblichen und männlichen kommunikativen Handelns und Verhaltens (z.B. beziehungs- oder sachorientiertes Kommunizieren)
• In humboldtianischer Manier: weibliche und männliche „sprachliche Weltbilder“ und „diskriminierende Sprachformen“ (z.B. das generische Maskulinumals Ausdruck und Festigung des Ausschlusses von Frauen aus der Gestaltung von Gesellschaft) (Kuße 2008: 103).
„Du kannst mich einfach nicht verstehen“ oder Theorie der verschiedenen Welten
