- •Die germanische Sprachfamilie
- •Indogermanische Sprachen um 500 V. Chr.
- •Übersicht: Indoeuropäische Sprachen in Europa Die erste oder die germanische Lautverschiebung
- •Übersicht: Germanische Lautverschiebung
- •Die germanische Akzentverschiebung
- •Der Zerfall des Germanischen
- •Die zweite oder hochdeutsche Lautverschiebung
- •Karte: Die hochdeutsche Lautverschiebung bis zur Benrather Linie Stimmlose Okklusive im 'Anlaut'; in der 'Geminatie' (Verdoppelung); nach einem Konsonanten:
- •Stimmlose Okklusive nach einem Vokal:
- •Ingwäonismen
Indogermanische Sprachen um 500 V. Chr.
Da die Indoeuropäer den Kontakt untereinander verloren und durch den Einfluss der Substratsprachen der einheimischen Bevölkerung, entwickelten sich ab 1000 v. Chr. aus dem Indoeuropäischen unterschiedliche Sprachen. Das Germanische bildet einen Zweig in der Geschichte der sogenannten indoeuropäischen Sprachfamilie. Folgende Übersicht zeigt die verschiedenen Zweige.
Nur eine Handvoll Sprachen in Europa gehören nicht der indoeuropäischen Sprachfamilie an: Finnisch, Lapländisch, Estnisch und Ungarisch bilden eine eigene Gruppe - die finno-ugrische Sprachfamilie. Das Baskische ist eine isolierte Sprache, von der kein einziger Verwandter entdeckt ist.
Übersicht: Indoeuropäische Sprachen in Europa Die erste oder die germanische Lautverschiebung
Zwischen 2000-1000 v. Chr. besiedelte eine Gruppe Indoeuropäer Norddeutschland, Dänemark und Südschweden und vermischte sich mit der dort ansässigen einheimischen Bevölkerung. Durch die veränderte Aussprache kam es zu Veränderungen im ursprünglichen Lautsystem. Zwischen 1000-500 v. Chr. soll so das Germanische entstanden sein. Es ist allerdings kein überliefertes Material vorhanden, historische Sprachwissenschaftler konnten jedoch einige Formen der gemeinsamen Muttersprache der germanischen Sprachen, dem Protogermanischenrekonstruieren.
Lautgesetze zeigen regelmäßige Lautveränderungen, bei denen jedoch einige Ausnahmen bestehen.
Das Germanische unterscheidet sich in einigen Punkten systematisch von den anderen indoeuropäischen Sprachen. Der wichtigste Unterschied betrifft systematische Lautveränderungen, die unter dem Begriff germanische Lautverschiebung zusammengefasst werden. Diese Entwicklung zog sich über Jahrhunderte hinweg und war wahrscheinlich um das 2. Jh. vor Chr. abgeschlossen. Die germanische Lautverschiebung ist auch unter dem Begriff 'Grimmsches Gesetz' bekannt, da der deutsche Sprachwissenschaftler Jakob Grimm (1785-1863) diese 1822 beschrieb. Die Lautverschiebung beinhaltet, dass eine Handvoll indoeuropäischer Konsonanten systematisch anders ausgesprochen wurde. Untenstehende Übersicht fasst die Veränderungen zusammen:
Übersicht: Germanische Lautverschiebung
1875 gelang es dem Dänen Karl Verner eine Ausnahme dieser Gesetzmäßigkeiten in einer Regel zu formulieren, die später 'Verner Gesetz' genannt wurde. Er stellte fest, dass die stimmlosen Frikative, die durch die germanische Lautverschiebung entstanden waren, unter bestimmten Betonungsverhältnissen (wenn der Hauptakzent nicht auf die unmittelbar vorhergehenden Silbe fällt) stimmhaft wurden. D.h.
f >
, Þ >
en X >
Das betrifft auch den schon bestehenden stimmlosen Frikativ [s], der dann stimmhaft - [z] - wird.
Die germanische Akzentverschiebung
Das Indoeuropäische kannte eine musikalische Betonung mit Unterschieden in der Tonhöhe (wie auch das Chinesische). Der Hauptakzent kann auf unterschiedlichen Silben eines Wortes liegen. Im Germanischen lag der Akzent fest auf der erstenSilbe. Dieser dynamische Akzent basierte auf der Intensität: Die Anfangssilbe klingt lauter als die anderen.
Nach der germanischen Lautverschiebung gab es noch weitere wichtige Entwicklungen, wodurch sich das Germanische von den anderen indoeuropäischen Sprachen wegentwickelte. Ab ca. 500 v. Chr. veränderten sich die Betonungsverhältnisse: Die sog. germanische Akzentverschiebung hatte einschneidende Folgen für die weitere Entwicklung der germanischen Sprachen. Die Anfangssilbe von Wörtern wurde systematisch betont, die Endsilbe hingegen nicht. Dadurch verstumpften die vollen Vokale am Wortende zu Schwas . Die Endungen der Wörter wurde reduziert, obwohl genau sie morphologische Informationen beinhalteten (Kasus, Numerus, Person...). Das führte zu einer Vereinfachung der Paradigmen, ein Prozess der Deflexion heißt.
