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IlFrnk / Немецкий / Ilya_Frank_Nemetskiy_yazyik_s_E_M_Remarkom_T

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81 herausgekommen zu sein. Es war ihm gleich, dass das schon eine Anzahl Jahre her war. Er erklärte, man könne es gar nicht genug feiern. Er war einer der Menschen, die ein unheimliches Gedächtnis für den Krieg haben. Wir andern hatten vieles vergessen; er aber erinnerte sich an jeden Tag und jede Stunde.

4Ich sah, dass er schon viel getrunken hatte: Er saß ganz versunken und abwesend in seiner Ecke. Ich hob die Hand. »Salü, Valentin!«

5Er blickte auf und nickte. »Salü, Robby!«

6Wir setzten uns in eine Ecke. Der Mixer kam. »Was möchten Sie trinken?« fragte ich das Mädchen.

7»Vielleicht einen Martini«, erwiderte sie. »Einen trockenen Martini.«

8»Darin ist Fred Spezialist.«

9Fred erlaubte sich ein Lächeln. »Mir wie immer«, sagte ich. Die Bar war kühl und halbdunkel. Sie roch nach vergossenem Gin und Kognak. Es war ein würziger Geruch, wie nach Wacholder und Brot. Von der Decke hing das holzgeschnitzte Modell eines Segelschiffs herab. Die Wand hinter der Theke war mit Kupfer beschlagen. Das gedämpfte Licht eines Leuchters warf rote Reflexe hinein, als spiegele sich dort ein unterirdisches Feuer. Von den kleinen, schmiedeeisernen Wandarmen brannten nur zwei – einer bei Valentin und einer bei uns. Sie hatten gelbe Pergamentschirme, die aus alten Landkarten gemacht waren, und sahen aus wie schmale, erleuchtete Ausschnitte der Welt.

10Ich war etwas verlegen und wusste nicht recht, wie ich ein Gespräch anfangen sollte. Ich kannte das Mädchen ja überhaupt nicht, und je länger ich es ansah, um so fremder erschien es mir. Es war lange her, dass ich mit jemand so zusammen gewesen war; ich hatte keine Übung mehr darin. Ich hatte mehr Übung im Umgang mit Männern. Vorhin, im Café, war es mir zu laut gewesen – jetzt, hier, war es plötzlich zu ruhig. Jedes Wort bekam durch die Stille des Raumes so viel Gewicht, dass es schwer war, unbefangen zu reden. Fast wünschte ich mich schon wieder ins Café zurück.

11Fred brachte die Gläser. Wir tranken. Der Rum war stark und frisch. Er schmeckte nach Sonne. Er war etwas, woran man sich halten konnte. Ich trank und gab das Glas Fred gleich wieder mit.

12»Gefällt es Ihnen hier?« fragte ich.

13Das Mädchen nickte.

14»Besser als in der Konditorei drüben?«

15»Ich hasse Konditoreien«, sagte sie.

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16»Weshalb haben wir uns dann gerade da getroffen?« fragte ich verblüfft.

17»Ich weiß nicht.« Sie nahm ihre Kappe ab. »Mir fiel nichts anderes ein.«

18»Um so besser, dass es Ihnen dann hier gefällt. Wir sind oft hier. Abends ist diese Bude für uns schon fast so eine Art Zuhause.«

19Sie lachte. »Ist das nicht eigentlich traurig?«

20»Nein«, sagte ich, »zeitgemäß.«

21Fred brachte mir das zweite Glas. Er legte eine grüne Havanna dazu auf den Tisch. »Von Herrn Hauser.«

22Valentin winkte aus seiner Ecke herüber und hob sein Glas.

23»31. Juli 17, Robby«, sagte er mit schwerer Stimme.

24Ich nickte ihm zu und hob ebenfalls mein Glas.

25Er musste immer jemand zutrinken; ich hatte ihn abends schon getroffen, wie er dem Mond oder einem Fliederbusch in einer Bauernkneipe zutrank. Dann erinnerte er sich an irgendeinen Tag aus den Schützengräben, wo es besonders schwer zugegangen war, und war dankbar dafür, dass er noch da war und so sitzen konnte.

26»Er ist mein Freund«, sagte ich zu dem Mädchen. »Ein Kamerad aus dem Kriege. Er ist der einzige Mensch, den ich kenne, der aus einem großen Unglück ein kleines Glück gemacht hat. Er weiß nicht mehr, was er mit seinem Leben anfangen soll – deshalb freut er sich einfach, dass er noch lebt.«

27Sie sah mich nachdenklich an. Ein Streifen licht fiel schräg über ihre Stirn und ihren Mund. »Das kann ich gut verstehen«, sagte sie.

28Ich blickte auf. »Das sollten Sie aber nicht. Dafür sind Sie viel zu jung.«

29Sie lächelte. Es war ein leichtes, schwebendes Lächeln, das nur in den Augen war. Das Gesicht veränderte sich kaum dabei; es wurde nur heller, von innen heraus heller. »Zu jung«, sagte sie, »das ist so ein Wort. Ich finde, zu jung ist man nie. Nur immer zu alt.«

30Ich schwieg einen Augenblick. »Dagegen ließe sich eine Menge sagen«, erwiderte ich dann und machte Fred ein Zeichen, mir noch etwas zu trinken zu bringen. Das Mädchen war so sicher und selbstverständlich; ich fühlte mich wie ein Holzblock dagegen. Ich hätte gern ein leichtes, spielerisches Gespräch geführt, so ein richtiges Gespräch, wie es einem gewöhnlich hinterher einfällt, wenn man wieder allein ist. Lenz konnte das; bei mir aber wurde es immer gleich ungeschickt und schwer. Gottfried behauptete nicht mit Unrecht von mir, als Unterhalter stände ich ungefähr auf der Stufe eines Postsekretärs.

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31Zum Glück war Fred vernünftig. Er brachte mir statt der kleinen Fingerhüte jetzt gleich ein anständiges Weinglas voll heran. So brauchte er nicht immer hin und her zu laufen, und es fiel auch nicht so auf, wie viel ich trank. Ich musste trinken; anders konnte ich diese stockige Schwere nicht loswerden.

32»Wollen Sie nicht noch einen Martini nehmen?« fragte ich das Mädchen.

33»Was trinken Sie denn da?«

34»Das hier ist Rum.«

35Sie betrachtete mein Glas. »Das haben Sie neulich auch schon getrunken.«

36»Ja«, sagte ich, »das trinke ich meistens.«

37Sie schüttelte den Kopf. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass das schmeckt.«

38»Ob es schmeckt, weiß ich schon gar nicht mehr.«

39Sie sah mich an. »Weshalb trinken Sie es denn?«

40»Rum«, sagte ich, froh, etwas gefunden zu haben, über das ich reden konnte. »Rum hat mit Schmecken nicht viel zu tun. Er ist nicht so einfach ein Getränk – er ist schon mehr ein Freund. Ein Freund, der alles leichter macht. Er verändert die Welt. Und deshalb trinkt man ja« – Ich schob das Glas beiseite. »Aber soll ich Ihnen nicht noch einen Martini bestellen?«

41»Lieber einen Rum«, sagte sie. »Ich möchte ihn auch mal versuchen.«

42»Gut«, erwiderte ich, »aber nicht diesen. Der ist für den Anfang zu schwer. Bring einen Baccardi-Cocktail«, rief ich zu Fred hinüber.

43Fred brachte die Gläser. Er setzte auch eine Schale mit Salzmandeln und schwarzgebrannten Kaffeebohnen dazu. »Lass meine Flasche nur gleich hier stehen«, sagte ich.

1 Langsam bekam alles Griff und Glanz (постепенно все становилось осязаемым и

ясным, светлым: der Griff – хватка; greifen – хватать; der Glanz – блеск; glänzen –

блестеть, блистать). Die Unsicherheit schwand (неуверенность исчезла: schwinden – уменьшаться, убывать; исчезать), die Worte kamen von selber, und ich achtete nicht mehr so darauf (уже не следил внимательно за тем), was ich sagte. Ich trank weiter und spürte, wie die große, weiche Welle herankam (надвигалась мягкая волна) und mich erfasste (охватывала, захватывала), wie sich die leere

Stunde der Dämmerung (пустой час сумерек) mit Bildern füllte (наполнялся образами) und geisterhaft über den gleichgültigen (над равнодушными, безразличными), grauen Bezirken des Daseins (серыми «областями», сферами бытия: der Bezirk – область,

округ, район /города/) der lautlose Zug der Träume wiederauftauchte (снова

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возникала беззвучная вереница снов, мечтаний: der Traum). Die Wände der Bar weiteten sich (расступились: «расширились»), und plötzlich war es nicht mehr die Bar

– es war eine Ecke der Welt, ein Winkel der Zuflucht (уголок прибежища, пристанища: der Winkel – угол; flüchten – спасaться бегством), ein halbdunkler Unterstand

(убежище, блиндаж), um den ringsumher (вокруг которого) die ewige Schlacht des Chaos brauste (бушевала вечная битва хаоса) und in dem wir geborgen hockten (сидели в безопасности; bergen – прятать, укрывать /в безопасном месте/;

спасать), rätselhaft (загадочно; das Rätsel – загадка) zueinandergeweht («принесенные друг к другу ветром»; wehen – дуть /о ветре/, веять) durch das

Zwielicht der Zeit (сквозь сумерки времени). Das Mädchen saß zusammengekauert (съежившись; kauern – сидеть на корточках, сидеть скорчившись) in seinem Stuhl, fremd und geheimnisvoll (таинственная; das Geheimnis – тайна; heimlich –

тайный), als wäre es hierher verschlagen (словно ее забросило, занесло сюда) von der anderen Seite des Lebens. Ich hörte mich sprechen, aber es war, als wäre ich es nicht mehr, als spräche jetzt ein anderer, einer, der ich hätte sein mögen (которым я хотел бы быть). Die Worte stimmten nicht mehr (слова больше не подходили, не годились: «не соответствовали»), sie verschoben sich (сдвигались, смещались: verschieben – сдвигать, передвигать), sie drängten hinüber in andere, buntere Gebiete (теснились /стремясь проникнуть/ в другие, более пестрые области: das Gebiet), als sie die kleinen Ereignisse meines Lebens geben konnten (/так/ что уже не

могли передавать маленькие события моей жизни: das Ereignis; sich ereignen –

происходить) – ich wusste, dass sie schon nicht mehr Wahrheit waren (уже не были правдой), dass sie zu Phantasie und Lüge wurden (стали ложью), aber es war mir gleich –, die Wahrheit war trostlos (безнадежная; der Trost – утешение; trösten – утешать) und fahl (блеклая), und nur das Gefühl (чувство; fühlen – чувствовать) und der Abglanz (отблеск) der Träume waren Leben –

2 In der kupfernen Wanne der Bar glühte das Licht (на медной обивке бара пылал свет; die Wanne – ванна). Ab und zu (время от времени) hob Valentin sein Glas und murmelte ein Datum vor sich hin (бормотал себе под нос какое-либо число).

Draußen spülte sich gedämpft die Straße mit den Raubvogelrufen der Autos vorbei (снаружи доносился приглушенный плеск улицы: «мимо плескалась улица» с

сигналами автомобилей, звучавшими, как голоса хищных птиц: spülen –

полоскать, промывать; биться, набегать, накатывать, захлестывать /о

волнах/; der Raubvogel – хищная птица; der Raub – грабеж; добыча; rauben –

похищать, грабить; der Ruf – возглас, крик). Sie schrie herein (кричала внутрь

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/бара/: schreien), wenn jemand die Tür öffnete. Sie schrie wie ein keifendes, neidisches, altes Weib (как сварливая, завистливая старуха; keifen – браниться; /визгливо/

кричать; der Neid – зависть).

1Langsam bekam alles Griff und Glanz. Die Unsicherheit schwand, die Worte kamen von selber, und ich achtete nicht mehr so darauf, was ich sagte. Ich trank weiter und spürte, wie die große, weiche Welle herankam und mich erfasste, wie sich die leere Stunde der Dämmerung mit Bildern füllte und geisterhaft über den gleichgültigen, grauen Bezirken des Daseins der lautlose Zug der Träume wiederauftauchte. Die Wände der Bar weiteten sich, und plötzlich war es nicht mehr die Bar – es war eine Ecke der Welt, ein Winkel der Zuflucht, ein halbdunkler Unterstand, um den ringsumher die ewige Schlacht des Chaos brauste und in dem wir geborgen hockten, rätselhaft zueinandergeweht durch das Zwielicht der Zeit. Das Mädchen saß zusammengekauert in seinem Stuhl, fremd und geheimnisvoll, als wäre es hierher verschlagen von der anderen Seite des Lebens. Ich hörte mich sprechen, aber es war, als wäre ich es nicht mehr, als spräche jetzt ein anderer, einer, der ich hätte sein mögen. Die Worte stimmten nicht mehr, sie verschoben sich, sie drängten hinüber in andere, buntere Gebiete, als sie die kleinen Ereignisse meines Lebens geben konnten – ich wusste, dass sie schon nicht mehr Wahrheit waren, dass sie zu Phantasie und Lüge wurden, aber es war mir gleich –, die Wahrheit war trostlos und fahl, und nur das Gefühl und der Abglanz der Träume waren Leben –

2In der kupfernen Wanne der Bar glühte das Licht. Ab und zu hob Valentin sein Glas und murmelte ein Datum vor sich hin. Draußen spülte sich gedämpft die Straße mit den Raubvogelrufen der Autos vorbei. Sie schrie herein, wenn jemand die Tür öffnete. Sie schrie wie ein keifendes, neidisches, altes Weib.

1 Es war schon dunkel, als ich Patrice Hollmann nach Hause brachte. Langsam ging ich zurück. Ich fühlte mich plötzlich allein und leer. Ein feiner Regen sprühte hernieder (мелкий, тонкий дождик моросил «вниз»: sprühen – брызгать, разбрызгивать,

распылять; моросить). Ich blieb vor einem Schaufenster stehen (остановился

перед витриной). Ich hatte zu viel getrunken, das merkte ich jetzt. Nicht, dass ich schwankte (не то чтобы я качался) – aber ich merkte es doch deutlich (отчетливо,

явственно).

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2Mir wurde mit einem Schlage (сразу: «одним ударом»: der Schlag) mächtig heiß (очень жарко; die Macht – сила, мощь). Ich knöpfte den Mantel auf (расстегнул: aufknöpfen; der Knopf – пуговица) und schob den Hut zurück. Verdammt (проклятье), es hatte mich wieder einmal überrumpelt (опять на меня нашло; überrumpeln –

захватить врасплох, напасть врасплох)! Was mochte ich da vorhin nur alles zusammengeredet haben (и что я там только наболтал всего: «мог наговорить»: mögen – мочь /быть возможным/)? Ich wagte gar nicht (даже: «вовсе» не решался), genau darüber nachzudenken. Ich wusste es nicht einmal mehr (даже не помнил), das war das schlimmste. Hier allein, auf der kalten, autobusdröhnenden Straße (на

сотрясаемой автобусами улице; dröhnen – грохотать, гудеть, греметь) sah das alles ganz anders aus als im Halbdunkel der Bar. Ich verfluchte mich selber (проклинал). Einen schönen Eindruck musste das Mädchen von mir bekommen haben!

Sie hatte es sicher gemerkt. Sie hatte ja selbst fast nichts getrunken. Beim Abschied hatte sie mich auch so sonderbar angesehen –

3Herrgott! Ich drehte mich um. Dabei stieß ich mit einem dicken kleinen Mann zusammen (столкнулся: zusammenstoßen). »Na«, sagte ich wütend (яростно; die Wut

– ярость).

4»Sperren Sie doch Ihre Augen auf (разуйте глаза; aufsperren – отпирать;

отворять /настежь/; die Augen aufsperren – вытаращить глаза), Sie bockender (наглый; bocken – упрямиться, артачиться; der Bock – козел) Strohwisch (пучок

соломы, соломенный жгут /которым протирают, чистят что-либо/; das Stroh –

солома; wischen – вытирать, протирать)!« bellte der Dicke (пролаял толстяк).

5Ich starrte ihn an (уставился на него; starr – неподвижный, застывший).

6»Wohl (видимо, пожалуй) noch nicht oft Menschen gesehen, was?« kläffte er weiter (продолжал тявкать).

7Er kam mir gerade recht (вовремя, кстати подвернулся). »Menschen wohl«, sagte ich, »aber noch keine Bierfässer (пивные бочки: das Bier + das Fass), die spazieren gehen.«

8Der Dicke besann sich keine Sekunde (не задумался ни на секунду: sich besinnen

– раздумывать, размышлять; вспомнить). Er stoppte und schwoll (он остановился и стал надуваться, раздуваться: schwellen). »Wissen Sie was?« fauchte er

(фыркнул). »Gehen Sie in den Zoo! Träumerische Känguruhs haben auf der Straße nichts zu suchen (задумчивым кенгуру нечего делать на улице; das Känguruh)

9Ich merkte, dass ich einen Schimpfer hoher Klasse vor mir hatte (ругателя высокого

класса; schimpfen – ругаться, браниться). Es galt (нужно было; gelten – быть

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действительным, иметь силу), trotz aller Depression, die Ehre zu wahren (соблюсти достоинство: «честь»).

10»Wandere weiter, geisteskrankes Siebenmonatskind (душевнобольной недоносок)«, sagte ich und hob segnend die Hand (благославляя, благославляющим

жестом).

11Er beachtete meine Aufforderung nicht (не принял во внимание мой призыв; auffordern zu etwas – побуждать к чему-либо; fordern – требовать). »Lass dir

Beton ins Gehirn spritzen (попроси, чтобы тебе в мозги бетон впрыснули), runzliger Hundsaffe (морщинистая собачья обезьяна = мерзкая обезьяна; der Affe –

обезьяна; die Runzel – морщина)!« bellte er.

12Ich gab ihm einen dekadenten Plattfuß zurück (обозвал в ответ плоскостопным выродком). Er mir einen Kakadu in der Mauser (в линьке; mausern – линять /о

птицах/); ich ihm einen arbeitslosen Leichenwäscher (мойщиком трупов: die Leiche).

Darauf (на это) bezeichnete er mich (назвал), schon mit Respekt (с уважением: der

Respekt), als krebskranken Kuhkopf (коровьей головой, разъедаемой раком; der Krebs – рак /зоол.; мед./); ich ihn, um ein Ende zu machen, als wandelnden Beefsteakfriedhof (бродячим кладбищем бифштексов: der Friedhof). Sein Gesicht verklärte sich plötzlich (вдруг прояснилось). »Beefsteakfriedhof ist gut!« sagte er. »Kannte ich noch nicht. Kommt in mein Repertoire! Alsdann (пока) –« Er lüftete den Hut (приподнял шляпу), und wir trennten uns voll Achtung (исполненные уважения) voneinander.

13Das Schimpfen hatte mich erfrischt. Aber der Ärger (раздражение) war geblieben. Er wurde sogar immer stärker, je nüchterner (чем трезвей) ich wurde. Ich kam mir vor wie ein ausgewrungenes nasses Handtuch (казался себе выкрученным мокрым полотенцем; wringen – выжимать, отжимать, выкручивать белье).

14Aber allmählich (постепенно) ärgerte ich mich nicht nur über mich – ich ärgerte mich über alles –, auch über das Mädchen. Sie war ja der Anlass gewesen (поводом), dass ich mich betrunken hatte. Ich schlug den Kragen hoch (поднял воротник: den

Kragen hochschlagen). Sollte sie meinetwegen denken (ладно, пусть думает; meinetwegen – ради меня; что по мне, то ладно; мне все равно), was sie wollte, mir war es jetzt egal – sie wusste so wenigstens gleich, woran sie war (c чем имеет

дело). Und meinetwegen sollte die ganze Sache zum Teufel gehen – was geschehen war (случилось: geschehen), war geschehen. Konnte man nichts mehr dran tun. War vielleicht sogar besser –

15Ich ging in die Bar zurück und betrank mich nun erst richtig.

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1Es war schon dunkel, als ich Patrice Hollmann nach Hause brachte. Langsam ging ich zurück. Ich fühlte mich plötzlich allein und leer. Ein feiner Regen sprühte hernieder. Ich blieb vor einem Schaufenster stehen. Ich hatte zu viel getrunken, das merkte ich jetzt. Nicht, dass ich schwankte – aber ich merkte es doch deutlich.

2Mir wurde mit einem Schlage mächtig heiß. Ich knöpfte den Mantel auf und schob den Hut zurück. Verdammt, es hatte mich wieder einmal überrumpelt! Was mochte ich da vorhin nur alles zusammengeredet haben? Ich wagte gar nicht, genau darüber nachzudenken. Ich wusste es nicht einmal mehr, das war das schlimmste. Hier allein, auf der kalten, autobusdröhnenden Straße sah das alles ganz anders aus als im Halbdunkel der Bar. Ich verfluchte mich selber. Einen schönen Eindruck musste das Mädchen von mir bekommen haben! Sie hatte es sicher gemerkt. Sie hatte ja selbst fast nichts getrunken. Beim Abschied hatte sie mich auch so sonderbar angesehen –

3Herrgott! Ich drehte mich um. Dabei stieß ich mit einem dicken kleinen Mann zusammen. »Na«, sagte ich wütend.

4»Sperren Sie doch Ihre Augen auf, Sie bockender Strohwisch!« bellte der Dicke.

5Ich starrte ihn an.

6»Wohl noch nicht oft Menschen gesehen, was?« kläffte er weiter.

7Er kam mir gerade recht. »Menschen wohl«, sagte ich, »aber noch keine Bierfässer, die spazieren gehen.«

8Der Dicke besann sich keine Sekunde. Er stoppte und schwoll. »Wissen Sie was?« fauchte er. »Gehen Sie in den Zoo! Träumerische Känguruhs haben auf der Straße nichts zu suchen.«

9Ich merkte, dass ich einen Schimpfer hoher Klasse vor mir hatte. Es galt, trotz aller Depression, die Ehre zu wahren.

10»Wandere weiter, geisteskrankes Siebenmonatskind«, sagte ich und hob segnend die Hand.

11Er beachtete meine Aufforderung nicht. »Lass dir Beton ins Gehirn spritzen, runzliger Hundsaffe!« bellte er.

12Ich gab ihm einen dekadenten Plattfuß zurück. Er mir einen Kakadu in der Mauser; ich ihm einen arbeitslosen Leichenwäscher. Darauf bezeichnete er mich, schon mit Respekt, als krebskranken Kuhkopf; ich ihn, um ein Ende zu machen, als wandelnden Beefsteakfriedhof. Sein Gesicht verklärte sich plötzlich.

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»Beefsteakfriedhof ist gut!« sagte er. »Kannte ich noch nicht. Kommt in mein Repertoire! Alsdann –« Er lüftete den Hut, und wir trennten uns voll Achtung voneinander.

13Das Schimpfen hatte mich erfrischt. Aber der Ärger war geblieben. Er wurde sogar immer stärker, je nüchterner ich wurde. Ich kam mir vor wie ein ausgewrungenes nasses Handtuch.

14Aber allmählich ärgerte ich mich nicht nur über mich – ich ärgerte mich über alles –, auch über das Mädchen. Sie war ja der Anlass gewesen, dass ich mich betrunken hatte. Ich schlug den Kragen hoch. Sollte sie meinetwegen denken, was sie wollte, mir war es jetzt egal – sie wusste so wenigstens gleich, woran sie war. Und meinetwegen sollte die ganze Sache zum Teufel gehen – was geschehen war, war geschehen. Konnte man nichts mehr dran tun. War vielleicht sogar besser –

15Ich ging in die Bar zurück und betrank mich nun erst richtig.

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1Das Wetter wurde warm und feucht (влажной), und es regnete einige Tage lang.

Dann klärte es sich auf (прояснилось), die Sonne fing an zu brüten (начало припекать: brüten – высиживать птенцов; нависать, давить /о жаре, духоте/), und als ich am Freitagmorgen in die Werkstatt kam, sah ich Mathilde Stoß auf dem Hof stehen, den Besen unter den Arm geklemmt (зажав метлу под мышкой), mit einem Gesicht wie ein gerührtes Nilpferd (растроганный бегемот).

2»Nu sehen Sie doch mal, Herr Lohkamp, die Pracht (великолепие, роскошь)! Is doch immer wieder ‘n Wunder.«

3Ich blieb überrascht stehen (изумленный; jemanden überraschen – поразить кого-

либо, сделать сюрприз). Der alte Pflaumenbaum (слива; die Pflaume – слива /плод/) neben der Benzinpumpe (возле заправочной колонки: das Benzin + die Pumpe -

насос) war über Nacht aufgeblüht (расцвела).

4Er hatte den ganzen Winter krumm und kahl (кривой и нагой) dagestanden, wir hatten alte Reifen (шины: der Reifen) darangehängt und Ölkanister (канистры с маслом; das Öl) zum Trocknen (для просушки; trocken – сухой) über die Äste gestülpt

(на ветки нахлобучивали: der Ast), er war nichts anderes gewesen als ein bequemer

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Ständer (вешалка) für alles, vom Putzlappen (от, начиная с тряпки /для протирки/: putzen – чистить + der Lappen – тряпка) bis zur Motorhaube (вплоть до капота: der Motor + die Haube – чепец) – noch vor ein paar Tagen hatten unsere gewaschenen blauen Leinenhosen (льняные подштанники; das Leinen – холст, /льняное/

полотно) daran herumgeflattert (на нем развевалось; flattern – развеваться; порхать), noch gestern hatte man ihm kaum etwas angemerkt (ничего нельзя было заметить) –, und nun auf einmal (вдруг), über Nacht, war er verwandelt (преображена: verwandeln – превращать) und verzaubert (околдована; der Zauber – колдовство) in eine schimmernde Wolke (в мерцающее облако) von Rosa und Weiß, eine Wolke von hellen Blüten (из светлых цветов: die Blüte – цветение; цвет), als hätte sich ein Schmetterlingsschwarm (словно рой, стайка бабочек: der Schmettrling + der Schwarm) auf unsern dreckigen Hof verflogen (заблудился, залетел по ошибке на

наш грязный двор; der Dreck – грязь; сор, мусор)

5»Und der Geruch (запах; riechen – пахнуть)«, sagte Mathilde schwärmerisch

(мечтательно; von etwas schwärmen – мечтать /о чем-то/) und verdrehte die Augen (закатила глаза; drehen – крутить, вращать), »wunderbar (чудесный) – genauso wie Ihr Rum –«

6Ich roch nichts (я не чувствовал никакого запаха: riechen – слышать запах). Aber ich verstand sofort (тут же). »Es riecht mehr nach dem Kundenkognak (коньяком для клиентов: der Kunde)«, behauptete ich (заявил).

7Sie wehrte energisch ab (возразила: abwehren – отражать; sich wehren –

защищаться). »Herr Lohkamp, Sie müssen erkältet sein (вы, должно быть, простужены). Vielleicht ha’m Sie auch Polypen in der Nase. Polypen hat heute fast jeder Mensch. Nee, die alte Stoß hat ‘ne Nase wie'n Windhund (как у борзой собаки), verlassen Sie sich drauf (положитесь на это), es ist Rum – alter Rum –«

8»Na schön (ну ладно), Mathilde –«

9Ich schenkte ihr ein Glas Rum ein (налил) und ging dann zur Benzinpumpe, Jupp saß schon da. Er hatte in einer verrosteten Konservenbüchse vor sich

заржавленной консервной банке перед ним; der Rost - ржавчина) eine Anzahl (некоторе количество) abgeschnittener Blütenzweige stehen (срезанных цветущих веток; abschneiden – срезать; der Zweig – ветка). »Was soll denn das heißen (что

это значит)?« fragte ich erstaunt (удивленно; staunen – удивляться).

10»Für die Damen«, erklärte Jupp. »Wenn sie tanken (заправляются), gibt's so einen Zweig gratis (бесплатно). Habe daraufhin (благодаря этому) schon neunzig

Liter mehr verkauft. Der Baum ist Gold wert (золотое: «имеет цену золота»: das Gold),

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